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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-10-25 · 43 (25.10.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
43 (25.10.1871)
Date
1871-10-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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848 fit da« Wohl der Stadt, «ad endlich beleuchtet« Profess,» der Theologie Dt. v. Hoffman» int Aufträge der Fortschritt«Partei die großartige» Leistungen de« verblichen« i» Gebiete der Politik. Ein« protestantische» Geistlichen am Grab« eine« Israeliten reden zn hören, ist wohl auch kein zu häufig vorkommender Fall. Nach diesen herrlichen Sieden setzte sich der Zug tu Bewegung, um die Leich« nach BayerSdorf zu« jüdischen Begräbnißplatz zu begleiten. 3ta Layerldorf ängekommen hielt der dortige Rabbtnm Kohn zum Schluffe noch eine Anrede, und dann wurde die Leiche der Erde übergeben. (Samt, nratftc »tachr.) K. Königsberg, 4. Octbr. (Orig.-Eorresp.) Für diejenigen Leser Ihre« geschätzten Blatte«, welche, übmzmgungSttm, die Besserung der bedaumnSwmthm Lage unserer polnisch »nisfischm Glaubensgenossen in der zeitgemäßen Blldung ihrer Jugend und in der nationalen Annäherung an da« herrschende Volk erblicken, dürste e« wohl von einigem Jntereffe sein zu erfahren, wie der Zettgeist fich auch unter den dortigen Juden trotz der vielen lokalen Hindernisse Bahn bricht und welchen günstigeil Einfluß diese Erscheinung auf ihre christliche Umgebung übt. Der folgende Eorrespondenz-Artikel der Petmiburgm Zeitung .Golo«' (die Stimm«) Nr. 250, bekanntlich ein Partei-Organ, dem man wahrlich nicht den Borwurf einer Hinneigung für Juden mach« kann, giebt über den überraschende« Umschwung in der Geistes« richtung der jüdischen Bevölkerung von Kowno einen in vieler Beziehung bemerkenswerthen Auffchluß, der bei aller tendenziösen, sogenannten altrusfischen Parteifärbung der Gerechttgkeit und Wahrheit nicht entbehrt. .Kowno, 1. September. ES giebt wohl kaum im rufstschm Reiche ein zwetteS Gymnasium, dessen Schüler, wie die de« htefigm, au« fo vielm verfchtedmm Nationalitäten zusammengesetzt sind. Fast der dritte Thetl der Gymnafiastm find Judm, ein gleiche« Berhältniß bilden die katholischen Litthauer und Polen, etwa ein viertel besteht au« rechtgläubigen Russen und der Rest au« Lutheranern, Mahomedanern, Karotten, auch sogar au« rusfischm Sektirern (Rnkolniki). Jedmfall« find die Juden im Schulbesuche am zahlreichsten vertretm, wa« übrigen« auch gar nicht auffallen darf, da fie zwei Drittel der Einwohner von Kowno <mehr al« 20,000) ausmachen, überdies dm Groß- und Kleinhandel, sowie alle Gewerbe, Handwerke und selbst die Sanität«» pflege in Händm haben, folglich auch da« größte Conttngmt für da« Gymnasium liefern. Die arme jüdische Jugend sieht in der Schule da« sicherste und am leichtesten erreichbare Mittel, sich dem Elmde und der Emiedrigung zu mtreißm. ffltnn ft: auch durch die Gymnasial-Zeugniss» noch lange nicht die Doktorwürde erreicht habm, so steht ihnen doch wentgstm« schon der W:g zur Stelle eine« Apothekergehülfen oder Buchhalter» in der Accise- Verwaltung offen. Bi« zum Jahre 1867 zählte da« Gymnasium in Kowno nur wenige jüdische Schüler. Ob der Grund de« damaligen geringen Schulbesuch« Seiten« der Judm darin zu finden ist, daß die Schulbehörde in jmer Zeit, um vorzugilweise da« russische Element zu heben, eine strmgrre Auswahl gerade unter dm jüdischen Schul-Aspirantm traf, oder ob die Judm sich bisher au« religiösen Borurtheilen und Beforgniffm zurückhitttm, währmd erst jetzt in ihnen der Sinn für europäische -Eivtlisatton erwacht ist, läßt fich nicht gut feststellen. Zur Ehre der jüdischm Gemeinde jedoch müssm wir sagm, daß fie ein warme« Jntereffe für die Bildung ihrer Jugend an dm Tag legt. Mt einer eifrtgm Theilnahme verfolgt fie die Fortschritte dmselben und gewährt dm Hülfrbedürstigm nach Möglichkett eine materielle Unterstützung. So erhaltm viele der ärmerm Schüler, abgesehm von dm Gtipmdim, welche die Krone auch üm jüdischm best« Schülern zuthetlt, von der Gemeinde Kleider, Bücher und auch Geldunterstützungm zur Zahlung de« mormm Schulgelde«, welche« 80 Rubel jährlich beträgt. Jedmfall« ist dm zahlreiche Schulbesuch der Judm ein höchst erfreuliche« Fcictum, nur muß man bedauern, daß die jüdischm Schüler, übrigen« in derselbm Weise wie die Gymnafiastm der andern Nationalitäten, noch nicht i« Stande find richttg russisch zu fprechm, ebenso wie fie ihrm Eigenheiten, Gewohuhettm und Reigungm nach wie vor anhängm. Im Stadtgartm und auf dm Boulevard« find oft, besonder« in dm Abmdstundm, jüdische Gymnafiastm anzutreffm, welche sich lebhaft in ihrem jüdischm Jargon unterhalten. Die Schuld dieser traurigm Erscheinung ist zwar hauptsächlich dm Lehrern dm rusfischm Sprache und Litmatur zuzuschreiben, sie fällt aber auch dmm dm klassischen Sprachm zur Last, dem» von vim dm Letztem ist nicht ein Einziger dm msstschm Sprache so wert mächtig, daß m im Stande tvärr, den Schülern in gefälligem, mustmgiltigrm Russisch einm Vortrag zu halten, am allerwenigsten abm fie für russische Gesinnung empfänglich zu machm. üeber» die« ist unfm Ort an dm ReichSqrmze gelegm, und zwar in der nächsten Nachbarschaft de« prmßisch-dmtschm Einflüsse«, dern sich die Judm überhaupt so leicht untmordnm und welchem die russische Intelligenz vermittelst der Gymnasien mtgegmwtrken müßte und könnte.' •b- Königsberg, 10. Octobn. (Orig.-Cortesp.) Dr. Gra^, Jude, ist zum Gtadtrath erwählt; außer ihm ist noch Gtadtrath Dr. Hirsch Jude. An« de« Riesengebirge, 16. Oct. Die Gründung eintr .Herberge für arme jüdische Kurgäste — ähnlich wie in Teplitz, Karlsbad und andmn Kurorten —wird, wie die ,N.-Ztg.' berichtet, nun mdlich auch für Warmbmnn mastlich in Angriff genommen Schon vor 27 Jahren wurde da« Bedürfniß hierzu annkannt, und deshalb ein Auftrf zu Sammlungm an sämmiliche jüdisch- Gemeindm Deutschland« mlaffm. Leid« könn e nm au« dem kleineren Theil dies« Sammlungm ein Baufond« von etwa 2700 Thlrn. gebildet wnden, weil dm größme zrir Unterstützung kranker, hilfsbedürftig« Kurgäste jüdischm Glaubens verwendet wmdm mußte. Da nun abm deren Zahl von Jahr zu Jahr sich mehrt, und ihre Untmbringung und Verpflegung bei dm jüdischen Familim Warmbrunn« nicht mehr möglich ist, wurde dieser Tage in einer zur Besprechung dies« Angelegenheit bmufenen Versammlung beschlossen, mit dem Bau eine« besordmm Hospital« vorzugehm, und die Ausführung diese« Beschlüsse« einem Somit« überttagen, bestehend au« dm Kaufleutm Fränkel, Schnell« und Wallfisch au« Warmbrunn; Rosmthal, Berger, Rabb. Dr. Joöl, Speditmr Sach« und Banquim H. Schlesinger au« Hirschberg; Siegmund Sach«, Eduard Gbldschmidt und Geh. SanitätSrath Dr. Grätzer au« BreSlau. Da« Schaj» meistm-Amt hat Hmr Schlesinger au« BreSlau übernommeri. Da« Somit« wird zuförderst abermalige Sammlungm bei dm jüdischm GlaubmSgenoffen Deutschlands veranstalten, und sobald die zum Bau erforderliche Summe gezeichnet ist, letztmen fofort und an geeigneter Stelle beginnen. Wir wollen hoffen, daß die Bemühungen de« Somit«'« vom besten Erfolge gekrönt wmden, damit da« Hospiz — wie beabsichtigt wird — schon im Jahre 1878 eröffnet werden kann. Oesterreich. 6. Ans Ungarn, 16. Oktober. (Orig.-Corresp.) Gestatten Sie mir, Ihnen einen Passu« au» einem Erlaß de« Vicegespar« zu Nmtta vom 14. September d. I. mitzutheilm. Diese« Akten» stück tllustrirt bessn al« alle »veitläufigm Auseinandersetzung,« die Zmfahrmheit und Berwommhett dm religtösm Zustände in unsmm Gemeinden. Da« Factum, welche« dm Erlaß verursacht hat, «giebt fich au« dm nachstehmdm Anführung von selbst: .In Anbetracht, daß die autonome orthodoxy Gemeind« in Fretstadtl von dm hohm Regierung al« eine selbstständige, von dm andmm unabhängige und mit vollkommm« Gleichberechtigur g an da» gemeinschaftlich« Gemeindmermögm anerkannt ist; die

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