Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 43 (25.10.1871)
- Date
- 1871-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935534--0937-5370596- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
342 Gott noch eia lange» Leben mit gleicher gesegneter Wirksamkeit erflehen. ' - Möge e» dem gleichatterigen Manne, der ebenfall» vor einigen Monate« sein fiebzigste» Lebensjahr vollendete, vergönnt fein, seir e Freud« darüber zu erkennen zu geben, daß e» ihm beschieden war, Sie in den verschiedenen Phasm Ihre» gesegneten Leben», in Teplitz, in Dresden und in BreSlau, stet» al» denselben edeln, für die göttliche Misst»» de» Judenthum» begeistetten und selbstlo» ür da» allgemeine Beste wirkenden Mann kennen zu lernen und zu verehren. Ich darf die» mit um so größerer Seelenfreudigkett aussprechen, al» ich ja durch ein glückliche» Zusammentreffen einer Derjenigen war, die dabei mitgewirkt, daß Sie nach BreSlau gekommen find. Möge da» jüdischtheologische Seminar noch recht lange seine» hochwürdigen Leiter» und wiss« nschastlichen Muster» sich erfreum! Ihr alter treuer Verehrer Zeseph Lehman». Berlin, 15. Octbr. (Orig.-Corresp.) Vor mehreren Tagen meldete >>ie .Germania': .Die Sttäfiinge jüdischer Religio« au» der ganzen Provinz Brandenburg werden nach einer Verfügung d«» Minister» de» Innern jetzt sämmtlich im Zuchthause zu Spandau detinitt und sind vor Kurzem au» den verschiedenen Strafanstalten dahin übergeführt worden. E» ist ein besonderer Rabbiner in der Person de» vr. Krüger von hier dort angestellt. Derselbe beziebt sich alle Freitag Abend und alle Festtage nach Spandau und predigt in einen dazu besonder» eingerichteten Raume d«m jüdischen Gefangenen.' Die .Jüd. Pr.' veröffentlicht den Wortlaut der Ministerial» Verfügung, die vom 11. Juli c. datirt ist. E» heißt in derselben: »Demgemäß bestimme ich unter Abänderung de» 8 108 de» Rawiczer Reglement» vom 4. November 1835, daß in der Straf» anstatt zu Spandau, außer den in 8 110 de» Reglement» refp. in den Circular-Refcripten vom 25. Juli 1859 und 6. Oktober'' 1869 erwähnten Festtagen von den daselbst dettnitten Juden fortan auch der Sabbath durch Gottesdienst und Aussetzung der Arbeit zu feiern ist, wogegen die Vereinigung der jüdischen Gefangenen an jedem Freitag Abend zur gottesdienstlichen Andacht nach ß 108 de» Reglements wezfällt. Wa» den in Folge der Vereinigung der jüdischen Sttäfiinge er erzählte, er sei mit Frankel vor einigen Jahren bei einer Spazierfahrt zusammengewesen, da habe er ihn gefragt, wann er denn d«n siebzigsten Geburtstag feiern würde. Siebzig Jahre, hätte ihm darauf Frankel erwidert, werde ich nur dann, wenn ich zu arb fiten aufhöre. Aus Grund dessen bestteite er den Charakter de» Feste», da Frankel noch rüstig schaffe. Von Rabbi Elieser ben Asarjah sagt der Talmud, er sei zu achtzehn Jahren so gereift gewesen wie ein Siebziger; Frankel bekomme da» schwerere Kunststück fettig, zu siebzig die Geistesfrische und Regsamkeit eine» Jüngling» sich zu erhalten; und er habe nicht nur sich jung erhalten, sondern auch die talmudische Wissenschaft verjüngt; ein» seiner erst,« Werke, sein .gerichtlicher Beweis', fei schon vor Jahrzehnten ein gerichtlicher Bewei» gewesen, daß die jüdische Wiffenschast, die todtgeglaubte, lebe; dem Jubilar, der nur siebzig Jahre alt wird, wenn er zu arbeiten aufhört, wünsch« er, daß er bi» zu hur dett Jahren nicht siebzig alt werde. Die Zage de» zugemessenen Raume» zwingt den Referenten, über die nun folgenden Toaste noch kürzer al» über die vorher? egangenen zu berichte». SanitätSrath vr. Hs dann brachte einen Toast au» auf die Frauen, auf die Reinheit und Innigkeit )e» jüdischen Familienleben». Di. Joöl sprach beweglich und feierlich von dem Glücke, mit einem solchen Meister zusammen in einer Stadt wirke« zu können; vr. Rahmer sagte, die neuere Libelkntik hätte erkannt, daß in den un» vorliegmdm yttophezemugm Zacharia» Prophezeiungen au» älterer au» de» Provinzen Brandenburg und Sachs« in Spandau erforderlichm Mehraufwand für de« jüdische« Cultu« der Anstalt bttrifft, so ermächtige ich die Königlich« Regierung, de« mit tafc jüdische» gottesdienstlich« Verrichtungen in der qu. Ettafaastalt bettaut« Geistlichen mtt Rücksicht auf dessm vermehtte Mühewaltung an Steve der bisherig« Remuneration von jährlich 50 Thlr. eine solch« von 80 Thlr. zahl« zu lassen. Di« Be» willigung de» Mehrbettage» erfolgt für jetzt und bi» dahin, daß derselbe durch dm Staatshaushalt»-Mat genehmigt fein wttd, mit Vorbehalt de» Widerruf». Die Königliche Regierung welle hiemach da» Wettere veranlass«." E» ist immerhin bemerkmSwetth, daß hier zum erst« Mal in einem offittell« Aftmstück Svn »jüdisch« Geistlich«' die Rede ist. Freilich ist dasselbe auch nicht von Herrn v. Wühler au»- gegangen. Herr vr. Krüger hat schon fett einig« Jahr« dm Sttäf» lingm in Spandau GotteSdimst abgehaltm. Er ist derselbe, der einst eine n«e Ausgabe de» >121 tPHQ unternommen hat. Vor ungefähr achtundzwanzig Jahr« ist ein Probeheft dieser Ausgabe herauSgekommm. (Anm. der Red.: Der Anstoß zu dieser ganz« Neuorganisation de» jüdisch« SttäflingSwesm» ist durch die Annexion von Hannover hemorgemfm Word«. Dott find die religiös« Verhältnisse von jeher berücksichttgt Word«, und au» Rücksicht auf die daselbst vorgefundmm Zustände hat die Regiemng Gutachten von Rabbinem eingeholt (vergl. Jahrg. 1870 der Wochmschttst S. 5, 61) und die Verhandlung« in dem vorliegend« Rescript zum Abschluß gebracht.) Erlange«, 1. Ottober. Heute (am 2. Tage de» Hütten» feste») fand da» Leichmbegängniß de» leider zu ftüh dahingeschieden« Professor vr. Herz statt. Mittag zwei Uhr ver» sammelt« sich sämmtliche Universitäts-Professor«, der Magistrat, da» Gemeinde-Collegium, die Deputittm sämmtlicher hiesiger Vereine und außerdem noch Tausmde, die dem Verstorbenen die letzte Ehre gab«. Der Rabbiner au» Fütth sprach in schwungvollen Worten über da» Leben de» vr. Herz. Hierauf sprach Prorector Professor vr. Zenker über die Leistung« de» Verstorbenen im medicinischen Fache; dann sprach der Vorstand de» Gemeinde-Collegium» über da» segensvolle Wirken de» vr. Herz und späterer Zeit zusammengefloffm seien; aber e» sei im Grunde ein Geist im alten und dem spätem; so habe auch unser Lehrer Zacharia» Kritik erfahr«, ob er zu d« Alt« oder Neuen gehöre; manches an ihm sei alt, seine talmudische Kmntniß, sein selbstloser Eifer; manche» neu, seine Methode, die Form seiner Darstellung, seine Kenntniß, sein Berständniß de» modem« Geiste»; aber Alte» und Neue» sei in ihm innig verbunden, vr. Horowitz rühmt Frankel al» herzlich« Freund seiner Schüler, vr. Michaeli» sprach von dem Fleiße de» Lehrer», wobei, wie er humottstisch hinzufügte, nur der eine Hak« sei, daß er auch von seinen Schülem viel verlange, vr. Landsberg (BreSlau) brachte ein Hoch au» auf Frankel im Namen der jetzigen Schüler de» Seminar»; vr. Zuckermann feierte die Frau« de» Seminar»; Rabb. vr. LandSberg au» Liegnitz warb in gewalttger Red« für die „Alliance JSr. llniv", zu deren Comtt» Frankel gehöre, und gewann sofott viele Mitglieder. Zum Schluß erinnette vr. Rippner an eine andere Alliance J»r. Naiv., die hier jetzt in dies« Räum« tage, da» sei die Alliance wohl aller Zweige jüdischer Wissmschaft, der« Koryphäen an dem Feste theilnehmm. Dem Wohl der jüdisch« Gelehrte» galt da» letzte Hoch. Außer d« Toast« ttugm auch schöne Festlteder zur Erheitemng der Versammlung bei, die auch nach aufgehobener Tafel bi» tief in die Nacht hinein in gemächlicher Unterhaltung zusammenblieb. Z. #