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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-10-25 · 43 (25.10.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
43 (25.10.1871)
Date
1871-10-25
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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340 an sich darstellen, welche im Alterthum die Jude» ausgezeichnet haben. Einen große« Vorzug aber habe« die Jude« vor ««•: sie find tn höherem Maße vom Strahle deß GmiuS durchleuchtet, bei ihnen zeigt er sich häufiger als bei und, obwohl er, wenn er! bei nn<> erscheint, auch in glänzender Weife zu Tage tritt. Ich denke, daß die Anwesenheit der Juden unter unS in ihrer ganze» jüdischen Eigenthümlichkeit, wie sie unS in jedem Theile der Welt entgegentritt, ein bedeutsames Zeichen ist, daß die Vorsehung eS war, welche diese Race erwählte und ihre Entwickelung bestimmte. Eine Vorsehung hat sie erwählt, sie herauSgehoben auS der Masse der götzendienerischen Stämme, die um fu herum wohnten, und ihnen jene ausdauernde liebevolle Pflege zu Theil werden lassen. Alle andern Völker, die im Alterthum eine hervorragende Rolle spielten, sind entartet und zu Grunde gegangen. Das Volk aber, welches Gott »sein Volk' nannte, hat in glänzender Weise seine Wahl gerechtfertigt. Der Samen AbrahamS hat eine hervorragende Rolle in der Weltgeschichte j vierzig Jahrhunderte hindurch gespielt, und hat die Sitten, Ge» j wohohe ten und Ueberlieferungen seiner Kindheit in der Wüste, unberührt von den Stürmen, die durch die Welt gezogen, und von den langsam Alles hinwegschwemmenden Strom der Zeit bis in unsere Alles umkehrenden Tage erhalten, in der nur das Judentlmm dauernde Lebenskraft zu behalten scheint. Es ist sicherlich der Mühe werth, unsere Aufmerksamkeit aus 1 eine so hervorragende Erscheinung zu richten, und der Gegenstand wäre ftir ein Buch groß genug; ich kann hier jedoch, wo mir , nur werige Seiten zu Gebote stehen, nur einige besonders in die > Augen wringende Punkte, und selbst diese nur oberflächlich betrachten'. D-.r Verfasser fragt nun: Welches ist die Stellung der Juden in der modernen Welt? Er beantwortet seine Frage folgendermaßen: »Atet der Bettachtunz dieser Frage drängt sich vor Allün der Getanke auf: Eine solche Geschichte und Thatsachen von solcher Art, die einzig und allein eine solche Geschichte möglich machen, setzen die besttmmte Absicht einer Vorsehung voraus, und wir müssen dieser Absicht eine der ersten Stellen unter den Zwecken der Vorsehung anweisen. Wir mögen darüber nachforschen, warum die Juden nicht bekehtt find. Aber die Thatsache, daß fie weder bekehtt, noch tu un« ausgenommen, noch tu ihrem Etgenwesen veruichttt find, und e» u«S» Einflüssen nicht find» die bet jede« andern Volk, eine jener Folge« hätten hervordriuge» müsse« ist eine der bedeutsamsten Erstheinungen, die wir an ihnen bemerken. Und eS geschieht nur um «tticS hohen Zweckes willen, wenn eine höhere Hand dieses Volk in seinem eigmthümlichen religiösen Leben erhält, und diese besondere geistige Stellung nicht erschüttern läßt. DaS Christenthum ist eine erobemde Religio», und wir glauben, daß eS noch Alles erobern wird. Eine Religion kann aber eine andere nur dann besiegen, wenn sie selbst eine stärkere, ttefere, innigere ist. Jene Macht, die Körper, Seelen, Religionen überwindet, heißt Leben, Lebenskraft. Und im Punkte der Lebenskraft will eS fast scheinen, al« ob das Christenthum der Christen nicht so viel Kraft und Innigkeit besäße, alS das Judenthum der Juden, so daß es dieses besiegen und vernichten könnte. Verhältnißmäßig zeigt sich vielmehr das Judenthum in deu Juden stärker als daS Christmthum in de« Christen. Und bevor sich dieses Verhältniß nicht geändert hat, werden wir auf eine zahlreichere Bekehrung der Juden vergeblich hoffen. Ja, werdet ihr sagen, daS ist Alles ganz wahr. Aber sind die Juden nicht trotzdem ein armes, geistloses, verkommene- Geschlecht, daS man nur in Schmutzwinkeln und Lumpenquartteren antrifft? Was bedeuten fie in der gebildeten Welt? Sie stehen mehr an der Spitze, antwotte ich» arbeiten mehr an den Drähten, welche die Gesellschaft leiten, und greifen mehr in alle Bewegungen derselben ein, als Mancher ahnen mag. Wenn man sie aber mehr in den niedrigeren Stellungen findet, so beruht dieauf Gründen, deren sie sich durchaus nicht zu schämen haben. Um RezierungSämter können fie /ich nicht bewerben, weil sie hierdurch mit ihren religiösen Pflichten in Conflict gerathen könne» und auch eher in Gefahr gerathen, derselben ganz untteu z» werden. Ferner besitzen sie bei der vollkommensten Gefundhest doch eine schwächere und zattere Körper - Constitution^ die .ihue» nicht ettaubt, wie die statte germanische Rare Arbeiten, die eine gewalttge Körperkraft erfordem, zu unternehmen. Aber für diese mangelnde Körperstärke besitzen sie eine außerordentliche Kraft deS Geistes und der Phantasie und sind zu allen Zeiten reich an grohm Männern und Frauen gewesen. So halten sie sich zwar von den eigentlich männlichen Berust- Feuilleton. Festbankett. ES waren festliche, für jeden Juden, der seinen Glauben li'b hat, außerordentlich erhebende Tage, in welchen Frankel'S siedzizst'w Geburtstag gefeiert wurde; es war nicht ein Tag einer Familie, nicht ein Tag seiner Schüler und Freunde allein, eS war ein Tag des deutschen JudenthumS. ES war eine FAmde, an der Jeder, in dessen Herz Gefühl für'S Judenthum wHnt, wohl »cch lange zehren wird, die den meisten Theilnehmern wohl unvergeßlich bleiben wird, zu sehen, wie hochgebildtte und gereiste Männer auS allen Ständen und BerufSatten zu dem verehrten Meister von nah und fern herbeieilten und vor ihm freudig zeugten von ihrer lebendigen Treue und Theilnahme für die Lehre uns» deu Lehrer. Aerzte, Juristen, Männer auS Gesellschaftsklassen, die man sich gewöhnt hat, fast alS die natüttichen Gegner deS konservativen JudenthumS zu betrachten, fie widettegten an ihrem 2 heile durch die Huldigungen, welche sie Frankel darbrachten, die Meinung, alS trieben gewisse BerufSatten ohne Weiteret^ aus dem Judenthum heraus. Und wenn wir an Krankel sehen, daß »Israel nicht verwaist ist', daß ihm Gott in jeder Zeit den rechten Führer erstehen läßt, so bewies die große Zahl der Verehrer, welche sich um ihn schaatten, baß dieser Führer ein getnueS Gefolge hat. daß der Stamm Frankel, wie den» seine Wurzeln auS den verschiedensten Gebieten jüdischer und allgemeiner Wissenschaft Kraft ziehen, so auch seine Zweige nach allen Seiten auSbreittt, daß unter dem Schatten dieses Baume» das deutsche Judenthmn gesichert ist vor der versengenden Gluth, mtt welcher daS moderne Leben es zu verzehren drohte. Den Schluß und den Glanzpunkt deS FrankelfesteS bildete das Bankett, welches nahezu zweihundett Personen im Cafö Restaurant um den Jubilar vereinigte. So verschiedenarttg die Kreise waren, auS denen die TheUnehmer sich zu diesem Feste zusammengefunden hatten, so erzeugte doch die Gleichartigkeit der Gesinnung einen so herzlichen und gemüthlicheaTon, alS gehötten fie alle zu einer Famllie. In den Reden, welche den materiellen Theil deS Festbankett» begleittten und würzten, auf daß der Wein durch die mannigfachen Hoch'S munterer fortfließe, wechselte Emst und Scherz anmuthig ab. Wir wollen versuchen, im Folgmdm wmigstenS ein Skelett der Toaste zu geben, welche an diesem Abend auSgebracht wurden. Herr Assessor Milch brachte dm Toast auf dm deutschen Kaffer auS; dieser Toast sei für eine jüdische Versammlung zumal unter dm obwaltmdm Verhältniffm mehr alS ein Akt formaler Ehrerbietung; tn unS allm lebe die Hoffnung, daß die Letter deS Staatein da» neue deuffch« Reich, welchemit dem Blute jüdffcher Bürger gttttttt sei, nicht dm exclufivm Seist der alten Jett in dies« »mm Bau hin übernehmen werdm; der dmffche Kaffer, der Treue um Trm« ver heiße, werde die Echrankm brechm, wttche jetzt noch die Juden»

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