Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 42 (18.10.1871)
- Date
- 1871-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— - 3SS Anwalt sei«» Volke» wurde i« Rath« der Mächtigen und dem jüdischen Stamme frische» Leben und «ene Kraft giwann. vv Vi3^ri noo3 lmoa tpk jnon irwb *jnwi foin 1L« .rono D »An dm Sprößling deS Stamme» Levi erging der Sprnch: dein frommer Sinn und dein erleuchteter Grit, ihr Bund erst erzeugt dm wahrhaft gotteSfürchtigm Mann, dm du geprüft hast in jeder Prüfung, mit dem du streitm magst in jedem Streite.' Prüfung und Streit ohne Zahl und Maß er» wartetm den, der sich am Anfang seiner Laufbahn mtgegmwarf dem ganzen Schwarm der Aufklärer, dem ganzen Troß der Dunkelmänner. Denn fast allein stand er im Kampfe, aber mit dm Waffen der Wissenschaft focht er ihn auö zu herrlichem Sieg, daß er, der allein auSzog, jetzt der verehrte Führer einer großen Schaar Gleichstrebender ist, die in ihm ihren Meister, in ihm ihr Muster sehm, die alle der Losung folgen GWH OHix, Eileuch»; tung und Frömmigkeit, die zu erhalten streben: ISO vb bzo rmb hobti p»1? nbbi cd’ a mi 700 mn rninn j 13 3iron — »Diese» Buch der Lehre soll nicht weichen au» keinem > Munde, und du sollst sinnen darob Tag und Nacht und halten j Alle» ganz, wa» darin geschrieben steht/ die aber nie vergessen, 1 daß nv3N ton 'n nto\ daß »Wiffmschaft und Gottriffurcht innig zusammenhängea'. Viel angefochten und augefeindet ist j dieser Mann worden, aber auch viel geehrt »nd jetzt ist er fast von! Allm erkannt. Wo gäbe e» heut ein jüdische» Herz, da» für | seinen Glauben warm und klar fühlt, und nicht in Dankbarkeit | und Hingebung erglühte für den, der durch sein Leben, der durch j seine Lehre erwiesen hat, daß die Forschung, wie kühn und un» erschrocken sie auch vorwärt» schreite, so sie nur der Wahrheit dient und nicht dem Scheine der Wahrheit, auch die jüdisch: Lehre fördert und ihr edle» Gold nur in so hellerem Glanze erlmchtm läßt. Unsere Weism sagen: NlN 13 vrv D3n TD?n BHpon rP3 >*U3 ibvo »Ein Gottesgelehrter, der auch die nicht religiöse Wissenschaft ln sich aufgmvmmm» dm» wird e» anze» rechnet, al« hätte er da» Heiligthum wieder auferbaut', denn indem er beide Seiten menschlichen Wissen», diejmige, welö-e un» Gott, und diejmige, welche un» da» Leben versteh« lehrt, in sich ausbildet, erzieht er sich zu einem O'rbx dxt zu einem Ebmbilde Gotte», de» Allweisen. Aber in der That hat die Vereinigung dieser Tugendm um unfern verehrten Lehrer ein Heiligthum gegründet; dmn diese Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft, auf der der Segen de» Herrn sichtbar ruht, hätte sie trotz de» Edelmuth» ihre» Stifter», trotz des Eifer» und der Hingebung ihrer Verwalter, hätte sie Bestand gewonnen, hätte sie gedeihen könnm, wmn sie nicht wäre gekettet wordm nach dem Satze der Weisen p« jn Dy .IHN 31B: »wohl verträgt sich die Thora mit der Bildung de» Leben»'; daß sie gedeiht, daß sie üppig blüht, daß sie eine Macht geworden ist im deutschen Judenthum, sie verdankt e» dem Geiste der Freiheit und der Gottetsurcht, dem Geiste der Religiosität und Forschung. Da» sind innerhalb de» Judenthum» keine Gegmsätze; wer diese Gegensätze in dasselbe hineinträzt, der übt, und geberdete er sich noch so fromm, da» schlimmste 1L1 npin, er entstellt die Religion der Freiheit durch Fremde» und Falsche», durch Zwang und Knechtung. Und dämm ziemt e« von dieser Stätte ganz besonder», e» auözusp echen: diese» Hau», sein Segen und sein Ruhm, e» mht in seinem letztm Grunde auf dem Geist, in welchem sein Leiter e» verwaltet, von ihm erborgt e» zumeist feinm Glanz; e» lebt in seinem Lichte; möge diese» Licht ihm noch lange Jahre strahlen; möge dieser Geist, der vom Alter nur die Reife und von der Jugmd noch die Frische und Regsamkeit besitzt, der voll ist großer Entwürfe und amer Grkenntniß, noch lange schaffen im Dienste der Wiffmschaft; 1018^ rm pw qv 0*6 131» atn Sv »Er hat bisher auf dm Gefilden der Wissenschaft gar manche dürre Strecke in fmchtreiche Wiese und öde» Land in Wafferquell gewandelt'; er hat mtt dem MofeSstabe der Weishett dem Felsm Fluthm entlockt; e» sei chmvergönnt» die gmßen Pläne, die in seiner Seele lebe» und nur deshalb nicht äu»- , geführt find, weil die eifrigste, die thätigste, di« auüdauerndste Hand dem Fluge de» Geiste» nicht rasch gmug folgen kan», zu vollenden! Er erschaue noch viele Freude an dieser Anstalt, au welcher sein Herz hängt mit reicher Liebe, derm Schüler aber auch an ihm hängen, um ihn sich ranken wkd der Epheu sich windet um die starke Eiche! Gott und Vater, wir Alle, wir bedürfen sein und können ihn, unfern Meister, unser Vorbild, nicht missen; erhalte, schütze und feste ihn. INvIN'l W roy oi1»' pnr. '.1 ‘ru1 Ton no«'i ’ptf ’ssn »Daß jauchzen und jubeln alle, die da» Gute wollen, und beständig sprechen: Groß ist Gott, der begehrt da» Heil seine» Knechte».' Amen! Berichte und Correspolldenzen. Deutschland. Berlin» 13. Oktober. (Orig.-Cotresp.) Da» hiesige Deth- Hamidrasch hat folgende Adresse an Herm Direktor Frankel zu seinem 70. Geburtsfest abgehen lassen: Ehrwürdiger Herr Ober-Rabbiner! Hochgeehrtester Herr Seminar-Direktor! Die köstliche Verheißung, welche der Gott Israel» seinem Volke gegeben, bevor e» noch die schmerzensreiche Wanderung antrat durch die Zeiten- und Bölkerwüstr, daß die Lehre, welche Gr ihm überliefert, nimmer weichm werde au» dem Munde fetüer Nachkommen, und die sich bewährt hatte kr allem Drangsal und aller Noth, sie drohte noch vor wenigen Decmnim zu erlöschen in unserem mgeren Vaterlande. Wehl gab e» jüdische Männer von tiefer talmudischcr Gelehrsamkeit, aber sie hatten | sich zurückgezogen in ihre Klausen, vertriebm vom Marfte de» Lebeu» durch die Fackel der Wissenschaft, welche da» talmudische Judmthum zu verzehren drohte. Da erstanden Sie, hochgeehrter Herr! und gabm brr er-! staunten Welt da» Beispiel eine» Rabbinea, strmg festhaltmd > an der Ueberlieferung der Väter, in der einm Hand die Lmchtr! der Wiffmschaft, in der anderm dir Lehre de» Judenthum»,! Beide» verbindmd und Eine» durch da» Andere ergänzend und erleuchtend. Sie brachten da» fast der Verachtung anheim ge-; fallen» Rabbinrnthum in Deutschland wieder zu Ehrm. Und der Hüter Israel», welcher nicht schlummert und nicht schläft» halte da» Heilmittel gesmdet, ehe die Wunde unheilbar geworden. Er erweckte da» Herz eines Manne», dessen Andenkm nicht erlöschen wird in Israel, die Mittel zu einer Anstalt zu spmdm, die unter Ihrer Leitung nunmehr berufm ist, jüdssche Lehre und Wissenschaft zu vereinm, da» ewige Wort Gotte», deffm wir erwähnt, zur Wahrheit zu machm. . Geehrter Herr Direktor! Der Allzüt'ge hat Ihr Wirken gesegnet, und nun Sje eingetreten in da» Greismalter, kommm sie von Nah'und Fern, die Schüler, welche auf Ihr Wort gelauscht und mm selbst VölkSlrhrer gewordm, dem verehrten Rabbi Gruß zu bringm und Heil zu wünschm. Gestatten Sie, verehrter Herr, auch un», dm Vorstehem der Auftakt, die von frommem Sinn zur Verbreitung der Thorakenntniß gegründet, un» anzuschließm, und nehm« Sie vou un» dm tiefgefühltm Wunsch entgegen, daß der Herr Sie erhaltm möge in Kraft und Gesundheit und Sie Freud« erlebm lasse an Ihrem Wirken, so daß Sie noch viele, viele Jahr« unter un» weilm mögm, ein Segm und eine Zierde unsere» Volke». Berlin, dm 0. Oktober 1871 (24. Tischrt L632). Ger B»tjtal M vecha-««M»sch. ,(L. 8.) <. H. Heimauu. flt B. Sevy. Ob. Rnk