Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 42 (18.10.1871)
- Date
- 1871-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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881 Herr Professor Graetz den Jubilar mit einem Stamme, dessen Jchrr»rknge klar abgegrenzt seien, «o jede-mal ganz genau der Anwuchs z« merk« fei; auch beim Jubilar fei, seitdem er in die Oeffentlichkett getreten, ein stetige- Zunehmen der Kraft be» merkbar; immer reifer, immer freier walte sein Geist; da» Alter bedeute für ihn nicht Stillstand, sondern beschleunigten Fortschritt; denn kn Allem liberal, geher nur mit Einem, d. i. mit der Zeit. Die Adresse de- Lehr« r» Collegium» lautet: Hochwürdiger Herr! Hochzuverehrender Herr Direktor! Der Charakter der Oeffentlichkett, den sowohl die Bedeutung Ihrer Person aldie Natur Ihrer Stellung und Wirksamkeit Ihrem Leb« und Schaffen ausgeprägt hat, giebt Ihren zahl» reichen Verehrern und Freunden da- Recht, den heutigen Tag, an welchem Sie vor siebzig Jahren da».Licht der Welt erblickt haben, mit Jhnm gemeinschaftlich zu seiem und zum lebendigen Ausdrucke aufrichtiger Liebe und Ehrerbietung zu benutzen. In erhöhtem Maße dürfen wohl wir diese- Recht für uni in Anspruch nehmen, di« wir die Ehre haben, Ihnen, hochwürdiger Herr, durch amtliche und persönliche Beziehungen näher zu stehen. Jude« wir hiervon Gebrauch machen und in herzlicher Theil» nahme unsere Glückwünsche Ihnen darzubringen im Begriffe sind, ergiebt sich für unS wie von selbst ein Rückblick auf Ihr« bisher zurückgelegten Lebensweg — ein Rückblick, der Ihnen zum Ruhm« und uns Anderen zum erhebenden Beispiel dienen kann. ES ist Ihr Schaffen alreligiöse» Haupt jüdischer Gemeinden, Ihre Wirksamkeit al» Lehrer der jüdischen Wissenschaft, Ihr Berdirnst al» Gelehrter und Schriftsteller und Ihr Lebenswandel al« Mensch und J-raelit — wa» jetzt unserem Blicke am deutlichstyl vorschwebt. Sie haben sich in allen diesen Punkten al» einen echt« Sprößling des» jeuiGi» Stammebewährt» dessen besonderdazu b«!r»f«uen Gliedern der große Gesetzgeber nachrühmt, daß sie »de» Ewigen Rechte in Jakob und Gotte- Lehre in J-rael verkünd«', — des Stammes, der nach dem Worte de» Propheten de» „GotteSbuude» mit Levt' dadurch wahrt, daß »Lehre der Wahrheit ist U feinem Munde, Unrecht nicht gefunden wird auf seinen Lippen, er in Frieden und Geradheit vor dem Ewigen wandelt und Viele vom Unrecht abführt; weil die Lippen de- Pries! er» Erkenntntß bewahren und man Belehrung sucht au» seinem Munde, well er ein Sendbote de» Gotte» der Heerschaaren ift*. — ES ist Ihrer Einsicht und Thatkraft, hochberehrter Herr, gelungen, in de« Ihrer Leitung anverttauten Gemeinden vor Allem daS Gefühl der Zusammengehörigkeit, dann aber auch Gotteshäuser, Schulen, Vereine für gemeinnützige oder wohlthätige Zwecke zu begründen oder ne« zu beleben, und nicht minder sind «Sie bei jeder Gelegenheit für da» öffentliche Recht Ihrer Glauben»- | brüder mit Erfolg eingetreten. Daneben war e» Ihnen stet» > Bedürfniß, von dem reichen Schatze Ihre» Wissen» Jung und Alt Belehrung zu spenden, und Sie haben unverdrossen und ueidlo» gespendet und habe» nach der alten Regel der Lonevet htgdol* »Schüler in großer Zahl ausgestellt'. Zu voller Bedeutung aber gelangte Ihr Lehramt «st der Gründung unsere» Seminar». Hier erst fand dasselbe dm Ihrer umfassend« Gelehrsamkest würdigm Wirkungskreis, hier rrichtm dessen Erfolge! über die Greuzm de» Vaterlande» hinau». Wenn so Ihre fegen«- j voll« Lehrthätigkett die Schrank« de» Raume» siegreich über-! schritte«, so war e» Jhnm al» fruchtbarem Schriftsteller ver-! gönnt, auch von dm Grenz« der Zeit nicht eingemgt zu iverdm.! Ihre die Wissenschaft de» Judenthum» nach all« Seit« an« j baumdm Schriftwerke sichern Jhnm ein« unsterblich« Muf bet : der Nachwelt, und der Name Frankel wird stet» mit Ehrfurcht und Anerkennung in dm Annalm jüdischer Wissenschaft gmannt »erd«. — Wie Sie aber, ehrwürdiger Herr, unter dm Augm Ihrer Zettgmoff« al» Mensch und J»raelit sich bewähr, habm und bewährm, von welcher WahrhettSltebe, Milde, Humanität, Wohkthättgkett und echten Frömmigkeit Ihr geräuschlose» Privatlebm durchdmngm sei — darüber schweigen wir besser m achtungsvoller Rücksicht auf die edle Bescheidenheit, die Ihr- Person auf diesem Gebiete ziert. Aber von Ihrer Gewissenhaftigkeit und Treue in der Erfüllung Ihre» Berufe» sind neben Ihr« zahlreich« Schülern, dm weithin zerstreuten wie dm um Sie sich gegmwärttg schaarmdm, ganz besonder» wir, Ihre Colleg« und Mitarbeiter, berufen, fteudig und vor aller Welt hiermit Zeugniß abzulegm. Ja, von Ihnen, hochgeehrter Herr, gilt da» Wort de» Weis«: »Eine schmückende Krone ist da» greise Haupt, auf dem Wege der Gerechtigkeit wird e» gefunden'. UnS wird dieser Tag, an welchem wir so glücklich sind, Sie, hochwürdiger Herr, voll geistiger Kraft und Frische in unserer Mitte zu sehen und zu begrüß«, alle Zeit unsere» Lebens unvergeßlich bleiben. Um aber auch bei Ihnen, verehrter Herr, ein kleines Zeichm der Erinnerung an unsere Liebe und Hochachtung niederzulegen, habm wir eine durch ihr Alter und durch den Namen ihre» Verfassers denkwürdige Schrift aus dem Dunkel handschriftlicher Sammlungen an'S Licht gezogen und ersuch,« Sie, die Ihrem Andenken gewidmete Ausgabe au» unseren Händen als eine FesteSgaöe freundlichst anzunehmen. Der Inhalt dieser Schrift zeigt unS einen jener ersten Versuche, eine wissenschaftliche Auffassung und Behandlung deS Talmud anzubahnen, und legte un» schon die Beziehung zu Ihnen und Ihren gelehrten Arbeiten nahe; dmn Sie habm den erleuchteten Männe«, welche seitdem die Aufgabe weiter gefördert, sich ebenbürtig angeschlossen und auf Grund Ihrer selbstständigen Quellenforschung dieselbe in Ihr« Einleitungen zur Mischna und zum palästinensischen Talmud einer abschließend« Lösung entgegmführt. Dieselbe Pietät, dieselbe Verehrung und Hingebung für daS Judmthum und dessen Schöpfungen, welche auch sonst in Jhrein Leb« und in Ihr« Schrift«, hochzuverehrmder Herr, unverkmnbar hervorttetm, Hab« Sie bewog« und befähigt, da» Werk der Liebe, welche? die Arbeit von Jahrhunderten in dem mächtigen Bau der jüdisch« Literatur hingestellt, mit Eifer und seltenera Erfolge zu erweitem, zu ergänz« und zu vervollständigen. Eia gleicher Geist, eine gleiche Gesinnung möge nme Kräfte im Kreise der von Ihnen belehrt« Jugend erweck«, leit« und beherrsche», und Ihre Augm mögm e» sehen und Ihr Herz daran Frmde find« und Jhnm Dauer der Tage, Jahre frischen Leben» un!) ungestört« Fried«» dadurch sich mehr«, auf daß Sie noch recht lange in unserem Kreise, im Kreise Ihrer Schüler, an der Spitze unserer Lehranstalt in voller Gesundheit und mit rüstig fchaffmdec Kraft verbleiben — zum Vorbild und Muster, zur Bekehrung und zur Frmde Ihrer Gmoffm, Ihrer Jünger, Ihrer Verehrer, Freunde und Angehörigm. BreSlau, im Oktober 1871. DM Lehrer ritvveztu« de» jüdisch-thevlvgische« Lemin«« (Folgen die Unterschriften.) Dir. Frankel dankte in inniger Weise für die Unterstützung, welche er stets bet fein« Colleg« gesund«. Hierauf verla» Herr vr. Landsberg folgende Adreffe der Schüler de» Seminars: Hochwürdiger Herr Direktor! Hochzuverehrmder Lehrer! Mit gerecht«, Stolze und in dem beglückmdm Hochgefühle, un» die Schüler eine» Manne» nmnen zu dürfm, dessm un» sterbliche verdimste um Wahrheit und Recht, um Lehre und Glaub«, heute aller Ort«, wo jüdischer Sinn und jüdische» Dissm waltet und schaffet, in dankbarer Erinnerung anntann:: und gefeiert werden, nahen wir Jhnm, hochzuverehrender Lehrer, fteudig bewegt und tief durchdmngm von der groß« Bedeutung, Ihre» Ehrmtage» in unbegrenzter Hochachtung und unwandelbarer Liebe.