Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-10-18 · 42 (18.10.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
42 (18.10.1871)
Date
1871-10-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935533--0924-5370584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zraukel-Zeier. Der siebzigste Geburtstag Frankelist kein Fest, da-nvr im engen Gehege feiner Familie za begehe» ft «ein, der Mann, der seit viirzig Zähren dem öffentlichen jÄischm Lebe» angehört, der in vorderster Reihe stand i» Kampfe »m die Gteichberechtignng deS jüdischen Stamme- und seiner Wissenschaft, der von seiner Studirstube auden mächtigsten Einfluß geübt hat auf die Bei'enner unsere- Glauben-, er verdient eau seinem Ehrentage öffentlich gefeiert zu werden, und diese Zeitschrift bringt dem Jubilar, indem fie sich in dieser Nummer hauptsächlich mit ihm beschäftigt, an ihrem Theil ihre achtungsvolle Huldigung Dar. Was die Wirksamkeit Frankelauszeichnet, ist vor Allem bte Bereinigung von wissenschaftlicher und praktischer Thätigkeit. An der Erneuerung und Hebung unserer Literatur, an der Erfo.schunz dejüdischen Alterthumhaben andere Männer mit ihm muthig, kühn, ausdauernd und erfolgreich gearbeitet, und wir habeu Ist« uud heute zumal nicht Lust zu untersuchen, wer von den Roppoport, Zunz, Frankel der Größte sei; wenn irgend etwaunser: Freude am Frankelfeste mehren kann, so ist eS der Umstand, dcß Frankel nicht der Einzige ist, daß da- Judenthum Männer in dieser Zeit hervorgebracht hat, welche auch mit ihm um die Palme ringen können. Aber die Verjüngung dejüdischen Geister in jeder seiner Ausstrahlungen, an ihr hat doch wohl Frank,l größeren Antheil, alS irgend ein andere^ weil er nicht nur im Adlerhorst der Wiffenschaft nistete, sonder« well er auch im praktischen Leben stand und wirkte. Selbst seine gelehrten Arbetm habm neben der Bereicherung unserer Erkenntniß auch die Stellung de- Judenthumüberhaupt wesentlich gefördert; seine Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Jurisprudenz öffneten der christlich» Welt die Augen über die Milde, die Toleranz, di,: echte Humanität unserer Religion; seine Forschungen über die Septuaginta, die Efläer u. a. macht» eden Gelehrten offenbar, w:lch einen frischen Trunk man auden jüdischen Quellen schöpfen könne; und feine Einleitung in die Mischnah und in den jerusalemischen Talmud, sind sie nicht dawiffenschaftliche Substrat der theologisch» Bestrebungen, welche von couservativenl Geist durchhaucht, pietät-voll da- Alte verehren, aber auch keine Neuerung, die audem Altm gleichsam heran-, sprießt, die He Religiosität fördert und auder Wissenschaft ihre Berechtigung holt, zurückweist? Welche Wirkung hatte seine Stimme, aler sie in den vierziger Jahr» erhob zu Gnnsten der Gläubigen; der Schwarm der Reformer wurde wankend, und di« Conservativen schaarten sich um ihn und wurden sich ihrer Stärke bewußt; in der öden Zeit vom Jahre 1850 ab, wo die volstische Reaktion auch über da- Judenthum Erstarrung und Lethargie gebracht hatte, da war edie Frankel'fche Monatsschrift, die dm erstarrten Körper wieder erwärmte mit der Flamme der Wissenschaft, mit dem Feuer der Begeisterung, welchedie Erinnerung an Israelgroße Geschichte in jedem für da» Edle empfindlichen Herzen anfacht. Und Allem fetzte die Krone auf sei« Wirken am S-minar, dadurch ihn erst leben-fähig wurde und da- Berttaueu der Gemeinden gewann. In den Räumen dieser Anstalt wurde den« auch da- Geburt-fest feierlich begangen. 'Wir lassen einen Bericht über diese- Fest hier folgen und bringen auch vorläufig mehrere an den Jubilar gerichtete Adressen, deren Abschrift» undie gratulirenden College» freundlichst zur Disposition gestellt haben, zum Abdruck. Da» 8 ft welchemehrere Tag in Anspruch «ahm, wurde an dem eigentlichen Geburt-tag», am Simcha» Thora, mit einer Ansprache, roelche der Unterzeichnete in der dtchtgefüllten Synagoge dieser Anstalt hielt, eröffnet.*) Nach dem Gotte-dienste war in dem großen Saale bei Seminar« fäerlicher Empfang. Herr Assessor Dr. Marck leitet« *) (Bit taffem diese Red« dem bericht« folge». (Red.) die Lerlesuag einer Adresse de- Curatoriummit einer schwungvollen Ansprache et«, welche hervorhok^ wie die wahre Simcha- Thora erst bann möglich fei wenn wir die Lehre 1« , üppiger Blüthe sehe», »am wir «uf dar lebeMgen Träger der« selb» Klicken könnm. Dann auch immer Herr Dir. Frankel sein» Ehrentag gewirkt hätte, an diese« Tage wäre Simcha» Thora gewesen, Freude an der Lehre ob ihre» Lehrer«. Heute abn feiern wir ein doppelte- Lehrfest. Die Adresse de» Cu»« torium» lautet: Euer Hochwürden! Wenn die Feier de- 70. Geburtstagean sich schon im Leben jede- Einzelnen einen bedeutungsvollen Abschnitt blldet, so gewinnt dieselbe eine ungleich höhere Weihe, wenn fie einem Manne gllt, der gleich Ihnen auf den reichen Inhalt einedurch hervorragende Leistungen ausgezeichneten Lebenmit Stolz znrück» blicken darf. ES begrüßen deshalb den heuttgen Tag al» einen festlichen auall» Theil» Deutschland» und weit über deff» Wraq» hinaus Biele unserer Glaubensgenossen, welche in Ihnen dm Manu verehren, der feit mehreren Decenuim durch die Bedeutsamkeit seine« WftkenS in Wort und Schrift zu d» hervor» ragmdsten Führern auf dem Gebiete religiös» Lebengehört, und der durch schriftstellerische Arbeit» von unschätzbarem Werth« sich unvergängliche Lorbeer» auf dem Felde der jüdisch» Wissenschaft erworbm hat. Wollm Sie, hochgeehtter Herr, auch von «n», ald» Vertretern der Ihrer Leitung anvettraut» Anstalt, am hmtigm Tage unsere aufrichtig« Glückwünsche »tgeg»nehmm. Möge e» dieser Pflanzstätte jüdischer Theologie, welche Sie mit unermüdlicher Hingebung und unter schwierig» Verhält» «iss» zu einer ehrenvoll» Stellung unter unser» Glaubens» brüdern erhob» habm, noch viele Jahre beschied» fei«, in Ihn» da» würdige Oberhaupt in geistiger Frisch» Mb I-rpeAtchoe Gesundheit erhalten zu sehen. Möge biin Ihr späteste- Alter die am Seminar studirmde Jugmd zu Ihn», al» dem gefeiert» Meister, de« väterlich» Freunde, dem Vorbilde echter Religiosität aufblickm können. Dies» für die Anstalt dmkwürdigm Tag könn» wir, ver» .ehrter Herr Direktor, nicht vorübergeh» lass«, ohne die Erinnerung an denselbm durch eine Ihren Ehrmnamm führende Stiftung wach zu erhalt». Wir errichten de-halb hiermit au» Stiftung-Mitteln eine »Direktor vr. Zacharia» Frankel'fche Stiftung*, um audm Zins» derselben alljährlich bet der Wiederkehr de» hmtigm Tage« a« ein» von Ihn» zu bestimmmd», au» de« jüdisch-theologisch« Seminar mtt dem Zmgatß der Reife entlass»», «och nicht augestelltm Rabbiner zu« Zwecke weiterer wissenschaftlicher Ausbildung «iu Stipmdtu« von Einhundett Thalern zu verleih». Möge sich dmn, wie an Ihr Wirk», so auch an d» hmtigm Tag dauernder Segm knüpf»! Möge über Ihn» und der Ihrer Obhut anvertrautm Anstalt Gotte- Gnade in reichem Maaße «altm zum Heile J-rael»! Lre»lau, dm 8. Oktober 1871. D«s Lurntortu« tzer LouluterzteurRnth Arneuckel'fche» ettftMgm. Dr. Marck Gericht,.Assessor. Milch, Gericht,.«ffessor. vr. «ock. Aobethal. Herr Dir. Franktt hob in seiner Erwiderung hervor, wie et» großer Thell de- Verdienste», dadie Herr» ihm zufchriebm, d» Stiftern und Euratorm dieser Anstalt gebühre. Dadurch habe er zuerst vodm für seine Lhättgkdit gewonnen. Sodann trat Herr Prof. Graetz vor mtt einer von Her» vr. Rost« abgesaßtm Adresse de- Lehrer-Eolleztum». Einleitend verglich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.