Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 41 (11.10.1871)
- Date
- 1871-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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324; E Au« 8ürttr»her>, den 27. September (Orig..Torr.) Zu meinem jüngste» Berichte habe ich die Schmähschrift: ,L>er Talmadjud^ vou Rohling avifirt und angedeutet, daß sie vom kutholischm Kleru« kolportirt wird; heute muß ich eine weitere solche an den Schandpfahl der Oeffeutlichkett nageln, nicht un sie einer Kritik zu unterwerfen, denn wer möchte ohne Handsclmhe solchen Schmutz berühren, sondern um zu constatiren, daß nicht der Zufall diese giftigen Pilze wachsen macht, die in dem Sumpfe de« Fanatismus wuchern. In Schaffhaufen, im Hurter!chm Verlag erschien die Schrift: „Die Juden unter den Christen." Ein Handbuch für Geistliche und Laien, welche sich über da« Verhältniß der Juden zu den Christen be» lehren vollen. Aus dem Französischen des L. Rupert. Mit Noten und Belagen. Neue Au-gabe. 1871. Die neue Auflage repräsentirt sich in einer Vorrede alS die Reproduktion der Schrift: „Die Kirche und die Synagoge", welche im Jahre 1859 in Frankreich erschienen und 1864 vou der genannten Verlagsbuchhandlung in llebersetzung herausgegeben wurde. ES ist, nach tekannter Buchhändler.Manier, alter Schund in neuem Gewände, mit verändertem Titel, der sich an den Religion-Haß wendet, um mit d«h Pamphlet« von Bolande« und Alban StolF auf dm Büchermarkt zu komm« und in wHorew dei gloriam verkauft zu werden. Da- Buch variirt auf 284 Seitm die alten lügmhaftestm Beschuldigungm gegm Judm und Judm» thüm. Um nur eine Kapitelüberschrift anzuführm: „Mmschm und Ch ftstmkinder vou dm Judm aus Haß gegm I. Ch. ermordet. Ursache! dieser Grausamkeitm, — Aberglaube und Zauberkünste." Der Mord deS P. Thomas in Damaskus wird auf Grund gefälschter Aftm dm Judm angedichtet. Schopmhauer, Fichte, Kam und Herder werdm als Judmhaffer citirt. — (Dm beiden Elfteren geschieht damtt fteilich kein Unrecht. Red.) Hiermit glaube ch daS Signalemmt dieser Schmähschrift kmutlich genug gegebm zu haben. Sie widerlegen, hieße einm Mohrm weiß waschm wollen. Aber Eine Lehre könMm wir aus diesm Elaboratm ziehm, daß eS Sache der Gesammtjudmheit ist, gegm dm gemnnsamm Feirrd vorzugehm. Der Gemeiudebund wäre daS geeignetste Organ gegm diese Dominikaner undPfefferkorne Ser Jetztzett, und mözm sich diejmigm, die auS ver» meintlicl>er GesetzeStrme ein Schisma im Judmthume herbeiführm wollm und eine jüdisch« Ketzerjagd anstellm, sich nicht einbild«, daß sie von dem Judmhafle der schwarzm Sippe geschont werdm, wenn si>: mtt ähnlich m Waffm gegm da« eigne Fleisch und Blut wütheu. Salomo» vou Montpellier und Jona von Geroui riefm die Inquisition gegm jüdische Ketzer zu Hllfe; die Dou iaikauer stundm ihnen bei mtt Feder und Schwert; aber ihnm ei ging'S wie dem Zauberlehrling: sie wurdm der gerufen« Geister r immer loS und mit der Reue, die zu spät kommt büßt« sie ihr« ZeloriSmuS. Dänemark. Krpenhageu, (Orig.»Correfp.) Herr Oberrabbiner vr. Wolff, der bei Gelegmheü seines fünfzigjährige» Jubiläum« vom König »o» Dänemark durch dm Tttel „Professor' und durch Verleihrng de« DanebrogordmS ausgezeichnet wurde, ist auch von der philosophischen Facultät der Universität Gießm zum Doctor donori» euusu ernannt wordm. DaS Diplom, auf Pergammt kunstvoll auSgeführt, ist demfelbm mtt einem schmeichelhaft« Handschreiben de- Decan» überfmdet worden. Vermischte und neueste Nachrichtm. Br eSlan, S. Octbr. Der 70 jährige Geburtstag Sr. Hoch, würdm!eSHrn.DttectorS de« jüd.«theol.Semi»ar»vr.Z.Fraukel ist gestern in solenner Weile gefeiert worden. Die nächste Nummer wird darüber ein« auSführlichm Festbericht bringen. München. Liner der edelst« Menschenfreunde, ein trmer hoch begeisterter Sohn seine» deutsche» Vaterland««, deffm «me Größe seine letzte Freude war, ein trmer unermüdlicher Vorkämpfer für die Sache de- Fortschrittin unserem mgerm Heimath» lande, Professor vr. I. Herz, ist am 27. d. M. in Erlang« gestorbm. Wir wissm, daß diese Trauerkunde wett über die Grenzm Bayerns, ja Dmsschland» hinaus mtt tiefem Schmerz vernommm werdm wird, denn auS dm mtferntestm Welttheilm kämm Tag um Tag Hllfefuchmde zu dem berühmten Arzte, deffm! ganzes, leider zu ftüh beschloffmeS Leb« eine Kette von Selbst» j aufopferung und Wohlthun war. Auf ihn, dm erstm Israeliten, | welchem in Bayern, zunächst als außerordmtlichem, daun ordent» lichem Professor an der Universität Erlangen, ein unmittelbares StaatSamt überttagm wurde, fahm feine fpeciellm Glaubens« | genossen mtt Stolz und Freude; aber wmig Männer hat e» ge» > gebm, in welch« das wahre Mmfchenthum so rein in die Er» schemung trat. Die Fortschrittspartei in Bayern, an derm Leitung ■ und Bestrebungen er fett Jahrm einm hervorragenden rastlos« Aotheil nahm, wftd dem Geschiedmm ein trmeS Andmkm be» wahren. (Neuefte Rachr.) Mannheim. - Am 3. Oktober soll hier die erste Gmeral» Versammlung deS allgemeinen deutsch»israelitischen Lehrer-BereinS stattfinden. AuS dem Statutm-Entwurf thettm wir die inhalttich wichtig« stm Paragraph« mit. § l. Zweck de» Vereins. Der Verein erstrebt: 1. Hebung uud Förderung de« jüdisch« Schulwesen« im Allgemeinen. 2. Kräftige Förderung de« Lehrerbildung-Wesen«. S. Organisation de« AufsichtSwesen» über die jüdisch« Schule. 4. Sicherung der Lehrerstelluug durch Aufhebm de« Bertraaschließen« aus gewisse Zeit und Einführung allgemeiner definitiver Anstellung in demsrlbm verhältniß, wie die« bei den christlich« Lehre« der Fall ist. 5. Sicherung auskömmlicher Besoldung«, Pensionen ». Wittwm» gehalte. 6. Ueberhaupt vollkommme Gleichstellung sianatlicher Volksschulen Deutschland«, ohne Unterschied der Eonsesstou und ‘ rechtlich« Gleichstellung der ordmtlichm ReligiouSlehrer mtt dm Volk«lehrern, mindesten» der Gemeinde gegenüber. § 2. Die Zwecke soll« erreicht werdm: ». Durch Einwirkung bei der Grseygebuna uud dm BerwaltungS- Behördm über jüdische Schul- und Lehrer-Lerhälwiffe im Allgemeinen.' d. Durcki gemeinsame« Einwirkm auf die Gemeindm, sowie Verbrettm richtiger Anschauungm von dem Wesen uud der Aufgabe der Schule vermittelst der Presse. ' c. Durch gegenseitige Verpflichtungen der BereiuSmttglieder bei der Uebernahme von Stellen. ß. 14. Der verein gilt als aufgelöst, wmn die Verhältnisse der jüdifchm Lehrer uud Schul« Dmsschland« dmm der christliche» gleich find. Eisenach. Der ehemalige quieScirte Landrabbiner Heß ist am 21. Sept. hier gestorbm. Gtnchburg. 2. Ocwber. wie wir vernehmen, sagt di« „Straß«. Ztg.", hatten die hier eingewanderten deutsche» JlraelUen an ihren jtwgst verswffeu» hohe» Feiertage» einen Separat-SotteSdirust veranstaltet. 9* ocfdp» die« Mdeß mcht, um etwa eine Spaltung »wisch« diesen »ud der hiesig« G«. meind« hervorrnrnsen, sonder» lediglich auS de« Snmde, well dir hiesig» He nicht Raum genng darbot. Di« Bmreiud« uutersttht« dal lduerwie «nertennend hervorgehob« f» werd« verdieM» durch lleterou Gesehroll« nnd ander« heilig« iteräthschaften, in bereitwilligster weise.. >« «otteSdieuste nahm« eirca 1<X) Person« Dheil, darmttrr eüntz« «lsäfferbuud »er größte Dhetl der hier garnisoniread» Soldat« »osassch» SlaubenS.v Zugleich wurde bei dieser <ßeleg«heit wohl »um erst» Male hier in Sttagburg unter d« i» der Synagoge übüch« SebrSuch» das webet für da» Wohl de« Kaiser« in deutscher Sprache gesprochen. Presbnrg. Da» Städtchm Besieg bei Preßburg war einer von dm Plätzm, in welchem bi» vor wenigm Jahrzehnt« kein Jude wohn« durste. Der ungarisch« Graf Palffy hat dort etum Güterkomplex. Derselbe erlaubte dm Juden, sich daselbst ntederzulaffm. Dafür hattm sie jährlich eine Summe z» zahl«; Hier,» ei« ivetlage.