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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-10-11 · 41 (11.10.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
41 (11.10.1871)
Date
1871-10-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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820 gesehen ist, KmdeSkiuder rechtsverbindlich belaste» können. <St ist nicht anders möglich, e« ist nie ander« gewesen. Aber in religiösen Ding« ist dergleichen, wenigsten« im Judenthum, nicht durchführbar. So wie e« im jüdischen Gottesdienst nicht thvnltch ist, die Gemeinde durch Borbeter, Prediger und Chor mnndtodt zu machen, wie solche Versuche stet« mißlungen find, oder dem Gottesdienste den Charakter eine« jüdischen genommen haben, ist <ß auch nicht wohlzethan, die Gemeinde für die religiösen Angelegenheiten wählen und dann sich rein passiv verhalten zu lass«. Wir wollen im Gottesdienst kein polnische« Dnrcheinandäschreien, wollen für die Ordnung der religiösen Angelegenhetten keinen polnischen Reichstag, in welchem jeder Fanatiker und Qnerkopf sein Deto einlegen und jeden Beschluß umstoßen kann. Aber vir verlangen für wichtigere religiöse Anordnnugm Berufung der Gemeinde-Versammlung. Am grünen Tisch entwickelt sich stets Herrschgelüst, auch der Beste entgeht da nicht ganz den Anwandlung« deS Eigensinnes, deS befriedigten oder gekränkten Stolzes-in der Gemeinde-Dersammlung mag eS laut Hertzehen, aber die rein persönlichen Motive wagen sich nicht hervor oder werden rasch zum Schweigen gebracht. ,E« giebt Einen, der klüger ist, als alle Weifen, das ist tont le monde,“ hat ja wohl Talleyrand gesagt, und mehr al« da«, in den Gemeinden lebt immer noch Sinn für Wahrhett, Siecht und Frieden! Wir begnügen unS, namentlich über die Krage der Gemeinde» Versammlung, mit diesen Andeutung« und Hab« an unser« Theile nur noch einige untergeordnete Punkte zu erwähn« und über d« Kleiu'scheu Vorschlag eia paar Worte zu sag«. Die S-bbathfeier. 6. Colberg, 3uli 1871.*) Bor einig« Monat« hat Refermt in dies« Blätter» ei» warme- Wort an seine Glaub«Sg«oss« gerichtet, daß diefelbm sich, wo eS die Vertretung unserer religiös« Jntereff« nach Auß« gilt, besonder« aber dem n«S noch immer iguorirmd« Staate gegmüber, mit Hint«anfe-unz aller ihrer sonstig« inneren Parteizwistigkeit« vereinigen möcht«, um ihr« gerecht« Forderung« auch dm recht« Nachdruck zu gebe». Judeß scheint die Erkmntniß, daß gerade jetzt die Zett gekommm sei, unser volle- und ganze- Recht auch im Ramm unserer Religion alle wie ein Mann vom Staate einzufordem, noch keineswegs in unser« Gemeind« zum Durchbruch gekommm zu sei», und so ist d«n mein damaliger Ruf, der unserer leider zur niedrigstm Magd herabgewürdigt« jüdisch« Schule galt, spurlos verhallt und hat in dm Herz« meiner GlaubmSgeuoffm auch nicht da» leiseste Echo geweckt. Doch „gntta cavat lapidem“ (ein Tropf« höhlt selbst dm Fels« auS) — und so möchte ich noch ei» zweüeS Wort, zunächst wohl an die Leser diese- Blattewagen, vielleicht findet eS diesmal eine beffere Stätte. E» gilt h«te der ältest«, ehr» würdigst« Institution unserer Religion, einer religiös« Berau» staliung, die nach dm heilig« llrkuud« so alt als unsere Erde ist, ja die ich sogar eine Säule unsere- Glaub«- nenneü möchte» und mit der da» Erbe unserer Väter steht und fällt. Der Leser weiß schon, daß ich die heilige Sabbathfeier meine» die, wie *) Dieser Aussatz ist, z» imserm Bedauer» u»d durch tufillli-e Umsttlude, «ouatrlaag liege» geblieben. L» moß die» mrisomehr bemerkt «erde», da i» ander» B lLtteru iazwische» Lhuliche Anrrgoageu gegeben ward« stad. Die Artikel, a»s di« im Aiagmg» Bezog genomme» ist, ftehe» i» Rr. 7 bt» 11». 3. (Rcb.) bar, in demselbm Capitel, in welchem Herr Crump von dem > Wuchergeist der Judm spricht, constatirt derselbe auch, daß der j heutzutage von der BolkSwirthschast alS richtig anerkannte, von | der neueren Gesetzgebung zur Ausführung gebrachte Grundsatz: der vollständig« Kreigebung deS Zinsfüßeschon bei dm Griechm in voller Kraft war. Er citirt aus Macleod, daß »Solon dm Zinsfuß absolut fteigezebm und außerdem auch schon in jmer! früh« Zett so außerordmtlich verständig gewesm, die Absurdität; der Schuldhaft einzusehm und dieselbe aufzuheben'. — Wären die Gründe für Aufhebung der Wuchergeseye rein tolerttmder j Natur, ging« sie nur au» der Absicht möglichster Nichtinterventton hervor, un« käme nicht in d« Sinn, sie in beschönigender Weise au-zubeuten. Doch ist bekanntlich dies nicht der Fall und auf diese Seite der Frage werdm wir wohl Gelegmheit Hab« zurückzukommen. Aber ist edenn auch wahr, daß zu irgmd einer Zeit die Judm ein« größer« .Wuchergeist', wie der eingebürgerte technische Ausdruck lautet, ja daß sie auch nur eine ausgeprägtere Geldgier an dm Tag gelegt hätten? — DaS landläufige Vor» srtheil lautet ,Ja'. In Wahrheit wird die Frage verneint werd« miss«. Die Gesetze deS Judenthum» lehr«: »Wenn Du Geld oder Lebensbedürfnisse Deinem Volke leihest, sollst Du kein« Zin« oder Ueberschuß verlang«; wenn Dein Bruder verarmt und seine fiukmd« Arme gegm Dich auSstreckt, sollst Du ihn auftecht halt«, und ebmso dm Fremden, der bei Dir wohnt, damü er I»ei Dir besteh«; Du sollst ihm ohne Zin» Dein Geld und Dein« LebmSmittel leih«.' Dabei war daS jüdische Gesetz strmge geg« dm wucherisch« Darleiher und dm Darlehn- Empfänger. Die« ist evident und die von feindlich gesinnt« Geiste« aufgestellte Behauptung dc» GegmtheüS beruht auf Unkeuntniß oder Böswilligkeit. In urferm Tag« ist e« wohl nur dm Zelot« überlaffm, sich und Ander« einred« zu voll«, die Judm ständm nicht auf der Höhe der Culttrr. ES ist unbestreitbar, daß dies Geschlecht im Mittelalter um Metlmlänge in seinem moralisch« und geistig« Zustande voran« war. Und auch heute ist eS nicht bloße Zufälligkeit, daß Gewaltthättgkett und Verbrech« unter dm Judm zur Seltmheit gehör«, Mord und Raub bei ihn« fast gar nicht, Diebstahl in nur vereinzelt« Fäll« Vorkommen. Ebmso ist e« mit Tnmksucht und ande« ähnlich« Lastern. Sie find mäßig und nüchtem. Während Verbrechm und Laster seltener bei ihn« erschein«, bereit« sie dagegm d« Tugmd« in um so höherem Grade eine Stätte. Wo Wohlthättgkeit und Herzensgute zu bekund« find, üb« sie diefelbm in hervorragendem Maaße. Die Sitte, Reinheit und Fülle ihre» Famllimleben» find sprichwöttlich geworden. — Fe« sei e», die charakteristisch« Züge, in dm« sich die Judm auSzeichn«, einer tieferen Moralität«- lehre ihrer Religion, oder wa« noch schlimmer wäre, der besonder« Begabung ihrer Rare zuschreiben zu wollen. Vielmehr laff« sich die Thatsachm auf durchaus fachgemäße, natürliche Weise 'erklär«. In dieser Beziehung wird eS »erstattet sein, am Schluffe dieser Betrachtung eine etgme Meinung al« da« Ergebniß langjähriger Beobachtung auSzusprech«. Zunächst sei indeß hier darauf hingewiesm, daß eS doch eine ganz besondere Eigenthümlichkeit, ein wahre« psychologische« Räthsel erst« Range« sei« müßte, fäudm sich in Beziehung auf dt« Ausübung von Tugmdm, auf die Vermeidung von Laste«, auf Gtmüth und Geist bei d« Judm so viele hervorragende Eigmschastm edlm Menschenthum«, und zeigte sich außerdem bei ihn« eine Geldgier ganz besonderer» nur ihn« eigmer Art, die ein« garstig« Fleck auf Qftr hell« Vorzüge abgäb«. Indeß da» mißgünstige, »ulanterer Quelle «tspruugene Lorurtheil über dies» Puntz zerstiebt, sobald «an ihm näher tritt. Salvador (.Geschichte ^der «wsÄsch»

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