Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 40 (4.10.1871)
- Date
- 1871-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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815 mr an» religiös» Motiven, «m die Sache gehen, ein» günstig» Erfolg erwarten. Wenn Ihr Eorrespondent in Rr. 88 der „Wochenschrift" dem Lerfaff« der Geschichte der Juden in Berlin keine Lorbeer« prognosticirte, so ist ihm dafür ein reellerer Erfolg zu Theil geworden. Der Gemeinde-Vorstand hat ihn zum Lehrer an der Lehr»-Bildung» »Anstalt, al» Nachfolger de« vr. Philippfon, ernannt. Sollten die Gemeind» Israel» Ursache Hab» sich zu fr»«, wenn ihre Lehrer von einem Manne auSgebildet werden, der in der erwähnt» Geschichte bekundet hat, wa» ihm da» Judimthum ist, und wa» für daffelb« von ihm erwartet werd» kann? ES ist Zeit, daß Alle, den» die Zukunft unserer Religio« am Herz» liegt» und die die Aufgabe würdig», welche unk All» in dem Worte OTUStn geworden ist, sich mdlich veniaig», un^dem drohend» Nebel zu stenem. WaS soll au» der Jugend werd«, wmn ihre Lehrer selbst die Religion verleugnen und flache« DeiSmuS huldigen. Wie viel Unheil habe» schon Hauslehrer gestiftet, d»m fromme Väter ohne Prüfung ihrer religiös» Gesinnung ihre Kinder zum Unterricht anvertraut Hab»! Wir müffm eine Anstaft Hab», an der Lehrer gebildet werd», den» religiöse Elte» ihre Kinder ohne Sorge übergeben lönnm! Vielleicht Hilst die ftagliche Bestallung dazu, daß t blich hier in dieser Richtung ein Schritt geschieht. . Bielitz löste». Sch lest»), 27. September. (Orig.-Corresp.) vr. Cohn, vor vi» Jahr» al» Direct» der iSrael. Gemeinde» schule hi»h»b»nfm, ist von d» Synagogm-Gemeindi: zu Oel» einstimmig al» Predig» gewählt wordm. » Vermischte und neueste Nachrichten. Leipzig. D» geschäftsführende Ausschuß de» deutsch-iSiaelitischm Gemeiudetage» hat ein Ruudfchreibm an die Rabbi«», Vorsteh», Verttet» d» WohlthättgkettSv«etn« und Notaleln d» iSraelittfchm Gemeind» in Rußland und Pol» gerichtitt, um dieselb» auf die Uebelstände d» Wanderbettelei auf» m»ksam zu machen. E» wird h»vorgehobm, daß e» sich wmig» um die Last handle, welche dm sjüdischm Gemeind» Dmtschland» durch jme Schaar» auf»legt wird, al» um die Demora» lisation, in welche die gew»b»mäßigen Bettln verfink»; daß eS d» Judmheii zur Schande gereiche, «mn viele dies» Bettl» nur allzuhäufig mft den Organ» d» Polizei und d» Gerichte in Conflict komm» und dm sonst auffallend g»ingm Procmtsatz, welch» die Jud» in Dmtschland zur Bevölknung der Gefänzuiffe und der Sttafhäus» abgeben, bedmtend «höh», und nie e« eine heilige Pflicht der wohlhabend»en und intelltg»itm GlaubenSgmoffm in Rußland und Polen sei, dahin zu wirken, daß durch Verstopfung d» Quell» de» PauperiSmu» unt» ihr» Mitbrudern diesem heillos» Unwesm eia Ende gemacht w»de. Besonder» wird gebeten, von dem AuSstellm von Bettiibrief» Abstand zu nehmen; e» wird angedeutet, welche Wege man in Dmtschland -inschlage, um best» als durch Almosm der Armuth zu helfen, und schließlich gebet», da» UnterstützungSwefm in Rußland selbst zu centtalifirm und zu organifirm, rnan w»de dann von Deutschland au» durch Beistmem ge» den GlaubmSgmoffen beistehen. Diese» Circular ist auch an die deutsch» Gemeind» oersendet, und diese werd» in ein» Nachschrift ersucht, angeben zu wollm, wie hoch fich die Ziffn d» resp. jährlich» AuSgcibcn für die Wanderbettler — au» d» Gemeindekaffe» andem Funds und Verein» und» annähernd, au» Privatmitteln — belaufe. — Ein sehr glücklicher Gedanke! ES wird fich natürlich keine eimgermaß» vollständige Ueb»flcht gewinn» lass»; ab» wir find üb»z»gt, daß ein kleiner Theil d» Angab» schon eine Pose». Die Brüdergemeinde h^lt Her» vr. Ph. Bloch, bi»h« Director d«' iSraelit. höher« Bürgerschule 1» München, zum Predig» gewählt. Derselbe ist ein Schül» de» jüd.-theol. Seminar» in BreSlau. eine noch stärk»« al» die beid» vorig»; eine Wirkung od» Beffe»ng zeigte fich nicht. Pun hieß e» allgemein in, Rathe d« Lerttautm: ,ES ist nicht» mehr mit dem Alt», »»»steht nicht» mehr, » ist stumpf geword», imm» die nämlich» alt» Recepte, ihr seht ja, daß » nicht» «ehr leist» kaari. Da ist» jetzt et« jnng» Doctor hergezoge», dm müffm wir Holm/ Gesagt« gethan. So kam d» junge Doctor, untersuchte und examiairt^ dm Krank» sehr gmau, verschrieb Arznei, gab genaue Derhaltung»regeln und ging. Kaum war » drauß», al» man eiaand» in LobeSnhebuag» üb»bot. .Da» ist ei« Marm, habt ihr geseh», wie d» «tt dm Krankm umzugehm weiß? hast du gesehen dm Eh», mft dem » un» gegrüßt hat? Haft du gehött, wie » de« Krank» Muth et»g»ed«1 hat? jede» Wott so wohl gesetzt, «an kan« es dmckm laffm? Und hast du gehört, wie « dazwischen die großmächttgen, lateinisch« od» gar zriechtfchm Wärt« genannt hat, wie da» alle» heißt, wa» dein Krank« fehft; ich habe «» gewiß nicht verstand», ab» » muß grausam gelehrt fei»! Und sehet nur da» Reeept! welche zierltt?« Buchstaben! D« Alte schreibt, e» steht an» wie laut» öklokse; w» weiß, d» Apothek» mag e» gar verkehrt lese», » kann, Gott behüte! ein» Krankm vergiften!' Go sprach man durcheinander. Jndeff», gehobm war die Krankhett am folgend« üürge doch nicht. D» junge Doctor schüttelte auch mtt dem Kopfe, sprach mied« viel, schön und gelehrt, und verschrieb et» anden» Recept. .Wir müffm di« Medizin verstärk»/ sagte » selbst ausdrücklich. ^Vtt ix ab» am dritte» Lage »tederkam und wieder keinerlei ^Veränderung an dem Patient« bemerkte, da schüttelte » nicht Summe »gebm wird, welche dm Jud» oie Augm öffnm muß. Man wirdsehm, welche^enorme Mittel verwendet, zu */4 olxc verschwendet liche» würde uur'IWMm Kopfe, wie Tag» zuvor, und wie d» alle Doctor gethanHMe, sonbem » sagte: »Da» geht nicht mtt rechten Ding» zu; ich habe vorgestem »»schrieb« und gestem dt« Diediztn v»stärft, da» muß doch irgmd eine Wirkung gethan hob», da» ist gar nicht and«» möglich; ich sehe ab» gar keine. Zeigt tkir doch einmal die Medizin!* .Medizin?' seufzte d» Kranke, — „ich weiß nicht» von Medizin, ich habe die R«epte unt» mein Kopfkiffe« gelegt; ich weiß e» nicht and»», ich ha!« ja noch nse gedoctort, ist e» dmn so nicht recht? Hilft da» «licht»?" Go kam» nun die Recepte zum Vorschein» auch di« de» »lrm Arzte«. D» junge Arzt sah auch diese «ach und sagte: „Nun seht, d» Alte hat ja d» Krankm ebmso bmrthetft und behandelt wie ich. E» find dieselb» Mittel, di« wtt beide verschrieb« Hab«, ab» wenn d» Krank« fl« nicht etnnimmt, können fie freilich nicht» nütz»." Nein, meine He»m, d» deutsche Doctor-Prediz» unt ich, wir „sag»" auch daffelb«. Er predigt Moral, ich auch. Er sagt: ihr sollt gott«»fürchttg, ehrbar, rechtschaffm, «ohfthätig sei», sollt «re Kind» reltgtö» »zieh« und zugleich in weltlich« Kmntniffm gut unterrtchtm laffm, » wamt vor N«t^ Unzufriedmheit, Verleumdung, Habsucht und Wollust —aty auch. Ich sage da» in alt» Weise, » sagt daffelb« in moderWg^Aber wenn man uns»« 8k»epte, seine und meine, uni« daflWIUsm legt «ad wett» schläft, dann bleibt alle« beim Altm-M^p. werd» (k ra, und wa» fich mit solch» Summen Srspiictz-