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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-10-04 · 40 (4.10.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
40 (4.10.1871)
Date
1871-10-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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814 Auszüge au« den rumänischen Blättern, wie sie die „Ung. jüd. Wohenschrist" gtebt, ganz geeignet und genügend; es ist nicht möglich, daß die tonangebenden Kreise in Deutschland nicht mtt Abscheu gegen jene« Treiben erfüllt werde», und daß sie nicht zugleich die Gefahr begreifen sollte», in welcher Leib und Leben der rumänischen Juden bei so blutdürstigem Hetze» jeden Augeufclid schwebt. Giebt es auch hier und da Einzelne, die im Stillen der „Trompetta", und wie die Mord- und Rarbblätter alle heißen, Beifall zurnfeu und sich in Aussicht auf eine tüchttge Jutenhetze vergnügt die Hände reiben, so werden sie das doch für sich behalten; die öffentliche Meinung im deutschen Striche wird glücklicherweise von solchen Leuten weder gemacht noch beherrscht, und der in Deutschland vorhandene Fond« von Judenhaß' reicht längst nicht aus, um rumänische Zustände, zu billigen. Zu dem angegebenen Zwecke bedarf eS nun keine« besonderen Apparates; jeder» der mit der Redaktion eines großen Blatt« in l Serbin düng steht, strebe dahin, selbstständigen Arttkelu oder Auszügen au« den bezeichnet« Preßerzeugnissen Aufnchme zu vers Haffen. AuS den deutschen Blättern würden sie daun in englische und von da in französische übergehen und die civilifirte Menschheit wachrufen. Wörtliche Auszüge find jedoch nöthig, da »hne solche das Maaß des Hass« und d« CyniSmuS gar »ich!: begriffen oder dargestellt werde» kann. DaS Andere, was unS zu thuu obläge, würde darin bestehen, daß wir die Reichsregierung auf die unseru Glaubmsbrüt ern drohende Gefahr Hinweisen und sie um ihren Schutz für jene auriefen. Daß daS nicht'ganz erfolglos fein würde, daß die Stimmung im Reichskanzleramte und am Kaiserhofe selbst den rumänischen Rotheu sicherlich nicht hold ist, daß ater auch die Angelegenheit durch die damit verzwirnte Eisenbahn-Obli» gatirueu-Frage nach entgegengesetzten Seiten hin gezogen wird, lassen wir «»erörtert; in hohe und i» Finanzpolitik hat sich di« Blat nicht zu mischen. Wer aber soll die nöthigen Schritte thur? Eine Petition au den Fürsten BiSmarck kann freilich j«ei richten; aber wenn di« auch Setten« d« Borstand« der jüdrchm Gemeinde der Kaiserstadt geschähe (und « stände diesem sehr wohl an, die Jnttiative zu ergreifen), so wäre « doch ohne Feuilleton. Au» den ersiihlungen eine» Neunzigjährigen. 3. Etwavon einem Maggid. In dm zwanziger Jahrm führtm mich Geschäfte zu mehr» wöäiigem Aufenthalt nach St. Bei einem Freunde, der zwar der Ref >rmrichtung zugethau war, aber noch hübsche Talmudkeantntffe besaß, fahrende jüdische Gelehrte fteigebig unterstützte und sich mit ihn« gern unterhiett, lernte ich einm polnisch« Maggid kem«, dessen Borträge zuweilen auch von Männern, die meinem ebe« geschildert« Freund gleichgesinnt war«, mtt Vergnüg« ang>chört wurden. Sr war keiner von d« berühmt«, ich Hab« dah.r sein« Nam« vergesse», habe auch seitdem kein« Maggid- Dortrag mehr gehört. Der Man» war nun klug geuug, sei«« Bortrag dem Geiste der Stadt und sein« Mäcmatm anzupaff«, er siedigt« Muflar» reine Moralität und schwieg möglichst von d« religiös« Differenzpunktm. Da bemerkte man ihm mm ein« Tag« t» Haus« d« Freund«, er sage doch t« Grunde durchaus nichts ander«, als der greis«, ebenfalls sehr tolerante Rabbimr einer- und der »deutsch«* Prediger andererseits. »Kommt aus Sabbath in di« —sch« Schul«/ sagte er, ,so werde ich Such tu netner Deraschah Antwort geben.' Sr that dies in seiner und aller Maggtdi« Wesse durch eia Mascha! (Gleichniß) oder zwei, di« ich wohl behalt« habe, Zweffel von ganz andere« Gewicht, wem, ein deutsch-jüdischer Gemetudebnnd ein« Hilferuf erheb» würde. Da habm wir dm» ein« schlagend« Beweis, ei« herzergreifendes Beispiel für die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit de» Gemetndebundes! Was soll denn nun daS Zetern geg« denselben?! Daß ein jüdsscher Gemeindebund keine religiös« Angelegenhettm betreiben solle, ist - ftellich unmöglich, aber ist in solch« Frag« ein Auseiuandergehm der Orthodox« und der Radikalsten denkbar? Werden, soll«, müssm die starrst« Eonservattvm und die «sschiedmstm Reformer nicht Hand in Hand geh«, wo « gllt, da» Leb« oder auch nur die Habe von Glaubmsgenoss« — von Mensch« — geg« Mord und Plüudemng nach Kräften zu schütz«? Wahrlich, wer da dm traurig« Muth hat zu sag«: ,da du dich mtt einem Frevler verbindest, zerstört Gott dein Werk/ der ist nicht werth Bibelsprüche in dm Mund zu nehmm. Da indess« der Gemeiadebund leider noch nicht besteht »ud Gefahr im Verzüge ist, so müßte allerdings von ander« Sette da« Reichskanzleramt angegangen werdm. Giebt « d«n in Berlin kein« dm höchst« Kreis« näherstehmd« Judm, der ei» Herz für seine Brüder hat und »den Mund für sie aufthut*? Berichte und Correspondenzen. Deutschland. M. Berlin, 27. Sept. (Orig.-Corresp.) Die jed« religiöse Gefühl beleidigmde Spekulation mit Gebetlokalm zu dm hoh« Feiertag«, in Räumen, worin daü ganze Jahr die profanst« Dinge betrieb« werden, hat endlich einige jüdische Bewohner der Friedrichstadt veranlaßt zusammmzutretm und d« Versuch zu machen, in diesem reichst«, aber von dm Gemeinde» und Privatsynagogm sehr «tsemtm Stadttheil, unabhängig von der Gemeinde, eine eigme Synagoge zu gründen. Die Angelegenheit befindet sich noch in d« erst« Stadim, doch läßt der Emst, mit welchem die Unternehmer, fern von jeder Spekulation und wenn ich auch die htuetngeflochtmm Verse und Midraschwörtchm 'nicht mehr weiß. Ein« Tag«, erzählte er also, ging ich eia« fischreich« Strom entlang, als ein warmer, geltuder Sommerreg« ntederfiel. Da kam« die Fische an di« Oberfläche, erhob« dt« Köpfe, öffnet« dm Mund und schnappt« gierig die Äopfm aus. Seltsam, dachte ich, die Fisch« fitz« tu lauter Wasser und find auf die »iederfallmdm Tröpfchm begierig; das kam» nicht anders sei», als daß sie d« Flnßwaffers immer genug habm und ge« einmal ei« ander« gmteßm mög«. So, meine Herr«, ist hier eine Stadt voll von Gelehrt« und Schrtstkundigm r ihr schwimmt, so zu sag«, in dem voll« tief« Wasser der Thora »ud Ehochma (Weisheit); was ich «ch gebm kann, ist wie «in Tropf« ans dem Meere; aber «1« di« Fische «ach dem Tropf« schnappen, der auch nur dasselbe Wasser enthält, so hört ihr vielleicht einmal gern auch ein Wort von mtt. Wetter erzählt« er dann et« ander« Gleichniß. Eia Man», noch in btn rüstigsten Jahr«, der »och nie krank gewesm war, wurde leidend, später bettlägerig, wollte aber immer noch Maat Arzt ruf« lasse». Endlich gab«, die Verwandt« und Freund« ihm nicht «ehr »ach, sie ließ« dm Stadtdoetor komm«. Dieser, ela Man» der alt« Schule, kurz angebunden, wie alle Aerzte zu sein pfleg«, kam, fühlt« d« Puls, besah die Zunge, that einige Frag«, schrieb et» Recept und ging. Am anderm Tage kam er wieder, fühlte, untersuchte, schüttelte d» Kopf, brummt« in sich hinein, verschrieb ein« andere Medizin «ud ging. Am dritte» Tage, die Krankheit hatte eher zu» als abgenomm«, das« > selb« Manöver; es wurde eine dritte Medizi» verschrieb« gewiß {

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