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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-09-27 · 39 (27.9.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
39 (27.9.1871)
Date
1871-09-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ManseRrgeuoffe» in feem letzten Kriege feargeih«, daß fie nicht witfkcr gute Deutsch« finb*. . r Die ,vad. L-Ztg.' bemerkt hierzu: .Nichtig, wa« da« Letzte «belangt — die deutschenJlnde» haben schon lange bewiesen, daß fie gute Patrioten find» aber fiud fie» wie unser offizielle« Organ «eint» in Wirklichkeit init den übrigen Confesstonen so ganz gleich gestellt? Hat man nicht uoch in der letzten Zeit erlebt, daß es als etwa« ganz Besondere« hingestellt wird, wenn man einen Juden zum Richter oder der- 'gleichen macht? Ist in Deutschland ein jüdischer LInien-Offizier denkbar? Könnte in Preußen ein Jude wohl Minister werden? Rein, eher wäre wohl an de« Himmel« Einsturz zu denken. Haben also angeficht« solcher Thatsachen die Elsässer Juden Unrecht, wenn fie mißtrauisch find, fich vorsehen? Man gebe ihnen reelle Garantien, daß ihre Stellung die nämliche sein wird, die sie unter Frankreich war — dann schwindet da« Miß» trauen vielleicht, auf einen mit schönen Phrasen geschmückten Artikel der »Straßburger Zeitung' hin jedoch nimmermehr.' Weiter läßt sich die »Köln. Ztg.' in derselben Angelegenheit schreiben au« Mainz, 15. September: »Unter den letzten Ernennungen zu Stellen an einigen <5e» richten in Elsaß-Lothringen finden wir neben den zum Parquet in Eolmar auch zwei zu Räthen an den Landgerichten zu Metz und zu Zabern., Diese au» der Klasse der sogenannten hiesigen Stage-Advokaten erfolgten Beförderungen find bezüglich der beiden letzteren in so weit von Bedeutung, al« e« im Deutschen Reiche die ersten sind, welche Bekennen» de» mosaischen Glaube:» die Laufbahn al« Richter eröffnen (d. h. einstweilen wenigste»« im neuen „9tci$61anbt", in welchem die Zulassung bereit« al« geltende« Recht vorgefunden worden ist). Wenn diese Fälle in den neuen Provinzen selbst manche Sorge und manchen Jrrtham zerstreuen werden, so hat man auch im alten Reiche sellst alle Veranlassung, den neuen St«dp«ukt der Reichs-Justizverwaltung mit aller Genugthuung aufzrmehmen. E« ist freilich noch abzuwarten, ob die Rückwirkung diese« Standpunkte« im Mutterlande sich stark genug zeigen wird, um jene Hindernisse zu beseitigen, welche bi« jetzt, trotz der in allen deutschen Verfassungen ««gesprochenen Gleichheit vcr dem Gesetze und vollkommenen Gleichberechtigung zu Staatsämtern, der Ernennung von Israeliten zu Magistraturstellen eni gegenstanden. In unserem Hessen hat man die Wirkung de« Borurtheil« ziemlich systematisch durch Berücksichtigung von Convertiten abzuschwächen geflrcht. Im Uebrigen ist bi« jetzt der einzige JSraelite, welcher in dem schwungvollen Jahre 1848 auf Verwendung eine« früheren Glaubensgenossen in der Magistratur in da« Heiligthum der Gerdchtigkeit, wenn auch nur al« ihr »Bote' und Einziger im ganzen Lande zu treten berufen wurde, ein entsprechende« Beispiel dafür geblieben» mit welcher Zähigkeit man an dem früheren Systeme festhält.' (Wie seltsam ist e« nun und wie charakteristisch sür die Voruriheile, gegen die der Jude in allen Ländern zu kämpfen hat, wenn, wie wir au» dem »Univ. J»r.' ersehen, ein 'ranzöfischer Arzt in der „Gazette mddicale“ den elsäßischen Juden L«hett gegen Frankreich vorwirft, und ein jüdischer College genöthigt ist, in derselben Zeitschrift die« mit Daten und Zahlen zu widerlegen. Red. der I. Woch.) 8. von der Weser, 10. September. (Original-Corresp.) Wa« Sie jüngst über die bemerkenSwerthe Thatsache, daß Crömieux' Charakter und seine Redlichkeit bei allen über seine Regierung» - Kollegen ergangene« Stürmen unangefochten geblieben sei, erwähnten, veranlaßt mich, Ihne« eine Stelle mitzutheiien, die ich im vorigm Winter, also «och während der größten Bitterfett, d» de» »Allgem. Familien-Jourual' in einem Aufsatze über die Mitglieder der damaligen fraozöstschen Regierung gelesen habe. Crtmienx war dort ..nicht gerade, zart «gefaßt, ben »Juden' hatte wm ihm »orznhalten nicht ,vergesse«, ,»Jsaac Adolph« Crömieur, hieß e«, der gegenwärtige Ministe , der Justiz «td de« Kriege« fbekanntlich diese« nur momentanj unter der dritten Republik von Pöbel« Gnaden, da« Haupt, und der Meister der Delegation der Regierung in Tour«» ist «in Manu, dessen politische Roll« eigentlich «»gespielt sein sollte. Wir. machen e« ihm zum Vorwurf» daß er, der vielerfahrene Grei«, fich nicht entblödet, mit Gambetta in einer Regierung zu fitzen. Aber er gllt für einen ebenso sch»»achen al« ehrgeizigen Mann.' — Dann aber heißt e« später: »Man anerkennt in ihm einen der uneigennützigsten und achtbarsten öffentlichen Charaftere der Gegenwarl, und daß seine College« Favre und Gambetta ihn nur darum zur provisorischen Regierung gezogen haben, um fich selbst Relief und Vertrauen in »»eiteren Kreisen zu geben.' Ein »Amen' wider Willen! Oesterreich. . 2 Lus Rieder -Uugar«, 8. September. (Orig.-Corresp.) Am evangelischen Gymnasium zu Hala« wurde ein Julje, Herr Jona», zum ordentlichen Professor ernannt, ohne daß dagegen von irgend welcher Seite Einwand erhoben worden wäre. Wenn wir bedenken, mit welchen Schwierigkeiten die Wahl de« vr. Ju» ttoftnSky in Posen verbunden war und wie oft der Zopf de« Herrn v. Mühler in Schwingungen kam» bi« e« gelang, die Bestätigung der Wahl eine» Juden al« Professor einer städtischen Realschule zu erwirken und die« mit dem obenberichteten Fall vergleichen, muffen wir unsere Zustände im Vergleiche zu den Ihrigen al« entschieden günstiger bezeichnen und auf« Neue bewahrheitet finden, wa» Sie in Ihrem Leitartikel: »Die Zurücksetzung der Juden in Deutschland und ihre Ursachen' auSgesprochev haben! Rumänien. L. T. Berlad, 10. September. (Orig.-Corresp. Hebr.' »nfkrrIeinde «d die Störer de» Landr»fti«dr»» find uoch imme, «ach und thätig, doch wüßte ich Ihnen eine Thatsache eben «ich zu berichten. Am 5. d. M. herrschte eine große Verwirrung ir Bukarest. Ein griechischer Knabe zeigte seine von Glasscherbe:: zerschnittenen Hände und gab an, er habe diese Wunden davor getragen, al« er Nacht» durch da« Fenster eine« unter den Tempel befindlichen Keller« entflohen sei, in de« ihn die Juden um ibn zu morden, gesteckt hätten! Obgleich nun unter dem neuen Tempel gar kein Keller ist und ebenso wmig unter den übrigen Synagogen, so fanden die Späher doch ein Neben- Bethau«, unter dem ein Keller ist. Dieser Keller ist aber sei: langen Jahren an einen Christen vermiethet, und dieser sagt, an«, daß er den Schlüssel dazu nicht au« den Händen gegeber habe. Die Regierung schickte Schutzwachen an alle Synagoge: und that ihre Pflicht, um den Lärm zu stillen. Trotzdem unt obgleich jeder sehen mußte, daß die Anklage rein au« der Luft gegriffen fei, wurde doch jeder Jude, der fich blicken ließ, mißhandelt, und die „Trompetta" meint: Die Juden könnte: wenigsten» dergleichen thun, darum geschehe ihnen immerhin keir Unrecht. Vermischte und neueste Nachrichten. Mannheim, 14. September. Die Verlegung der Wahltagfahrt für den 15. und 16. Bezirk von Montag dey 25. auf Dienstag den 28. September erfolgte auf eine Eingabe de« hiesigen Stadtrabbinat», in welcher darauf hingewiesen wurde, da, der 25. der höchste jüdische Festtag sei. Der Gemeinderath ist «f da« Gesuch unter Bedauern, erst jetzt auf die israelitische:: Festtage aufmerksam gemacht worden zu sein, bereitwillig eiogegangen. <8» scheint an« nur billig und gerecht, baß man, s > lange di« Feiertage der die Majorität der Bürger umfassende! r

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