Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 38 (20.9.1871)
- Date
- 1871-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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*01 te gfr—log« E»«t»d» •> HSr» unddte CntxaoenNa mtt (BttUnmgcit nk bbljn ji vcnt^uten. §. Ist eine Eiutguug nicht ju erziele», anb cf erfolgt die Einrichtung «inet besonder» Eultus- Verbandes, so haben die sich Tbsoaderndea eine Bethülfe aut Äemeiudemttteln zu fordern, der« Höhe unter Berücksichtigung der Zahl der sich von der HauptgemeiudeTrennenden, de» Betraget der Semeindeabgabe» derselbe» und der aut der Gemeindekaffe für di« betreshmdea Ressort» gemachten Lerordnunge» zu bemeffen und in Erinmgelung einer gütliche» Bereinbarung von dm Ministem dm geistlich« jc. Lngelegmhettm und de» Innern festzusetzm ist." Venn mir alt Haupt-Einwand mtgegmgestM werden sollte, daß dmch di« angeführt« Bestimmung« »nr der konservativ« Minorität Schutz gewährt, die fortschrittliche Minorität dageg« sich selbst überlass« wird, so gebe ich die» zu; mir erscheint aber auch derjenige, welchem etwat gmommm werd« soll, borückfichtiguagtwerther alt derjmtge, welcher Neues begehrt. Der Letztere muß sich, wM er nicht besondere Opfer bringen, bescheid«, bi» seine Ansicht« diejenigm der Majorität gewvrden find; der^Srstere aber, befindet er fich auch in der Minorität, verdimt Berückfichttgung, will er doch nur da» bisher zu Recht Bestand«« festhaltea. Hierzu tritt aber noch ein gewichttget Moment; wer Einblick genommen in dat Leb« jüdischer Gemeind«, der wird mir beipfllcht«, wenn ich behaupte, daß die Mttglteder der Rrpräsmtautm« Versammlung und det Vorstände» einer Gemeinde zwar meist«» die begütertst«, wohl auch die intelligentest« (f) Person« derselben find, an der« religiös« Institution« aber nur ein« gering« AntheU nehm«; die Wahl trifft sie ihrer allgemein« Achtung, de» ihn« beiwohnend« Bildungsgrade» weg«; hierdurch erwächst allein schon der liberalen, reformireadm Partei eia Bottheil, dem gegmüber die konservative hattet «tuet Schutze» bedarf. M. Klein, Secretär der Synagogen-Gemeinde. Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. IL Berlin, 12. September. (Orig.-Corresp.) Heber die am vergangmm Sonntag stattgehabte Feier de» 200 jährigen Besteh«» der htefig« jüdisch« Gemeinde haben die hiesigen politisch« Blätter Berichte gebracht.*) In dm Synagogen der *) wir setzen zwei solch« in «nmerkung hierher. ,^>ie hiesige jüdisch« Gemeinde beging am Sonntag bi« 200jährige Jubelfeier ihre« Wstkhenl. Unter de» Anwesenden bemerkte man anch de» Oberbürgermeister und den Stadtverordneten-Vorsteher, gefolgt von den Deputationen der städtischen vehärde». Die Synagoge war mit grünen Gewächsen festlich geschmückt und reich beleuchtet. Die Festpredigt hielt vr. Geiger. Gr führte zunächst die Geschichte de» jüdischen volle» «nd dieser Gemeind« in einem Gleichniffe dnrch. Dankbar gedachte der Redner der Vorkämpfer für die Befreiung der Inden, eine» Mose» Meadelsohu, David Friedländer», Gotth. Gphr. Leifiug». St« haben de» neuen Bund herbeigesührt. An de» Nachkommen nun sei «, ihn neu z» schließe» in de« Geiste» der sie groß gemacht habe. Man streife ab die letzten Rest« de» Mittelalter», man füge der vollendeten äußern die innere Einheit hinzu, man höre ans, Glauben mit engherzig,« Au»- schließnng zu verwechseln. Die Gemeind«, st« gelob« au diesem Lage Treue nutz Hingebung, ater anch nicht zurückzuscheurn vor den letzten Refki» de« »och immer nicht beendete» Kampfe», wie die Bildung de» Geiste» sie aber groß gemacht» s, möge di« Gemeind« anch ferner durch Pflege de« löeiste» che« Blüth« bewahren.- — Die jüdisch« Gemeind« verlin» feierte, wie die ,Bolk»zeituiy," berichtet» am 10. September 1871 ihr zweite» Säcnlarfeft. Nachdem nämlich der Lippold'sch« Preetz i» Jahre 1573 die »»«Weisung aller Inden au» Berlin herbeigesührt hatte» mar ihnen der Gingang in die Stadt 9»> Jahre lM| »«schlosse, gebliebe», «ne Verfolgung, welch« sie in wie» M, »ab »H-— de» äußeren Anlaß, vo» dem große» Kurfürsten die Grlaubiüß zur fromm« Vereine. wurde -di« Feier mit-dem GottesUwfi des vorig« Sabbgth verbunden. Die in der Synagoge der Ldath Jitroel von vr. Hildesheimer gehaltme Festrede war der Feier augemeffm und ward von d« verschied«« religiös« Ansicht« huldigend« Zuhürem mit großer Befriedigung aufg«ommen. Der Redner hatte diesmal d« beschränkt« Parteistandpuutt verlass«, und indem er dem Wirk« der Berliner Gemeinde Gerechtigkeit widerfahr« ließ, doch auch, und zwar mit anerkennmswerther Schonung, di« Schwäch« enthüllt, welch« so Biel« znv, Abfall führt». G» war wohl die best« Rede, di« btt jetzt von vr. H. hier gehakt« worden. In der Heidereutergaffe predigte Sonntag vr. Aub, in der neu« Synagoge vr. Geiger. Ei ist von Diel« taktlos gesund« worden, daß er fich, den Deputation« de» Magistrat» und der Stadtverordnetm gegmüber, unter dem Gleichniß eine» von seinem Eigmthume vertriebmen Wanderer» in einer sehr detailltrt« Leidensgeschichte Israel» erging imd dann an dis bekannte Stelle Jeremiä anschließend einen neue , Bund zwtschm Israel und dm Nation« schließ« wollt«. Uebrigm» ist die Akustik in der neu« Synagoge so schlecht, daß nur wentge Besucher den Redner verstehen können. Die von vr. Ludw. Geiger verfaßte Geschichte der hiesigen Gememde, welche als Festschrift dm Gemeindegliedern zugesmdet wurde, dürste wohl dem Verfasser wmtg Lorbeer« bringen. Graeh ist fleißig benützt, natürlich mtt tendenziöser Amderunz. Man steht dem Buche an, daß «S auf Bestellung gearbeitet unl> es fehlt jede Wärme. Währmd einer Hmriette Herz, Rahel ». Bog« gewidmet sind, werden die eigmtlichm Träger und Zmgen de» jüdischen Leb«» in der Berliner Gemeinde: die wahrhaft großartigen Anstalten und Stiftung« mit drei Zeilen abgeferttgt. Es ist in diesem Blatte schon früher darauf aufmerksam gemacht worden, wie der hiesige Vorstand nur seiner Tmdeaz Rechnung trug, indem er ein« so jung« Mann, der kaum in Berlin war«, ' geworden, mit der Abfassung de« Werke» beauftragt« und schoi, lange in der Gemeinde wirkmde gedtegme Schriftsteller überging; nun ist die» durch da» verfehlte Buch gründlich gerächt. Oie vor 14 Tag« von vr. Geiger in der alt« Synagoge gehakte..« Predigt soll da« allgemeinste Mißfall« erregt Hab« und, wie man sagt, ihm sogar vom Vorstände eine Rüge zu Theil gewordm sein. Er soll in eine wahre Wuth gegen die Verächter und Bespöttln der Synode sich htneingeredet haben und dabet die Gegner der Synode mit FüchSlein, Ignorant« und ähnlichen KraftmSdrückm bezeichnet Hab«. Er und seine Frmnde, sagt: er, hätten dasselbe Recht wie Raben» Gerschom u. s. w. Mn, Israel, was verlangst du mehr? Hannover, im September. (Original-Corresp.) Die im vorigen Jahre hier neu einzefühtte Formel für Kol nidre dürste dm Lelern der .Wochenschrift* interessant gmug sein, um sie deaselien mitzutheilen. Sie lautet mit der beigefügtm Hebe» fepuniii .« rw uaVo i? on-ü npn uft btrtp ijj rrj} ofty ‘»totp ft?; rmpn p no Tfo'p’i «ptjnjn, nai Anstedt lung in Kur-Brandenburg zu erbitten. D.e daraus augeknüpftea verbandluageu führten zu einem günstigen Resultat; und am 10. Septembei 1671 Men zwei der au» Oesterreich verwiesenen Familien, deren Nachkommen »och heute hier leben, ab» Schutzgeaoffen in veriin ein. Wer am gestrigea Lage in der prächtigen neuen Synagoge die stattlich« Festverfammlung sch, di« Frauen im reichen Schmink, di« Männer zum Lheil mit Ordeutgeichen, einige mit dem eisernen Kreuz geziert, Magistrat und Stadtverordrete, unter ihnen viele Mitglieder der jüdischen Gemeind«, ab» Ehrengäste, ler hatte vor sich da» vild eine» Umschwünge« der Leben«auschammger und einer Umgestaltung der bürgerlichen Ordnung, für welch« 200 Jahn «in kurzer geitabschuiu stad. Da» Fest selbst vollzog fich in einer meisterhaft auügefthrt» Liturgie, einer gehaltvvlle» Festrede, mrU^t vr. Abraham Geige« hielt, r nd der» Gesänge de« großen Halleluja »nd danerte etwa auderthalk Stnudea.