Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 33 (16.8.1871)
- Date
- 1871-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Auffassung wichtiger Zeitabschnitte unb ihrer pragmatische» Verhältnisse a»r längst entschwundene» Tag« — durchweg» in diesen, Werke sich bekunde», so bin ich wohl ein entschiedener Panegyriker einer Schrift, die trotz Ultramontauiöwu», Reactto» und Mmkerthum ihren Weg durch die Welt machen und hoffentlich nicht >«> letzten Nagel am Sarges in dem man widersinnige Formeln und vernuusthöhnende Dogmen zu Grabe tragen wird, abzugeben bestimmt und berufen erscheint. Doch, wie gesagt, so sehr ett mir principiell widerstrebt, bei Beurtheilung einer Schrift Steller au» dem Zusammenhänge herau-zureißm und ihrer mehr oder weniger hüllend« und deckenden Staffage zu entkleiden: so will ich doch hier einige wunde Flecke bloßiegm, die den schöne« Körpe: und die noch schönere Seele diese» Organi-mu» recht sehr entstellen. — Ich spreche von Judenhaß. Judenhaß! In seiner universellen BUduag gebraucht der Verfass« diese» Composttum in doppelter Bedeutung: der Haß, womit er die Juden haßt, und der Haß, womit »ach sftner wiederholten Bersicherung die Juden von ehedem haßten, und die Juden von heute hassen Christum und die Christen, ist ihm in der Einen Zusammensetzung au»geprägt, — ungefähr wie amor parentom die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, und die Liebe der Kinder zu ihren Erzeugern gleichmäßig au»drückt. Luch haßt er die Jude» nicht sofort beim ersten Federstrich«. Lei Leibe nicht! Der Mann wird allmählich warm von Seite 1 bi» Seite 390. — Für-den Wärmestoff haben die Inquisitoren reichlich gesorgt. Am ersten besten spanischen Holzstoß, de» sie zum Behufe gebratener Original-Juden ausschichtetm, kan» mau sich gemüthlich erwärmen. Und dann die specifische, neutestamentarische, exclusive Menschen-, ja sogar Feinde»lieb« ist auch ei« ebenso wohlfeile« al» sichere» warmmachende» Material. Also wie gesagt, auf Sette 390 — poat Tarioa eaana, poat tot diacrimioa rerum — gelangt der gläubige Anonymus zu einem Mommte seiner Auöeinandersetzuog, da» er mit dem klingoude» Zite! »das Geld* überschreibt. — , Da» Geld fing im Mittelalter an." Dies« Sentenz te« Verfasser», der sich überhaupt in Sentenzen und Apho« rismen mehr al» billig gefällt, geht mich weiter nicht» an. Er mag da» mit dem Chitite« Ephron — mit dem biblische» Schekrl — mit Jesaia» 3, 7 — und mit seiner babylqusschm Madhebah abmacheu, und wenn er sich au» ätherischer Christen» liebe mit Judenthum nicht länger abgeben will, so möge er im Neue» Testamente beim Evangelisten anftagen, wen den» der Heiland unter den Geldmäklern und Wucherern verstehe» mochte^ „die ,r sogar mit der Peitsche gejagt au» dem Tempel"? „Aber da» Geld"-„Sein Later war der Jude, feine befrucht tte Mutter war der christlich« Priester, sein Geschöpf war der Wucherer." (Achlut Mot) »lederlaade. sAotterdam. Der Bericht in Nr. 27 d. Bl. über die hier obwatend» Streitigkeit», welche zur Demission de» Rabbstrer 0r. Jsaacsohu geführt habe», ist nicht unbeachtet geblieben. Da« „Veoüdlack voor Iar. Hoiagesinnen“ vom 21. Juli theilt denselben wörtlich übersetzt mit u»d beglettet ihn mtt einem längere« Nachworte. Diese» sagt jedoch über die Sach« eigentlich — nicht«; e« behauptet nur, religiöse Differenzen, der Echulchaa aruch, seien nicht an dem Zerwürfntß schuld, ohne jedoch etwa» mehr al» veha aptung zu gebe». Klar dagegen ist der Schluß: „Or. I. ist 21 Jahre tu Niederland, er ist aber stet» Deutscher, d. h. ein Fremder geblieben. Sind wir schuld? Wir mögen nicht de» und ücht verurthellen, aber da» Factum besteht." — Da» ist kl«, sag« wir. aber wa« wir sonst dazu sagen sollen? Wer hat vordem unter Jude« von „Fremden" gesprochen und gerade fpeeiell bei Rabbinern daran gedacht zu ftagen, ob der anzustellende oder der seit Jahrzehenten fungtrmde Rabbiner au» Wilna, Amsterdam, Lemde.g oder Eifeustadt stamme? Wir erhalt» sferuer eine Broschüre: ^toworie van +atr woord,“ welche tim Rrihe m Aftenstücken an» dem Schriftwechsel zwischen dem Rabbiner und de» Vorstände nebst Protokoll» de» l^term enthält. Wir seh» darau«, daß die Differenzen sich wesmtlich um di« Koscherfleifch» und Mikwa-Ango» legeuhettm bewegt». Sin llrtheil könnm wir »m so weniger abgebm, al» wir dm Sinn de« Holländisch» leicht irgendwo falsch auffass» könnt». Dem Vernehmen nach ist übrig»» Herr Vr. Jsaacsohn gesonam, da« Rabbinat 1» seiner Baterstadt Filehne, welche» durch Berufung (seine« Schwager») de» Di. Freimann von da nach Ostrowo vacant gewordm ist, zu übernehm». Vermischte und neueste Nachrichten. Berli«. Hiesige Blätter mthalt» folgmde Notiz: »Wie kürzlich gemeldet «ordm, läge e» in der Absicht der Regierung, ein« »»« Regelung der Verhältnisse der Jud» einttet» zu lass». E» kann sich dabet selbstverständlich nur um die Gemeinde-Einrichtung» handeln, für welche bi» jetzt da» Gesetz von 1847 maßgebmd war. Diese Bestimmungen Hab», trotz der seitdem erfolgt» Feststellung der inner» Selbstständigkeit für die Reltgionggemeinschafte« durch die Verfassung, bi» jetzt fast g« keine Anfechtung erfahr». So extstft» beisptel»wetse in Berlin mindest»« vier jüdische Cultu»grmeiadm; keine der« selb» hat sich jedoch der Bettrag»pflicht für dt« Synagog»- Gemeinde zu entzieh» gesucht. Eine vor einig» Jahr» von einer groß» Synagog»-Gemeinde Westprmß»» au»gegang»e Anregung zur Beseitigung de» erwähnt» Gesetze» ist später im Saude verlauf». Jedmfall» ist eine verfassungömäßige Erlediguug der Angelegmhett erwünscht, und mau sieht daher in d« betheiligtm Kreis» d» angekündigt» Schritt» der Regierung mtt großem Interesse entgegen.* Köl». Au» einer Mittheilung der ,K. Z* erfahr» wir, daß die Einrichtung eine« Sabbath- Nachmittag» -Gotte»d!»ste» in der von dem Rabbiner beanttagt» Wesse (s. Nr. 12 und 13 der Woch»schrift) nunmehr stattgrfuad» hat. Au« dem pr»ffischr« Litha»» wird folgender Wahrheit«, gettmer Vorfall von einem alten erfahr»en Schulmann« berichtet, der auf» Neue beweist, daß der Einfluß der Geistlich» al» Schulrevssorm der Schule principiell fem bleib» muß. Besagter Schulmann hatte dm Religionöuatnricht im — wie er mittheilt — Sinn« und Geiste Lesfing» ettheilt und sich trotz aller Anfeindung» seine Festigkeit bewahtt. Bei einer öffent» lichm Prüfung in der Kirche erhielt er die Weisung, über die Taufe zu sprechen. Getreu sein» Ansicht» hatte er mtt d» Kinde» nie über die Erbsünde gesprochen und die Schüler vußt» nur, daß di« Taufe eioe durch Alter gehessigte, zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Christ» nothwendige Handlung, sei. Darüber entstand unter d» Geistlich» große Entrüstung und der Rmssor ftagte ein« Knabm, ob er glaube, daß die Nicht-Christ» von Gott in Gnaden aufgmommm «erd», «elche Frage der Knabe bejahte; worauf der Revisor «widert«: »Nur «« glaubt und getauft ist, kann selig w«d»; dah« könn» die Jud» nur selig wnd», wenn sie sich tauf» lass». Gott hat Ehrsstum ja i« di« Hölle htnabgesandt, um dt« Jud» und Held« dort zu bekehr». Auch habm All« Zeit bi» zum jüngst» Gericht; dmm erst wird die wahre Scheidung rintretm. Ab« da» bleibt fest, «« von dm Jud« hin od« dort i« d« Hölle sich nicht tauf» läßt und zu Jesu« Christum bekmnt, wird vo« Gott verstoß» «erd».' — Also sprach dn Geistlich« in scharfe» Wort», ab« dn Lehr« hat sich vorgenommen, von fein» Ansicht» nicht abzpweichm. (Bresl. Z.)