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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-08-16 · 33 (16.8.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
33 (16.8.1871)
Date
1871-08-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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261 abgeschlossen sei«. Lei de« innige» Zusammenhänge zwischen de« religiösen Lebe» nnd de» sociale» und bürgerlichen Verhältusssm erscheint e» vielmehr der Synode all unabweisbare Pflicht, in den an sie herantreteade» Fällen de« Bewußtsein der Zu» sauunmgehörigkett auch in Beziehung auf die bürgerliche und die sociale Stellung der Religionsgenossen de« angemessene» Ausdruck zu verleihend Berichte und Correspondenzm. Deutschland. Breslau, im August. Die hiesige königliche Regierung hat i« Laufe de» vorigen Monat» dem Vorstände der hiesig« Synagogen »Gemeinde die Summe von 45,000 Thlr. ««»gezahlt, welche testamentarisch von dem am 4. Novbr. 1842 wnstorbene» Kaufmann Mora Salomo» Leipziger zur Errichtung einer Beth» Hamidrasch »Stiftung ««»gesetzt und hinterlassen worden sind. Die nunmehr nach dem Willen de» Erblasser» in» Leben gerufene Lehranstalt ist in dem Hanse Graupenstraße Nr. 11 errichtet und wird mit dem 1. Oktober d. I. eröffnet werden. Die beide» al» gelehrte Talmudiste« in hohem Rufe stehenden Herren vr. Jacob Levy, der Verfasser de» epochemachenden chaldäischeu Lexieon», und Pineu» Dienstfertig find nach den bestehenden Bestimmungen von den defignirten Testaments »Executorm al» Anstalt»»Lehrer berufen worden, um sich dem fortgeschteo Studium de» Talmud» zu widmen und die Ausbildung tüchtiger Rabbiner zu fördern. Die von dem Stifter dieser Anstatt hinter» lassen« jüdische Bibliothek nebst zweier Thora» find dieser religiösen Stiftung, welche dmch Allerhöchste CabinetSordre vom 2S. März 1851 bestätigt worden ist, bereit» eiuverleibt, «ad uttd dieselbe für alle Zetten den Namen »Mora Salomon Leipzigec'fche Beth» Hamidrasch-Stiftung' führen. (Schl. Zrg.) 1L & Bresla», 4. August. (Orig.-Eorresp.) Heut Nachmittag dmchlief die hiesige Stadt die Trauerbotschaft, daß der durch seine Woblthätigkeü weithin bekannte M. HauSdorff verschieden sei. Der Verlust, den die hiesige Gemmnde durch den Tod diese» Manne» erlitten, ist im wahren Sinne de» Worte» ein unersetzlicher. Da» Jodeuthum hat Anlaß, über den Verlust eine» Mannes zu trauern, dessen Leben dem Thorastudiqm, dem Gottesdienste und der Wohlthätigkett gewidmet war. Welcher jüdische Arme reiste hier durch, ohne von ihm eine Unterstützung erhalte» zu habe». Vater der Armen war sein steter Beiname, wie seine Gattin, die ihm vor einigen Jahre« im Tode vorauging, die Mutter derselben mit Recht genannt wurde. Und noch über da» Deichblld unserer Stadt htaau» erstreckte sich sein Wohtthätigkeitsfinn. Die Juden in Palästina waren ganz besonders der Gegenstand seiner Fürsorge und wurde er vor meh» rerm Jahren zum »Rast' ernannt. Im Abnehmen sehen wir täglich die Zahl der Getteuen, ohne un» trösten zu können mit der Hoffnung, daß et» neue« in deren Sinne hani>elnde» Geschlecht heranvachse» wird. »Weh über die Dahin geschiedenen, den» sie werde» nicht wiedergefunden l' Mllitsch, 18. Juli. (Orig.»Eorresp.) Am 2 d. M. verschied in unserer Gemeinde im 76. Lebensjahre der seit 23 Jahren, 1» Folge der dazumal in Polen au»gebrocheaen Rerolutton von Pieschen hierher geflüchtete nnd hier domicilirend verblieben« Herr Rentier Hirsch Leichteutrttt. Die vorzügliche» Eigenschaften diese» Manne», di« ihm einen wohlklingenden Ruf, wett über die Marke« unserer Stadt hiaau»- gehend, verschafften, sind werth, daß Eie seinem Namen in Ihrem Blatte ein bleibende» Monument zu errichte»: gestatten. Herr H. Letchteutritt war der Sohn reicher Eltern in Mtleslaw. Im Ueberflnß erzogen, wurde er im Tab und und für sein« Zeit anch »im Deutsche»' genügend unterrichtet. Bo» der Vorsehung wtt glückliche« Erfolgen in alle» seine» Unternehmungen gesegnet, jedoch, fett dem unglückliche», plötzlichen Tode seine« einzigen Söhnchen», kinderlos geblieben, lebte er schlicht und anspruchslos, ftomm im weitesten Sinne de» Worte» und nur in seiner grenzenlose» Wohlthätigkeir und der pünktlichsten Reiigiösität die Freude am Leben genießend. Ganz der Wahrheit getreu waren die von mir zur Einleitung meiner Trauerrede angewandten Worte Samuel II. 3, 38.') Seit 16 Jahren, von dem Tage an, da er in »di- Zrtt de» Alter»' ttat, rupfr DW p, war sein ganzes Leben uuablählich der Vorbereitung zur ewigen Resse gewidmet. Selten ist einem Mensch« gelungen, über seinen Nachlaß, über Stiftungen, Legate, sowie über jegliche» Verfahren mtt Körper und Seele nach dem Tode bi» in« kleinste Detail so zu sorgen und bis in die letzte Stunde — bei de» fürchterlichsten Schmerze», die feine Krankhett ihm verursachte — Anordnungen zu treffen, wie ihm. Mit Legaten find von ihm bedacht worden: Talmud Thora in Jerusalem — wo er schon bei Lebzeiten, 1863, einen nicht unbedeutende» Fond per iotorim niedergelegt und jetzt mtt nochmaliger Dotation bedacht hat; ferner Talmud Thora in Berlin, da» Waiseahau» zu Pos«, die jüdische« Corporation«» zu Mi» lissch, Pirschen, Mileslaw und Jaroczin; die Polizei-Verwaltung zu Militsch zur jährlichen Holzvertheilung an christliche Arme und für jüdische Arme durch de» Synagogen-Borstand. Außerdem widmete er eine bedeutende Summe zur Ausstattung armer Bräute, zur Bekleidung jüdischer und christlicher Waisen und bedachte viele ihm persönlich befreundete jüdische und christliche Personen mit nicht unbedeutenden Legaten und Geschenken. An seiner Bahre sprach der Unterzeichnete, ferner Herr Rab» biuer Bloch au» Jaroczin und der Schwager de» Verblichenen, der Gelehrte Herr Mark«» WitkowSky au» Berlin, und nachdem der Unterzeichnete ein Gebet am offenen Grabe gehalten hatte, wurde die sterbliche Hülle der Erde übergebe», die sie sanft und ehrenvoll bedecken möge. 1122 1NN122 mm Herrmann Wassertrilling, Rabbiner Oesterreich. Bo« der uutere« Douau, Ende Juli. (Orig.-Corresp.) Nach langer Pause ergresse ich wieder die Feder, und dieses Mal au»oahm«veise, ohne von Schule oder Gemeinde zu sprechen. Und doch ist da», was ich zu behandeln gedenke, etwa« so ttef in» jüdisch« Leben, in da» Tiefiunerste de» Judenthum» und der Judenhett — in welcher Form sich beide auch nach außen hin kundgebea mögen — Einschneidende«, daß e» wohl jedem Jude» ohne Parieiunterschied der Müh« werth erscheinen muß, darüber zu sprechen und zu schreiben. E» handelt sich um nicht» Geringere» al» eine ftagmentarische Besprechung eine« vor wenig« Wochen in Pest bet Gust. Heckenast erschienenen — „von einem Gläubigen" verfaßten, 535 Seiten in Groß-Octav umfassenden Werke», da« betttett ist: „Die GotteSmörder." Unmittelbar nach dem Erscheinen desselben brachte der „Neue fteie Lloyd", beiläufig bemerkt, ein Blatt gleichfalls au» dem Verlage der de» kanmen Firma Heckenast, eine ziemlich ausführliche Krittk, die in der Thal etwa» noch nie Dagewesene« erwarten ließ. Ich kaufte und la» da» Werk, und war wie gebannt durch den Zauber der Sprache, die mtt der Poesie eine» Heine die Gedankentiefe und aphoristische Präciston unsere» Börne in Einklang bringt. Sage ich noch, daß riesige Belesenheit, ftei von allem scholastische» Schwulstr und Bombaste, innige Verttautheit mtt allen Mysterim der Universal- und namentlich der Kirchengeschichte, genaue Lekanusschast mtt dm Schriftm de» altm Testameute«, prägnantes Talent i« Zeichuen und Jalceuireu moderner Zustände, originelle *) Dte hier »itgecheiltr Deutung und trowbwig de» Dqte« «Lffe» »ir au» »«nnmimgel weglasie». (Add.)

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