Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 33 (16.8.1871)
- Date
- 1871-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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260 Anspruch nehmen Hirnen, oft der Antrag hinsichtlich der gmti Trauringe.* ' 5Die in der Schlußsitzung der Synode augenommen« Resolution wollen wir nachstehend mittheilen. Indem wir auf da» im verige» Blatte Berichtete verweisen, fügen wir wettere Bemerkungen nicht Hinz«; die Leser werden mtt un» der Ansicht sei», daß die Resolution nicht» Bestimmte» besagt, lediglich tausendfach auLgesprochene, richtige und falsch« Phrasen wiederholt, und indem sie von .Formen' redet, e» ganz unbestimmt läßt, ob darunter da» ganze .Ceremonialgesetz' oder nur dieser und jener Gebrauch und Mißbrauch zu verstehe» sei. ,1. Da« Judenthum hat sett seinem in die frühe Borzett hinav freicheudeo Bestände verschiedene Phase» der Entwickelung durchlaufe», und in derselben sein innerste» Wesm immer mehr entfatet. Eia neuer höchst bedeutungsvoller Wendepunkt ist in feine,: Geschichte ein getreten. Der Geist der wahren Gotte»- erkenatniß und der reinen Sittlichkett erfüllt immer mehr da» Gesa nmtbewoßtsein der Menschheit, und prägt sich im Leben der Dölkw, in Staat und Bürgerthum, in Kunst und Wiffenschast imm«r deutlicher au». Da» Judenthum erkennt hierin mtt Freuden eine Annäherung an die Ziele, welche ihm auf seiner geschichtlichen Bahn zu allen Zeiten vorangeleuchtet habe». II. Wesen und Aufgaben de» Judenthum» bleiben an und für sich unveränderlich dieselben; der mächttge Umschwung jedoch, welcher in den Anschauungen der gesammten Menschheit und bA Bekenner de» Judenthum» in»besondere sich unaufhaltsam vollzieht, sowie die völlig veränderte Stellung derselben inmitten der Völker, hat ein dringende« Bedürfniß der Neugestaltung vieler seiner Formen hervvrgerufeu. DGL Da» Judenthum hat von seinem Anbeginn auf Erkenntniß gedrungen, und in gleicher Weise stet« die Ucker» eiustimmung zwischen Gedanken, Gefühl und That vorausgesetzt und gefordett. In diesem Sinne sucht e» muthig und zuversichtlich jene Umwandlung in» Werk zu setzen, und folgt nur seine« innerste, Gruudtrtebe, wen» e», in voller «erthschätzrmg der von ihm bewahrte» höher» und ewigen fetaSgÜrr, mit aller Anerkennung und Ehrerbietung gegen die Vergangenheit, nach den Srgebniffe» ernster wiffenschastlicher Forschung bestrebt ist, da» Veraltete und Zweckwidrige zu besettigm und sich im Geiste der neuere» Zett fortzubilden. IV. Die Synode will ei» Organ dieser Fortbildung sein. In ihr soll« die im Judenthum lebenden Ueberzeugunge» und Bestrebungen ihre» entschiedene» (7) Autdruck finde». Sie will mtt klarem Bewußtsein dahin wirken, daß die im Judenthum sett mehreren Jahrzehnt« angestrebte Umgestaltung von einem möglichst einhettlichen Geiste geleistet und mit möglichst gleicher Rücksicht auf die Ledirfniffe aller unserer Glaubenögenoffm zu edlem gedeihlichen Ziel« geführt werde. Sie will da» Band der Einheit, welche» die Religion»« genossen umschlingt, vor Lockerung bewahre» (7!) und die gemeinsame« höheren Interesse« in Leben und Wiffenschast »ach Kräften fördern. V. Die Synode nimmt für ihre Beschlüsse keine andere Geltung in Anspruch al» diejenige, welch« die Kraft der Wahrheit, de» heiligen Ernste« und der festen Uckerzeugung verleiht; sie weiß aber, daß diese Kraft, die einzige, welch« im Gebiete der Religion wirk« soll, eine unwiderstehliche ist, und zuletzt trotz allen Schwierigkeiten «ud Hemmnissen den Sieg erlang« muß. VL Indem die Synode den Anforderung« der Zett nach» zukomm« strebt, hält sie sich davon verfichett, daß sie für die Erhaltung de« JudenthumS wirkt. In dieser Weise fühlt sie sich ein» mtt dem Geiste de« Judenthum» in seiner ganz« geschichtlichen Entwickelung, ein» mit all« ihr« ReligionSgmoss«, welcher Richtung sie auch folg« mögen, und hofft ein Werk der Versöhnung zu stist«, freilich nicht für dm nächst« Augmblick und nicht durch Berlmgnung der Gesinnung«, sondem durch den Geist der Wahrheit, der dem AuSspruch unserer alt« Lehrer gemäß die Grundbedingung de» Frieden» ist. VH. Die Aufgabe der Synode soll durch die vorherzehmde Erklärung nicht Ihr wollt zum Freiheitllampf mich zwinge», Ihr drückt ein Schw-rt in meine Hand; Soll ich für'» Laterland es schwingen» So gebt mir erst ei» Vaterland! Li» Vaterland, wo meine Söhne Nicht Glanbealhaß »erfolgt, verpönt, Li» Vaterland, wo «eine Dhrüne Man nicht mit bitt're» Spott verhöhnt. Ich habe kein'« — d rum zieht, Ihr Brüder, Allein zu« blutigen Gefecht. Lehrt Ihr al» freie Männer wieder, So bleib ich dennoch Lnrr Knecht. Lrlieget Ihr de« Feinde« Stllrle, verblutet sich da» Königreich, Dan» baut «an neue Festungswerke, Die da»' ich mit — für «ich und Lnchl Aehnlichen Geist athmet die Elegie »Krakau* über da» Ghetto dieser .fteieu Stadt': -Diese enge, schwüle Straße, Do da« Jahrhundert seine Schande barg,, Lils Dausend Menschen in die eine Gaffe, Hilf lausend Herzen in de» «inen Sargt (Schluß folgt.) [®ta Sabbath-Reiter.) Die .Hamburger Reform' vom 5. d. M. bringt al» Titel-Biguette oder Karrikatur, wmn da» besser klingt, ein Bild folgender Gestalt. Wir erblick« ein Roß, welche» soeb« sein« Reiter abgesetzt hat, und seiner Heldmthat froh, mit dm Hinterfüßm ausschlägt. Hinter ihm, in Staub gebicktet, liegt der Reiter auf de« Rück« und streckt, über sein« Unfall verwoudert, di« Beine in die Luft. Eine andere Person eüt herbei uud giebt mtt dm Armen Zeich« der Verwunderung. Form der Geruchsorgane uud manche» Andere kennzeichnet die Beid« al» Kinder Jtrael». Die Unterschrift de» Bilde» lautet: Hirsch: Siehst Du! Da« kommt davon, wenn man am Schabbe» reitet. Cohn: Gott gerechter! Die Rabbiner»Versammlung hat ja erlaubt, zum Vergnügen am Schabbe» zu rrttm. Met der Explosion in Bineenne«,) erzählt die .9t«. J»r.', floh« die mtsetztm Bewohner «ach all« Richtung«. Frau M. lief ohne Avfmthalt bi» «ach Montreull. Dort nahm eine Frau W. sie in'» Hau» und bemühte sich, sie wicker zu sich selbst zu bring«, dmn die Arme fchim wirklich von Sinn« ge» komm« zu sein. Während die Hausbewohner ste umringt«, sagte Frau W. zu ihr« Leut«, sie wolle sich jetzt allein mtt der Geflüchtet« befass«, die Ander« sollt« nicht vergesse», die 'Freitag. Nachmittag«. Arbeiten zu vollend«, dm» e» sei bald Sabbath. Bei dies« Wort« athmete Frau M. endlich tief auf und rief: .Ich bin auch eine Jüdin und verdanke ck jüdisch«. Händen, daß ich wieder zur Besinnung komme. Ich will »ach Haus« geh«, Gott dank« und — anzündml' fDa» Wort fteht so auch im ftauzöfischm Original.) Sie kehrte »ach Hau» zurück und fand dm von Part» zurückgekehttm Man», die Kinder und alle», bi» auf einige zerspruugme Scheib«, wohlbehalten, ^während manche benachbarte Häuser «tngeftürzt war«.