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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-08-16 · 33 (16.8.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
33 (16.8.1871)
Date
1871-08-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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269 BcrUcgmtai Verhandluu-I-Gegeuständeu verglichen, doch tun «iu höchst unwichtiger u»d bedrutungllosrr genannt werden kann» über di«-rag« nämlich: »Ist »S -«lässig, daß a«ch dt« Braut de« Bräutigam einen Ring überreicht, nachdem sie von de« Bräutigam den Ring empfangen hat?1 Dal Präsidium, welche* dt« Anträge auf eherechttichem Gebiet« vor allen andern zuerst erledigt «tffen wollte, glaubte, in der Reihenfolge diifer Anträge naturgemäß vorgehm zu müssen, und daher di« auf die Ehe» fchließung bezüglichen zuerst auf die Tagesordnung setz«» zu sollen; hätte dasselbe dt« Redseligkeit einzelner Mitglieder zmauer ge» kannt, und hätte <• bedacht, daß der erst« Gegenstond, der in Irgend «i»«r Körperschaft zur Berachung gestellt wird, sei er wlchttg oder «nwichttg, stet« ein« lange Debatte heiworruft, so würde es wahrscheinlich eMe« wichttgere», de* lang« Debattireu* würdigere» Anttag« da» Prtorttätsrecht «ingeräumt haben. De» Referenten für Ehesachen, Herrn vr. Aub, der zugleich der Vater de* Zwetrtngeanttage* war. gebühtt da» Zeugniß, daß er in sei««« mündlich vorgettagrnen Referate sich auf da» Wesentlichste be» schränke, zur Empfehlung seine» Aattagr» aber, sittlich weiter Nicht» vorzubrtngen wußte, al» daß viele Dame» in Berlin und Frankfurt den Wunsch geäußert hätten, nicht ganz passiv bet de» Lrauungsacte zu sein, und daß der ttaueade Rabbiner in Berlin gewöhnltch zwei Trauringe vorfände. „Partariuit montau»' nMcetnr ridionliu du“ (der Berg kreist und bringt «in« Mau» hervor), so begann nun der erste Redner dem Präfidtum zuzurufe«. E» war die» vr. Wassermann, der übers«upt in all seine Rede« grstügelte Worte einzuflechteu liebt, wid dieselbe» bald den Römeru, bald den Griechen, bald den Juden, bald den Deutschen entlehnt. Er war verwundert darüber, das» dergleichen Vorschläge, die eingestandenermaßen sentimentalen oder emanci» patioaslustige» Berliner Damen ihre« Ursprung verdanke», vor die Synode gebracht wurde«. Die übrige» Redner p rechen sich theil» über die Zweck- resp. Unzweckmäßigkeit de» Airkrage» westläufig au», theil» gebe» st« «in« Beschicht, de» Trauringe« ,um Besten; so wurde unter Anderem die Ueberretchung et«* Trau» ringe», di« tu den gedruckte» Referaten al» christliche Sitte au« de« zweite« oder dritten Jahrhund nt bezeichnet ist, vom vr. 8ö« al» ein bei de» Römer» schon lange vor Einführung de» Ehristen» thum» üblich gewesener Brauch erUätt. Nach langer Dt»eusfio» wurde endlich mit geringer Majorttät der Anttag de» Referenten, die Zuläsfigkett de« zweite« Ringe» betreffend, angenommen, aber nun entspann fich eine lange Debatte, ob die Synode da» Aussprcchen einer Formel von Setten der vraut empfehle» solle oder nicht. Der Referent hatte vorgeschlagen: Xut l’dodi etc. vr. Grünebaum: '» renpo. vr Dreyfuß analog der Bibel (Num. 5, 31): Amen! (Aber nur einmal» da dem Antragsteller die Analogie mit der Ehebrecherin wohl nicht in alle» Punften durchführbar erschien.) Et» Mitglied machte nicht mit Unrecht daraus aufmerksam, wie «an denn in unserer Zeit, in der man «Ü dem Hebräischen fich überhaupt nicht recht befreunden könne, dazu käme, für da« weibliche Geschlecht ein« neue hebräische Formel fipirrn zu wollen, da sollte man doch einen deutschen Spruch wählen. Dt« Synode sprach fich aber mtt großer Masorttät gegen diese« ganze Formelwesen au» und lehnte der Reihe nach alle ihr vorliegenden Anträge ab. vr. Adler brachte noch den Anttag ein, die Synode wolle empfehlen, daß der wesentliche Inhalt der Kttubah omiaal» omitteodi» deutsch »orgelefen werde, da weder Bräutigam noch dt« Mehrzahl der bet der Trauung Anwesenden diese« in hebräisch -chaldätschem Idiome abzefaßte Schriftstück verstünden, und e» außerdem manche Unzukömmlichkesten resp. Unrichtigkeiten enthalte. Doch die Synode beschloß auf de» Vorschlag de» vr. Seiger: »in Erwägung, daß io viele« Gemeinden der Usu» de» Kethubah-Vorlesen» bereit» abgeschafft ist.« zur Tagesordnung überzugehen. Mehrere Synodal- Mitglieder waren ftetltch der Ansicht, daß der Sdler'sch« Anttag mindesten» dieselbe Bedeutung und Wichtigkeit für fich hätte in Hingebung bekleidete er die unbesoldeten Stellen de» Dttector» an dem auf seine Anrezuug gegründeten sächfischen Militärbade- Hospital und de» Primarärzte» am israelitische» Hospital. Letzterem ließ er bet seiner kurz vor seinem Tode erfolgten Amt«- utederlegung die Summe von 2000 Gulden al» wohühättge Stiftung zu Theil «erden. Dabei trug er auch seinen Pflichte» al» Bürger Rechnung, saß feit 184V fortwährend im Stadttath« und wurde 1858 zum Stellvertteter de» Bürgermeister» gewählt. Au» dieser segensreichen und rastlosen Thättgkeit und einem schönen, innigen Familienleben riß ihn der nicht so nahe geglaubte Tod zu Jnterlaken in der Schweiz, wohin e: zur Kräftigung seiner Gesnndhett gegangen war (am 28. Oetober 1870). Senn «tt »ach dieser kurzen Schau seine» Leben» zu Schmelke»' poetischen Erzeugnissen übergehen, so wird e« gut sei», vor Allem daran zu erinnern, daß dieselbe» nicht einem bloße», »st Talent verbundenen Dilettantismus tfn Entstehen verdanken» sonder» daß der Hauch echter, au» innerem Drange entsprungener Porste durch ste weht, und daß fie durchgehend» jenen hohe« Sin» für da» Edle und Schöne offeiilxtren, den Schmelke» auch in seine« Leben und seinen streng wissenschaftlichen Arbetteu nie verleugnett. Heber letztere äußert fich ein »geistvoller Fachgenoff«' in eine« Briefe au de» Herausgeber: »Was er schrieb, war gediegen» au» eigener Erforschung, an* eigener Anschauung hervorgegangen. Wenn er sich schon in dieser Beziehung von de» gewöhaliche« Schriften für sich Reklame machenlder Badeärzte anszetchnete, so besitzen all» fedir Schriften »och eine ästhetisch wohlthnend« Formvollendung uni» Gewandtheit der Darstellung... Seine poetisch« Begabung, seine allgemeine ltterarische Bildung bei allem streng wifsmschaftlichen Inhalte ist da nicht zu verkennen." Vater den Gedichten, welche in nicht allzugroßer Anzahl der Nachlaß bietet, fesselt in erster Reihe eine »Trauerweiden- Blätter' überfchriebeae Sammlung meist lyrischer Stücke, alle vor 1848 entstanden, di« zu dem Herrlichsten gezählt werden dürfen, wa« je Lb-r Recht und Freiheit de» jüdischen Volke» gesagt und gesungen wurde. Wie damal» in Oesterreich der groß. Lnastafiu« Grün mit der ganzen Fülle inner dichterischen Kraft und der Glut seine» Herzen» für die niedergehaltene Freihett kühn in die Schranken trat, so höre» wir in diesen jüdischen Klängen die volle Begeisterung eine» poetischen Gemüthe» für die vefteiung seiner unterdrückten Mitbrüder die schönsten Satten anschlagen. Und find auch die Verhältnisse, welch! diese Klänge entlockten, Gottlob zum großen Theile geschwunden, so muthen ste un» doch so frisch und leben-warm, so innig und kräftig an, daß sie ihre Wirkung noch hente nicht verfehlen. Oder können wir dem »Polnischen Juden' unsere Theilnahme versage», de« 1830 der Dichter die Worte in den Mund legt: . ,Lmn Arrihntlkamps, |nm ©affnttanie!“ Co schellt «a donnernd an »eia Ohr. wa» ttauatrf» raichl schwingt anch di» ianz» Schon der tofot vor Warschau'« Dhor. Ul» Stk«« havtt Ihr «ich sep gt tasten, wen» Steg «sch Eure Lette bricht; Ihr theiU mit wir de» Laaspse» wanden, Di« Beate Freiheit theür Ihr nicht. Ob Pole oder Raffe blat», Ob Laiscrthuas, ob Lbnigreich, Ist» nicht der Stoch, so V« die Lnnte, Und so» »sich schlägt, da» gilt sair gleich. wir gilt e» gleich, ob meine ZLHre Der Schnee Sibirien» verscharrt, Ob fie, die ich daheim verlöre, »n Enre» Her^n» Et» «rfiarrt.

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