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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-08-16 · 33 (16.8.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
33 (16.8.1871)
Date
1871-08-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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968 Diele unserer Leser Hütte« uni wahrscheinlich di« vorstehend« Beweisführung ganz erlassen, die Sache ist ihnen selbst« iständlich g««sm. Nnn, so mögen sie denn vorlätchg noch Ein» ohne Beweisführung al« erwiesen, «16 selbstverständlich «ad «chestrettbar gelte» lassen, daß die 8eben«gewöhnu»g. Erziehung, Bildung und Entwickelung de« südischen Volke« lediglich durch die Religio« bedingt gewesen ist. Ja auch die geschichtliche Entwiö'elnng, da dieser, der attivea wie der passiven, doch wieder nw' durch die Religion die Bahn vorgezetchnet worden ist. Freilich kann man auch die göttliche Fügung, Führung und Erziehung einttetea lassen; aber diese wirkte doch nur durch die Religion; eia unmittelbare« Eingreifen Gotte« in die Eha» ratter. Bildung wird ja niemand behaupten. (Und die Erhaltung J«raelt — ist sie, wenn auch wunderbar genug, nicht auch lediglich du:ch die Religion bewirkt worden? Doch e« gehör: dieser Gefichtlpuakt nicht hierher.) Lena wir also unsere» Charakter in angegebener Wesse unserer Religion verdanken, so werden wir nach dem Wieso f ftagen, Ursache und Wirkung erforsch« müssen. Ist e« die Lehre welche da« Leben der Juden und durch da« Leben dm Charakter bestimmt hat, oder da« da« Leben gestaltende Gesetz? Da« ist e«, wa« wir prüfen wolle«: wie fich die jüdischen Tugenden unter dem Einflüsse de« jüdischen Leben«», de« s. g.' Cerrmcnialgesetze«*) -»«gebildet haben. Wir werde« darau« die Wiihtigkeit de« letzteren erkennen. Wir «erde» de« stärksten Bewei« leider in der negativen Seite finden: wie mit dem Schwinden der Treue gegen jene« Gesetz auch die jüdischen Tugenden schwinden. Da« wird Widerspruch erfahren; da« wird unaageuehm berühren, wird Dielen al» vorurtheil-befangene Anficht gelten — *) Str noOni gleich bin bemerken, daß wir die« wort im weiteste» &mu e xsiaffe» mb «wiche« dahi» rechnen, wo» «ehr der Sitte, de» 6«. brsachliipe», al» Um eigentvchn, ««setz» «saritfrt | wir aber werden un« lediglich an Thassachm halt«, weder vom Scheine noch von Phrasen ua« blend« laß«. Der Leser »olle un» auf de» oft fch««zbereür»deu Pfade «sswer Betracht»»«« begleit«. Berichte >»d Briefe wer die Synode.*) li. L. Z. Die zwette Sitzung der Synode» in der di« eigent» lich« Arbeit begonnen wurde — da die erste Sitzung lediglich der Eonstituirung der Versammlung gewidmet Word« war — «achte auf die Eynodalmttglieder sowie auf da« anwes«de Publikum einen höchst ungünstig« Eindruck, und al« charakteri» stische« Kennzeichen diese« Eindrücke« theil« ich Ihn« die Mittag« bei Tisch verbreitete, sicherlich au» de. Lust gegriffene, viel belacht» Anekdote mit, daß der Vorstand der Augtburger Gemeind« dem Präsidium der Synode zu versteh« gegebm habe, er könne nicht dulden, daß die Derhandlungm in dieser Wesse fortgefthrt würden, denn da« sei eia« Blamage der christlich« Bevölkerung gegenüber, die fich ganz etwa« Andere« vo» der Synode vorgestellt Hab«. E« war aber auch tu der Thal sehr ermüdend, drei Stund« hintereinander Red« und gelehrte Bemerkung« zu hör« über eia« Geg«stand, der, mtt d« übrig« der Synode •) Dir Ztg.« bringt ott Jvferat solgrud« Brrichttgnng. Oppeln, den 31. galt 1871. von »winrr Reife Mstckgekehrt, lese ich de» Berich, «brr die Ungebnrger Synode (Brest. Ztg. Kr. 329): »Es ist gestatte«, am Sabbach znm Gottesdienste z» wohlchaiige» Zwecken nnt »nr Erholnng 1» fahre» »der z» reiten." All Referent dieser Antrag« »rsnche ich Sie» im Jatrreff« einer wahrheitsgetrenea Berichterstattung, die Bemerkung «nfnehmen i» wolle», daß in de« gan^n Reftraie durchweg nnr vom Zähren, aber nicht vom Reite» di« Red« war, wie dir» «uh die bald erscheinend« stena» grapbische» Berichte erweise» werde». — Rabbiner Vr. wiener. Feuilleton. vr. Gottfried HchmelKe», Arzt und Dichter. K , Dichte« jüdisch« Stamme« hat die moderne d«ssch« Ltteratur kein« Mangel; frägt man aber nach jüdisch« Dichtern, die fich auch in dm iZrzeuguissm ihrer Muse al« treue, liebevolle Söhne ihre« Volke« bekund«, so wird die Antwort nur Wenige zu nein,« miss« Wohl der bekannteste und beliebteste dieser W«ig«u ist Ludwig August Krankl, und dieser hat jüngst in einer xinächst für dm mgstm Kreis bestimmt« Schrift') ein« Kunst- und Gesinnungsgenossen vorgeführt, d« nur Bescheidenheit urd ein ernster Beruf hindert«, sich auch al« Dichter die wette Anerkennung zu verschaff«, die ihm al« Arzt in dem au«- gedehuiestm Mähe zu Theil wurde. D« Lese« dieser Blätter wird ei gewiß Willkomm« sein, an einem kurz« Abriß seine« Leb«« und einig« Prob« au« seinem Nachlasse selbst zu erseh«, wie die Persöulichkett und Wirksamkett diese« vor noch nicht °khre«frist dahingegangeum trefflich« Manne« auf allgemeine Theilnahme Anspruch erheb« kann. SIS Sprössling einer wohlhabend« Familie wurde Gottfried Schwelte« am 22. September 1807 in Prag geboren. Sein Vater, obwohl noch Kind de« vorig« Jahrhundert«, hatte fich durch etgme« Streb« eine BUdung zu verschaff« gewusst, die ihn zu einer der angesehmst« Persöalichkett« der böhmisch« Hauptstadt machte und ihm die Ehre verschaffte; al« einziger Jude zum KrönuugSbankette Leopold« II. auf die Hofburg ge- •\ Dr. Gottfried Schwelle«, Badearzt z» Deplltz x. yiogwph. Sklzze nebst poetischem Rachlaf«. Mannscript für Freund«. lad« zu «erd«. Seine Gattin brachte, wie der ihr »amen«- und blutsverwandte Biograph fich ausdrückt, in sei» Han« etwa« von der aristokratisch« Domehmheit ihrer Familie, »a« ans Entwickelung und Wes« de« Sohne« von nicht geringem Einflüsse war. Unter solch« Umftäad« erhielt der Knabe eine gewählte und sorgfältige Erziehung, di« i« Verein mtt seiner Begabung und seinem unermüdlich« Fleisse die schönst« Früchte trug. Da« Piarist« - Gymnasium seiner Daterstadt besuchte er mtt solchem Erfolge, dass er an der katholisch« Anstalt vo« durchgehend« geistlich« Lehre« stet« al« der Erste bezeichnet und prämiirt wurde. Dabei wurde er von dem bekannt« Herz Homberg in Religio« und vom jetzig« Director de« jüdisch-theol. Seminar« in BreSlau im Hebräisch« unterrichtet. Mit achtzehn Jahr« akademischer Bürger, beschäftigte er fich Anfang« mtt «ehr allgemein« Studim and poetischer Arbeit, warf fich dann aber so eifrig auf die medicinisch« Fächer, dass er schon in seine« letzt« Studimjahre 1881 al« Letter eine« Filialhospttal« mit beste« Erfolge der Cholera mtgeg«kämpfm konnte. Die zwei nächst« Jahre verbrachte er in Wim al« Leibarzt der Gräfin Theres« voa TrautmannSdorf, geb. NüdaSdy, die durch fein Gedicht ,Mila' auf ihn aufmerksam geword« war. Er verließ die Residenz, nachdem er eine ihm angetragm« Professur weg« der daran geknüpft« Bedingung de« Religionswechsel« auSgeschlag« hatte, und ging in seine Heimat, um sich zu verheirathe» und al« Badearzt in Teplitz niederznlafs«. Während 30 Jahre «achte fich Echmelke« um dies« weltberühmt« Badeort sowohl durch eine immer zunehmende Praxi«, al« durch theoretische Ergründuntz der dortig« Heilquellen verdient. Eine Menge gelehrter Gesellschaft« ehrt« ihn durch Wahl zu« Mitglied«, und die Regierung« von Oesterreich, Preußen, Sachs« und Anhalt durch Ordensverleihungen. Mtt größter Uneigennützigkett und

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