Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 32 (9.8.1871)
- Date
- 1871-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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252 gelegenhetten, über die Berlin bereits schlüssig geworden, die aber für viele Gemeinden von Bedeutung find, all nebensächlich behandelt und allen fall« noch der Ehre einer mottvirten Lage«, ordnurg gewürdigt wurden, (2t ist zwar nicht zu leugnen, daß von fern jüngeren Rabbinern mehrere dem Radicalißmu« nicht hold waren, allein es fehlte ihnen theilweise an Muth, theilweise wohl ciuch an Kraft und Gewandtheit, um den Kampf mit den ihnen an Zahl und Ruf überlegenen weitgehenden Reformer« aufzunehmen. Di« Laien Haien sich — mit einer einzigen >»«« nähme — (wenn man nämlich eine» nicht dem Gelehrtenstande Angehörigen, aber in tbeolozioia nicht Unbewanderten, eine« Laien nennm kann) in alle« mit der Easuifttk zusammenhängende« Fragen recht bescheiden benommen und sich wenig an der DebaNe betheiligt. Die verirrter Wien« bekundeten ihr Interefle vcrzuglweise für solche Angelegenheiten, die in Wien auf der jüdisch m Tagesordnung — »it *eni» rerbo — stehen, verstanden H aber nicht so gut, wie dt« Berliner, die« zu verdeckt«. Einer ganz besonderen Beliebtheit hatte sich Herr Ritter v. Verth,imer au« Wien zu erfreuen, es wurde förmlich eine Art ron Wertheimer-Cultu« getrieben. Die originellste Figur in der Synode war rnstrelttg der Ober-Rabbiner vr. Lö« au« Szegedtn, er war ponoD» gntiaiim* beim Publikum und mußte seine Rede« auf verlangen stet« von der Tribüne au« halten. Der Mann verfügt über ein bedeutende« Wiffen und besitzt die Gabe, durch witzig« Bemerkungen, die er einstreut, sowie durch «inen äußerst drastischen und theatralischen Vortrag auch ganz trockene Ding« recht schmackhaft zu machen. In Erregung kommt er nie.*) Jedem andern Redner merkt man wenigsten« in wichtigen Fragen an, w r sehr ihm daran gelegen sei, di» Sache so oder so entschiede» zu sehen; Herr Löw aber bewahrt stet» sein« stoische Ruh«, und ein gewifie« Wohlbehagen, da« er selbst über sein« Wort« empfindet, ist ebenfall« nicht zu verkennen. Am Synodal-; Sabbath Vooi nivv hat Geiger in der Augsburger Synagoge gepredigt. Der Ehacham Firkowiez (der Karäer) war auch in der Synagoge und wurde aufgerusen, er warf sich, bevor er 5012 machte, vor der Thora nieder, sprach aber deu Segens- •) Gran ober fctat persönlich« Eitelkeit t»'0 Spiel kommtlsied.) sprach, so wett ich verstehen konnte, ganz so wie wir. Er kam auch einigemal in unser« Restauration, aß aber nicht«, sonder» trank nur Wein. Schließlich bemerk« ich nur noch, daß di« meisten Blätter di« Verhandlung über da« Fahren am Sabbath falsch wiedergegebea haben, und daß die Beschlüsse nicht «instimmig gefaßt worden find, daß vielmehr mehrere Mitglieder ihr« abweichende Abstimmung zu Protokoll gegeben haben." Berichte und Eorrespondenzen. Deutschland. G. Berlin, 28. Juli. (Vrig.-Sorresp.) Ich übersend« Ihnen beiliegend einen Ausschnitt au« der „Rational-Zeitung", 20. Juli, Rr. 848, Morgenblatt, 2. Beiblatt, an« dem Sie entnehmen können, womit ein jüdischer Verein anstatt der Klagelieder Jeremlä den 2K2 nyvn Abend begangen hatte. (Die Gesellschaft der Freund« veranstaltel« am 20. Abd«. rin Eoncert.) In zu große« Staunen darf Sie übrigen« diese« Thun nicht setzen; den» ersten« «erden in den genannten Verein statutengemäß (?) nur anerkannt reiche Männer ausgenommen, di« für den „Mann, der da« Eiend gesehen", alle« verständntß verloren habe» mögen; zweiten« hat der Apostel der Reform, der im vorige» Jahr» in Folge de« Kriege« zu keiner Synode zu gehen hatte, am vorletzten pn rav über da« Unzeitgemäß« der Trauer am 2. Ab gepredigt. Ob ihn wohl dt« bald darauf folgenden Tag», in denen sich di, Wörter »Dt« da köstlich gespeist hatte«, verschmachten auf den Straße«, di« da in Purpur erzogen waren, umfafien Koth' (Klag. 4, 5) in ihrer ganzen Bitterkeit erfüllte«, eine« Brflern belehrten? Stehen wir nicht fast so wett von de» gepriesenen Tage« de« Messias fern, wie vor 1800 Jahren« Da möchten wir wohl mit jenem Agadtstea dt« Prophetenwort« eonstrutrenr „Wer heilt dir erst deine Propheten, deine Rabbiner»?" A Fürth, 27. Juli. Bei der Aufmerksamkeit, dt« St« sett einiger gelt dem „Rischus" zuwende« und «it Recht zuwenden, ist e« vielleicht nicht unintrreffant, etwa« von de« „jüdische« aW«: «Sahrltch, anmuthig find Israel« Töchter; nur die Armuth ist'«, die sie entstellt! O-ewiß waren viele derartige Züge von R. Jsmael bekannt; den» »l« er starb, da erhoben die Frauen ihre Stimme zur Klage und rief«, anspielend auf Samuel II., I, 24: Töchter Israel», weinet um Rabbi JSmael, der Euch bekleidet hat mit Purpu: und Geschmeide. E« steht der jüdisch «rabbinische „Frauenlob" dem christlich« germanische» gegenüber; dieser legt durch Worte seine Gesinnung an de» Tag, jener durch Handlungen. Wir glauben, daß zu einer Zeit, da Deutschland einen gar großen Theil seiner Erfolge dem D!anne tankt, der „in siebe« Sprachen zu schweigen", desto bedächtiger und besonnener aber zu handeln versteht, man nicht lange chwanken kann im Uriheile, wem der Vorzug gebührt. vr. F...x F....L Sin Vorschlag für die nächste Synode. „Ich habe nicht umsonst gelebt!" kann vr. Avb sagen. Der Antrag, den er sett Jahren schon „in feinem Sinn und Gemü he gewälzt hat", ist endlich durchgegangen, wenn auch nur mit drei Stimmen Majorität. Er hat'« erreicht; e« soll hinfort gestattet fein bet der Trauung Ringe zu wechseln, und die Braut soll auch „etwa« zu sagen haben", damtt «» ihr nach der Hochzeit nicht zu fremdartig vorkomme; sie soll sage» — fakultativ, »ersteht sich — Ani l'dodi wedodi li, „ich gehöre «einem Freund« und mein Freund gehört mtt." Was für Gründe dt« Minorität vorgebracht hat, ob man gewußt hat, was «an that, gewußt, daß man durch diese« anscheinend so unschuldige» Zusatz mtt dem Prinzip der Eh« im Judenthum — auf de« doch die Ehe bei allen gesitteten Bölkmr bafirt — breche« würde, daß e« hier nicht nur heißt: „wer zusetzt, nimmt weg," sondern: wer htnzufügt, zerstört? Doch davon kann hier nicht geredet werden. Aber eia Vorschlag. Wie soll e« nun mtt der Eheschetdung gehatten werde»? Die Juristen der Synod« werde« dafür stimmen, daß die gertchtttche Scheidung allein genüge, aber die Rabbiner dürften der Ansicht fei«, daß doch »ach jener auch noch vor dem Geistlich« — versteht sich fakultativ — et» kleiner „religiöser Akt" stattfinde. Da müßten «na auch beide Thett« etwa« zu sagen habe»; der Mann könnt« die hergebrachte Formel, etwa „pnrificirt“, sprechen, aber die Frau? Analog der Aub'« scheu Trauformel und finnigst ebenfalls de« Hohenltede entnommen schlagen «tt vor, daß sie spreche: B’neh dodi! „Enteile, mein Freund!" Oder auf berliner-Deutsch" (wie die alt« polnischen Lehrer sagten) „verzieh« dich, verltere dich, mein Freund" — kannst du nicht länger sein, Hohe« Lied «ad Schiller — wir glaube« wirklich, diese Formel könne alle» Ansprüchen genügen.