Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 32 (9.8.1871)
- Date
- 1871-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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251 mb Feind« stud wieder darüber einig, daß der Echtiß der Leipziger Versammlung ein« feierliche», fa imposante» Eindruck gemacht hatte. Diesmal — die Zahl der Anwefmtm war auf einige zwanzig zufammmgefchmolzm. Prof. Lazarn», um geistreiche Wendung nie verlege«, half sich durch den Ber»: »Du wirst etuen Theil, du wirst dm Anfang, aber nicht da» Ganze, den Schluß schenk Da» wesentlichste Moment de» Schlnßtagr» lag jedoch nicht in der öffmtlichen, sondern in der oorauögegaugmm verttaulichm Sitzung. -g- »Die Zeitungsberichte sprechen von einer Resolution, welche in der Schlußsitzung verlesen und einstimmig angenommen worden ist. Ich kann dm Wortlaut derselbm nicht gebm und bin augenblicklich auch nicht mehr im Besitz der Vorlage, welche in der vorberathendm Sitzung debattirt und verworfen wurde. Die Sache kam so. 8» war von mehrerm Seiten tv verschiedener Weis« beantragt «ordm, daß die Synode ein Programm aufftellm, ihre leitmdm Grundsätze aursprechm solle. (Derselbe Antrag war bekannttich schon 1845 in Frankfurt a. M. und wieder in Leipzig gestellt, aber jedeSmal durch die Majorität eludirt «ordm, in Leipzig namentlich durch die viele» auSsiirechende aber ntchtisagmde Philippson'sch« Resolution.) Die Versammlung beschloß auf die Anträge einzugehen. In der LormittagS-Sitzuag am 17., welche nnr bereit» privatim Festgestellte» rasch erledigte, kiindigte der Präfidmt an, daß um 5 Uhr Rachm die Schlußsitzung stattfindm, und daß in derselbm eine „wichtige Resolution, ein Manifest der Synode" — oder hat ein Anderer dm letzterm Ausdruck gebraucht? — vorgelegt werdm solle. Um 3 Uhr ttat man zur vorberathung diese» von vr. Auerbach au» Frankfurt mtworfenm Manifeste» zusammm, um 5 Uhr wollt« man in Prozession au» dm „drei Mohrm", wo man debattirt,, in dm goldmm Saal zur öffmtlichen Sitzung ziehen. Zwei Stund« zur Brrathuug eine» sehr nmfängltchm wichtig« Elaborat»! Hattm die Dirtgmtm darauf gerechnet, daß man sich rasch einigm werde, oder hattm sie durch di« kurzbemeffme Frist die Einigung erzwing«, di« Debatte abschneiden «ollen? sie hattm sich verrechnet. Der Kampf wurde heißen und länger» je länger, desto heißer; da traten Mitglieder in die Schlacht, die sich vorher — vielleicht — »och nicht so recht hervoi grwagt hattm, »och nicht zur Geltung gekommm warm. Einer Auszug au» dm Debattm zu gebm ist mir nicht möglich. Genug, der Kern der vorgrlegtm Resolution — der 5 5, welcher in 5 Alinea», wie ich mich erinnere, die leitmdm Grundsätze der Synode auSsprechm sollte — wurde, weil man sich nicht einig« kon ite, ganz gestrich«, und so blieb«, nachdem der Rumpf hecauSgmommm war, die Flügel, vier und zwei Paragraphen (da» Ganze hatte fiebm gezählt), schlaff herunter hängend. Ueber diese beschnittene (aber jüdische?) Resolutton, über diese Flügel, a»S dmm jeder nach seiner Privat,mficht sich etwa» „Rechte»" oder „Linke»" herauSnehmea konnte, einigte man sich, aber auch erst, nachdem Prof. Lazam» dm Vorsitz abgegebm und in die Debatte getretm war. Er setzle der Versammlung die Pistole auf die Brust, ueia, er zeigte sie ihr nur, dmn diese Pistole war so stark geladen, daß sie eigmtlich von selbst lodgegangm wäre: wir müffm un» einigm, müffm eine Resolution fasten, oder wir find blamitt! So ging'« denn zur Schlußsitzung, aber doch erst um 6 Bbr!J Der Auerbach'sche Entwurf liegt un» in der „Wahrheit" Nr. 39 vor. Wir bedauern sag« zu müffm, daß wir etwa» Verworrenere» und Derwirrmdere» lange nicht gelesen habm. Zwar wiffm wir, daß der Derfaffer kein so ve-nvorrener Kopf ist, aber wmn die Sprache dazu dimm soll, Gdankm zu verhüllm —! Wir habm jedoch weder für da» ganze Schriftstück, noch für eine Krttik deffelbm Raum. Die angenommene Resolution werdm wir, sobald der Wortlaut bekcnnt wird, mittheilm, fall» e< verlohn« sollte. Einige allgemeine Bemerkung« über die Synode mthält folgmder Brief: E. Z. „Zur Eharakteristtk der Synode ist vor Allem zu erwähn«, daß die Pattei der gemäßigt« Reforoier nur äußerst schwach vertrttm war, daß Berlin domiairte, und daß in Folge festen einige äußerst unwichtige, oder richtiger müßige Frag« weitläufig diömtitt wurden» «eil Berlin oder Berliner Damm ei» Jutereffe daran hattm,*) während htnwiederum andere Au- *) Der Her, Korrespondent «eint natürlich die Debatten über ,^wri >tnge"; dies» fanden am lt., dem erste» Tage der eigentliche« Verhandlungen, statt, dauerten viele Stunde» und veranlaß«« eine« Dheilaehmer, nnt an demselben Lage »» schreibe», er «erde wohl gleich rnrder abreisen, er habe sich schon sattsam ge langweilt. und »a» noch mehr gil^ di« Lieb« der Frau« erwarb, die ihn nach seine« Tode ans'» feierlichste bestatttt Haber, soll«? Dadurch, daß er, im Gegmsatze zur Ansicht Walther» und Anderer, da» Wott „Frau" vor dem „Weib" prie». Daß die» aber nur eine ritte Wortklauberei ohne sachlich« Hintergrund sei» drückt Rnnriand bezeichnmd au», indem er sagt: Zwar einer Henne Fuß geb' ich nicht um raren Krieg, da da» Weib — Fra» bedeutet Und Fra» — Sri». Wie vortheilhaft sticht von dieser bedeutungStosm Wortfehde der im Talmud oft erwähnte Grundsatz ab: Srin „Han»", da» heißt seine „Frau"! Oder, wenn einmal ein Rabbi von sich erzählt r „Riemal» nannte ich meine Fra» — Flau und meine Kdcher — Kinder; vielmehr nannte ich «eine Fra» — Linder und meine Kinder — Frau," und damit meint, daß der Frau der Beruf der Kinder-Erziehung in so hohem Grad« obliege, daß beide Begriffe auf» innigste mtt einander verwachs« zu sein schein«; hat dieser Rabbi nicht da» Ideal de» lköribe», wie e» im ited« von der wacker» Hau»frau (Sprüche XXXI, 11 u. ff.) verzeichnet ist, in einem viel richtiger» Sinn« erfaßt und fruchtbarer weiter mtwickelt, al» die christlich »germtinischm Minnesänger? Bedmkt man dabei, daß unsere alte» köeism viel eher , Männer der bescheidmm, anspruchslos« That, al» de» ruhmredig« Wotte» «arm, indem sie an dem Grundsatz« festhielten: i „Gilt da» Wort einen Eela, so ist Dchweigeit zwei wttth;" dann ist man berechtigt, von dm Handlung« btt alt« Rabbinen sich »och Höhere» zu versprech«. Und in der That überbieten ihre Leistungen unsere Erwattungen! Wer kmnt nicht die Auszeichnung, welche die talmudische Satzung der Hichaasath Kallah (Ausstattung der Bräute) zu Theil werden ließ? uud die nach der Mischnah zu deujmigm Verdienst« zählt, d,rm Fruchtgenuß wir schon htmtedm haben, der« Grundstock u t« aber für da» Jenseits Vorbehalten ist? Aber auch den eheliche« Fried« suchtm die Rabbinen, ostmal» mit Hintansetzung ihrer persönlich« Ehre, zu schütz« und zu schirmm. Sie zrigtm sich hierin würdig dir geisttgm Erbschaft Aaron'», de« diese Tugend in besonder» hohem Grad« nachgerühmt wurde. Sinnig wies« sie auf die biblische Vorschrift (Rum. V, 11 u. ff.) hin, der zu Folge «an sogar dm allerhelltgsten Ramm Gotte» verlösch« durfte, um die Unschuld der Frau an dea Tag zu legm. Wir schließm mit einer Erzählung, welche vtjftrn Titel rechtfertigt. Einstmal» mißfiel eine Frau ihrem Manne in so hohem Grade, daß er in der Aufwallung de» Gemüt )e» gelobte, sich von ihr scheid« zu lassen. Da brachte man sie in da» Hau» R. J»mael», wo sie prachtvoll gekleidet und geschmückt wurde. Darauf wurde ihr Mann geholt und fein« jßrau im Glanze jugendlicher Schönheit ihm mtgegeogeführt. T>a fragte ihn R. Jömael: Hast Du ein Gelübde gethao, von einer Frau, wie diese, die jetzt vor Dir steht, Dich zu trenn«? Der Mann beraute seine lleberetlung, und R. Slmari hielt sich für berechtigt, da» übereilte Gelübde zu lös«. Da weinte R. Jtmael und rief