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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-08-09 · 32 (9.8.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
32 (9.8.1871)
Date
1871-08-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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860 »triigiö»* lebt, da» ist auch nicht sehr zweifelhaft. Da» heißt also mit deutlich« Wort«: »Zahl« dürft ihr Alle, «Oer über die PerfionSberechtigung befinr« wir.' Lid wer tum etwa Milch cder Wein bei Christ« getrunken Hai, der kann — hungern. Schon als unlängst (wie wir Seit» 281 erwähnt Hab«) vr. Lehmann sich an daS Cemral-Eomitö der Alliance 3»r. Un. mit d« Wort« w«dete: »ES muß, wmn wir weiter gemeinsam Vorgehen sollen, klar werdm zatsch« un»,' sagte un« ein Freund: „Sie werden sehen, daß damit eine neue Parole für die Partei au-gegibm ist; e» wird jetzt bei jedem gemeinsam«jüdisch« WohlthätigkeitS-Untemehmm heiß«: e« muß klar werden, unsre Partei muß die „Aussicht" und Leitung Hab«." — Der Freund hat recht geseh«! Da ist e« denn freilich fast natürlich, daß weg« eine» Satze» in der ob« erwähnt« Broschüre — bra wir allerdings ebenso wmig wie Herr E. billig« — schon „von einer SKtheiliguug kaum noch die Rede sein kann". Die Lro» schüre ist durchaus kein officielleS Aktenstück de» Gemeiridebunde», aber „I)ie Zuiammmgehörigkeit ist unzweifelhaft". DaS besagt also: ,E» muß klar werd«, wa» in dm gemeinsam« Ange« legmhritm auch nur officiöS gedruckt werdm soll, muß von unsrer Partei geschriebm oder wmigstm» censirt sein." Nun ist r» allerdings auch unsere Meinung, daß in die Leitung de« GrmeindkbundeS, wmn er constituirt fein wird, auch confervattv gefilmte Männer tretm müflm; ja wir nehm« an, daß die bi»)«rigm Leiter selbst die» für recht, billig und aölhtg halt« müff«; aber wir wiff« sehr wohl, daß diejmigm, welche fich die Orthodox« nennen, auch nur fich selbst dafür halten, nur sich selbst trau«-. Wa» dann noch die Schlußworte de» beiprochmm Aufsätze«: „dämm vorgefeh«, ihr orthodox« Gemein«" bedeut« soll«, ist überdeutlich; eine Aufforderung zum Beitritt schwerlich. 0« ist sehr wahrscheinlich, daß Herr 8. feine Worte nicht ganz in dm Wind geredet habm wird, d«n ein« Mahnung zu« Nichtbeitretea und Nichtbelstmem findet wett eher Eingang al» zelm Aufforderung« zum Mitwirkm und Mitthu«. Indessen hat eb« Herr E. d« Bog« etwa» straff gespannt; wmtger vorsichtig al» mehrere seiner klüger« Genossen hat er dal letzte Wort vornweg gesprochen, hat d« Hebel da anzusetz« versucht, Feuilleton. Si» Mischer „Zraue»lob". ,E» ist in der That auffallmd, welche innige Wablverwandt« schast zwisch« dm beid« Völkern der Sittlichkeit, d« Judm und Germanen, herrscht. Diese Wahlverwandtschaft mtstand nicht auf h storischem Wege, weil etwa die große Familimchronik der Jude«, die Bibel, der ganz« germanisch« Welt al» Erziehung dimte;-sie hat ein« tiefer« Grund, und beide Völker find sich ursprünglich so ähnlich, daß man da» ehemalige Palä« stina für ein orimtalische» Dmtschlaad a»lehm könnte, wie man da« heuttge Dmtschlaad für die Heimath de» heilig« Wotte», für dm Mutterbodm de» Prophetmthnm», für die Burg der reiner. Getsthett halt« sollt«.' Wir mtnehm« diese Worte dm »Englisch« Fragment«' Heine'», Wotte, welche in gleicher Weise dm Dichter, wie di« geprsifenm Nation« ehr«. So war der dmtsch« Jude d«n doch nicht ganz dem Judenthum und Dmtschthum untr« ge« word m, wie man gemeiniglich glaub« mach« will, und besonder» für Heine'» Stellung zu seinem angestammt« Glaub« ist da» 'Lapitei, au» dem wir die Anführung gemacht — die Be« uttheilung Zesfika», der Tochter Shylock« — sehr belehrmd. vir woll« hier au Heine'» Wort« anknüpfeu, um einem nicht seltm vernommmm Angttffe gegm die Anschauung« de» Judenthum» entgegmzuttttm. Wie oft schrttbt man in gelehttm wo di« Herzen der Judm nicht hatt gmug find, um eia« Stützpunkt für da« Zerspreng« und Zerreiß« zu gewähren. Cap. 251, § 1 und 2 de» I. D. stoß« denn doch «Nter 1000 Juden 000 in der Lhevrio und praxi« »tt beid« Häud« von fich,') da prallt oller KmiatiDmn» «>d alle Consequ«zmacherei ab! Auch die strmg ConservNtiv« werd« d« nicht «religiö» Lebmdm" von ihr« Unterstützung« nicht auSschließ«. Hoff« wir denn, daß recht bald die hundett Gemeind« fich zusammmfind« mögen. Wir woll« da» BiSmarck'sche Wott aawendm: helft dem Gemttndebunde nur erst in dm Sattel, reit« wird er schon köaam; oder wenn da» zu verwegen klingt, so sog« wir: reit« wird er schon lemm! Berichte vvd Briefe wer die Siptofc.**) L Freund« «ad Feind« find darüber einig, daß die Aug»kurzer Synode wett geg« ihre Vorgängerin zurücksteht. Machte fich die deprimitte Stimmung der im goldm« Saale Versammelt« doch schon in der Eröffuung»red« de» Präsident« gettmdl Wir hätte e» auch ander» sei» können — wer nicht fottschrettet, geht zurück. Zu Leipzig warm einige 80 anwesend, tu Aug»b«rg 50; Männer von altbekanntem Ramm war« nicht wiedererschimm, Neuetagetrttene könnt« der Versammlung kein« Glanz verleih«. In Leipzig war da» Ausland durch ein« Belgier, ein« Engländer und ein« Amerikaner vertrttm, e» wurdm tu franzöfifcher und mglischer Sprache Red« gehalt«; war auch der Engländer et« erst vor wmig« Jahr« auSgewandetter »Herzogthümer' — tt sprach doch englisch; war auch der Amerikaner ein Kaufmaan, d« seine Reise «ach Leipzig führte — er war doch da; selbst dieser Humbug fehtte diesmal. Am grellst« stach aber die diesjährige Schlußfitzung von der Leipziger ab. Freund« *) S)U ttfflf ij| ftffy IWh in recht fegrtabtt **) Nusza-lich zusa«»«»gestellt; da» au» un» zagegaage»«» lorrelpoudevjeu 9nmmtut ist durch Lhiffer bezeichue«. und gebtldtt« Kreis« die erhöhte Stellung der Fra» der Ein- Wirkung de» christlich - germanisch« Geiste» zu! Diesem wird dann ganz besonder« der orienlalische Geist gegmübergestellt, und unbarmherzig «erd« Juden, MoSltm« und wer weih welch« Völkerschaft« noch in Ein« Tops geworfm. Wa« nun die Judm betrifft, so ist e» nicht so sehr die Bibel, »da» alte Testament', auf welche» man etwa mit hochmüthigm RedmSatt« herabsähe; denn diesem, al» der »Vorstufe zum »mm Bunde', zollt man noch eine gewisse Anerkmnung; dahtngegm zieh« die vielgefchmäht« Rabbinm und der vielgelästette Talmud dm gefammtm Hohn der alt« und modemm Judmhaffer auf fich. Wir «voll« in dies« Zeit« dm Nachweis versuch«, daß gerade die Anschauung der Rabbinm von der Stellung der Frau eine der vorherrschmdm, germantfchm mindest«» ebmbütttge ist. Die chriftltch.germanische Achtung und Verehrung der Frau« trieb wohl ihre herrlichsten Blüthm in der „Minne" de» Mittelalter». Die Frau« warm da der Mittelpunkt alle» geistig« Sttebm» und Ring«». Man würde erwatttt habm, daß die Dichtung» »Fraumlob»', bei dem ficherlich der Wille, die Frau« zu verherrlich«, dm Höhepuntt erreichte, auch die geluugmstm sei«; allein, wie so oft, hickt seine Fähigkeit nicht gleich» Schritt mit seinem Will«. Der Gmiu» der dmtsch»mtttttalterltchm Dichttmg hatte aur «och Wolfta« von Eschmbach völlig beseelt. Die Dichttmg« seiner Epigonen, zu dm« auch Heinrich von Meißm zählt, «essm schon Spur« de« Rückfchtttt« auf. Wo« durch dieser sich wohl dm ehrenvoll« Beinamen „Frauenlos',

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