Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-08-02 · 31 (2.8.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
31 (2.8.1871)
Date
1871-08-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935499--0831-5370501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

245 teste» gefreut. Wir würde» sie auch ohadt« Aufforderung de» Herr» Eyrrefpoadentm außzüglich (stn,füllt drei Spalten jme» Statte«) mttgetheilt habe», obgleich wir aafang», wie uaser Le» richt über die Eonfereuz in Nr. 28 besagt, »icht vorhatte«, «usere Leser weiter orit de» Eineiunatter Gottesleugnern zu behelligen. Inzwischen haben wir tu der »Jew. Time»' vom 80. Juni weitere Proteste erhallen, einm vorläufig von vierzehn Rabbinern (Di. S. «dler, Einhorn, Felsenthal, Mlelziener u. s. w.) und einen von Dr. G. Hirsch und M. Jastro« Unterzeichneten. E» ist also nicht nur Var, daß doch auch in Amerika alle» seine Grenze hat, sondern e» läßt sich hoffen, daß der Schlußsatz unsere» Herrn Correspondeuteu sich bald erfreulich umgestalten wird. Da« Böse (iucl. llnfinn und Humbug) muß sich erst überstürzen, dann stürzt e»; da» ist ein alle» ewige» Gesetz. Wir fügm nun nur noch hinzu, daß die atheistischen Aeußerungen Wise'» und Mayer'« in der Journalistik der Der. Staaten und in de, christlich »religiösen Blättern große« Aufsehen, Hohn, Verwunderung, Zorn — je nach der eigenen Farbe de» Blatte» — erregt habe», »ad geben mm an« den erwähnten Protesten und Erklärungen einige Au»züge. Au» dem von Dr. Jastrow: »Wenn einige gebildete und selbst gelehrte Männer, denen mau «in Recht einräumea darf, religiöse Fragen zu verhandeln, sich mit Menschen zu einer Berathnng setzen, denen sowohl da« jüdisch-theologische Wiffen wie die allgemeine Bildung entschieden abgefprochm werden muß; wenn sie sogar mtt Solchen zusammen zu tagen sich nicht scheuen» denen jede anständige Gesellschaft de» Zutritt verweigern würde — und wir kennen solche Mitglieder der Eonfereaz — so haben jene Gelehtten selbst «uter die Kritik sich gesetzt und durch tiefen nicht sehr beneideuöwerthea Schild sich vor jedem etwaigen «iffeakchastlichea Angriff geschützt. Doch, wie gesagt, diese Zusammensetzung der Eonferenz hätte in» ntewal« die Feder in die Hand gedrückt, wenn wir nn» «icht veranlaßt, ja um der Ehre de» amerikanischen Judenthum» willen gezwungen fühlte», einen Zwischenfall in dieser Eonferenz in dem rechten Lichte darzustelleu. Man setzt voran», daß Rabbiner oder wie st« sonst heiße» - möge», die sich zufammenfinden, um über jüdisch-religiöse Fragen abzustimmen, eine» gemeinschaftlichen Bode« haben, welcher Judenthum heißt. Wir wissen wohl, daß dieser Boden breit gemrg ist, um den verschiedensten Parteien Spielraum zu bieten; aber zu« Mindesten gehört doch wohl die Lehr« von Gort, ohae welche «» kein Judenthum giebt, zu den Fragen, über welche eine jüdische Eonferenz vor ihrem Zusammentritte einig sein mal. S3a». soll man aber dazu sagen, wenn ein Mann, der sich Rabbiner nennt, in der Eouferenzsitzung erklärt, et gebe keine Versöhnung, keine Sühn, für begangene und bereuet« Sünden; die ganze Bibel wisse davon Richt» u. s. w.s Doch der Skandal sollte »och größer werden. Eia andere» Mitglied der Eonferenz spricht in seinem Eifer, den sühnelosm Eollegeu zu unterstütze», den Satz au», daß fixitte Gebete ganz unstatthaft wären, da mau nur zu eine« persönlichen Gott« beten könnte, und e» Viel« gebe, die au einen persönlichen Gott nicht glaubte», zu denen auch er,.der Rabbiner, gehör«. Wir wolle» weiter nicht fragen,, «arm» denn die Opposllion sich nur gegen stritte Gebtte ttchtete, warum nicht gegm Gebet, gegen Gotrrtdienst überhaupt. Wir wollen auch «icht weiter erörtern, warum die Gläubig« ihre religiös« Einrichtung« nach dm Bedürfnisse» oder der Bedürfnißlyfigkeit der Ungläubigen gestalt« sollten. Folgerichtige» Denkt« und. Handeln kan» man von,einem Rabbi»«, der. d« persönlich«,Gott lengntt, «icht erwarten,.»«» er ist selbst et, Widerspruch, eine erasse.Jnmnsegneuz. Wir könum.b«..Standpunkt eine» Mensch« begreifen,. dm seine philosophisch« Forschung« mit dem Jndmthw» in Zerfall gebracht Hab«, und find wahrlich die ty«, einem fiel, Mmschen, der sein« Glaub« verlor« hat, mir Mißachtung begegnen. Aber wenn ei» Rabbiner, an einer solch« l zeuguug augelangt, nicht sofott seiner Gemeinde, die alt jüdische gegrüudtt wordm ist, erklätt, daß er fottan ihr licher Führer nicht mehr sei» könne, e» sei dmn, daß sie ihr« Auttntt an» dem Judmthum erklätt und sich zu einer fieireligiösm Gemeinde wastituitt, so ist er ein Hmchler, — schlmwer all ein Hmchler. Man spertt einm armm Peddler in» Zuchthar«, wenn er plattitte» Messing für Gold verkauft, und wer Ath.'ismul oder Panthei»mu» für Judmthum anSgiebt, ist viel gefährliche:. Er untergräbt nicht blo» die Rttigioa, sondern erschüttett alle sittlichm Legttffe, und wmn e« für einm solch« Betrug einen Gericht-Hof gäbe, so wäre für dm in Rede stehend« Rabbiner seine hohe Bildung sicherlich ein erichwermder Umstand, nin ihm da» doppelte Sttafmaaß aufzulegen, all den armen I>eddler tteffm würde, der um ei» elmde» Stückchm Brot sein Gewissen »erschachett. Wo die Gemeinsamkeit de» Bodm» aufhött, da mnßie mau von Dm«, die da «iffm» wa« man in religion»-philosopl>ischem Sinne unter einem persönlichen Gott versteht, ermatten, daß sie sofott dm Sitzungssaal verließen und »icht eher wieder zusammenkämm, al» bi» Derjmtge, der den Gottesbegriff de» Judmthum» geleugnet, au« der Eonferenz gttrttm wäre. Aber nicht einmal rin Wott de» Proteste» wird un» berichtet, obwohl die Reporter» der Eonferenz derselbm sonst mit Aufmerksamkeit und Verstäadniß gefolgt sind. Rur einer von all« Herrm der Confermz fan!) eine Woche später von seiner Heimath au» dm Muth, gegm da» fernere Verdi eibm de» Athttstm oder Spinozistm in der, Eonferenz» Comitö für Abfaffung der Gebtte ein« Prorest zu erheb«. (Dieser Eine ist tta gewiffer Kleeberg, ei» Jndiriduum, wttche» in Deutschland einmal ttn Sedullehrerseueinar besucht hat; wir übergeh« ihn und die Besprechung feinet Proteste». Red.) Was soll man jedoch zu dm übrigen Beifitzmtm fax«, die — wir wollen annehmm — vor Scham schwiegen? Wir find für dm Protest noch au» ttuem andern Grund« dankbar» dmn der Bettcht in dem für ofstciell erllättm Blatte »ersucht die bttd« Aeußerungen vollständig todtzoschweigm oder mit der Gewandthttt eine« Taschmspieler» hinweg zu cscamotiren. Der große jüdische Bamum will uni glauben mache», daß e» sich hier um die philosophische Brrechttgung de» Au»druek» perfl lich (paroounl) in seiner Anwendung auf da» göttliche Wese.r handttt, und will un» für die nächste Coaf.imz eine Abhandlung über diese» Thema verschaffen. Da giebt'» keine Sophisterei, keine Taschmspiclerkmr t, Herr Bamum! Herr Dr. Mayer hat nach der Aussage eine« com» pttmtm Ohrmzmg« ervärt, daß man nur zu einem persönlich« Gotte bttm könne, er aber glaub« mtt viel« ander« nicht an ein« persönlich« Gott. Damit hat Herr Dr. Mayer nüht etwa, wie der Bamum andmttt, sag« wollm, daß der jiidisehe Gottelbegriff die Flttschwerdnng oder Jucamation aussckließt, sondem er hat gesagt, daß mau nur zu ttnem persönliihm, ». h. zu einem freien göttlichen Besen bttm könne, er aber erkenne die Existenz «ine» solch« Wesm» nicht an und könne dan>« nicht bttm. Darüber könnm selbst die Gaunerkünste eine» Eagliostro nichthinveghttfm. Wir wundem un» über die zwanzig Thetlnehmer nickt, die schwieg«, dmn sie mögm dm Auldrmk .persöoliöier' tztott nicht versteh«, find überhaupt »icht bemfen worden, »m zu sprechen, sondem um zu schweig«, obwohl ihr Schnoetgm kein »Zaun um ihre Weisheit* ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.