Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 30 (26.7.1871)
- Date
- 1871-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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288 Vckamttgab« dies«» SAgramm« vmsetztt die Serfantntaig in die freudigste Stimmung uud in ein von dem Präfidmtm »er. geschlagene» dreimalige» Hoch auf den König lebhaft ein stimmend, ward di« von 10 bi» 4 Uhr mit kurzer Unterbrechung geführte Verhandlung geschloffen. Berlt«. Die hiesige,FZolk»ztg." berichtet Folgende»: „Der Unteroffizier Gottfried Hirsch vom 7. Landwehrregimmt, der auch schon den Feldzug von 1866 mttgemacht, hatte sich diese» Mal bei den Gefechtm de« Werder'schen Corp« vor B-lfort so au«, gezeichnet, daß ihn fein Hauptmann und sein Major zum OffizterSdienst thumden vicefeldwebel (derselbe gehört zum Offizimcorp») ernannten. Al» aber diese Ernennung dem Ab» thellungScommandmr v. Debfchütz zur Bestätigung vorgelegt wurde, wie» er diese zurück — ein in der prmß. Armee uner- Hölter Fall — mit dem officiellen Bescheid, er verbete fich auf» Dringendste fernerhin die Zumuthuug, einen Juden zun, Offizier zu machen.' Die ,93.-3.', welche mit Recht ihren Tadel gegen die^e vorsündfluthliche Aeußerung auSsprtcht, hat doch darin Unreött, daß fie den Borfall zu einer Principienfrage macht. ES giebt eine ziemliche Anzahl jüdischer Reserve» und Landwehr- Offiziere in der preußischen Armee; mau hat «» tat iwrliegmder Falle also lediglich mit ein« vereinzelten Tactlofigkeit zu thrn, deren Redresfiruug wohl m'cht wird auf fich warten (affen. Nach weiteren Berichten soll gegm Hru. v. D. eine Untersuchung wegen diese» Vorfall» eingeleitet sein. Altona. Am Sonntag den 2. Juli beging der 33orsäuger der portugiefisch-iSraelitffchen Gemeinde in Altona, Herr Piza, Bster de» vr. Piza in Hamborg, den frohen Tag» an welchem er vor 56 Jahren in dm Stand der Ehe getreten, war. Zahl» reihe Beweise der Theilnahme wurdm de« Jubelpaare im dessen Ehrentage. Bereit» am Sonnabmd-Abmd wurde demselbm ein Siändchm gebracht von de« Ehorpersoual de« Thaliatheater», welchem am Sonntag »Morgm mrf Beranlaffung von Freund« uui> Nachbar« ein Mufikstäudchm folgte. Die Gemeinde überrethte demselbm zu diesem Tage in dankbarer Anerimnuag feiner langjährigen Wirksamkeit ein ansehnliche» Werthpapier» und von Kr,und« und Verwandten, sowie von Mitgliedern der Gemeinde liesm außerdem zahlreiche, mitunter sehr werthvolle «Neschmke ein. z. B. eine goldene mit Dukatm gefüllte Tabattöre. Die Feier schloß mit einem Festmahl in der Tonhalle in Altona. (SRefma.) Grandenz. Hier fand vor Kurzem ein origimlle» Be» griibniß statt. Der Todtmgräber der hiefigm Svnagegm»Gemeinde, ein Katholik, starb. Al» er begrab« werdm sollte, wurde ihm ein Platz auf dem katholisch« Kirchhofe verweigert, angeblich, well er nicht immer zur Beichte gewesm sei. E» erfolgte u»i seine Beerdigung auf dem evangelisch« Kirchhofe uud da» Leichmgefolge bestand vorzngsweise au» Mitgliedern be: israelitisch« Gemeinde, bei dm« der Lerstorbme al» ein tüchtiger, pflichttreuer Beamter fich ei» ehr«volle» Andmkm erworbm hatte. <®-*) Hechingeu. In der hiefigm Synagoge sieht man jetzt an dm westlich« Fenstem zwei von einem Küusttm in München in Oel gemalte, der Glasmalerei täuschend ähnliche Ronleaux, da» ein: Mose» mit dm Gesetztafel», das andere Aaron al» Hohmprifftm earstellend, ein Geschmk de» Her« H. Heilbronuer. (Da« mag sehr hübsch auSsehm. obgleich wir eher glaubm, das, gemalte Rouleaux fich in einer Synagoge sehr abgeschmackt autnrhmeo müffm — jedmfall» ist dergleichen Bildnerei in dmsellm ganz unzulässig!! E» wird gegm ein« solchen Bersut), UN» kunstschwärmerische Jdololatrie in unsere Gotte-Hauser einzuschmuggel», mergisch protestirt werdm müffm. Hem Rabb. vr Ehreutheil hat fich iw dm .Mahrheit" mit ausführlich«« Mc tiviruug in demselbm Sinne ausgesprochen.) Matuz, 28. Juni. Herr vr. Wllhelm Kahn von hier» bts» hm Kanzla bet dm Königl. baym. Gesandtschaft zu Pari«, ist zum wirklich« Kgl. bay«. Rath mnannt worden. Hem vr. K. war währmd de» ganz« Kriege«, währmd dm Belagerung von Part« und währmd dm Herrschaft dm Commune dm einzige officielle vertretm dmtschm Jntmeff« in dm ftanzöfischm Hauptstadt und hat fich al» solch« um die zurückgedliebmm Frau« und Kind« dm ' auSgewiesmm Dmtschm groß« Bmdtmste «» worbm. Er war während dm erwähntm Zett dm fchweizmtfchm Gesandtschaft attachirt. — Seine König!. Hoheit, dm Großhmzog vcn Lad«, hat dem gmannten Herrn vr. W. K. in Anmkmuuug sein« Bmdtmste dm Ordm de» Zähriugm Löwen zu verleihm gmuht. <3*r.) Mainz, 7. Juli. Hmr Hermann Reinach von htm wurde zum 2. Bürgermeistmei-Adjunctm mnannt. 8» ist da» erste Mal, daß in hiefigm Stadt ein GlaubenSgmoffe mtt einem städtifchm Amte betraut wurde. (J«r.) (Hmr H. R. ist unfme» Wiffen» vr. )ur., hat jedoch die juristische Carriöre längst aufgegeben und pflegte fich seine» Titel» nicht zu bedienm. Red. d. JSr. W.) Wvlfenbittel. Am 24. Juni feierte die Samsonschule himselbst da» 2Sjähr. Jubelfest de» zestigm Direktor» vr. Ehrmbmg» deffm Scheid« au» seinem Wirkungskreise in uächstm Zeit bworsteht. Die Schulräume warm festlich mit Laub» uud Blumen» gewindm geschmückt, uud dm Lehrm und Oekonom dm Anstalt, Hmr Wimmelbachm, hatte die ganz« Amangemmt» dm Feim» lichkeit in höchst würdig« Weise gettoffm. Die Administration, -?« welchm al» Repräsmtantm die Hemm Medicinalrath vr. Cohn au» Hannov« uud Vr. )ur. Maguu» au» Braunschweig mschimm warm, vmrhrt« al» Zeichm dm Anerkennung und de» freuud» lichm Angedmkm« dem Jubilar ein höchst geschmackvolle» vollständige» Silbmfervice. Geladm warm nur die Lehr« dm Anstalt, die Gemeindmorstehm und nebst ihum die nächst« Familien» gliedm, so daß da« Ganze ein« durchaus privat« Charakt« trug. Feimlichm Gesang untm Orchestmbegleituug leitete die Festlichkett ein, worauf Medicinalrath vr. Cohn in «greifend« Wort« die langjährige Thätigkeit und segensreiche Wttffamkett de» nun bald Scheidenden schilderte, dm nicht allein währmd 26 Jahr« die Leitung dm Schule gehabt, soudmn auch schon eine ganz« Reihe von Jahrm vorhm an dm Sette seine» ver» ewigtm Bat«» in derselbm gewttkt hatte. Rach Aufführung ein« Motette folgtm dann Beglückwünschung« von Seit« dm Lehrm uud Schülm dm Anstalt, und ei« gemeinsame» fröhlich«» Mahl beschloß die Feim, die allm Anwesmdm dm Eindmck zurückließ, daß zwischm Schule und Lebm eia geisttgm und matntell« Bund geschloffm wmdm müffe» wenn and«» die schöne Frucht dm Mmschmwürde zur Reife gebracht wmdm soll. («. L.Z.) Warschau. Boa hi« schreibt man dm „St. Ztg.": Heute habm wtt eium Handlung zu erwähnen, von dm wtt wünscht« glaubm zu können, daß sie ohne Wiffen de» Statthalter» ge» schehm sei. Man «ttd fich dm vor eia paar Monat« «kaffen« Borschriftm erinnern, in Betreff dm Ablegung dm altjüdtschm Tracht. Zur Verschärfung dies« Borschriftm hat nun der Gou» vmumr von Radom drakonische Sttafm, wie fie aur auf schwere Bmbrechm folg«, vmhängt, und durch ein gedruckte» Cttmlatt dm Krei-ches» zur Nachachtung angewiesen. Mese Sttafm ver« steig« fich bi» dahin, daß ei» die Kleidung-vorschriftm nicht be» solgmdm jung« JSraeltt in die milttärische Sttäfiing» »Compagnie gegebm wttd, die in Rußland au« soldatisch« Dieb« uud dmgleichm besteht, welche auch al» grobe Bmbrechm behandelt wmdm. Ein jüdisch« Bürg«, Namen» Zweigbaum, wie von glaubwürdig« Personen versichert wird, ein sehr rechtschaff«« Man», sah fich vmanlaßt an dm Minist« de» Innern in Peter«.