Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 30 (26.7.1871)
- Date
- 1871-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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bürg eine Klage hierüber zu schreiben und legte dal «rwähut» Einnlar de« Herrn Gouverneurs von Rad»« bei. Sin Unglück» licher Aufall wollte» daß die Klageschrift vor ihre« Ab-apge nach Petersburg der hiesigen Polizei in die Hände fiel, welche sie dem Statthalter mittheilte. Vas that nun dieser? Er schrieb aus die Papiere die Worte: „Zweigbaum soll dem Berichte übergeben und zur Deportation »erurthellt werden." Der arme Mann fitzt nun i« Inquisitions-Gefängnisse, und das Eriminalgericht nimmt ihn nicht einmal vor, da es doch gar keinen Anhaltspunkt zu der befohlenen Berurtheilung hat. Notiz. -ir Mischen Speisegesetze und ihre Bedeutung für die «efuudheit. (Schluß »<m «r. 28.) Profeflor KlebS in Bern ging einen Schritt weiter. Am 26. 3uli 1869 inficirte et ein 4 Wochen alte« gesundes, munteres Kalb durch Einspritzung menschlicher Tuberkeln in Wasser verflüssigt in die Bauchhöhle. Am 22. Oktober wurde da« Thier getödtet und die edeln Eingeweide mit Drüsen bedeckt gefunden, die histologisch alle Merkmale der Franzosenkrankheilsknoten boten. Er hatte also direct zwischen Mensch und Thier glückliche Versuche gemacht und wurde in feiner Ansicht, daß die Tuberkulose durch Genuß tuberkelkranker Thiere auf den Menschen überttagen werde, vollkommen bestärkt. 'Auch Direktor Verlach in Hannover machte auf diese« Gebiete umfangreiche Versuche, die ihn zum selben Resultate führten. Er schlug einen dreifach« Weg ein. Erst«» impfte er sechs Kaninchm, einer Ziege nnd einem Kalbe die Knotm einer fton» zosenkrank« Kuh ein. Drei Kaninchen starb« in höchst abge» magettem Zustande nach 2—6 Monat« an der Schwindsucht. Lei der Sektion fand «an zahllose Tuberkels in der Lunge, Leber, Milz u. f. w. Die übrig« Thiere wurd« 8—6 Monate nach ihrer Infieirung getödtet. Die Kaninch« ward« vollkomm« schwindsüchtig befunden. Auch die Ziege war tuberkulös gewordm, nur war« bei ihr die Tuberkeln auf Lunge und Zwerchfell beschränkt, währmd das Kalb gesund geblieb« war. Daun versuchte Verlach von d« Verdauungsweg« aus zu infikiren. Er fütterte ein« Arbeitshund und ein Schwein mit Theilm eines perlsüchttg« Rinde«. Bei dem Hunde schlug die Infektion fehl» doch gelang sie bei dem Schweine vollkommen. Zu dritter Reche handelte es sich bei Verlach« Untersuchung« um die Milch ftanzosenkranker Kühe, die bei uns in gewiss« Fäll« noch nachträglich verbot« ist, und er benützt« hierzu «tue 7—8 Jahre alte, abgemagerte, off«bar frauzoseukrauke Kuh. Ihr Appetit war gut, ihr täglicher Milcherttag anfangs 1500 Gramm». Dieser reduetrte sich jedoch nach und nach und verschwand die letzt« acht Tage ganz. Mit dieser Milch wurd« zwei 8 Tage alte Kälber, ein -monatliches Schaf, ein Ferkel und zwei Kaninch« gefüttert, die meist« 12—15 Tage, ein Kalb 50 Tage laug. Sei all« Thier« — ein Kalb, da« nach 8 Tag» einer ander« Krankheit erlag, auSgenomm« — gelang der Versuch vollkommen. Man fand sie alle bei ihrer Tödtung tuberkulös. W«u man bed«kt, daß anf diese Wesse selbst Thiere, bei den« die Schwindsucht um wenig nachgewiesm ist» tuberkulös wurd« durch dm Gmuß von Milch tuberkulöser Thiere, so wird man jsich dem Resultate nicht verschließ« können, da« diese Gelehrt« au« ihr« Untersuchung« zogen, daß nämlich der Genuß von Fleisch schwindsüchtiger Thiere viele Erkrankung« dieser Art bei Mensch« nach sich zieht und daß eine gewissenhafte rituelle Untersuchung der Lunge durch dgs Schächter und eine gewiss«hafte vekluffichtiguug deffelb« durch dev Rabbi«« «auch herbe» Unglück vor, beug« kann. Literaturbericht. Adler, vr. <£., Borträge zur Förderung der Humanität. Zweiter Baud. Berlin. Gerschel. 1870. (262 S.) (Der erste Band erfchim 1860.) Es iß eine «ft gehörte «lag», da« tu unser« Zeit, der Ibra der Eis», bahn» und fefegra*« des rasch« Uwlchwung» im V«l> erleb» nli in den Schicksal« d« «inptarafö«, des beschleunigt« Ged»-keua«tans<h«, d« Heraschast uivellireud« «-de und de« Schwinden« von tauftud «um- '1 thümlichbtt» der Kaiünnr, Evastsstoaea, Stünde und Judiaida« — dag : in unser« Zeitalter die „Gemächlichkeit" tan« mehr schwtnt«, die Gemüth. lichtest de« hönslich« gesellig«, politisch» Leb««, de« «eisen« Predigen«. Ohne bei diese« Gedanken lilng« zu verweil-m, Mrftn wir tanerhin behaupt«, da« jene «läge darchan« nicht unbegrimdet und wohl geeigret sei. |i Zeit« recht wehwiithige Stimmung« hern»«»trus« ab« den. Strom d« Zeit Ulst sich nicht Halt gebiet«, tämp tait mm sagen, daß da« hi« |c besprechend« Buch d« Periode d« Semüch lichtet augehört und «in recht «ran« stmd staigee Bild ein« Erzengmfses die« Periode giebt, so glaub» wir damit etwa« zur Charakteristik deffelb« uichi Unnx seutlich« «nsgesproch« zu hat». Bei allgemein« Charakteristik reüffeu wir aber in dies« Reranstoa umsomehr steh» bleiben» da da« Buch imr vrrein- M stehend« (17) Aussige enthalt, welche, durch «in« gentiniim« Lite! vrabund« auch innerlich wohl manche verwandtschaftlich« siezte Hang auszu- «eism Hab«, ab«, ungleich au Wesen, Bestimmung und — wi>: d« Vers, wohl gern «inrönm» wird — au Werth, sich nicht leicht um« eir Gesammt. urtheil bringen laff»; eine Besprechung d« einzeln» Bor.rüge ab« übraschreit« die Brenz» dies« Blatt«, und Sätze oder Veharptaz.» heran», greisen, um Lob ob« .Tadel an dieselben zu knüpfen, H ein : tadelhaste Recenseutenmanier. La» Buch enthalt ein« in Leipzig zur Meudelssohrsei« gehaltenen Vortrag, eine Antrittspredigt, vier an Stiftung««gen der Gesekschast ,^umanittk" in C-ffel ^halten« v-rtr»^, drei Gelegenheit«. (darunter zwei Leichen-) sied» und acht Abhandlung« welche nicht als «orträ<e austreten. D« Vers, giebt in d« Bora«« «ine Erläuterung üb« d» Begris! Humanität und üb« sein» Absicht, dies« durch sein Buch zu fördern. Das! di« durch das gesprochene und geschriebene Wort möglich sei, da» SegrLumen von Borurtheilrn, Verständigung zwisch« den Reiigionspanst« Austläruug, ». h. klar« Verständnis religiös« Lehr» und Satzung«, wesentliche Kördrrängsmittel d« Humanität sei», wird «iemand bezweiftln; ab« « gehört viel Kemtthlichkrftdazu, wenn «an sich von diesen Borna-« «in« grohen Erfolg in der beabsichtigt» Richtung versprach» will. Haber, wir damit ein« Label ausgesprochen? Jedenfalls nur über den Titel, nicht über da« Buch; stob aber sprach« wir und sprich» da« Buch über den Bwfassra an«, denn da« wett ist »in schön« Zeugnis für die Humanität ein« Urheber». Ueberall tritt un» ein sinniger »«ft, «in« mild« Aussaffunz, versöhnltch« 0t* sitmung, vermeid» all« Schroff» und verletzend« entgegen, gleich der Vers, fein» Ansicht« nnunmmb« ««speicht. Erheblich kirn« ist an« dem Buche nicht zu lern«, aber wir sind« viele beherztgensnrache lLink«. geift. voll» dder an« ratser Erfahrung geschöpft« Bemrakmigeu «ud v«, Kleist und Belesenheit fugend« Znsammenstellnn,«. lieber einig« Vradäge müff« wir noch «in Wort sagen. E« sind die über die vier HUislegmgsarlru der heA. Schrift (V-Nw); über d» Schnlchan Arnch; über Lammertaot« und gmmnentare d« Sch. Ar. und über «. Mos« b. Ji?h, vra. M Lhell. Mechol. Sewist wich Icbcr Leser dieser Ueberschrist« lurwurdert ftageu: ,FSw> Hab» dies« Themata mit der Humanität zu thuu''k" §!n der That dirart nicht», aber der Vers, meint: «iss» fördert Hummutät; tu* ist wahr, giv dann ober ebenso pst van jeder populär-wiffenschoftliche, Belehrung. Labei versteht jedoch der Vers, auch durch «ingeftreute Bemerkung» sein Ziel näher zu trechrn, so spricht er z. V. in dem letzterwähnten «omage Uber di« mild» Bestrebungen, einer Kran, der« «nun verscholl«, pv^Gr^ervraheirathung Erlaubuistgründ« fu such» (7MW um). Leerste der iben genannten Bortröge ist in Löffel wirklich gehalten, wir glaub« vast ander« «sduer Ursache Hab»» Herrn vr. A. um ein Publikum zi, beneid« welch« zwisch« „Wahl mW «ahl" (in der Gesellschaft Humanität) 'ton solch» Vortrag .^emüthltch" «chegemümmi, «in» Vortrag, taffen Text im.Buche Sau dem »-pp-««-- Onantum von Anmerkung» begleitet ist. lvie I«. Bor» lesuug berührt «in sehr wichtig« Thema, die USi Uvi,^ »«Ich« zahllos« Bstchrau vorgedruckt ist — geht jedoch -ns di» «ouseqn»,» uiöst ein. Doch ans Einzeln« »ürf» auch wir nicht emgeh« ssust «rsaettae allein der Bortrag Über d» Schnlchan Arnch ein« lange Besprechung Die t ^-graphisch« Ansstattung ist sehr schön. I