Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-26 · 30 (26.7.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
30 (26.7.1871)
Date
1871-07-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935497--0821-5370492
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

236 Petition; der andere tnteresfirt unsere Leser näher und allgemeiner. Da heißt e«: „Die eingeborenen Z-raeliten stad kein« Franzose«, fie sprechen nur schlecht französisch, ihre Sitten find orientalisch, sie sind den Traditionen de» französischen Lolksthnm» fremd, sie haben kein Vaterland; fie «erden keine guten Soldaten abgib«, ihr Charakter ist nicht kriegerisch, bei ein na Aufstande wer!« fie nicht den Math habe» gegen Araber za kämpfen, fie werl>en nicht mit ua» marschirea, fie werden die Festigkeit unserer Truppen erschüttern" u. s. «., u. s. w. Ist da« acht da« Echo von allem dem, wa« man vor Menschenaltera in Deutschland gesazt hat? So schreibt ein Franzose, ein Mann via Rang und ohn< Zweifel auch von Bildung, in dieser Zett; Haien wir Stecht, wenn wir behaupten, daß unsere französischen Glaubensgenossen and noch gegen Feinde im eigenen Lande zu kämpfen haben, daß sie mit un« und wir mtt ihnen der Gegner genug besitzen, und daß e« daher Thorheit wäre, wenn fie sich ihren deutschen GftubenSbrüdern seiudlich gegenüber stellen wollten? Ist e« nicht — zwar echt französisch, aber sehr albern, wenn sie in Frank, reid» alle« magnifiqne, in Deutschland alle« ndowmndle finden? Wir enttehnen schließlich der Denkschrift de« Hm. du Bouzet noch einige stattstische Angaben. In »ousaada, Sin-Belda und Tia.et find die eingebornien J-raeltten zahlreicher als die Kranzoseu, in Tlemce» find jene diesen an Zahl gleich, in Constantine und MaScara erreichen fie mehr al« die Hälfte. Femer ver» haltm sich JSraeliten zu Franzosm in Milianeh, Oran, Bougia und Bel-Abbö« wie 1: 2; in Mostagaaem wie 2 : 8; in Algier wie 1:3; in St. DeniS-du-Sig 1:4. „In MaScara, sagt die Denkschttst, sind 4800 MoSlim«, 1565 JSraelttea und 2426 Fraizosm; letztere find untereinander uaein«; die J«raelttm, ge» schliff« stimmend, würden die Wahlen beherrschen; würden die ehemaligm Wasfengefährten Abd-el-Kader» einen eingeborenen jüdischen Maire über sich dulden? Haben wir Algier erobert, um di« Muhamedaaer den Juden zu unterwerfen?" — Dieser Schlußsatz ist charakteristisch; in ihm bricht de« verfafler» eigene Gef uauug durch; er sagt nicht: „Ist da« polittsch möglich, rath» sam' — gegen solche Erwägung ließe sich ja nicht« eiaweadea — sondern „sollen wir da« thua, schickt sich da« für ««»"-! vebnall dasselbe: sei Muhamedaaer, Heide, Atheist, sei Pro. testant, Infallibilist, Gallikaner, jene Leute haben von vomheretn kein: Antipathie gegen dich — aber Jude, da erklingt ein« and ne Melodie, und diese Melodie klingt in alle» Landen gleich.*) Amerika. 8. W. Nord «Amerika, im Juni. (Original.Corresp.) Amnika ist da» Land der Möglichkeiten auf jüdi'ch» religiösem Geltet«, wie Polen, nach dem Au«druck Napoleon» I., da« Laad der poltttschea Möglichkeiten ist. Sin atheistisch» Rabbiner! Wer sollte da« für möglich halten? Und doch besitzen wir den zwelfethaftea Ruhm, eia««—1 solchen aufweisea zu können. Sin Atheist in einem ComitS für Abfassung eine« Gebetbuch««! Ist da« möglich? E« ist fakttsch, wiewohl unmöglich. Nun komme un« Hegel noch einmal und sage: „Alle« wa» ist, ist vernünftig." Er hat Amerika »icht gesehen, hat der letzten Rabbiaer-Confermz in «Lincinaati nicht beigewohut. Ich sende Ihnen hierbei eine» Sutschnitt au» de« „Hebrew Leader", den Anffatz de» vr. M. Jastro« enthaftend. Ich wünschte um der Ehre de« amertkant» scheu Judenthum« willen, daß Sie ihn ganz in Ihr geschätzte« Blatt aufnähmea oder wenigsten« da» Wesentttche daran« mit» theilten, damft die europäische Judenheft sehe, daß wir hier zu Lande noch, wie der Aussatz sagt, „den Mnth haben un« zu schcmeu." *) Da« Mcfc «Ltze «cht ,«», mit M» i» StitertHct -qe-e«. Er. örtiranfl» de» Herr» Dt. Vach hol, «brreillftimwe», sieht der lftftr selbst. Er prüft u»d wähle. —) E« si»d ihrer j« »weil («e».) Zum Verständnisse der Situation sei noch vorausgeschickt, daß Herr I. M. Löss« in Etuctnuatt der «st de» zeichnete Rabbiner ist» welcher die Vergebung und Versöhnung geleugnet, und Herr vr. Mayer in Clevelaad der Rabbiner ist, welcher die Persönlichkett Gotte« bestrettet. Di« Rabbiner« Coaferenz war von I. M. Dise zur Rrvifiou de« „Minhag Amerika" berufen. Sie ist die dritte zu diesem Zwecke abgehalteue» und hat ihr Ziel noch immer nicht erreicht. Aber eine« hat fie erreicht. Sie hat un« die Bodealofigkett un» serer religiösen Zustände gezeigt und vttd vielleicht (?!) endlich unsere Gemeinden an« ihre« crassen JndiffereatiSmu« anfrüttelu. In der im Jahre 186S in Philadelphia abgehaltea« Eon» ferenz der radikalen Reforn^Rabbiner «tt Einhorn an der Spitz« waren I. M. Wife uud vr. Liltenthal al« Comttö ernannt wor» den, um im nächstfolgenden Jahre die Confereuz nach Eincinuatt zu berufen. Wa« thut I. M. Wise, dem Ehrltchkett die einzige Unmöglichkeit auf Erden ist? Er beruft eine andere Coaferenz zur Revision seine« Gebetbuch« Minhag Amerika nach Cleve» land, die sich nach New. Bork vertagt» von da nach Änctuaatt berufen wird und nun sich für permanent erklärt hat al« „dle Confereuz amerikanischer Rabbiner". Wsse erklärt« in seine« „JSraelite", daß er all die« gethan habe, um sich au vr. Etahom für einen früher einmal vereitelten Plan zu rächen. Er schämt sich de« frechen Geständnisse« nicht» daß ihm da« Juden» thum nicht» al« eine persönliche Handhab« ist. Wise erschien im Jahre 1876 bei der Versammlung der Lonrä of Deleg&te« of Amerikan Isrselitee (eine Laien» Versammlung, die sich mtt allen jüdischen außer fpecifisch religiös« Frage» beschäftigt). Er stellt dm Antrag, daß «tu Comitö emannt werde, um wegm Errichtung eine« Rabbiner» Seminar« geeignete Vorschläge etnzubrtngen. Er wird zum Bor» fitzenden diese« Comttö« emannt. Da« hält aber Wsse nicht ab, an demfelbm Tage, an welchem er der vonrck of Delegat«« über sein« Plan Bericht abstattm sollte, etnm gletchlautmdm Antrag auf Gründung eine« Rabbiner-Seminar» in der Coufermz zu Cincinnati zu befürwort«. Da« ist ein Theil de« sittlich« Berkahrm« diese« Manne«, der nur hier in dem Land« der „amartneea" zu Einfluß gelangen konnte. In Europa wäre er längst ein Gegenstand allgemeiner Verachtung. Wa« dm Lmgner de« persönlich« Gotte«, Her« vr. Mayer in Eleveland, betrifft, so predigt der Manu fett Jahr« dm tta» glaub« in- und außerhalb der Synagoge und ist ei« Gegenstand der Bewundemng in seiner Gemeind«. Auch ist er der Erfinder von .Mayer'« Bitter*,*) der wahrscheinlich sein« Gemeinde- Mitgliedern d« gesund« Mag« verschafft, der dazu gehört, um «in« atheistisch« Rabbiner zu verdau« O, e« steht um uu« schlecht, sehr schlecht! (Schl», ftlAt.) Detroit (Michigan), Ende Mat. (Ortg.»Eorresp.) Die hier erschetamdm .Famtlimblätter* — Wochmaudgabe der täg» lich« .Abendpost' — bring« in dm jüngst« Nummem ein» Roman: Radowa, von Gustav vom See. (Wahrscheinlich Nach» dmck au« ttgmd einem deutsch« Journal. Red.) Oha« jede eigenttiche Veranlassung — bi« jetzt ist noch kein Jude vorgekommm — wird da von jüdsschm Wuchere« und Jobberjudm gefprochm; und endlich gar, im Jahre 1767, von einem jüdisch« Bankier, .der zu jeum blussaugendm Armee» Lieferant« gehörte, welch««» versteh«, durch die Entbehrung der vor dem Feinde stehend« Soldat« ihre Kassen zu füll«*, uud dt« Herrschaft Rudü» in Böhm« um dm Kaufpreis von zwei» malhundert fünfzig Tausend Guldm ankaufte. Der Verfasser diese« Roman« soll ein hochgestellter preußischer Beamter sei« uud in BreSlau leb«. Sollte derselbe wirklich so naiv unwissend setu und von dm •) Ms «cheq, fntem Mb «ahehMI (Wssl M beresp.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.