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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-26 · 30 (26.7.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
30 (26.7.1871)
Date
1871-07-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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285 Berichte und Correspondenzen. Wentschla«-. 8. Wor»A, 12. Juli. (Ortg.-Corresp.) Unter den durch da» großherz. heff. Milttär-Lerdienst-Kreuz ausgezeichneten Damen befindet sich auch Frau Bertha Dofenhet« von hier, die mit unermüdlichem Eifer für die Pflege der hier durchkommenden kranke« und verwundeten Goldatm thättg war. Die gleiche Auszeichnung wurde auch dm Herr« Sog. Hüttenbach und Rud. Langenbach von hier al« Suerkmnung für ihr tapfere» Lerhaltm auf dem Kriegsschauplatz« zu erkannt. — Die Redaktion knüpft an vorstehmdm Artikel ein weitere» Berzeichntß der ihr bekannt geworden« Juden, welche neuerdiug» da» etfeme Kreuz erhalt« haben. Kanonier Max Gutmann au» Diez (Lrandmb. Fest.-Srt.-Reg. Nr. 3); Unteroffizier Rei- «ann au» Colberg (54. Znf.-Reg.); Sergeant Zwillenberg au» Königsberg i Pr. (derselbe wurde «egm Tapferkett öffentlich belobt); Dr. Auerbach, Aff^Arzt au» Trier; Sergeant Gerson Weil au» Grabenau; Ed. Bamberg au» Wtttmberge; Stabs- Arzt vr. Albert Mendel au» Wittstock» prakt. Arzt in Berlin; Bice»Feldwebel Gottschalk au» Eff« Kerner ist Stock, jor. Gutfeld an» Königsberg i Pr. zum Reserve-Lieutenant befördert. Der Limtmant Neustadt au» Darmstadt ist mit dem heff. Militär-Berdimstkreuz dekorirt wordm. In Folge Betheiliguug bei der fteiwilligm Hilf»thätigkeit bei dm Derwundetm erhielt« Frau Johanna Feist-Lorch, Fräulein Charlotte Piccard und der prakt. Arzt Herr vr. Joseph Lebrecht von hier vom Großherzog von Heffm da» Militär-SanttätSkreuz. Kumauien. Bukareff. Die hier seit einiger Zeit erschetnmde »Rumäuffche Post' (welche sich in anerk«n«»werther Weife gegm die Verfolger der J»raelttm wmdet) berichtet einige Facta nmerm Datum», jedoch alt« Schlage». Die Primarie der Stadt Bakarest hat beschloffm, die von ihr aufzubringmdm directm Staat»steuern an ein« »General-Pereeptor' zu verpacht« In dm Pachtbedinguugm heißt e»: »Der General-Perceptor soll christlicher Religion sein und weder dttert noch indttect ein« Affoet» ander« Glauben» Hab«. Die Person«, welche er al» > Unter-Perceptorm, Buchhalter rc. in sein« Dimst nimmt, müffm christlicher Religion sein.' Al« Eonvmtionalstrafe ist für erster« Fall dt« Summe von 50,000 Fre»., für jede einzelne Uebertretung der letzter« Claufel 1000 Frc». festgesetzt. Die andere Geschichte spiett in Jaffy und ist eher komisch al» tragisch; fi« zeigt, daß manche BerwattungSbeamte fich eher wie Betrunkene dmn wie vemüaftige Lmte gern«. Ein Äraelite, Namen« Blaustem, au« Jaffy gebürtig, hatte im Au»laude Pharmacie studirt, in Rumänim sein Examm gemacht und laut öffentlicher Bekanntmachung im »Moniteur' vom S. Januar d. I. und Mintsterial-Zeugniß da» Recht erlangt, sein Fach überall tu Rumänim auSzuübm. Darauf hin war er nach Äffy zurückgekehrt und hatte dort eine Apotheke gepachtet. Altbald forderte ihn der Bürgermeister auf, seine Zmgntffe vorznlegm und seine Nationalität anzugeb« bi« dahin solle er fich nicht untersteh« zu praktictt« Dm weüerm Verlauf erzähl« wir mtt dm Wort« der »R. P.': »Selbstverständlich beeilte fich Herr Blaustein sofort, dem Sauttättrathe alle erforderlich« Schriftstücke zu überreich« dieselb« wordm in vollkommmster Ordnung befundm und sämmtliche Mitglieder erklärt«, daß nunmehr seiner Praxi» nicht» mehr im Wege stehe. Diese Erklärung hatte jedoch »och lange nicht dm gewünscht« Erfolg; den« Herr Blaustein, der fich aller Schwierigkeiten überhobm glaubte, wurde Tag» darauf zu de» Bürgermeister Cerke« beruf«, der ihm folgmd« hier «örttich wiedergegebme Eröffnung machte: »Ich ertheil« Ihn« nicht da« «echt zu praktteir«, da Eie et» Äd« (JidoT) find und e« «ach der Eonstitutio« keinem Judm gestattet ist Apotheker zu sei». Wa» da« Zeugniß de» Ministerium» betrifft, so kehre ich mich nicht au dasselbe; ja ich werde jme Minister, welche e» Ihn« au»zestellt I»abm, in Anklagezustand versetz« und dieselben auf fünf Jahre etnsperrm laff«' Auf dm Einwand de» Her« Blaustem, daß auch ein anderer jüdischer Apotheker in Jaffy prakttctte, eritgeguete Herr Cerke», daß er die» nicht gewußt habe, daß er nunmehr aber auch jmem Judm da» Handwerk legm wolle. — Da sich in Gutem nicht« auSrichtm ließ, so blieb Her« Blaustein nicht» Andere» übrig, al» fich auf telegraphischem Wege an da» Ministeriom zu wmdm, um von diesem sein Recht zu erlang«, welche» tbm auch ohne Zweifel zu Thell werdm wird.' Afrika. Algier. Die Israelit« in Algerim hatten seit Jahr« um die Verleihung de« ftanzöfifchm Bürgerrecht» gebeten, da sie seit der Eroberung durch die Franzos« zwar dm muhamedanischm Eingebormen gleichgestellt, aber gleich diesen nicht in den Vollgmuß der Bürgerrechte eingesetzt warm. Crömieux hatte wiederholt da» Wort für seine algerisch« GlaubmSgmoflen ergriff«, zuletzt noch in einer Sitzung der gesej.gebendm Versammlung unmittelbar vor dem Kriege, jedoch ohne Erfolg. Während er Mitglied der Regierung der National-Derthetdigung war, vollzog er jedoch am 24. Oktober 1870 ein Decret, welche» dm JSraelitm Algerien» da» ftaazösifche Bürgerrecht verlieh. Darüber mtstand unter dm Muhamedanem grcße Entrüstung, welche zu starkm Exceff« führte. Wir haben s. Z. darüber berichtet. Die jetzige National-Versammlung wird nun mit Petitionm bestürmt, welche Zurücknahme de» Crömieux'sch« Teeret» verlang«. Eine solche, von Charle» du Louzet, ehemaligem Präfektm von Orau, verfaßte ist im „Temp»" »m 23. v. M. veröffmtlicht, und „Revue JSr?' thellt Auszüge mit. Die Petttion zerfällt für un» in zwei Theile. Sir giebt einraal politische Erwägung«, welche, auf die Gefühle und Anfickckm der Araber gestützt, die Durchführung de» erwähnt« Gesetze» für ein« groß« Fehler erklär«, der besonder» bei den in Folge der Riederlagm Frankreich» waltmdm Aufstand»gelüsten sehr gefährlich werd« könnte. Sie betont, daß die Äroelttm selbst am meisten bedroht sei«, daß sie e» z. B. nicht n agen könnten, al» Gefchworme über anzeklagte MoSlim» zu Gericht zu sitzen. Diese letzter« hättm fich mm einmal darein gefügt, französische Christ« al» ihre Herr« — also al» Richter, M aire«, Offiziere, Beamte — zu sehen; aber sie würden e» nicht dulden, daß Juden die Rolle der Herrschenden spielt«. — Wir find nicht im Stande, die Richttgkett dieser Behauptung« zu prüf«; zugegeben jedoch, daß sie begründet sei« (und da» ist wirklich nicht unwahrscheinlich), so ließ« fich nicht in Abrede stell«, daß man die'Anfichtm und Stimmung« der Araber stark in Rechnung zieh« muffe; gute Gesetze laff« fich nicht nach einer Schablone, ohne Rückficht auf gegebme Verhältnisse «ach«. Wir hob« hier nur zu bemerk«, daß viele Gegner der Jud«-Emancipatton in Deutschland noch vor 25 Jahr«, ja vereinzelt noch in der jüngst« Lergangmhett, dieselben Mottve geltend gemilcht Hab«; wir würd«, Hab« sie gesagt, gegm die Gleichberechtigung principiell nicht» einwend«, aber „da» Volk" will nicht» von ihr wissen, will keine Judm al» Beamte, Richter. Bürgermeister über fich seh«. Ob man dm Arabern Unrecht thut, wenn man ihn« solche Vorurtheile und solch« Judmhaß imputirt, wiff« wir nicht; in Dmtschland haben wir gesagt: ,,JH': verleumdet da» Volk, macht die Probe, eröffnet dm Juden die Carribre der Staat»- und Gemeindeämter, und ihr werdet se!)«, daß r» geht" — und e» ist gegangen. Doch da» ist nur der eine Theil jmer

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