Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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«30 hebräisch,!! Grammatik und Lexikographie in Hollands einen bedeutenden Boeschud geleistet. Wir bedauern -« daher aufrichtig, daß übei diese« Werk in den obenerwähttm Wochenschriften fich eine geh<isfize Polemik über einige geringfügige llagenauigkeiteu entwickel: hat, die, wett entfernt eine im gemeffenru To« go halten» .Eritik zu fein, in persönliche Anfeindungen auSgearlet ist, die, gelinde gesagt, der jüdischen Wiffenschast und der jüdischen Gelehrten unwürdig find und dem Judenthl-me schade«. <Jef. 49, 17.) Die Israeliten Holland», welche eineu gesunde« religiöse, Kern und einen tüchtigen Gehalt echten und rechten Glanber« in sich tragen, die freih^tSliebende» jüdischen Bataver, die den schönsten Bewei« liefern, daß Glaube und Bildung ohne Anfeind eng und gegenseitige Ausschließung Hand in Hand gehen können — giebt'S doch in Holland sehr viele wahrhaft fromm« jüdische Richter, Advokaten, Aerzte u. s. w. — dieselben Jsraeliten geben fich eine Blöße in den Augen Snder«denkender, indem fi« ihre unreine Wäsch« in öffentlich« Blättern vor de« christltck-en Publikum retnwafchen, ohne zu beachten, daß schon der Talmud sagt: cwn TU3 ba* rcna fnow (»Trockiet e« in der Sonne, aber nicht vor den Leuten.*) Vermischte und neueste Nachrichtm. Augsburg. Am Bormittag de« ll. JuU wurde die zweste i»raelit,sche Synode*) im goldenen Saale de» Nachhause» eröffnet. Nach einem Ehoralgesang begrüßt« der Vorstand der hiesigen Eultnszemeinde, Herr Rosenbusch» die Bersammlung und sprach seinen besonder« Dank für die Urberlaffung de« goldene» Saale« an«, llmer Leitung de« Herrn Rosenbusch wnrde darauf zur Wahl de« Prtsidium» geschritten. E» wurden gewählt: zu« Präfideute» Herr Prof. vr. Lazarus mit 43 Stimmen, zum erste» vice-Präsidenten Herr Rabb. vr. Geiger mit 36, zum zweitr» vier-Präsidenten Herr Schriftsteller vr. Kompert au» Wie» mit 34 von je b0 Stimmen. Herr Präs. Lazarn« begrüßte soda»n in «ehr ,»l« «instündiger Red« di« Versammlung «nd sprach sich sehr et»g«h«nd über Zweck und Bestreben »er Synode, über Reformen und deren Nothwendigkeit au«. Di« Red« wurde von der versammleng mit der gespannteste» Aufmerksamkeit vernommen und mehrst ch von allgemeine« Beifall unterbrochen. Auf veranlaffuag de« Rabb. Vr. Adler au» Cassel hielt darauf vr. Gttger et» Gebet, in welchem er Gott dankte für di« Ermöglichung der zweite» Synode »nd dm Segen »nd Beistand dG Allmächtige» für dieselbe ersteht». Di« eigentliche» verhandln»-« begannen erst am 18. d. M., »nd zwar nah« in der vormtttagtfitzuug dt« Debatte über mehrere Autttz« de« Rabb. vr. Anb an» Berlin, dt« Chegrsetzgebuug betteffend, ihre» Anfang. Der Aattag, daß bet Trauungen nicht nur der veäuliaam der Braut, sonder« auch diese de« Bräutigam eine« TrammgOriug reiche» dürft, gelang«« mit 2Ü gegen Lik Stimm» mt Annahme. — von «ehrerm an dft Synod« gelaugt» Antrtgm heb» wir hervor: 1) d» de» Vr. Jellinek au« vt»; ,£n Aubttracht, daß die Satz rüg» der christlichen Lonfefstonen «nd dft Gesetz« der modern» Stau» da» Berbot der Verwandtschaftsgrad« fast »mH strenger al» da» üdefch« Ghegefttz geltend machen, dft LH« al« «ine sittlich« tftbeu ägemeinschast bettacht«» «nd demznsoige bei der Schlftßnug derselben alle« verbieten, wa» dft Sittlichkeit verletzt, «klärt dft tsrae- Synode zu Aug»burg, daß da« talmndijch« Eherech« in Be- S' h»»g auf Proselyten, welch« au» der Mitte de» Heideuthum» «tarn, kein« Anwendung auf solch« Person« stndet, «elch« an« einer der christl. Sir che» zn« Judenchu» übertreten." — 8) dm de«!)os«ph Ritt» ». Wertbeimrr: „Dft Israel. Synode an Aug». bürg rrtlärt, daß fl« t« Geiste sich ein« fühlt und «etß mit der Gesammtheit de» jüdische« volft», daß fl« voll dft Fortentwickelung nnd Läuterung de« Judeuthum» austrebt «nd für «nerläßlich hält, n» »astelb« zu kräftige« und -uf di« Höh« seiner Mission in einer nenn» Geschichrsepoch« z» versetzen, jede Tremung aber in de. Ge- *) Sft »eguügen mW varlänfig damit, de, thatsächlichen «erlanf der tleryaudlungen nach de» bereit» varliegendm Berichten der „>. K. 3." allgeiueft z» sktzztren. (Aed.) meindoi, sofern sie tön dft Existenz verschiedener Gotftshänser hiaauögeht, nicht billigt, und dft Theiumg der Jude« in Orthodme und Reformer — zwei Bezeichnungen, welch« »ichtjüdffchr» Religionskreisen entlehnt find, in der Geschichft und im Wese» de» Jndenthum» aber keine Begründung finden — entschieden zurückweist." In der Abeudfitzung vom 12. d. M. wurde zunächst der Anttag angenommen, daß weg« Richtbeachtung eine» Ritnalgesetze» Niemand al» Zarge bei Trauung« oder Ehescheidungen beanstandet werden soll. Ei» weiterer Antrag, daß dft Sitte, Trauungen an gewiffen al» Unheil bringend bezeichneten Tagen zu unterlaffeu, ferner nicht berücksichtigt werden solle, gelangte ebenfalls zur An. uahme. Ferner beschloß dft Synode, daß dir Wiederverharathuug einer Wittw« auch dann erlaubt sein solle, wen» da» au» der vor« hergegaogene» Ehe «rzftlft Kind »och nicht zwei Jahr« alt sei, «nd daß resp. rin Jahr al» genügend erscheine. Zu einem ursprünglich vom Advokaten Lehmann in Dresden gestellten und heute vom vr. Anb dahin formulirten Aattag: „Dir Livilttauung hat nach de» Anschauungen de« Judenthum», vorau»gesrtzt, daß die mosaische» Eheverbote nicht verletzt «erden, vollkommene Geltung und Santtion; indeffru muß i» Jutereffe de» religiös-idealen Moment» dft religiöse Trauung allen Jsraeliten dringend empfohlen werde»" — hatte vr. Geiger einen Anttag im Wesentlichen dahin gehend gestellt: daß da, wo die Eivilrhe besteht, jeder anderen, wenn auch im Herkommen begründete» Traunng jede irgendwelche Verbindlichkeit ab- S'procheu werden soll u. s. «. Der Anttag würde sicher mit großer ajorität abarlehat worden sei», wenn er nicht, „da er Mißverständnisse (!) hervorgerufrn habe," von dem Auttagstellrr schließlich zurückgezogen' worden wäre. Der Anttag de» vr. Anb gelangte fast einstimmig zur Annahme. Am 13. Juli wurde die Berathung über die Auttäge bez. der Ehegesetzgebung fortgesetzt uud beendet. Ein Anttag, der dft Beistimmung zu dem Beschluß der Rabbiner - versammluug in Braunschweig verlang», daß Ehen zwischen Juden und Christen ein Bedenken jüdischersest» nicht entgegenstehe, wurde al» zur Zeit verfrüht (!) von der Lommisfion zurückgezogen. Einige dft Ehescheidungen betreffend« Anträge beschloß die Versammlung, da deren Wichtigkeit einer wetteren Borbrratbnng bedürfe, vor «in« Eommissto» zu verweise», welche der nächsten Syuod« Bericht zu erstatte» hat. Rach sehr eingehend« Debatte wurde zwei Anträgen beigestimmt, welche bezwecken, daß, sobald rin ordentliche» Gericht bei eine« Tod«»fall dft Identität der Personen rechtskräftig ausgesprochen oder Jemand für wdt erklärt hat, «in solcher gesetzlicher Aussoruch auch für Rttualfälle Sanktion haben soll«. Dt« Synode schritt hierauf zur Lerathung der Anträge, welch« dft Aufhebung, beziehungsweise dft Reform der Ehaliza (Leviratseh«) bezwecken. Sämmtlich« Redner einigten sich schließlich über dft Formnlirung de» Anttag», der dahin geht, daß dt« Vorschrift der Thora wegen der Ehaliza unser« religiösen »ft socialen vewnßtsei» entfremdet sei nnd ihre Bedeutung verlöre» Hab«, daß dft Unftrlaffung der Cbaliza kein Hindernis für dft Wftderverehelichung der Witt»«» sei, daß jedoch mit Rücksicht auf dft Ge»iff«n»freih«U fich ans de» Wunsch Mt Parteien kein Rabbiner der ErtHeilung der Ehaliza entziehe« werde. Der Anttag wurde mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Londo«, 13. Juni. Endlich ist der Testetd für di» Untverfltäten Oxford und Eambridg» gefallen. E» konnten nämlich bisher nur diejenigen an diesen UniMrfitäten Lehrstühft elnnchmen und waren überhaupt vollberechtigt zum Genuß von Stipendien, zur Erlangung von Grade« n. s. welche dft 89 Artikel beschworen, also ««der Katholik«, noch Israeliten. Eine Akte ans Abschaffung diese» Eide» war vom Unterhaus« wiederholt ange» nommn», vom Oberbaus« aber immer von Rene« abgelehnt, zuletzt nur noch gegen 4 Stimmen Majorität. Auch In der dftsljährigen Session war daffelbe geschehen, nachdem jedoch da» Unterhau» die Amendement» der Lord» abgelehnt und da» Gesetz an diese zurückgegangen war, Ist e» endlich durchgegange«. — Hieran schließt fich nachstehende betrübend« Nachricht. London, 21. Juni. Me. Numa Hartog, ei« junger Man» von 24 Jahre«, ist de« Blattern zum Opfer gefalle». Derselbe bekleidete zwar nur einen sehr untergeordneten Posten i« Finanzministerium, ab» nicht» desto wentgn wftd sein Tod in ganz England mit Bedauern vernommen «erden. Denn nicht allein gewann er im Jahre 1839 den ersten preis für Mathematik an der Universität Eambridg«, sondern er war vielleicht die unmittelbare veraniafluag zu de» legislativen Schritten behufs Abschaf-