Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Tnfai, «eil angeblich einer »einer französischen Glauben» genossen im letzt» Stadium sich befände. Ich eilte dorthin, sprach einige hebräische Gebete, und nachdem mir der Patient — wie ich net« «nthete — lispelnd die ihm ins Ohr geflüsterten Schemoch wiederholt hatte, entfernte ich mich. Sl« ich am andern Tage da» Han» besuchte, im Gedanken, über die Beerdigung Instruction zu ertheil», überraschte man mich mtt der Mttthessung, daß der ln der Nacht Verschiedene kein Jude, sondern Muhamedaner ge» wesen, wa» sich später zweifello» au» den htttterlassenm Papier» herausgestellt habe. Gaw baraob jihqje (»auch er sei gesegnet*), dachte ich und ging meiner Wege. Meine Exkursion» nach Wahn warm im Winter nicht gerade liebliche Spaziergänge, da ich schon am früh» Morg», resp. noch in der Nacht um 7 Uhr den erst» Eismbahnzug von Deutz bmntzen mußte und dann nicht fett» auf dm ungangbar» Pfad» nach der Haide, die einem See nicht unähnlich war, 'fußttef durch Schlamm und Schneewaffer zu «atm hatte. Ein zweite» Lager wurde mm vor Deutz in der Nähe de» Gremberger Wäldchm» errichtet. Auch da warm immer mehrere jüdische Gefangme, die ich regelmäßig besuchte. Samstag» ließ ich sie nach Eöln in unsere Haupt »Synagoge bringen, währmd die Andachtsstunden für meine Wahn'er Freunde in Zündorf, meist unter meiner Assistenz, an einem Wochmtage abgehaltm wurden. Ende Deremder schickte da»ünterstützung»-Comttö von Brüssel, an dessm Spitze der Smator Herr I. N. BischoffSheim stand, die verdimstvolle Wittwe Frau Daniel Eahm au» Pari« mtt an» sehnlich» Summ» und einer bedentmd» Menge von Kleidungsstücken hierher, um die LiebeSgabm eigmhändig an die bedürftigstm Gefangmm zu vettheilen. E» war mtt vergönnt, die edle Dame bei dm Repräsentanten der Königlichen Regierung einzuführ» und sie bei ihr» Bifitm in d» Lage» und Lazarethm zu begleit». Sie verwellte über 14 Tage hier, vom frühen Morg» bi» zum spät» Abmd rastlos bemüht, wie ein Sendbote der himmlisch» Barmherzigkeit, dm Krank» und Noth» leidend» in Wort, Rath und That deizustrhm. Luch Ende Januar wiederholte sie ihn» Besuch von Brüssel au«, mit Jubel von dm Krankenwärtem und ihr» Pflegebefohlmm empfang». Bei dieser Gelegmheit regte sie ein» hochfiunigm Gedanken an, dessen Urheber, der intelligente und humane Smator Herr Bsschosstheim, bedeutende Opfer zu seiner Realifirung brachte, nämlich dtt Einführung eine» gegensettigm Unterricht«, inrätntion mntnelle, bei d» Gefangenen. Dtt mtt dm Elementarfache» Vertraut» sollt» in den Realttn, Geographie, Geschichtt und Literatur unterrichtet werden, dtt andern in dm Anfangsgründ» de» Lesm», Schreiben» und Rechnen». Die Lehrmeister wurd» au» der Mitte der befähigtst« Detinirt« anserwählt und sie übt» ihr Amt in dm viel» frei« Stund», dtt sie zur Verfügung hatten, mtt Luft und Geschick. Dtt nöthigm Schulbücher schickte Herr Bischoffsheim, die andern Requisit» und Utenfilim wmd» hier beschafft, und e» mag mtt Befriedigung «onstatttt werdm, daß Hunderte von französisch« Soldat» dadurch nicht nur der grob» llnwissmhett entriss», sonde» auch «on müsfig» und lasterhaft« Passion« und Gewohnhetten gerettet wurden. Ich selbst conttolttte sehroft dm Unterricht und ckberzeugte mich von d» Fortschritt» der alt» Scholar«. Am Purimfeste wurde unfern Glaub»»genoss» ein froher Lag bereitet und Herr Baron Oppenheim war e» wieder, der ■tat scheidend», nunmehr nach Elsaß und Lothring» zurückkommaudtttm Gesang»» die Resse leicht und bequem machte. Stt »erd» sich, wenn auch gewiß nicht ohne Wehmnth, doch jedenfalls mtt Dankbarkett ihre» unfreiwillig» Aufenthalt» in Deutschland, wo sie warme Herz» und offene Hände fand», «rinne». Dr. Schwarz, Rabbiner. Niederlande. F. Amsterdam, 2. Juli. (Orig^Eorresp.) In einer «einer früher» Korrespondenz» versprach ich Ihn» Einige« über dtt holländisch-jüdische Presse zu schreiben, nicht die Presse, au welcher fast überall zum groß« Aerger der Freiheitsfeinde dtt Jud» be» theiligt find, die darum wohl auch,Judm»Presie* gmannt wttd, wie z. B. an dem groß» polttischm Blatte „Loiierdamaobe 6our»nt" der in weit» Kreis» bekannte jüd. Advocat Tel» in Rotterdam ein einstußreicher Mitarbeiter ist — sondern über die L'gesltteratur, dtt sich ausschließlich mit jüdischen Interessen, Gemeinde» Angelegmhetten, Neuigkeiten u. s. «. befaßt. Was nun dtt Zahl der jüdisch» Wochmschrift» betrifft, so steht Holland hinter den übrigen Ländern nicht zurück. Holland zählt über 60,000 Juden, eine gegen andere Staat» verhältnißmäßig große Zahl, und drei Zettung» sind bestrebt, dem jüdssch» Publikum allwöchentlich da» seiner Aufmerksamkett Würdige mttzutheil». Diese Wochmschrift» sind folgende: 1) „Weekblad Toor hraftlieton“; 2) „Nienw Iaraelietisch Weekblad und S) Weekblad voor Iaraelietisch Hnissezinnen“. Tiefe Zettung» find verschiedenartig, aber sie verttet» alle eine str»g konservativ »religiöse Richtung und vertheidigm dtt dlnteress» der fromm-orthodox Gesinnt». Ob e» in Holland aul) eine liberale Richtung auf religiösem Gebttte giebt, darüber ein andere» Mal. Da» „Weekblad ror Iaraelieten“, das älteste ta drei, ist fast ausschließlich dm Gemeinde-Angelegmhett» Rotterdcm» g.widmet; da« zwette, mit einem Redakteur spanisch-portugiefischer Herkunft, vertrttt größtenthell« dtt Jntereff» der Amfterdmner portugtt» fisch» Gemeinde, ohne darum dtt niederländischen Jud» und da», was sie angeht, außer Acht zu lass»; da» diitte, ein noch junge« Blatt, hat e» sich zur Aufgabe gemacht, ein unterhaltende« Familimblatt zu sein, e» will durch populär,: Behandlung wrffmschaftlicher Gegmstinde, durch anziehmde Erzählung» und FeUMeton« — welche aber, wie da» auch bei tae zwei andern Blättern der Fall ist, fast ausschließlich au» dem Deusschea übersetzt find — dm Israelit» Hollands an seinem iöabbath- und Ruhetage eine angmehme Lektüre verschaff». Me Zeitung» erschein» jed» Freitag. Wtt müssm gesteh», daß dieser Zweck erreicht wird; mit großer Spannung erwartet dir holländische Israelit sein „Weekblad", um darau» seine Neugierde zu befriedig» und über das Wohl und Weh seiner E laubmSbrüder auf dem wett» Erdmnmd Erkundigung» einzuztth». Darum ist e» wohl zu bedauern, daß in Holland kein groß«» wissenschaftliche» Leb» herrscht und die jüdische Literatur nur von wmig» Uu»erkor»m gepflegt wird. Neben einig» kleiner» Arbett» ist uns in den letzt» Jahr» nur ein einzige» bedeutenderes literarische« Werk begegnet, ein Werk, welche« hier in Ihrem, jede» Berdimst anerttunenden Blatte ein ungetheüte» 'Job nicht vorenthalten werdm darf. 8» ist da» umfassende Lexikon: „Beredeneerd hebreenwaoh en chaldeenwach - nederiande ch Woordenboek, bewerkl naar de Oiammatkale en Lexicale Werken ran Fürst, Gesenias, Vater, Landen en anderen door J. Waterman, Leeraar in de Oostersebe Talen aan ' het Stedelyk Gymnasium te Arabern. Rotterdam bj H. Nygh.“ (Ausführliche» hebräisch - chaldäisch - niederländische» Wörterbuch, bearbettet nach d» grammatikalischin und lexikalisch« Werken von Fürst, Gesmiu», Vater, Landau und Andern, von I. Watermann, Lektor der orientalisch» Sprach» am städtisch« Gymnasium in Amheim.) Von diesem Alerte find bi» jetzt 19 Lieferung» bi» zum Buchstaben o erschienen und da» ganze Werke dürste wohl an 4000 Settm betrag». Herr W^ der vor kurzer Zeit sein 40jährige» AmtSjubiläu« gefeiert hat und fein ganze« Leb» hindurch mtt Ausdauer und Fleiß bemüht war dtt Refultatt jüdisch-deutscher Wissenschaft sein» holländisch» GlaubmSgenoff» in ihrer Sprache zugänglich zu machen; hat auch in dieser groß» Arbett der Verbreitung der Kmnttttß