Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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228 «ft die Bei Frankreich gebliebene» Israeliten sich zu sihtck« und einzurichte, suche« «»ff«. Wir Hab« un» erlaubt de» ««« Mitbürgei» zu ihrer Beruhigung z» sag«, daß die Verhältnisse der Jude» tu Deutschland nicht so schlimm sei«, wie «an fi« ihn« zu s Hilde« beliebe, d. h. nicht so, wie fie vor Aihrzehmt« gewes« — und ihn« den Rach zu ertheilm, selbst ihr Recht zu wahr«, nicht durch Seufzer und Schimpf«, fordern durch ««gischet» Handeln und Protestir« am geeignet« Orte. Denu da« ist ter Unterschied: wir in D«tschland Hab« um unser Recht kärrpf« muff«, Hab« gekämpft und kämpf« noch, haben aber auch fast Alle« endlich erkämpft; d« Franzosen ist Alle« .von ob«* gekommen und nun erwart« fie auch alle« von ob«, vom Kaiser, vom Minister, Präfectm, Diktator, vom Eeutral-lftufistofte, Coofistoire, Grand-Rabbin, Rabbin u. s. w. Geht'» ncht nach Wunsch, so schreit der Franzose: non, sommes tnhis, toos sommes vendua, und der französisch« Jude schreit und schirapft in seiner Weise. Damit komm« wir auf d« ,Univ. 3«r.* .'Zerr Bloch, deff« R-daktmr, hat un« sehr oft die schmeichelhaft.-st« Dinge gesagt, wir Hab« fie erwidert, wir Hab«'« gewiß beide ehrlich gemeint. Wa« mtzwett un« nun plötzlich? Wa» un« beide eigentlich gar nicht« augeht. Schon einmal Hab« wir dm Sp«ch der Rabliinm citirt: »man soll Niemand über eine in' seinem Schmerz>: gethane A«ßerung hart aulaffm', somit sei e« um da« Sch-ltm de« Herrn Bloch über die Kriezfühmnq der Prusfi««. L)ie ,3«r. Wochenschrift' hat diese nicht zu rechtfertig«, dazu fi») andere Leute de. Grenzt e« auch zuweil« au dm baar« lluverstand, wen« da so geredet wird, al« ob die ftauzöfischm Heere durch eine unblutige und schmerzlose Operation hält« besiegt und in die Gefangmschaft geführt werden, al« ob währmd de« Kriege« beileibe kein Strohdach hätte verbrannt wer dm oürfen und unsere Soldat« von dem hättm leb« soll«, wa» die ftanzöfische Großmuth ihn« ftmodlichst gereicht hätte — Her, Bloch hat diese Anklagen nicht erfundm, wir kämme« un« um dieselbm nicht. Herr Bloch fängt auch bereit« an von der Revanche zu fabeln; ja er ist wirklich ganz Franzose, und wie, nah dem Urtheil der civilisirtea Welt, e« ganz besonder« du all« Leidmschast« de« Volke« huldigend« und fie aufstachelnt e ftanzöfische Presse gewes« ist, die den Krieg verschuldet, durch Läge über Lüge gehetzt hat, ,bi« keine Heilung mehr war' — so glaubt er vielleicht dem Gmie de« französisch« Volke« seine H Udiguug bring« zu müffm. Ander» kann eS ja nicht sein — wie kann Herr Bloch im Emst auf baldige Erneuerung des Kriege« hoff«? Von alledem ward« wir kein Wort verrath« Hab«. Wir wollm nicht Leidenschaft erreg«. Al« daher .llniv. JSr.' eine Unsumme der boshaftest« Bemerkung« über da« Benehmen jüdisch« Soldat« und Kaufleute und die Thättgkeit d« jüdisch« Feldgeistlich« brachte, haben wir fteilich etwa» darüber gesagt, d«n e« gehört zur Signatur d« Zeit, jedoch )ab« wir — so noch in Sem im vor. Blatte abgedruckt« Artikel Versailles — .eine Handbreit aufgedeckt und zwei v«. deckt'. 3udeffm find Her« vr. Lewin die Blätter de« .llniv. 3«r.' selbst zu Gesicht gekomm« und « begehrt die Aufnahme ein« trutgegnuug. Daß wir die« uuserm geehrt« Gmoffm nicht vrrsagm könnm, müffm uns«e Les« selbst find« Zudem wollm wft — um zu zeig«, daß wir keine Händel zu such« brauch,» — nur drei Zeit« au« dem »llniv. ISr.' vom 5. d. M. hierherjetz«, eine weiter« Bemerkung darüber ft entbehrlich. .Die Fuhrwerke, die Wohnung«, die Tagegelder, welche diese Feldgeistlich« angmommm Hab«, obgleich fie wußten, daß fie requft rt, daß fie Raub, bü, warm ... fie nahm« 10 Frank« täglich au» der Muuicipalkaffe einer fremd« Stadt, diritzney nicht« schuldig war ...' Nnd von einem AuSflux nach Dty, Lothriigm redmd, sagt er — doch da« muß franzöfisch bleft^,. d«tsä> läßt sich vergleich« Phraseubombast gar nicht wiedergebm: uotr« orvlll« «at doulo»rooH8M8ot ftnppö« p»r mr idiom« d»rd»ra «otiqn», inaoltaot k no« malhean.“ NB. ist die« da« 3diom, welche« Herr Bloch oder doch sei» Vater meist geredet oder doch .gemauschelt' hat. Genug, unsere Vorrede ist länger geword«, al« da« Schreib« de« Her« vr. Lewin, doch e« galt un« zu zeigen, daß wft unser Programm, welche« aus Fried«, Versöhnung, milde« Urtheil nach allen Seit« hin lautet, nicht au« Uebermuth verletz«. Herr vr. Lewtn schreibt: .Der .llniv. 3«r.' enthält S. 897 ein« Correspondenz au« Versailles über »die Dmtfchm in der Synagoge von Versailles'» der sich fast zu sehr mit mir beschäftigt und mir durch manche Einzelheit« dm Correspondent« kmntlich macht. Gegmüber dm Lobsprüchen bemerke ich dm Herren Franzos«: »Nicht dein« Honig, nicht dein« Stachel.' Die mft gemacht« Vorwürfe find ersten«, daß ich mft dem Quartiertillet in der Hand Mr. l’administrfttear da calto iaraäl. besuchte. Den Redakteur de« »llniv. 3«r.' mtschuldigt der Umstand, daß er mein« Bericht 1« Nr. 6 der »Wochenschrift* darüber wohl nicht geles« Ander« fein Correspondmt, der diese Rümmer durch mich erhalt« hat. 3m Weiter« verräth sich'« deutlich, daß mein Au»d«ck »enra» girte Franzos«' in Rr. 7 d. Bl. allein de« Aerger« Ursache ist. üino illae laciymae. Natürlich wird verschwiegen, daß mein llebereinkommm mit Her« Weil in nicht« Anderem bestand« habe, al« darin, daß er von mir ein« Requisitionsschein für die Benutzung der Synagoge »erlogt und erhalt« hat, wa« die prmßischm Offiziere etwa« mehr al» Wunder »ah«. Also in der »requirirt«' Synagoge habe ich e« gewagt, da» alft Gebet bnuoteu theschiui ohne Aenderung vor d« preußisch« Soldaten nach Schluß de« gesummt« GotteSdimste» zu sprech«! Da» ist da» große Berbrechm! Nun wahrlich, nur »mragirte Franzos«' vermögen e» mit ihr« Anschauung« al« .orthodoxe 3uden' — al» welche die Herr« Bloch und Weil sich gerft«, zu vereinm, ein 3ahrhunderte alte« Gebet mit der Bezeichnung „d'»u88l sott«8 imprseationn" zu belegen. Die „malädietions“ sind einfach erlogen, wmn nicht damtt — etwa« unpaffend — vxb fJüW b’B’l gemeint sei» sollte! Wir find in Deutschland eben nicht gewöhnt, uusere Gebetstücke nach dem polittschm Lustzuge zu ände« — dm Franzosen fteilich hat der ewige Wechsel der Regierung«formm und Dynastim da« schon zur zweit« Natur werdm laffm! — Der Herr Correspondmt, der ja weder meine Predigt«, noch dm npwn pun gehört hat, kann aber versichert sei», daß seine Gewährsmänner ihn schlecht berichtet Hab«. Wohl konnte ich al» »Aumünier* nicht üb« .Astrologft' predig« — der Krieg, seine Ursachm und Wftkungm, da« war mein von d« Natur d« Dinge gegebene« Thema! Ab« „Verwünschuugm" hat mein Mund Wed« gegm die Franzos«, »och geg« Napoleon, dm mft dft Herr«, wft'« scheint, g«n al« „Sündenbock" überliefert hätten, auSgesprochm. vr. Lewtn.' lkül», Ende 3uni. (Orig. -Eorresp. Schluß.) D« Gesundheitszustand im Lag« war im Allgemein« nicht günstig. Die Krank« wurdm meist, wenn fie transportabel waren, nach dem hiesigen Militär-Lazareth gebracht. 3« iSraeltttfchm Asyl lag« die krank« prmßischm Soldat« — da« stellvertretende General - Commando, da» dft Erlanboiß zu ihr« Evamftung ertheilm mußte» bestimmte ausdrücklich, daß ftanzöfische Gefangene nicht aufgeuomm« wnd« dürft« — im Militär »Lazareth dft ftanzöfischm. Obschon mehr«e vom Typhu« heimgesucht wurdm und lebmSgefährlich damied« lagen, so ist doch mft Gotte« Hülfe kein« d« Krankheit «leg« 3hre Behandlung war auch in jed« Beziehung eine vorzügliche und ich bin überzmgt, daß fie im Hotel Di« zu Papi« mm- Aerzte» und Wärt«» nicht sorgfaltiger hättm behandelt, ynh-chkpflegt w«d« könnm. Eine« Abend« «nrt«, ich' eiligst nach de« Pockmhause ge-