Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935496--0811-5370483- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«7 iMfm, und diese am «nverfäifchkchttt bewahrte deutsch« Eigenthümitthkttt d» Einwohner hätte gewiß mit de« teste» Erfolge für die Festsetzung der »euea deutsche» Grenz« benutzt »erde» können! — 8er ist d endlich, der in den Bereinigt» Staat« inouer und immer wieder dm religiös« Zwiespalt zu einer Kluft erweiteru möchte, tu der die Freiheit und Gleichberechtigung der Juden untergehm solle, «10 die Deutschen, die ihr« Marotte vom christliche» Staat auch dort etnbürgern möchte«?') Qortffgtrag folgt) , Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Brest»», 6. Juli. (Original-Eorrttp) ^Entgegnung gegen den „lluiv. 3<r."^ Di« Redaktion steht sich bemüßigt der nachstehend« Aeußerung de-Her« Or. Lewin eine länger» Bemerkung vorausznschtck«. Unsere Leser «erd« un-, hoffentlich, da» Zeugntß nicht versagen, daß wir (seit nunmehr gerade eine« Jahre!) möglichst vermted« Hab«, dt« national« Anti» pathtm in unserm Blatte zu Worte komm« zu last« und, wo sie von Andem au-gesprochm wurden, sie zu dämpf« suchte». Wir Hab« gleich beim Ausbruch, ja gleich nach der Erklärung de» Kriege», dm Herr« Eollrgm, dm Redaktmr« der frau« zöstsch-südisch« Blätter, zugerufeu: »Laßt un» in dieser unserer literarisch« Thätigkett da» Politische thunlichst meid«, bleib« wir bei der Besprechung der gemeinsam« jüdisch« Angelegen» hett« und Interest« steh«, befind« auch unsere Brüder sich *) viele Deutsch« in tat vereinigte« Staate» haben allrrbing« ordinäre» Judachatz «it hiuäbergenonune» »nd dort nicht abgelegt, die (schwächlichen) verfnche, di« Lon-itntion z» „chriftianistren", gehen aber vorgng«weise von Anglikanern, Preebwerianer, ». s. ». ans, Deutsch« find »«bei «a wenig, tzen betheiligt (Ned.) erst in Folge der Dmunctation« zum Ehristmthome übergetretm war, schon beim Eintritt in'» Amt sich hätte tauf« last«, daß also kein Ungewethter auf der seil» enrnll» der Staat»kaazltt geseff« habe. Dies« Antedatttung der Taufe war ein schwere» Stück, indeß e« gelang und der Angriff war abgeschlag«. Aber dieser Sieg vermehtte nur d« Ingrimm der Feinde und Koreff gab ihrem lauernd« Neid gar bald starke Blößen; man ver» breitete von ihm, er sei ein Anwalt de» eonstttuttonellm Staate«, er halte e» mtt d« Feind« Hardenberg», »nd nach und nach erkaltet« die Beziehung« dieser beid« Männer zu einander so sehr» daß der Kanzler von Troppau au», wo er beim Eongreß wttlte, Koreff an« seiner Steilnng entließ »nd ihn mit einem «sehnlich« Jahresgehalt ans Uttanb schickte. Koreff» au» seinem Laterlande mit guter Manier entlasten, ging «ach Patt«. Dort gewann er ttne Lebensgefährtin in einer Wttse, welche lttnem Charakter völlig entsprach. Er «achte nämlich die Bekanntschaft einer Deustch«, der« Familie sich in Patt» aufhielt; diese Bekanntschaft gestalttt« sich so intt«, daß e» für selbstverständlich galt, er würde die Dame httrath«. Aber i« letzt« Mom«t besann fich Koreff und reiste nach London, um dieser Verbindung, die für ihn ihr« Rttz vettor« hatte, zu mtgeh«. Aber die Brüder der Braut holt« dm locke« Zttstg zurück und sperttm ihn mtt ihrer Echwester in dm Käfig einer vnftttwillig« Ehe. Natürlich war ttn so rasche« und dttngliche» verfahr« nicht besonder« gettgntt, ein feste» Fr«ndschast»band zwisch« ihm und sttnm Schwägmn zu knüpf«; er kam mtt ihn« wmig zusammen; al» er jedoch ttnst nach der Ursache dieser Spannung grftagt wurde, gab er zur Antwott: ich komme mit mttnm Schwägem nicht zufamm«, wttl sie fich mttuer Httrath widersetzt Hab«. In Pari« lebte er anfang« glücklich und im Glanze. jetzt gegen ttnander i« bitttigm Kampf» — al« JSrarlitm blttbm wir Brüder.' Nach de« Waffenstillstand Hab« ivir jae Mahnung auch in Pttvatschettbm wiederholt. Hab« wir seiner Zttt .Krieg».Nachricht«' gebracht, habm wir über da» Betrag« jüdischer Franzos« und jüdischer Dmtschm überhaupt und geg« ttnander manche» erzählt, so gttchah die», wttl wir ttn Bild der Ztttereigniste geb« mußt«, wttl unsere Ltter ein rege» Intereste au jmen Bericht« nahm«. Bald konnten wir erzähl«, wie dmtsche und ftanzösisch« Israeliten gut und brüderlich geg« ttnander gehandttt Hab«, bald mußt« wir, zu unserer Betrübniß, Entgegmgttetzte» erwähn«. Wir haben aber ritte» Derartige, was uns glaubhaft erzählt war, verschwieg« und manche» un» Gttchrieb«« oder au» andem Llättem Excerpirte tu d« Papierkorb geworf«. Jetzt ist Gott stt Dank längst Ftted«. Nun könnte die Aufregung sich leg«. Die Israeliten haben in De»tschla»d wie i» Krankreich der Ketnd« genng,') gegen die un« zu wehren e» unserer ganze« vereinten Kräfte bedarf» wozu un» noch unter einander bekämpfen? Wir haben der Prrtet-Streitigkeiten in unserer Mitte übergenug» wozu (wir wiederhol« wiittltch, wa» wir im August v. I. gesagt Hab«) »och neue Zerwürfnisse schaffen, die wir bi» dahin w«izft«» nicht kannten? Dabei Hab« wtt gelegmtlich mehrfach gesaust, daß wir dm israttttisch« Franzos« ihr« Groll über dm. Verlust von Elsaß- Lothrinzm nicht übtt nehmm. Aber die Bernunf.: sagt, daß un« diese vollmdete Thatsache al» J»raeliten nicht» wttter angeht, daß unsere Presse hüb« «ad drübm daran nicht» zu ändem vermöchte, daß mithin nicht» übrig blttbt, al» daß die aunektirt«, *) Dm» «geachtet alle» Mitleid», »it welch«« „Ultra. J»r.« «f mul dmtsche JtraeUtrn Hilft, »ob all«» Nähme»«, welche» von sraazSsischer G«. rechtigleit Doleraaz ». s. w. gematt wird, erscheint doch kaum eiue Nummer de» vlatte», in der nicht von «»«bracheu sanatischm (fudmhaffe« seiten« sranzlstscher Schriftsteller ». s. w. berichte« «ärdel! (vgl. dm Bericht an» Algier i» aächstm vlatte. Aber auch hier verklttaerte er im Laufe der Zttt durch »npaffmde Handlung« sttnm Ruf »nd sttn Anseha. Die Krise de« Jahre« 1848 zerstötte vollmd» sttnm Wohlstand und gab ihn, dm Frmnd de» raffintrtm Genüsse», dem Mangel prtt»; da» durch die Revolution in Lettin an'» Ruder gelangte Ministerium verwttgerte ihm die Auszahlung seiner Pmfion, und e» stimmt zur tiefst« Wehmuth, wmn wtt ltt«, wie dieser in seiner Jugmd und in sttnem Mannesalter vom Glücke fast verzogme Mann am Abend seine» Leb«» an Barnhagm schreibt: .Gern will ich in ein paar Jahr« bitter Pmfion entsag«, aber man beraub« «ich nicht gänzlich, da« stt ja ganz unerhött, man gönne intt nur Zttt zur Rettung, «an wttse mir ttne andere Wirkungtsphäre, man schicke mich hin in d« Orimt zur Wieg« der Pest, der« Gttchoste «ich freundlich von d« Mensch« bstett« werden. Aber man stoß, mich nicht tu mttnem Alter erbarmung»Iot> wtt ttn« Hund vor dtt Thürr! Ich setze nicht» mehr hinzu! Dn wttft gewiß thun, wa» du kannst: Acb«roat» morebi». Ich hoff, auf die Cholera, dtt Brfrtterin, die bald hier erschein« wird u. s. w.' Seine Lage sollt« fich nicht mehr aufhtttern. Al» er am 14. Mai 1851 starb, ließ er, wtt Darnhagm berichtet, seine Angeleg«- htttm tu der ttaurigstm Verwirrung. Hoffnurig« in» Maßlose «rweckmd, al» er »oll Jugmdfrisch« in die Wi'smschast und in» Leb« ttnttat, kaum ttne schwache Spur btt sttnem Scheid« zurücklaffmd ist er gttchtttert, wttl sttn Wtt« der fest« Fügung ermangelte. Daß da» Judmthum in seiner «rwitterten Gtttalt am Schluß de» vottgen Jahrhundert» d« .^-bildeten' kttn« fest« religiösen Halt bittm konnte, mag wohl den Untergang Koreff» und den vieler ähnlicher Naturen wesentlich mitverschuldtt Hab«. Z.