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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-19 · 29 (19.7.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
29 (19.7.1871)
Date
1871-07-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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fdt lange mit dieser Umdeutuag in jüdischen Kreisen zebräuch. liche» Worte de» Propheten zusammmfaffen licht: Dein» Zerstörer und Verwester werden au» deiner eigene« Mitte hervorgehen (J!ef. 49, 17). Allein wen» dies« >nt»ort leider auch volle Watrheit mthält, so genügt sie doch nicht, die traurige Erscheinur g zu erklären. Denn man kan» nicht behaupten, daß die deutsä en Juden weniger reliziö» oder indifferenter oder unwiffender seien al» die der übrigen Eultnrstaaten. Die jüdischfranzösischen Gefangenen haben, mit verschwindenden Au-nahmen, eine haarsträubende Unwissenheit in jüdischen Dingen bekundet, und daß e» um die gebildeten französisch.jüdischen Kreise in dieser Beziehung nicht bester steht, ist seit lange bekannt. Daß die deutschen Juden keinen Erömieux haben, ist nicht sowohl eine Folge bei größeren Mangel» an Interesse für da» Judenlhum unter der selben, sondern vielmehr jener Zurücksetzung» nach deren Ursachen wir eben fragen. — Und da können wir da» deutsche Volt kev,e»iveg« von Schuld freisprechen, wie Sie in Nr. 12 et thun, sondern e» trifft diese», nach meiner Ueberzeugung, ganz allein die volle Schuld. Da» deutsche Volk ist juden» feindlicher gesinnt al» alle übrigen eivilisirtrn Völker Europa'». Wollen Sie einen, meine» Erachten», unwiderleglichen Beweis? Wohlan, die Sprache ist da» untrüglichste Llld de» Bolk-charakter»; mehr al» der Styl da» Wesen de» Einzelnen, drückt die Sprache da» der Gesammtheit au». Ja ihr offenbart sich die Volksseele mit ihren geheimsten Tiefe», >n ihrem Lieben und Hasten, ihrem Wünschen und Sehnen, mit ihren Sympathien und Antipathien. — Nicht bloß die einer Sprach« eigenthümlichen, eingeborenen, unübersetzbaren Worte» sondern auch die Signatur» welche sie einzelnen, der gesammten civilifirten Menschheit anglhörenden Worten aufdrückt, sind Zeuge» für dm Geist, der in einem Volke lebmdig ist. — Nun hat aber die de« sch« Sprach« zwei Worte, die der ganzm civilifirtm Welt angehörm, mit einer Bedeutung au-gestattet, die ihr allem ssgm» thümlick und un» Ausschluß gebm über die gerade in Deutschland mit zäher HartnäckigkeU behauptete Zurücksetzung der Jude» und de» Judenthum». E» find ursprünglich Wovte de» Glauben», aber durch jene thom «nfgeprägte Bedmtnug t« Deutsch» land geworden zu Worte» de» Wahu», die Worte: Jüdisch und Shristltch! Wa« irgend niedrig und gemein, verächtlich und verabscheuungSwerth, schmutzig, kriecherisch, feig und sklavisch, und wiederum aufdringlich und arrogant, betrügerisch, gesinnung»-» Vaterlands-, gemüth»lo«, da» bezeichnet der deutsch« Ehrist mit dem Worte: Jüdisch/) Diese dem Worte aufge» drungmm Bedmtungm könnm sämmtlich in der dmsschm Literatur auch unserer glorreichm Tage nachgewiesm werdm. Wissenschaftliche, belletristische und journalistische Publikationm, politische und gelehrte Abhandlungen, Kammer« und Herrmha«»-Redm bedimm sich de» Worte» in dm angegebmm Bedmtungm. — Und überall, wohin der. germanische Wandertrieb die Dmsschm brachte und bringt, nahmm und nehmen sie diese Verunglimpfung de» jüdischm Ramm» mit. Damm find die deutschm (Kolonien in der ganzm Welt auch Etappm de» Judmhafle». — In dm russischen Ostseeprovinzeu, derm Hauptstädte seit je Sitze dmsscher Handelshäuser sind, ist da» Wort .Jude' geradezu gleichbedmtend mit Spitzbube, und die dmsschm Judm, die dort thrm Wohnsitz ausschlagm, gebm bisse Thatsache al» Grund für die Derläugnung ihre» Judmthum» an, die bei Bielm so wsst geht, daß sie ihre Kinder nicht in dm Bund Abraham» aufnehmm lasten. — Elsaß und Lothringen, bssonder» da» erstere, find von jeher der fast ausschließliche Sitz de» Judmhaffe» in Frankreich ge- *) Wir Bomb nicht uwhi» hier zn entgegnen, dnß di« Worte Jaif nab J«w ganz in derselbe» Weis« gebraucht »erd« — wir »erweis» einfach ans sra» Msch« und englische Wörterbücher. Der Franzose nennt nn« Iwnölltoo, der Lngllader »nd Ameritaner Uobrow»; Jnif «ab Jew sind geradezu Schimpfwörter. di« anch von eine» «ichtjiidisch» Wacherer x. gebrnncht werden, lleberhanpt scheint nn» der geehrte Herr Verfasser »suche» M schwär, geschildert haben — indessen überlasse» wir über solch« »ein «hatsöchNch» Dinge da» Unheil de» Leser und en thalteu nn» daher gege» viele einzelne Sähe Widerspruch zu erheb» »der sie einschränkend gn wildern. (Red.) Feuilleton. David Zerd. Kvreff, ein jüdischer Genoss« der romantisch» Schule, geb. 1783, si. I8SI. (Fortsetzung und Schluß.) Llährend der Zeit de» Congreffe» vereinigte sich bekanntlich i» Wim Alle», wa« in Europa disttuguirt war an Macht, Einfluß, (Schönheit, Geist und — Mangel an Gesinnung. E» war da» btzt« glanzvolle Aufflackern de« französisch» Saloulebea» vor seinem völlig» Verglühen. Koreff, eia echter Salonheld, «acht« natürlich da» größte Aussehm; er verstand e», dieWiffmschaft so zu präparirm, daß sie dm BergnügurgSbedüssnistm der ol»erflächlich gmirßmdm „groß» Welt" bsscheidm sich fügt«; ec gss örte zu dm falsch» „Prinz» au» Gmieland", welche mit ihrem glssßmden Flittergold prahlen; dämm fand er Wohlgssallm in Kreis», welche da» Gläuzmde dem Echt» verziehen. Er wurde in Wim der Held de» Tage», eia vielbegehrter Arzt, «in vielgeseiert» Lebemann und gewann Zutritt und Einfluß bei dm vielvecmögmdm Leite» der europäischen Politik. Bssonder« faßte Hardmberg zu ihm Vertrauen, und der damal», wo die reaftiouärm Auwaudlungm de» Berliner Hofe» sich um schüchtem hervorwagtm, wo die Erinnerung au die groß« Volkserhebung noch frisch und lebmdig war, mächttge StaatSkaazler gab ihm zuerst eine Anstellung al» Arzt de» Hauptquartier», al» die Armee der Alliirten zum zweitm Mal nach Pan» zog. Nach Abschluß de« Frieden» nahm er ihn mit sich nach Berlin, und Koreff ttat für >ra» Ressort der Kunst und Wissenschaften alt Geh. Ober¬! RezierungSrath in die Staat»kanzlei. Aber disse Stellung wm gerade, weil er dissetde fo rasch »nd plötzlich erstieg» hatte, für ihn voll Dornm und Bsschwerdm. Der Fürst hatte zahlreiche Gegner bei Hofe, die ihm sssn Zusammmwirkm mtt Stein und Scharnhorst nachtrugen, die selbst dm mattm Liberalismus disser alt» Herr» al» gssährlich autschriem, die e» am liebstm ganz in DergeflmheU bring» wolltm, welchm Männe» und Idem Prmßen seinen Ausschwung und seine Bssreiuug zu verdanken hätte. Alle disse verschworen sich gezm Koreff, dm Emporkömmling, um im Günstling dm Gönner zu kränk«; «nd da sie recht eifrig sucht», so mtdecktm sie au Koreff gar bald ein« Makss, ein» gssährlich», für einen prmßsschm Mandarin» erster Klaffe — und da» war ja der Herr Geheimrath — ganz unverzeihlichen Makel, von dem Koreff schon ganz vergeffm hatte, daß er noch an ihm hastete. Koreff war noch Jude und der König erfuhr e«; welche Gssahr, welch« Llame für dissm «nd für sein« Her» in dem christlich-fromm» Prmßen! Denn e» konnte unmöglich gmügm, daß Koreff jetzt das Lessäumte nachholte, um disses unumgängliche Requisit eine» prmßifch« Staatsbeamten sich zu vesschaffm. Der König hätte es wie ein« seiner Majestät, sssner Regierung angethanm Schimpf betrachtet, wenn et« so einflußreiche» Amt wie da» von Koreff bekleidete überhaupt jemals, «ährmd er regierte, in der Hand eine» Judm gewesen wäre. Disser Lorwuss durste „am Staate Friedrich de» Groß«" nicht hang» bleib», disse Schande mußte um Alle» in der Wsst auSzemerzt werdm; sonst stand dem vissverdimtm Fürst«, der durch seine Empfehlung diese» Nationalunglück verschuldet hatte, die allerhöchste Ungnade in sicherster Aussicht. Um dm Zo» de» König» zu bsschwichttgm, wurde durch allerhand kleine Schliche in ihm die Ueberzmgung geweckt, daß Koreff, der in der That

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