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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-19 · 29 (19.7.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
29 (19.7.1871)
Date
1871-07-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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N» 29. —1871. S. Jahkga»g. für Ae religiöse« und socialer Interesse« des J«denth«ms. Ursch« lnt jeben Mittwoch. Vrril »irrttljLhrlich 20 Silbrrxroschr». M- **. veranuoonlich-r KcbMnr mb H«rm»gtbrr Rabbiner Dr. A. UreDenfets in Stettin. beestpaltig« PeNtzeile «der der«» Na»» BreÄau. Id. Juli 1871. g» beziehen b«ch alt Vnchhanblunge» und Postanstaltril. -nferate»»£»»4)»u A Nt Schletteelchen ®ndbbanMiut(, (H. Stntfch) in ©trtlan. Iuhal«. fetttabct Trttsel: Da« bentsch« »olk uab bl«3«bu. 9e.tUUtoa: Da»tb zerbiuanb Coreff. (Schluß.) Berichte »»b Coerestwudeuzm: Leutfchlaub: «rrtlm. «ln. Ni»b«rl«»ber sdÜsUtb-m. Berwtscht« «. neneste »tachrtchtm: Au»»burg. Saab»«. Sonbou. PaUtßiM, Lit»rat»rß«richt. Berichti^u,,. Bcauiinpgite. Inserat». Dar -eutsche Dalt ««- die -«den. Sn Dr. »»chhnlz. Sie haben, geehrter Herr Redaktmr, in mehrere« diesjährigen Rummem Ihres Blattes von bet vorzugsweise ln Deutschland sich zeigende« Zurücksetzung der Juden Wh 'besonders des Jude«» thnms und über deren Ursachm gesprochen und daraus hing«» wiesen, wie die jüdische Presse in de« meisten ander» Eultun» stagten -Uropa» Mit eine« gjnoigm MiUeidtgm Spott üdcrbjz?Äe« DentMand»,' ihr« putrwttschk Äeskninmg^ anh^Vuf^ps?» rnng, sowie. über ihre Freude bet dem geringsten Zugeständniß von Seiten des Staates ihre Tloffm macht. — Nun, über de» Spott könnten wir uns wohl hinwegsetzen; allein die Thatfachm, di« er zum Gegenstände hat, find von zu ttef einschneidendem Interesse für uns, als daß wir nicht immer und immer wieder auf die Frage nach dm Ursachm der unwürdigm Behandlung des Judmthums in Deutschland zurückkoarmen sollten, «m nach unserm Kräften zu derm Beseitigung beizuttagm. Und gerade die gewalttgm -rrigniffe unserer Tage müffm auch dm blötrstm, ganz und gar in setnm seibsttschm Jnterejsm versunkenen Juden aus diese Frage Hinweisen. — Deutschland hat ungeahnte Eiege erruugm und eine nie besessme Machtstellung im Kreise der Völker stch erworhm; unermeßltcher Jubel durchzieht seine Flurm ' vom Rhein bis zur Weichsel, voo der Königs«« bis zum Ammer» gau wogt ein Flaggmmeer über die Laude, und die Jud« warm und find sicherlich nicht die letztm, die mit Herz «ud Hand, durch Wort und That ihre innige Freude über dt« glorreichen Siege, die wichtig« -rrungmschastm des dmtschm Vaterlandes kuod gethan. Und dennoch! Keinem aufmerksam« Beobachter der öffmtlichm Ereignisse kann es mtgangm sein, wie die Juden bei dem großm Festmahle deutscher Station so ganz und gar leer ausgehm, wie ihr bürgerliches Dasein, insbesondere als religiöse Gemeinschaft, um keines Haares Brett« gefördert vordm ist. — Denn daß et« jüdischer Feldgeistlicher «tt de« eisemm Kreuze .decorirt, manche Judm zu Offizier« befördert, die jüdisch« Gotteshäuser bet der Ausfordenmg zur Friedralfeier nicht über» gaugm »ordm find, ist ebenso wenig von dauernder Bedeutung, wie die Ernennung de« Majors Burg und ähnliche Erscheinungen nach dm Freiheitskrieg«. Was hat aber die Jndmschast» oder sag« »tt das Judmthu«, bet diesem gewalttgm Umschwung in der -Schichte Deutschlands gewonnen? — Der erste deutsche ' Reichstag tagre in der »mm Reich-Hauptstadt ungewöhnlich lange, i Hat er auch nur mit einer Silbe der Judm und ihrer Stellung . in dem um geeinten Reiche erwähnt? Oder hat er ihrer darum 'nicht erwähnt, weil sie ja Dmtsche und also selbstverständlich 'mit inbegriffen find, wo vom Baterlande die Siede ist? Oder hat er vielleicht, als ein gleichsam constituttmder, nicht Zeit und Gelegenheit gehabt, stch mit Einzelheiten, wie die Stellung der ^Judm, zu beschäftig«? Keine« von beidm i't der Fall. — Die Verhandlungen über die nmm Reichsprovinzen, dmm ein ük?^ Ljeil der Session gewidmet war, können es dm firges» I^ttmtttis^i'Jüdm tiarkhun^bäfi sie nichk als berückfichttgmsweNh bettachtet und behandelt werdm. Wie zärtlich und liebevoll sprach« Kanzler und Abgeordnete von dm Angehörigen dieser znrückerworbmm deufichm Provinz«, mit welchem Eifer warfm Rechte und Linke Kußhände über den Rhein zu dm nmm Mitbürgern hinüber! Aber wurde vielleicht auch, außer von einer verlor«« süddmtfch« Stimme, der Inden, die in sehr erheblicher Anzahl dort «ohnm, auch nur mit einem Worte gedacht? Vielleicht dämm nicht, «eil sie ja auch Elsässer, Lothringer, also Dmtsche find? Freilich, so lange diese Lande ftanzöfisch warm, war dem so! Jedes Gesetz, jede Verwaltung »Maßregel, jede Wohlthat, welche diesm Provinz« gegebm wart, galt eo ipso dm Judm 'mtt. I» der kurz« Zeit, da ste wieder deutsch find, ist es schon anders geworden. Man hat et» evangelisches und ei» katholisches Lehrer-Seminar gegründet, was hat man für die Judm ,gethan? Was man in dm alt« Provinz« von jeher für ste gethan! Ihre Jünglinge, dtt sich dem Lehrsache widmm «ollm, könn« als Hospitant« um Zulaffnng betteln an der Thür eine« von Judenhaß erfüllt« Seminar »Drectors, um sich, zngelaffm, von dm christlich« Etngeseffmm — dmn da« Se» mttiar ist ja ein prouoneirt evangelisches oder katholisches — als Eindringlinge, Geduldete, scheel anblickm und behandeln zu laffm! Anker solch« Umständen erschttnt mir der Jubel der Judm über dtt dmtschm Errungenschaft« der Gegenwart wie die Frmde eines unschuldig« Kindes, das am Geburtstage einer lieblos« Stiefmutter mit dm glücklicher« Geschwister» der kindlich« -usgeiasimhett' sich htngiebt und nicht weiß, was die kalt« Blick« der Gefeiert« bedmtm, di« von Zett zu Zett auf es nttberfallei»! — Sie Hab« nun, geehtter Herr Redaktmr, auf die Frage «ach dem Gmnd« dieser Zurücksetzung des sfudenthums von Settm der Dmtschm eine Antwort gegeben, welch« stch in die

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