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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-12 · 28 (12.7.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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220 sinn«, und uni auch in dm kleinem Gotteshäusem dal unfcnt Doreitem und uni so lieb gewordene langentbehrte alte ,Eha» fonul* rein und unverfälscht wieder Herstellen. Möge aber auch bei der demnächst zu vollziehmdm Cantorwahl für die zweit« Synagoge Breilaul nicht außer Acht gelassen «erdm, daß, nebm »oller Berücksichtigung der conservattv.religilsm Anschau, ungm, die Hauptstadt der Provinz ans der Höhe der Zeit steh« und audem gleichgefinntm Gemeindm all würdigel Borbild voranleachtm muß. Eil», Ende Juni. (Orig.-Corresp.) El du.-ste nunmehr dm Lesern Ihrer geschätzten Zeitschrift nicht unangenehm sein, über dcl Leben der französtschm Gefanzmm unserer Eonfesston, di« wäl-rmd geraumer Zeit in der Nähe von Cöln untergebracht warm, Genaueres zu erfahrm, zumal sie aus dem schlichten, «ahrheitlgetreum Referate nicht ohne Befriedigung die zu all« Zeitm sich bewährmde thätige Theilnahme und Hochherzigkett unserer GlaubmSgmossm wieder hervortretm sehen werden. Nachdem im September Gefangme von Sedan in groß« Zahl mich der Wahn'er Haide — ste befindet sich 80 Minutm von bei Eisenbahn«Station Wahn, welche zwei Stund« von Cöln-Dmtz mtfemt ist — gebracht wurdm, ersuchte ich die Militärbehörde mir zu gestattm, di« seelsorgliche Tätigkeit unter dm jüdischen Gefangmm übernehmm zu dürfen» «al mir auch bereitwillig gestattet und später durch ein Rescrtpt bei Kriegsniinistertums infinuitt wurde. (In Parmthes« will ich bemerke,, daß ohne meine Initiative sich di« Eommanbantur gewiß nicht Wetter um di« religiösen Juteressm der tlraeltttschm Fmnzosm bekümmett hätte. Kür die Katholiken, zu derm Eon» fesfion xr weitaul größere Theil der Dettnirten gehörte, sorgt« ein ftmizöfifcher Eurä, für die Protestantm der hiesige Garntsons- Prediger.) Ich fand, zerstreut in dm verschiedmen Eompagnim und Zetm, circa 30 Israelit«, die mir alle mtt vollem Zu. träum mtgegmkamm und mich zum Bertrautm ihrer Privat, und Famili«.Verhältnisse macht«; Eorresponderzm nach und von Fr inkreich zu ihrm Angehörig« giugm durch meine Hände. Wohl iHe Meiftm fühltm dal Bedürfuih, durch religiöse vespmdet, immer ein gem gesehmer Gast. Und Koreff war in jung« Jahr« so wmig orimtirt über dm Wert) des Geldes, daß er nicht daran dachte, für seine Bemühungen ein Entgett in klingender Münze zu fordem; wenn er einer schön« Frau in schwer«, Krankhett aufhals, so begnügte er sich» alt Honorar eine Lock; ilrel Haares zu verlangen. Da er nun ganz »ach dem Styl der groß« Welt lebte, um Geld sich nicht kümmerte und in splmditer Haltung womöglich es All« zuvorthat, so zerrannm rasch die Tausende, welche sein Vater emsig zusammmgescharrt hatte. Im Herbste 1811 machte er di« Entdeckrng, daß sein Bermögm zusammmgeschmolzen sei» und da er ir. Paris, ohne großes Aufsehm zu erregm, sich nicht einschräni« konnte, so faßte er dm Entschluß vorläufig Italien aufzusuch«. Daß er in der Eil« des Abreisml es vergaß seine Schulden zu bezahl», war weniger durch seine Vermögens-Verhältnisse als durch sein« Leichtst» bedingt. Auch in der Verwaltung feinet Eigmthums zeigt sich dal laxe Wesen, der Mangel an fester Grundsätzen, der di« Ursache der Schwäche sowohl seiner sittlich« wie seiner wissenschaftlichen Haltung ist In Jtalim lebte er mtt dem Marqril v. Custine während der ereignißreich» Zett, in welcher Napoleons Sonne niederging. Lite wmig muß Koreff die Schmach seines geknechtet« Baterl.md«l sowie dal Wonnegefühl des befreit« nachempfundm habm, daß in dm von Bamhagm mitgetheiltm Briefm sich keine Spur einer patriotisch« Wallung findet» daß dieser selbst dies« Punkt ganz unberührt läßt. Diese empfindsam« Herr« Hab« ihre apart« Gefühle bei dm wichtigsten Ding«. Nur da, wo jedes Jpeta heftiger schlägt, für ihre Religion, für ihr Vater. tmchtnng« und Uebungm Trost und Erhebung für il« Unglück» liche Lag« zu erlang«. Da sie in Sedan ihre Hcibseligkettm zurücklaff« mußt«, darunter auch ihre Gebetbücher rmd Tephil« lm*)> so wurdm sie von mtt mit dies« versehen, und tm Lmrf« einiger Monate kam« über hundert Tephilltn» Arba Kanphoth und Gebetbücher zur Bertheilung. So lang« die warme Witterung in dem schön« Nachsommer anhielt, konnte der Gottes» dimst, wie der der andem Eonfesston«, unter freiem Himmel stattsindm. An inniger Andacht fehlte es im Allgemein« nicht, nur wenige der Theilnehmer «arm indifferent, es warm die, welche in ihrer Jugend nur sehr mangelhaft« religiös« Unterricht erhalt« hatt« und kaum des hebräisch« Lesens kundig warm. Die aus dem Elsaß und Lvthringm dagegm warm tu dm religiös« Gebräuchm und Satzung« ziemlich heimisch. Paffmde ftanzöfische Lectüre, für die ich Sorge trug, könnt« ihnen thettweffe die Zett verkürz«, es blieb für sie jedoch viel zu viel übrig, da man im Anfänge gar nicht daran denk« konnte, ihn« ein« Beschäftigung anzuwets«; dadurch wurde ihr Ezil um so bejammemswerther. Für dt« Hauptseste, an welch« ein Besuch meinerseits un» möglich war, wurde die Einrichtung gettoff«, daß sie in Be» glettung jüdischer Bewachung«»Mannschaft« in de« nah« ge» legmm Dorfe gündorf, wo sich «in« kleine Synagoge befindet, dem Gottesdienste betwohnm und nach Beendigung deffelbm stets gastlich und natürlich koscher bewtrthet werdm könnt«. Am versöhnungltage wurde eine Tephillah von einem jüdi. schm Zuav« übernommen, der fi« würdig und mtt Berständntß vorgettagm habm soll. Herr Baron Abraham von Oppmhetm stellte mtt zur Bestreitung aller «uslagm dtt nöthtgm Mittel •) Lies« Angabe beruh« unbedingt auf etue« «ißverftsubui- »der aus einer Dluschi«, Seiten« der »esaugeueu. Diesel»« haben nicht nur ihr persönliche! »t-enthnnr, sondern auch Leck» und ähnliche Sach« »et sich gehabt, die sie später in Dlaff« vertäust Hab«; Sebetbächer, Lephlllin n.s.w. mttznnebm«, iß ihn» pwt» «w«rw»hrt zewesen. «»er gar »ancher hat nicht wieder p seinem Tornister gelanpn Annen, das ist auch viel» deutschen Soldat» «iderstchmn. («ed.) land, find sie steinhart und worttos — oder auch, wmn es der Borthell erheischt, an Wort« überreich. Aber gerade für solche Lmte begann der Wetz« zu blüh« zur Zett des Wiener Cougreffes. Wo dtt Gentz, dtt Müller ihre Lorbeer« holt«» da sollte auch für Koreff ein« neue Aera des Glanze« beginn«. Si« wahre Geschuhte. Unter dieser nicht ungewöhnlich«, aber nicht immer ganz verläßlich« lleberschrist erzählt der Lemberger .Jlraeltt': Der Soldat S. S. aus 8. im Badisch« hat in seine« Heimathsortt «tu Cousin chm von ungefähr neun Jahr«, das mtt großer Liebe an seinem Vetter hängt und «ährend des Krieges nichts eff« wollte, was versmdbar war, um es dem Letter zu schick«. Im Monat September lag« die Badisch« vor Straß, bürg, und nach schwerer Arbett war S. S. aus ein« Stein ge» sunkm, der ihm weicher dünkte als Flau«. Kaum hatte er sich ntedergelaff«, fiel er in Schlaf und ebenso bald ttäumte er» feine kleine Cousine rufe: »Samuel, Samuel l* Erschreckt springt er auf und setzt fich schlaftrunk« auf ein« andem Stein. In dem« selb« Augenblick platzt eine Granate, und ein Splitter fällt auf dm Stein, von welchem ihn der gettäumte Ruf seiner Cousine entfernt hatte.

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