Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 28 (12.7.1871)
- Date
- 1871-07-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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219 UeberzmgungStreue bedürfte — ab« nur von solch« und mtt solch«. Mit Männern best« kill«-, d«« Sachkunde fehlt» zusammm vottrra, ist aus de« vod« de« Judenthum» unmöglich; mtt Männern, dt« da» Princip de» Gesetze» tu Abrede stell«, debatttren ist fruchtlo». Ich breche hiermtt ab, obgleich die Sache längst nicht er« schöpft ist. Ich weiß, daß die entschiedene Abweisung der öai« große» Geschrei erreg« wird; ab« ich kann mir nicht helfe», ich steh« auf jüdischem Boden, kann'» nicht ander» sag« und Hab« Theorie und Praxi» d« Jahrtausende jüdisch« Geschichte für «ich. Ja wahrlich, d« einfachste Jude weiß, daß dem so ist, wie ich gesagt habe. Man will da z. B. üb« Fahr« am Sabbath beschließ«. Run sagt einmal dem erst« best« Jud«, d« bi»h« sich de» Fahr«» «thaltm hat: „Du darfst fahr«, denn A., B. und C. (Leute, die nicht gesetze»kundig« find al» « selbst) Hab« e» erlaubt," so wird « «ch autlachm. O, da» jüdische Volk hat noch Achtung vor dem jüdisch« Wissen, fie ist »och nicht ganz geschwuadm — erklärt die Unwissenheit für gleich sttmmb«echtigt, und ihr tilgt noch dm letzt« Rest jnn Achtung und — „wester hat'» kein« Zweck". (Anmerkung. Im nächst« Blatte besprech« wst kurz die Broschüre de» Adv. Emil Lehmann: „Zur Synode!" und w«dm dabet noch einige hi« berührte Punkte belmchtm.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. M. Breslau, Ende Juni. (Orig.»Korrefp.) (Musikalische», j Ebenso allehrwürdig wie die, trotz all« Reform«, unantastbaren Ueberlief«ung« de» Judmthum» find auch seine fast tu all« Syuagogm d« West «st gering« Abweichung« konformen rituell« Gesänge. Diese» gemeinsame Baud, innig verwachs« mst «ns«« heilig« Gedetsprach«, hat durch viel« Jahrhundette sich vou Geschlecht zu Geschlecht v««b1, und zu all« Zeit« und an all« Ort» auch die Gemisther d« de» Hebräisch« Unkundig« zu weihevoll« Andacht «hob«. Die Träg« und Bewahr« diese« un» lheuem Bttmächtnisse«, namentlich in Pol« und Rußland zum groß« Theile au« Ehasanim brstehmd, dm« auß« etwa» angebormem musikalischem Gehör »ud oft vorzüglich«, ab« all« Ausbildung baarm Stimmmitteln auch nicht da» geringste musikalische Wissm zu Gebote steht, Hab« leid« die Synagoge zum Tummelplatz ihre« 83»- tuosmthum« gemacht. Jeder für sich ist Komponist, «ecMiren» d« Mostler und Lehr« ein« Anzahl sogmannter Meschorerim (Chorsaug«), die alle Unart« und musikalisch« Sünden ihre» Meist«» in sich aufuehmm und vermittelst d« ihn« inne woh« nmdm Wanderlust üb«allhin v«breitm. Welche Korruption de» gut« Geschmack-, ja Profanation der dem Gebete iunewohnen» dm Weih« durch ein solche» Gebahren erfolgen muß, kann jed« vnbefangme, auch nicht musikalisch Gebildete «meffm, d« ein solche» Ueb«stürz« forcitt«, ttemulirendn Mißtöne mst dem Inhalt de« Texte« in Einklang zu bringen »«sucht, und dabet noch an die Warnung »Wisse vor wem Du stehst' d«ft. — Bei ua» Hab« in neuest« Zeit die Bemühungen eine» Sulz«, Dmtsch, Weinttaud x. nicht allein dem modemen Synagogen» gesange sich zugewanbt, sond«n auch d« Wiederherstellung unser« alt« liturgisch« Gesänge in ihr« ursprünglich« Reinheit eifrige« Studium gewidmet. Bon dies« »«dimstvoll« Meiste« Hab« nicht allein ihre zahlreich« Schül« viel gelernt und da« Gote nach all« Richtungen hin verbrestet, sondnDtznuch die meisten begabt«, musikalisch gebildet« alttituellm Cautorm Hab« Anleitung zu vielfach« 33«besier«ngm durch Selbststudium auf ihrem Gebiete «halt«. Uns«« «ackem Dmtsch gebührt da« B«di«st» durch jahrelange mühevolle Arbeü da« umfassendste W«k (bvü Stummem) üb« altrüuelle Gesänge zum synagogalm und Kasual-Gebrauch gesammett zu Hab«, und, wie wir hö.m, wird « dasselbe in nächst« Zest herauSgebeu. Möge e« in d» Hand« jede« verständig« Kantor« ein mächtig« Damm sein gegm die lleberfluthuag de« Ungeschmack« uno musikalischen Unschön, die Gestalt nicht auffallmd» ab« sei» sprechende» Auge, sein stark« Haarwuchs, leine fein« Hände und Füße, feine Entschiedenheit in Allem, wa» er sagte und that, macht« d« günftigftm Eindruck; man setzte dt« best« Eigmschastm in ihm voran», unbedingte» Vertrauen und letdmschaftlich« Zuneigung kam« ihm uugesucht entgegm. Wa» man Glück bei Frau« zu n«nm pflegt, hat « in reichstem Maaße gehabt, obschon « selb« sich nie deff« rühmte und in diesem Punkte zart und verschwieg« war. Roch in spätem Jahren erfuhr « die auffallendst« Begünstigung«, wurde « von schön« jung« Frau« dm gläozmdstm Nebenbuhlern vorgezogm. Bei solch« Gab« «ud Erfolg« inmitt« de» reichst« Leben» in d« groß« Wett vettmgnete sich nie die reizbare Weichheit, di« unerschöpfliche Gutmüthigkeit seine» H«zm». Allein eben diese »»de durch dm Gegmsatz, in welchem sie mtt dm ganz andrm Ansprüchen so viel« äußerlich« Verhältnisse stand, ein Quell manch« Mißlichkeite», dir bisweilen hoch emporschossm, ihn von d« Freund« ttmntm und ihn schlimm« erschein« ließ«, al« « wirklich war. Im Eis« seine« gut« Will«», in d« Wärme sein« Empfindung konnte « kein« Wunsch, kein« Bitte, di« an ihn gerichtet wurden, zurückweis« od« auch nur ablmk«, er versprach Alle», ja kam mtt freiwillig« Erbietung« entgegen, o«hteß die überschwänglichste» Leistung«. Sr war vielleicht im Stande, jed« «inzelum sein« Zusagen zu genüg«, und hatte gewiß, indem « fie gab, dm redlichst« Will« dazu. Doch da « nie rechnete, so »«gaß n, daß di« einzeln« Zusag« eine Waffe bildet«, dm« kein Mensch gmüg« konnte, schon weil sie mtt einand« 1» Widerspmch stand«; daffelb« Buch, da» « hmte schick« wollte, hatte « schon gestern »«lieh«, und die Fürsprache, di« « morgm zu chua vnhieß, schon heute für einea Alldem gethau. I« dm 83«legmheit«, die « sich dnrch solche «nbesounme Gutherzigkett zuzog, half « sich durch AuSred«» durch «me Versprechung« und kleine Rothlügen, wie fie in d« gesellig« Welt täglich Vorkommen, ohne daß man wett« darauf achtet. Ab« die große Häufung und biSweilm auch die Wichtigkett d« Fälle dies« Att, in welche er sich »«wickelte, macht« da« Ergebutß für thu strmger und schädlich«, al« bei andem Wrltleutm. Man beschuldigte ihn, ein Prahl« und ein Lügner zu sei«, und hiett sich an die äußerlich« klein« Thatsach«, ohne dm illn«ll Zusammmhang zu beacht«, wa» auch allerdings i« bürgettich« Leb«, da» vorzugsweise auf Smßettichkeit gestellt ist, selbst bei best« Wünsch« nicht immer gescheh« kan». In d« Au»übung d« Heükunde gewann di« Gewöhnung, de« Eiadmcke de» gegenwärtige» Augenblicke« Alle« zu opfern, und Zusagm und Hoffnung« zu erwecke», dm« schon vielleicht der nächste Tag widersprach, eine noch ernster« Bedeutung. Die risersüchtigm Kolleg« Koreff« ermangelt« nicht di« Blöß« au«- zubmtm, welche «mig« d« Arzt gab. al« dn Mensch, und sie nannt« ihn einen Blmder, ein« Gaukln." Ab« gegen den Neid d« Kolleg«, gegm die Kälte und dm begründet« Anger sein« Freund« besaß Koreff eine Schutz» «affe» die ihn, wie nun da» Lebm läuft, völlig sich« stellte, kr war reich; er hatte von seinem Bat«, einem Bre»lau« Arzte, d« mit ein« dem jüdisch« Stamme eigen« Sparsamkeit gewitthfchafttt hatte, «in große» vermögm ererbt; wer seine Kunst fich nicht bezahl« läßt, ist, ob « sie nun Arm« od« Reich«