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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-05 · 27 (5.7.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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812 find. S« hat allerdings nicht« mehr z« de» religiöse» Wirre» beigetrazen, d« der fatale Umstand, daß vor etwa 80 Lahre« viele Rabbiner oder a«ch Lehrer nach ihrem Sinn« «ad Gutfinden, nach ihrem Geschmack und höchsten« mit Zustimmung einiger Stimmführer und Herrscher in der Gemeinde, den Gottesdienst umgestiiltet habe«. Solchen Belleitäte» gegenüber bildet eine Synode ohne Zweifel ein sehr gute« Eorrectiv; fie würde auch über nidit tief eingreifende d. h. kein Princip berührende, und darum doch gar nicht uoweseiitliche liturgische Einrichtungen die wünschen-iverthe Einhelligkeit erzielen können. Wäre f» doch schon recht gut, wenn etwa über die Au«wahl der beizubehalt«. den Pijjutim eine Einigung stattfände, und au» de» Dutzende» »neuer Gebetbücher' ein einzige« würde, welche« in einer respektablen Zahl ron Gemeinden Eingang fände. So gäbe e« noch recht viele Pr nkte, die im Einzelnen nicht von Gewicht, doch zusammen ein schöne« Resultat hätten nach Hause bringen lassen — aber auf Derartige« wollte und konnte die Synode in ihrer Zusammensetzung sich nicht beschränken. Sie war und wild auch in diesem Jahre eine Parteiversammlung sein; sollten die Herren zusammenkommen um nochmal« z« sagen, wa« sie hundertmal wiederholt, Reformen zu beschließe«, die sie bereitt seit Jahrzehenten eingeführt hatten?! So ist denn keinerlei Einigung über Differenzen erzielt; bekanntlich haben diejenigen, welche den dreijährigen Cyclu» eingeführt haben, al». bald nachdem die Majorität sich für den einjährigen entschieden hatte, erklärt, daß fie sich diesem Beschlüsse nicht fügen könnten. Und wenn d>« Umgekehrte stattgefunden hätte, so würde da« Entgegengesetzte eingetreten sein. Bedarf e« da noch eine« Beweise«, daß >»te Synode sich selber keinerlei Autorität beimiht? Wozu also dc« Ganze? Sehe« >oir aber noch etwa« tiefer aus den Grund. Die Männer der leipziger' Synode gehörten in«gesammt der Reformpartei an. Nuancen find natürlich nicht au«zeschloflen, ober sie alle') stimmen darin überein, daß e«, um gottesdienstliche Reformen zu rechtfertigen, eigeutlich keiner weiteren Motivirung bedürfe, al« de« persönlich«« Gutfinden«; wenn man Rechtferttgung nach dem Schulchan aruch gesucht hat, so hat da« ein jeder nicht für sich gethan oder gebraucht, sondern um andere, zumeist außensteherde, zu überzeugen, j,u gewinnen. Aber durch solche« Verfahren wird niemand gewinnen, durch solche Stimmen niemand überzeugt. Daß 0r. N. dir Abschaffung der Opfergrbete für gut findet und allerlei Geleh tte« darüber sagen kann und bereit» geschrieben hat, da« weiß die jüdische Welt; wenn er e« nochmal« öffentlich sagt und noch Andere ihm zustimmen, weil sie ebenfalls keinen Talmud oder Schulchan aruch gebrauchen, um eine Reform zu belieben, so wird kein Mensch von der Zulässigkett überzeugt, der e« nicht bereit« gewesen ist. E« kommt, wo Autorität erstrebt wird, nicht bloß arf da» an, wa« gesagt wttd, sondern mehr darauf, wer e« gesagt hat. Spreche ich nun den i» Leipzig versammelt gewesenen TI»eologm jeden Einfluß, ihren Stimmen jete« Gewicht ab? Durchau» nicht, aber fie haben beide« nur in den Kreisen, die ihrer Autorttät nicht mehr bedürfer. So ist da« ein iveiterer Grundfehler der Synode, daß nur solche Sttmmführer zusammentraten, di« ihre Sttmmea längst abgegeben hatten, dere» Abstimmung denen, welch« auf dieselbe etwa« geben, längst voraut bekannt war, während fie für die Ander», aus da« Votum kein Gewicht legenden, durch Zutritt anderer gleichgesinnter Strumen und Echo« nicht gewinnt. Man deake a» eine jener Prrlament«»Debatten, deren Resultat vorher in de» Fractionea fistgestellt ist, di« Rede» find vielleicht »och tateres. saat, sonst »kommt nicht« mehr dabei Hera»«'. (Daß die Ma» •) Ich ft rech« am »er CtyMte «tt «ine» »anzen, W* 4Mücta»| tac ciipiani rchettneh»« M richte» ftllt «ir »icht et». jorttät ei»e< Parlament« freilich entscheidet, gleichviel wie sie z« Stande gekomnren ist, ist bereit« erwähnt.) (Schluß ftlgt.) Berichte und Correspondmzm. Deutschland. R. Berli», 20. Juni. (Orig.»Corresp.) Al« ich jüngst mit einigen Sttmmführer» de« politischen Radtkali«mu« zusammen war, da hörte ich da» naive Geständntß, daß fie selbst Jacoby'« geistige Begabung bet wette« nicht so hoch stellte», al« e« de« Anschein hat; fie, die fett einer Reihe von Jahren mtt Jacoby verkehrten, seien darüber hinau», hätten auch dies« Cultu» zu den Tobten gelegt; aber er fei nun einmal die Standarte, welcher allein da» Volk folge; ihm den Glauben an diesen Mann zu rauben» hieße de» letzten Halt der Pattei vernichte», und deswegen fei e« gut über diesen Punkt zu schweigen und in Volk«. Versammlungen da« Ideal eine« Demokraten unter dem Namen Jacoby zu preise«. Wir wollen hier durchau» nicht darüber reden, in wie wett diese Anschauung berechtigt ist, sondern wir führen die« Phänomen nur an, weil da» hiesige religiöse Leben eine frappante Analogie zu diesem Verfahre» bittet; der Anhang de« vr. Gttger spielt mit diesem ganz diefttbe Komödie. Auch er ist mehr der Popanz denn der Führer seine« Anhang«. So feurig wurde für ihn in die Posaune gestoßen, daß jetzt gar keine Möglichkeit «ehr da ist zum Rückzug zu blasen. Die Herren Professoren Lazaru» und Stetnthal, die der ganzen Pattei durch ihre Gelehrsamkett ttn Relief geben, find in Wahrheit über die Enge und Beschränkthett de« religiösen Radikaltömu« wett hinan«; fie wissen z. L. ganz gut, daß Gttger und Bernsttt«, die Fortschritt-wärmer, mit ihrer Bibelkritik um ein ganze« Jahrhundert hinter der heutig« Wissenschaft zurück find, daß fie an die von den platte» Vernünftlern, Bahrdt, Semler u. a. gesponnenen Fäden, die Herder längst mit mächtigem Arm zerttffe« hat — diese« »egattv« Verdienst ist ihm gewiß unbestreitbar — wieder anknüpfe» wollen. Die« zeigt fich jetzt recht deutlich btt der Eonstituttung der Hochschule. Gttger hätte fie so gern in »Generalenttepttse' übernommen. Aber daran« wird wohl doch «icht«. Wir Bettiner find jetzt sehr piquitt auf die Generalenttepttse, auf die Strou«- berg'S in allen Branchen. Da» Comitö ist, wie wir hörm, ernstlich darauf bedacht, ttnen tüchtigen Talmudisten für da« Institut zu gewinnen. Die Männer der Wissenschaft, wttche dasselbe in'« Leben rufe» wolle», scheuen e« doch, gerade die jüdische Theologie in da« Schlepptau der Tendenz zu gebe». Professor Lazaru« macht eine Entdeckungsreise «ach talmudische» Eapacitäte» mtt wissenschaftlicher Bildung; der Herr Professor wttd fich auf dieser Rttse überzeugen» daß dieser Attiktt leider sehr rar ist und täglich settener wttd. Und «er trüge daran mehr Schuld al» die Herren Theologe«, dtt dtt ganze jüdssche Tradition in den Staub gezogen Hab«, und dtt jetzt, um diese« schöne Werk systemattsch zu bttreiben, dtt Hochschule fich dienstbar machen wollen. Bon dieser froh« Hoffnung, daß die Hochschule, wenn auch nicht tu dtt Lahn« de« konservativ« Judenchum«, so doch tu die tendenziöse» wissenschaftlich« Stteb«« ttnl«k« will, bettle ich mich Ihn« Mttthttlung zu «ach«. Wen» nnr die recht« Lehrer fich find« und Gttger nicht zuletzt doch oberster Steuermann würde, so könnt« vielleicht diese Anstalt manch« Prophet«, der ihr nicht« Gote« weissagte, Lüg« straf«. * Schrtmm (Pos«), Sb. Juni. (Orig.-Eorrefp.) sRekrolog.) Am 28. d. Mt«, verschied in unserer alttu Gemeind« im 07. Jahre seine« Leb««, nach fast SS Jahr« gewissmhafter Amtsführung, der Lehrer Har Aron Goldschmidt — «tu

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