Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-07-05 · 27 (5.7.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935492--0792-5370466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

210 eine veiheiltxung an der Synode in» Luge gefaßt, man fragte, ganz wie H«r De. Rahm« «»deutet, ob ma» nicht gleich n» in oorpor« gehm solle. Gleichsam — dem, jener Verein -bildet keine Corpore tiou, und einen Beschluß über diese Frage herbeizuführen ist r-icht einmal versucht worden. Reifliche Erwägung hat jedoch diejenigen, mit welchen ich die Sache besprochm habe, und mich selbst zu dem Beschlüsse der Enthaltung hin- oder zurückgeführt. Hier die Gründe. Die Syrode könnte 1) allgemeine Angelegenheiten der jüdischen Gemein)«,, Maßregeln zur Erlangung und Wahrung von Rechten, zur Regelung de- Pension--, Unterstützung--, Schulwesen» u. dngl. berathen, beschließen, anbahnen. Wenn dabei mehr als »fckätzbare» Material' erzeugt werden soll, so müssen die Versammelten von den Gemeinden delezirt, bevollmächtigt sein. Man hat sich denn auch bereitentschieden, den zu gründenden Gemeindebund ganz von der Synode zu ttennen. E« ist nicht nöthig, hier nochmal» zu sagen, warum die» zweckmäßig gewesen; doch darf ich wohl erwähnen, daß ich an meinem Theile bei den leiten )en Persönlichkeiten eben dahin gewirkt habe, und danunmehr festgrstellte Programm de- Gemeindebundeist genau dasselbe, welche» ich Herrn Kohner zu der am 1. Januar 1870 stattgehabten Versammlung degeschäft-leitenden Ausschusses brieflich entw ckeit habe. (Sgl. auch Wochenschrift vom 2 Febr. 1870.) Natürlich habe ich damal» nicht» Neue» entdeckt, e» haben gewiß auch Andere dasselbe empfohlen. Auch Herr vr. Hilde-, heimer hat vor Kurzem dieselben Ideen entwickelt und befürwortet. Wenn übrig«», wie ein Correspondent de- »Hamagid' erzählt, H«r Kohn« bei d« diesjährigen Ostermeß-Bersammlung gesagt haben sollte, l>aß « mit den Führern d« verschiedenen orthodox«. Richtungen, Herrn vr. Hildesheimer und mir, B«athung gepflogen und Zustimmung «halten habe, so würde «mir damit «n jed« Weise zu viel Ehre erwiesen haben. Doch die» im Vorbeigehen. Die Synode will also nur die eigentlich religiösen Kragen in v«athung nehmen und üb« diese sollen Gemein doglieder und Rabbinen gemeinsam beschließe» Wes soll dann geschehen« Die Synode könnte und möchte 2) «ine gewtffe Einheit in Hinficht auf dt« Enltn-mform erzielen, n« d« un«qutcklich«n Verwirrung und Zersplitterung ein llftide zu machen. Ich sage »in Hinsicht auf die Cultu-reform', denn e» giebt in Deutschland kaum noch eine Gemeinde (selbst die separtrten nicht ausgenommen), welche noch ganz die alte Gotte-dienstordnung od« Unordnung beibehalten und gar nicht» »reformirt' hätte. E» wäre da» ohne Widerrede ein sehr schöne-, höchst empfehlen»« wertheS Ziel, und mau wäre versucht e» gar nicht für un«reichbar zu halten. Denn wenn e» auch unmöglich wäre, in Allem e» Allen recht zu machen, so bilden diejenigen, welche von vornh«etn von gar keiner Reform hören und keinem Beschluffe in dies« Beziehung sich fügen wollen, in Deutschland wirklich eine Mt« schwindende Minorität, die man ruhig gewähren lasten kann. Die andern dagegen, welchen auch weit«gehende Reformen nicht genügen? Auf diese braucht ebensowohl keine Rücksicht genommen zu w«den, denn sie bedürfen überhaupt keine- Gotte-dienste«, od« wenn sie denselben einmal beehren, so wäre eempörende Anmaßung, wenn sie »«langen, daß die Gemeinde sich nach ihnen richten solle. Dagegen wäre e» ung«echt, wenn man verkennen wollte, daß auf der Leipzig« Synode diejenigen, welche nach ihren persönlichen Neigungen und Meinungen für sehr weitgehende Reformen gesprochen und gestimmt haben würden, sich in stark« Mehrzahl ein« groß«» Mäßigung befleißigt haben, we-halb die Synode denn auch H«rn vr. Geig« »durchaus nicht befriedigt' hat. Warum hat sie ab« doch gar kein Resultat «zielt, warum hat man nicht gehört, daß man von ihren »Beschlüsten' in irgend ein« namhaften Gemeinde in d« Weise Notiz genommen hat, daß man gesagt hätte: Wir wollen die» und jene» jetzt so und so halten, weil e» in Leipzig so be» Feuilleton. David Zerd. Koreff, ein jüdisch« Gnwfie d« romantischen Schule, geb. 1783, st. 1851. (Fortsetzung.) Ab« die Beschäftigung mit d« Medicin füllte nicht ausschließlich die Zeit de» Jüngling-; in ein« Epoche, wo die Literatur im Biwußtsein d« Nation vielleicht eine noch größere Stellung ein rahm alheute die Politik, konnte ein lebhaft« empfänglich« jung« Mann nicht da» zwanzigste Jahr überschritten haben, ohne mit einigen poettschen Sünden belastet zu sein, ohne einige eigene und eine Unzahl ftemd« Empfindungen in Reime gebracht zu haben, ohne einem Dicht«bund anzugehören und in irgend einem Musenalmanach, und sei eauch nur als ein St«n, d« mit unbewaffnetem Auge kaum sichtbar ist, zu glänzen. Wie sollte Koreff in dem damals poesiegettänkten und poefietrrnkenen B«lin diesem allen blonden Deutschen und denen, die eS w«den wollten, gemc infamen Schicksal bei der Gluth und Lebendigkett sein« Phantasie entgehen! Chamisto und Varuhagen edtrten in Berlin im Verein mtt vielen Freunden einen Musenalmanach; die inniger Vertrruteu bildeten einen Bund, d« sich »Polarstern' nannte, und liefe« Bunde« S«le wurde Koreff, kaum daß « in denselben getreten war» durch die Vielseitigkeit seine» Wissen» und die Mannigfaltigkeit d« Anregungen, di« von ihm auSgingen. Die Freunde bewunderten, »«ehrten ihn; ab« da auch hi« feinem Eifer d« Nachhall und die Dau« fehlte, da sein gut« Wille oft weit mehr zu leisten versprach al» « ausführte, so verloren feine Worte zuletzt den Glauben und die Bedeutung. Im Frühjahr 1804 ging n nach Halle, von dort zu läng«em Aufenthalt nach Pari». AuS dies« Zeit stammen einige Briefe, die un- Varnhazen mittheilt. Diese Briefe gewähren un» einen Einblick in da» Fühlen de» jungen Arzte»: ab« dies« Einblick ist wenig «baulich. Da wird mit d« Selbst«kenntutß, mtt d« Einschau in da» eigene Herz ein Staat getrieben, daß un» d« Eindruck bleibt, nicht Selbstkenntniß, sondern Gelbstverherrlichung, da» Bestreben, die Seele recht luxuriö» herauSzuputzen, sei d« Zweck dies« H«zen»«gießungen. Wie in dem Schaufenst« eine» fp«ulativen Kaufmann» w«den in diesen Briefen Freundschaft und Edelsinn, die ein keusche» Gemüth in »«borgenem Schrein bewahtt, den Genossen recht absichtlich unt« die Augen gerückt, und wir gewinnen darum kein Zukauen zu d« Echthett von Kleinodien, die man so marttschreierisch fellbietet, sondern halten sie für imitirte Waare. E» ist schon gut, wem, d« Mensch einmal einen Blick in den Spiegel wirst, ab« e» ist unausstehlich, in Gesellschaft von Leuten zu sein, die stet» nach dem Spiegel hinüberschielen; wir vngesten alle Schönhett und Wohlgestalt bei solch ettlem Gebahren. Und nicht wind« widerlich ist diese ewige Seelenbespiegelung, die ein Erbthell d« Romantik ist. Und wären wtt nur deffen sich«, daß diese empfindsamen Seelen nur zu ihr« eigenen Verschönerung imm« in sich hinetngucken, drängte nicht vielmehr ihre ganze Haltung die Ueb«zeugung auf, daß sich hier die Gefallsucht auf ein Gebiet verirrt, wo ihr da» Heimat-recht mtt all« Kraft verwehrt w«den muß, daß sie sich spiegele, nur damtt die Andern aufmerken» daß all die Erhabenheit geschraubt und gespreizt, hohl und unwahr sei. Wtt w«den an da» Dicht«wort erinnert, daß d« all«gröbste Schlingel oft dtt all«zärtltchsten Verse fingt, und wtt varttreu e» dahin, daß sich am leichtesten in taffeinen rauschenden Redensarten üb« die Empfindungen declamtten läßt, mtt denen man gar nicht» zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.