Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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205 «tonten (Regeln, die der weise Salomo sch« vorgeschriebe« hat, sie st«d nns bindend, «nd dar»« können wir nicht. (Red.) KvmLuir». ivNknrrß, 18. Juni. Rumänien ist seit einiger Zeit zu seine» alten System der Steneretnhebmng zurückgekehrt. Nach demselben «erd« auch die direkten Staatsstenern, von den Gemeinden eingezogen. Di» Gemeind« aber stammen, «i besten davon, wem» sie die Einhebung der Stenern all Entreprise verpacht«; jedoch find Inden und überhaupt alle Nicht« christen von der Eoncurrenz ««»geschloffen. Der Pächter, welch« ton Titel eine» General-Steuereinnehmer» «hält» muh 600,000 Kraue» Kaution erleg«. Er darf aber nicht einmal zmu still« Geschäststheiluehma ein« Jnton haben. Wird ihm die» nach« gewiesen, so verliert er 50,000 Franc» von der Caution nnd der Pachtcontraet ist sofort gelöst. Etonso darf er kein« einzig« Alton al» Beamt« anstelle». Geschieht e» dennoch, so muh der General-Einnehmer für jeton bei der Steuererhebung angestellt« Israelit« 1000 Franc» Strafe zahlen. Mittelst dies« Maßregel Hab« die Väter da Stadt fich und ihr« Freund« da», Geschäft nnd ein jährliche» Pro fit ch« von einig« hnuderttausend Kram« gesichert, welche freüich die gute Stadt durch die flttt«. schliehung der Israelit« von tor Eoncnrrenz wenig« einnehm« »ird. (N. Fr.Pr.1 Vermischte und neueste Nachrichtm. Erentzbnrg, 21. Juni. Ein Ehr«««», Herr Armee- Lieferant Simon Eohu, stellte an de« Siege»feste zunächst da hiesig« Ar««kaffe eine Summe von 500 Thir. znr Disposition, und fetzt« für die bedrängtest« traun einige Sprechstunden an, in »eich« « ton selb« je nach vedürfnih zu 10, 20 rc. bi» zu 100 Thlr. vertheitte. Denjenigen» weiche durch ihre äußer« LerhäiMiffe nicht in die Reihe da Bittend« treten könnt«, vielleicht aber noch unter eine« empfinviicha« Drucke schmachteten, half a durch Uebernahme von schlecht« Hypothek« und entwetor durch ganz zin»freie oder nur «Ü 3 Procent verzinsbare Verleihung von ziemlich totontenton Capttalieu. Dm Invalid« de» hiesig« Kreise» schmkte a 1000 Thlr., da Synagoge 400 Thlr. und zur Thurmuhr da katholisch« Kirche 50 Thlr. Die Echützengilde «hielt 100 Thlr. und der Mänuer- Gefang-Verein da» versprechen, ein neue» Flügel-Instrument zu erhalt« Darauf brachte a ein« sehnlichst gehegt« Wunsch fein« Verwirklichung nahe, tor bi» jevt durch die Furcht vor bedeutenden tu»gaton immer zurückgedrängt worton war. E» ist die» die Umgestaltung da hiesig« höher« Bürgerschule in «in Gymnasium und tor Bau eine» n«« Gymnafial-GÄäude». 3n diesem Zweck kaufte Herr Eohn ein« Platz für 2400 Thlr., machte damit da Stadt ein Geschrak und stellte als Hülfe zum Aufban de» Gebäude» selbst 10,000 Thlr. zinsfrei mit beliebig« Amortisation da Commune zur Disposition. Eine hiesige Wittwe, weiche an dem Frieton»tage ihr« Gatt« zur Frieton»stätte hinau-beglettete, erhielt von de» touaunt« Wohlthät« die Begräbnißkost« und eine recht erfrraliche Bürgschaft für die Existenz tor hinterblieben« Wais«. Am Abmde diese» festlich« Tage» wurde Herrn Eohu sowohl von tor Schützengilde al« auch von dem Männer-Gesapgverem ein Etindch« gebracht. <vr.Z.) Tarlsruhc. Uel« den bereit» erwähnt« Brand tor Synagoge (s. Nr. 24) wird noch wett« berichtet: Dm Brand brach in tor Nacht tot 29./30. Mai in tor Nähe da Synagoge au» und griff so schnell um fich, daß nach ein« Stunde auch diese mtt ton dazu gehörig« Dienstwohnung« tor Cultusbeamtm «griff« wurde. Die Synagoge ist vollständig abgebrannt. Die Lhoraroll« und sonstige heilige Gerüche konnten gaettet »er» ton. Da Gottesdienst «ird bi» auf vettere» in de« Saale de» israelitisch« Krankeuhaufe» abgehalten. Herr Rabbina Willstätta bringt im »Karlsruher Tagblatt' znr Kemttniß sein« Gemeinde, daß Se. König!. jHohett tor Grobherzog durch 'Herrn Hof-Finanzdirator Kreide! und Ihre König!. Hohett die Groß» Herzogin durch Höchftihr« dirastthuend« KammaHerrn Freiherrn von Edelshelm Höchstihre aufrichttge Thellnahme an dem die dafige israelittsche Gemeinde in Folge de» Vranduuglücks totroff«« Verluste ihr« Synagoge aussprechen ließen. 8lt». Leber d« am IS. Mai verstorben« bekannt« Orientalist« De. Letteri» (»agl. Rr. 23 d. Wochenschr.) entnehmm wtt dem,3«r.' folg«to interessante biographische Retiz«: Er war 1804 zu Lemberg gebor« sund entstammte ein« alten Vuchdruckerfamilie, Halevi graannt, die mtter König Johann M. Eobieski nach Galizi« kam und unta da Regien.ng tor Kaiserin Maria Theresia ihr« jetzig« Nam« amra^m. Lettens, weicher eine gute Vorbildung und spät« Gymvasi«!»Unterricht genossen, bezog im Jahre 1826 die Lemtorg« Hochschule, wo a vornehmlich da» Studium da orimtalisch« Sprach« betrieb, ator auch die ander« Sprach« und Literaturen, insbesondere deutsche, ttali«ssche und ftcmzöfische, pflegte. 1831 kam a nach Wien, wo a mehrere Jahre die orientalische Druckaei de« Anton Edlm v. Gchmid kettete und geschätzte Ausgab« hebräisch« Werke besorgte. 1840 ütorfiedelte « nach Prag, wo « bi« 1848 da oriratalssch« Abtheilung da Haase'schm Hofbuchdruckaei vor» stand. 1848 kehrte « nach Wien zurück und kaud einige Zeit verwradung in tor Hofbibliothek, gab ator bald dies« Di«st auf und lebte al» Privatgelehrt«. Al» Schriftstell« war Letteri» überaus fruchtbar. Sein erste» Werk vaöff«tlichte « im achtzehnten Letonsjahre und blieb unermüdlich in sein« Thätigkeit, welche fich fast ausschließlich auf orientalischem Gebiete bewegte. Selbst Dicht«, baeicherte a die jüdische Lttaatur mit ein« . Reihe von Nachdichtung« au» d« klassisch« Skaatur da alt« und modernen Völker. Meisterhaft find seine Nachbildung« tor .Ilias', tor .Sthalia' und d« .Esther' »ou Racine, jieter Gedichte Schiller» und Byron», da arabisch« Dichter und Gefchichtsschreitor» und eine dem Geiste tor hebräisch« Poesie entsprechende llmdichtung von Göthe'« .Faust' (»Ach«'). Letteri». tor 1844 da» Diplom eine» Doctor» tor Philosophie von tor Universität Erlang« erhielt, stand in regem Verkehr «kt hervorragenden Schriftstellern und Künstlern sein« Zeit. Für die jüdische Lttaatur ist sein Tod ein groß« vertust. Letteri«, welch« Mitglied d« „Soviel» Aaintiqne“, bei „Inatitat d’AfKqne“ und tor „deutschen morgenländtsch« Gesellschaft" zu Leipzig und Halle gewes« und war auch vom Kaiser durch Berleihuug tor Medaille pro lltteria et »rtidu» ausgezeichnet worton. Krnknu. sStatistisches.) v« zehn Jahr« zählte Krakau 20,000 christliche und 10,000 jüdische Smwohu«, jetzt hat eS beinahe 30,000 Juden und nur 20,000 Ehrist«. Die schönsten Häuser tor Stadt, darunter wahre Pracht-Gebäude, gehör« ton Juden. Die Wirkung d« Emancipation auf die jüdische Bevölkerung ist demnach wohl nttgends mehr in die Augen fallend, al» hier. (*. Fr. Ar.) Nzezvw (Galizi«). Noch im April 1869 verbreitere fich unter d« jüdisch« Bevölkerung von Roswodow die Schreckeulkunde, daß dal Grab eine» vor drei Monat« verstortonm Israeliten aus dem dortig« Friedhöfe geöffnet gesund« wurde, und dag von d« Leiche selbst ein Unt«schmkel fehle. Nach viel«, Untersuch« hat man nun «ttockt, daß ein dorttg« Christ, Na» nun» Dnhl, dies« Untersch«kel gestohlen habe. Wczu ator eine torartige Leichenschändung begangen wurde, muss« wir vor Allem erwähn«, daß in manch« Gegend« Galizi«» die Judenleiche ein begehrter Artikel ist. vorerst »erd« dieselton von ton Dicton sehr theu« abgekauft, tonn e» ist unter ihnen tor Glaube verbreitet, daß tor Dieb bei« Lichte ein« solch« Kerze von