Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 25 (21.6.1871)
- Date
- 1871-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5934989-5935483--0774-5370450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
irtm)r i K+ .r i 2) Sa« bednrtet diese« Priesterthum f hat Pflichten, kein» Rächte, kM Sprechen de« üohen, nicht fein Hecht. - Der^ Hol will euch jetzt sepen, straft »eine« M daher feststellen könnech^ datier nß» Segen spricht, zü den andern ZeirK, wil der Siemeinde" nicht bepifen, und damit nur flicht ich Segen«-Ht-P jt^rjajgd dich Q^Mfi4 »jff Zami er chori dem,,Boten cesstrt seine Pflicht, «*"*-.«* «m «äs ifjis: «fi i»5?j*3f!Ä WAffc&Ö LÄLM rufen, nicht segnet, so Verletzt er feine Pflicht/ Äker äüch in einer Synagoge, die nur von Priestern besucht ist, wird der Seger gesprochen, er gilt dann den Brüdern draußen, der Priester in al en andern. J«rael« Priester hatten auch vordem nur erhöhete Pflichten« keinen Grundbesitz, keine Privilegien,' die« ist jetzt in erhöhetem Maße der Fall, nachdem auch die Gaben, welche einst al« Ersatz für die Dienstleistungen am Tempel «d kcmnien sind; der Kohen hat nur gewisse Einschränkungen zu beobcchten. Sein einzige« Ehrenrecht ist, daß „et zuerst ander Thora vorliest". Aus diese« kommen wir zurück. Zunächst erwähnen wir 3) daß der Kohen nur zu segnen berufen ist, er spricht abei keinen Fluch au«. Sein Amt ist Segen, nie Fluch. E« >st die« besonder« 5. Mosi« 27, 14 ersichtlich, dir Leviten treten hier ein, die Kohanim asfistiren schweigend. lAof 4. Mos. S einzu gehen und den etwaigen Einwaud, daß hier der Priester eine Verfluchung ausspreche, zu widerlegen, wird wohl entbehrlich ein.) “ 4) Ist nun der Kohen von Gott erwählt um den Segen auSzasprechen, so gehen un« seine persönlichen Verhältnisse nicht« an; er ist e« ja nicht, der un« segnet. Nicht nur da« ist daher gleichgültig, ob er arm, ob reich, gelehrt oder ungelehrt, angesehe, oder gering geachtet ist, sondern auch feinen Wandel Hab«« wir nicht zu prüfen. Wir haben ihn nicht zu richten; er wird feine« Priesterthum« durch vergehen nicht verlustig. Rur in jvfi eben sehr bezeichnend» Punkten gestalt M M ander«. Da» Judv-um »gcht-äGstit» »der. «sh» Md Heiligkeit M ' ' itmm ifhidü Mstaamning m KohM Hwesselhast oder die HinWÄech« Stammech stört .jer feine« Hause« Heikkgshum, ft. tstH"eistü,eiht"/ Und ullerbittsich ist da« Judenthum in Bezug auf Blutschuld. Auch der von seiner Religion hat"S-Ml> den trübt aber kellie Buße reinigt in dieser Bstkehung den Mörders wer Kohen, der Blut vergossen hat, darf nie «ehr seine befleckte Hand zum Gegen erheben; ja selbst, wenn ein Kind bei der vcllzi.'ht seine Pflicht. Und wie in dieser Bezieh» ng, sv jgstst^s^Bejchneidnüg unter isttner Hand verblutet, die Lolklstimm« ihm Schuld beimißt, und er sich selbst nicht frei weiß, so soll er nicht mehr segnen.") S) Diese« Grundzüzen enssprechen die Riten de« Segensprechen«."' Der Kohen verhüllt sein Angesicht; di« Gemeinde soll füo-ti« Entziehung det Bodeu« gewährt wurden,.iu Wegfall.gr- 1^j«4>erfon.M.uicht.stnNN. denn dieser, sxgnetutcht^in^rem Namen, sondern spricht im Namen de« Quell» aller Segnungen; „Er (so wendet der Midrasch eine« vcr« de« Hohenliede« an) der Ewige, er steht hinter unsrer Wand, schaut durch die Lücken, sein Segen sprießt durch die Zwischenräume der Finger an der segnenden Hand." Der Kohen wäscht seine Hände, sinnbildlich sie reinigend; wä« diese Hand sonst thut und treibt, womit sie sich ernährt, da» kümmert -un« nicht. Er legt seine Schuhe,von den Füßen, daß er alle« Irdisch« abstreist, 'eingedenk, h*»-^er auf heüigem Loden stehe", damit nicht etwa' in seinem Sinne Gehässigkeit sich rege, der Gedanke: de» mch.jepeu.will ich nicht in den Segen inbegriffen wissen, denn er ‘tft «An Feind — .E« bedarf nun nur wmiger Sorte, «» n«ch diesen Kennzeichen echte« und falsche« Prtefterthum zu unterscheiden.,, . («WWitt i.'/f/j. j'-’ *) D» Lmwig» fUk dir Di«»ssi»»» i» all» dies» Hinsicht» bekannt; wir halt» nn» hit», da wir Umt Dissertation schreib«, «brrasi a »» «Igtawixc. Feuilletm. -avi- |erH. loreff, «in jüdischer Genoss« der romantisch« Schul«,*) -eb. 1783« ». 1831. Die romanttfche Schule ist in Deutschland längst gestorben und begraben. Jener groß« Sarg, welchen «an gelehrte Literaturgeschichte nennt, und in den in der Hast M tstegraben« wohl nebm vielem Tobten auch manche« Lebendige geworfen wird, hat sie ganz in sich ausgenommen; auf dem Deckel steht eine Reihe vor. Namen mit Geburt«- und Tode«daten und einige« schalen Censuren ihre« sittlichen und geistigen Verhaltens; »a« in diese» Minschen gewühlt und gerungen hat, wa« .sie verzehtt hat in heißem Lebenskämpfe, daß die Einen ihr Leben, die Andern ihr Hecz, die Dritten ihren Glauben und ihr Ideal hingeworfe« und preiSgegeben in wüster Verzweiflung, da« kümmert da« vickwissende, äußerlich sehr literaturkundige Geschlecht, der Ietztlrben» den nicht viel. Genug man weiß: so und so »iel endet« durch Selbstmord; so und so »iel wurden katholisch; einige haben sich auch au« dem Chao« zum Licht« heranSgearbeittt; «au merkt sich vielleicht auch, daß da« Mährche» und die fremd» Literatu en durch die Romanttker wieder zu Ehren gekommen find. Dt« ist ausreichend; kein Examinator kann un» dann wa« a» haben. Uno dennoch hat diese Schule einst ganz da« deutsche Leben beherrscht. Nicht nur die deittsche Dichtmy beugte sich so fel.r ihrem Srepter, daß selbst Schiller ihr Op^er brachte; auch *) «iogrophtfche Portrait» von Var»Hag« v. «w«. «eiwst. Brockhaa». 1871. die Philosophie war in Schelling ihr tributär; die Theologie, vom Rattonali«mu« verwässert, hat sich au« ihr de» Most geholt, an dessen Gährunz, an dessen Klärung zu reine« Wein noch jetzt -die Schüler Schleiermacher» «st mehr oder weniger Glück arbetten; aste Wissenschaften bi« zur Mediciu find vom Hauch der Romanttk damal« durchweht gewesen; ja selbst di« Polittk stand in ihrem Dienste, denn die Befreiungskriege sind in ihrem votk«thümlichen Charakter nicht« weiter al« ein Produkt der Romantik, und in dem großen Anlauf und in dem kläglichen Verlauf dieser volttthümlichen Bewegung spiegelt sich auch auf« Klarste da» Schicksal dieser Schule, die so lärmhast und westumwälzend in die Arena getreten und so stäglich verschwunden und verschollen ist. Ja auch die heilige Allianz, die mißgeborne Tochter de» cynischen De»poti»mu» und seraphsscher Mystik, sie trägt den hippokratischen Geflcht«zug dieser Epoche, in der e« «int Schande war am Geiste gesund zu fein. Und hat die deussch« Wissenschaft überhaupt vielfache Veranlassung, sich mit der ronrantffchen Schule zu beschäftigen, so ist zumal für die deutsche« Inden diese« Capitel der Literatur hochwichtig, fast von einer tragischen Bedeutung. Wir haben diese Schule mst unser« Herz» blut getränkt. wir haben die edelsten, die reinsten Seele» vetloren, weil sie, berauscht von dem Blüthendust der Gärten der Romanttk, vergaßen der bei aller GemüthSinnigkett nüchternen jüdsschen Heimath; und-sie begannen gleichfalls sich z« sehne« nach der blauen Blume und wurden von dieser Sehnsucht matt am Herzen und krank am Geiste. O, e« lag ei« tiefer Zauber in der Romantik. Da wurde da« schrankenlose Recht der eigenen Individualttät, da« Ich in seiner Selbstherrltchkett gepmdlgt; wa« Wunder, daß die von de« dürre« Rationali»mn« vertrockneten und verfchrmupsten Seelen sich einer Weltanschauung zuwandtr»,