Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 24 (14.6.1871)
- Date
- 1871-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
- Rawicz 2× ep/1048078
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tofeb brr .Franks. Ztg.' an* Odessa telegrophirt: „Sin Tomplott kt entdeckt, wonach eine allgemeine Ermordung der Sud« projectirt war. S« herrscht in Folge dessen hier gcoße pan«." Letter berichtet di« JWta. Ztg." an* Lnkarest: „Sine Verschwörung, welche die Ermordung und Beraubmig der Jude« zom Zweck gehabt haben soll, ist entdeckt worden; an der Spitz« standen einige verabschiedete Offiziere der rumänischen Armee. Ein Rumäne Ephraim Gole«co, der während der Juden Hetzen in Jafy wohnte, ist in Odessa al* einer der Rät el»führer de* dortiger Oster-Tumulte* festgenommen worden." — E* liegt demnach in den Südflavenländern etwa* in der Luft. Erinnern wir uv* an die Vorgänge von 1846, 48, 68 und ähnliche in Böhmen, Galizien «. f. w., so läßt fich combiniren, daß fich eine Bewegung vorbereitet und an den Juden ihre Krifte prüft. — Die rrsfifche Regierung ist freüich stark genug unt gewarnt, fie wird!)rdnong halten, wenn — fie will. Al* Schauplatz der Action wird auch schwerlich der Don oder Duiester, sondern darechte and linke Ufer der Unter-Donau defignirt sein; da* schließt jedoch Vorübungen zu Hause leider nicht au*. Kumüuieu. lnkarest. »Echo Danubien' vom 7. Mai veröffentlicht eine große Rede von Emanuel Epureauo zu Gunsten der J*raeliten, au* d« einige Sätze mittheilm-werth fint. Zweck derselb« ist Widerlegung der rumänischen Klag« über die Menge, den Handel und Gewerbebetrieb der Juden. Die Zustände, sagt Epureauo, in denen wir jetzt leben, datirm nicht erst, wie man behauptet» au» dem Jahre 1856 (der Aera der »erien Verfassung für die Donaufürstmthümer), sondern von dem Vertrage von Adrianopel, d. h. der Freigebung der Donauschifffahrt. Bi* zu dieser Zeit hatten wir weder Handel noch eigentlich« Gewerbe. Die Produkte hatten keinen Absatz, unser Leben war orientalisch, mtferr Kleider und sämmtliche Bedürfnisse verfertigten wir un* felbst, da» Wenige, welche* wir au Seide u. dgl. bedurften, bezog uian au» Constantinopel. Seitdem haben fich occidentalssche Sitte,, Bedürfnisse, Bequemlichkeiten und Erzeugnisse bei un* mehr und mehr eingebürgert. Unser Handel verkebrt mit Leipzig, Paris, London; aber die Fabrikant« und Kauflette der Pariser Boulward* komm« nicht zu un* — da fand fich die iSraelitssche Bevölkerung, eingeborene und galizssche, welche den Handel verurttelte. Wir können auch die Luxusartikel, welche jetzt un* Bedürfniß geworden find, nicht selbst machen; die Handwerker, welche einst unsere AntöriS verferttgte», können keine Frackmachen «. s. w.; so kam eine zweite Kategorie von Jude» herein, Hanlnverker und Künstler. Wie die Ausfuhr ' unserer reichen Bodlmerzeuguiffe möglich wurde, nahm der Ackerbau großen Aufschwmg, dieser gebraucht Kapitalien, und diese schaffte der ökonomisö« Geist der Judm, welche fie theil* fammetteu, theil* in'* Laut' zogen. Epureauo giebt nun Erläuterungen darüber, daß die* Alle* nicht gemeinschädlich, sondern nützlich sei; er trägt in recht an» sprühender Weise da» ABC der Rationalökonome oder etgeütltch nur de* Menschenverstände» vor, wir übergehe» die* und theilen noch den Schluß mtt. »Sind also die Jude» strafbarf kann mau sage», daß fie de» Rumänen da* Blut ar »saugen 7 Ab« die Rumänen haben ja jegliche Freihett, alle Lege stehe» ihn« offen. Da* Unglück der Rumänen ist d« ewige Wechsel d« öffettlicheu Armier und die große Leichtigkett, mst d« man in diese gelangt. Jeder, der etwa* höh« hinau* will, hat die Proseffon fein« Väter verlassen und ein öffentliche* Amt zu «lange« gejucht. Wen» wir fragen: wo »st d« Sohn jene* Fillmützm- «ach«*, jene» Autöri-Schneid«*» warum hat « fich nicht dem Generb« sei»«* Vater« gewidmet? Er hat e« nicht geth«, meine Herren, «eil « «* viel bequem« findet die Eacribre de* öffentliche» Dienste* einzuschlag«. Daß erklärt wo* zur Genüge, warm» die rumänische Gesellschaft wed« gelernt hat et»a« zu prodncirm, noch Handellökonsmie versteht, obgleich wir Gewerbe-, Kauft »nd Handelsschulen habe», d. h. obgleich diese im Budget figurire«. Wen» wir trotz all« Ermunterungen »och keine Kauflente, Industrielle ob« KLchker nnt« un* habe», so könne» wir doch nicht de» Jude« den Borwurf in'« Erficht werfe«, daß fie de» Rumäne» da« tägliche Brot wegnehmen.' Vermischte und neueste Nachrichten. 2. Paunaver» 8. Juni. Im Hinblick aus die mannigfachen Klagm üb« Nichtberückfichtigung de« jüdisch« Cult»* Seiten» de* preußisch« Staate* und auf die beruft»« und unberuf«« Schritt« zur Abhülfe, wird e« nicht ohne Interesse sei», zu vemehmm, daß der Cultu*mi»ist« Mühl« bereit» am 1. Juni dm hiefigm Ober-Präfidmtm ersucht hat, t» Anschluß a« »«, Eireular-Erlaß »o« »I. Vetaber 18»ü auch die»mal die jüdische» Gemeinde« zur Festfeier gefälligst zu veranlassen".— In Folge dessen ist d« hiefige Landrabbtn« mtt dm uöthtgm Anordnung« bmustragt. E» «giebt fich daran« zur Genüge, daß die Behördm, lange eh« an die jetzigen Anregungm gedacht ist, einem jüdisch« organisirten Cultu« gern Berückfichttgung geschenkt habm» und daß die damal* von hi« au* gethanm Schritte nicht v«gebm» gewesm find! Kreit Krtben, 38. Mai. [Stiftung.] Herr 8. Stillman« in Rawicz hat» wie man d« „Pos. Ztg." mittheitt, eine Stiftung von 4000 Thlr. fundirt, deren Zins«, zu 8 Procent gerechnet, 200 Thlr. betrage«, nach dem ausdrücklich« Wunsche de» Fundator* an vier Tag« de* Jahr«*, und zwar: ») am Ged«klage de« FriedmSfchlnffe«, d) am Gedmktage de* Einzüge« d« Trupp« in Berlin, c) am Geburtstage de» Kaiser* und d) am Geburtstage de« Kronprinz«, mit je 5V Thlr. an ein« Mann, d«, od« an eine Familie, die fich möglicherweise mtt dem Gelde ernähr« könnte, vertheilt ««dm soll«. Erforderlich zur Erwerbung de« Geschenk* find nur Unbefcholtmhett und Bedürftigkett. Die Eonfesfio» soll kein« Unterschied mach«, die Stadt Rawicz ab« tmm« bevorzugt «erd«, und hftr wiederum ein solch« Mann, welch« dm Feldzug von 1870—71 mitgemacht hat, od« die Hinterbliebene Familie eine* solch«. Me Fundatton soll dm Ramm „Stillmann-Stiftuag" führ«, und wa* fie festsetzt, natüttich erst dann in'* Leb« tretm, wenn ihr die allerhöchste Genehmigung, die noch erwartet wird, zu Theil gewordm. Jaroci» (Posm). Die Stadtverordnet«-Versammlung hat ihr« jüdisch« Mitbürger, d« bisherig« Vertreter de* dortig« MstrictS-Eommiffortu«, Goldring, zu Krem Bürg«- meist« erwählt, und die Lestättgung dies« Wahl ist durch die Regierung «folgt. E* ist die* wohl d« erste Fall i« Preuß«, daß ein Jude Lürgermetst«. Strelitz (Mecklmbnrg). Bezüglich d« FriedmSfei« ist hervorzuhebm, daß Herr Landrabbtn« vr. I. Hamburger zu derfelb«, wie e» nur an wenig« Ort« Deutschland* geschah, gleich d« Geistlich« d« christlich« Eoufesfionm von d« Regierung aufgefordert word« war. Die ganze Fei« machte auf alle Anwesenden, uut« dm« sehr viele Richtjud«, ein« unauslöschlich« Eindruck, und d« Festred«« erntete ein« Beifall, d« die ihm von Privat« sowie von d« Landesregierung selbst stet* bewies«« Werthschätzung »och steigerte. Praktisch« Beweis solch« Wetthschätzuug ist gewiß auch die von Sr. köuigl. Hohett dem Gwßherzoge bewilligte Beist«« von 186 Thlr. zum Schalte de* Landrabbi»«*. (SMM-) EarlSrnhe, 36. Mai. Heute Rächt* gegm 1 Uhr wurde unsere Stadt von einem bedeutend« Braudunglück heimgefucht. Da* Fm« brach in d« Kroumstraße tu d« Rähe d« Eyua-