Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 24 (14.6.1871)
- Date
- 1871-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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189 Inpif auf da» Judenthmu» fontea et» Lob der GesetzsSlieb« und, strenger Befolgung der Talmud Vorschrift« Sott«» der Ach» enthalte. Klei« »«de de«» auch t» zweit« 3»sta»z einstimmig fretgesproch«. tU Nutzanwendung zu diesem Spruch« «zählt der ,Jtr * fol-eud« Anekdote: I« Prag wurde vor etwa hundert Jahr« der nachfolgend« Prozeß verhandrlt. Et» Student halt« etu» Juden mit einem Steine nach dem Kopfe geworfen. Der Jude bückte sich, und d« Stein flog üb« sein« Kopf in ein Fenst«, dessen Glatscheibr kltrrmd zu vod« fiel. D« Hauseigmthümer ließ dm Juden wie dm Stndmtm arrrtirm. vor dem Gericht«» Hofe vertheidtgte sich d« Studmt. Er wie» in überzmgmd« Leise nach, daß, wen« d« Jude sich nicht gebückt hätte, dn Stein die Scheibe nicht hätte zertrümmern können. Er wurde denn auch einstimmig ftetgesprochm, währmd d« Jude di« Scheib« bezahl« mußte. . l. München, L8. Mai. (Original »Corresp. verspätet.) Donnerstag dm Lö., Abend«, erfolgt« hi« die feierliche Jnstal» ltrung de« Herrn Rabbiner vr. perle«, bet welch« Gelegen» hett d« bt«h«ige Rabbiner Herr Aub sich von d« Gemeind« v«abfchtedete, um in dm Ruhestand sich zurüchuziehm. Fast die ganze Gemeinde hatte sich zu dies« Fei« eingefundm. Die Synagoge war auf da« Festlichste decortrt, ganz besonder« prangt« die Estrade tu eine« retchm und fett«« Blummschmuck. Auf dies« hattm sich sämmtliche Mitglied« d« Verwaltung aufgestellt. Ein Choral «öffnete die Fei«, die eiatretmdm Rab» binen, welche von hervonagmdm Mitgliedern de« Verwaltung«» körper» geleüet wurden, angemeflm begrüßend. AUdann nah« d« Vorsitzende d« Administration, Herr Advocat vr. I. Ra», da« Wort, um dem zurücktrelenden Rabbi»« Aub im Ramm d« Gemeinde für seine 4b jährige sege»«retche Wirksamkeit zu dank«. Rabbi«« Aub antwortet« in einfach«, eindringlich« Rede, indem « «ine kurze Rückschau üb« di« 4b Jahre sein« hiefigm amtlich« Lhättgkett hielt, und betonte hierbei dm groß» attigm Ausschwung d« Gemeinde und d« merkwürdig« Um» I schwung, welch« sich währmd dies« Jahre tu Bayer» vollzog« hatte. Hinauf »ahm d« Regierung« »Delegtrte dm Rabbln« vr. perle» in eidliche Pflicht und proclamtrte ihn al» dm von d« Gemeinde einstimmig gewählt«, von d« Regierung be» stältgtm Rabbin« München», vr. p«le« wandte fich nunmehr an die ihm anverttaut« Gemeinde mit ein« kurzen, kräftig« Ansprache, in d« « dieselbe al» ihr geistlich« Führ« begrüßte. Ei» Choral schloß dm fetetttchm Akt, welch« seine volle Wirkung auf alle Anwesmdm geübt hatte. Wir könnm da« ganze Arrangement nicht genug rühmeü, welche« zweckmäßig «ad taktvoll gettoffm war; die Feier »«lief tn wahrhaft tmpontrmd« Weise. — Am andern Morgen, dem erst« Tage de« Wochmfeste«, hielt vr. p«le« seine Antrittäpredigt. Wie wir hör«, wttd die Administration die Veröffentlichung derselbm »«anlasse». J. Vv» der Weser b. Juut. (Ortg^Corresp.) »Revanche für dt« «litt«« Niederlagen,' da» scheint jetzt in Frankreich die Parole ««dm zu sollen. Kau« ist da« blutige Krieg«sptel zu End« und schon beginnt eia neue« Schür« de« völkerhaste«. v» dm unterst« Schicht« d« ftauzöstschm Gasrllfchaft augesacht, leckt die Flamm« de« Fanatismus 1mm« höh« und zerstört dt« schwach« Vaud«, mit welch« Egstlmu« und Humanität die beidm stolzest« Völler Europa« wieder »«einigen könnt«. Täglich gebm die Zeitung« von Auöbrüch« fauatsschen Deutschenhasse« Kunde, di« bet dem bi« zum Wahufinu gereizt« ftanzöfisch« Volke ebenso leicht erklärlich wie beklagen«werth find. Ein Netz von v«et»m bedeckt schon jetzt dm französisch« vod«, da« dm Deutsch« die Existenz tu Frankreich unmöglich mach«, fi« an« d« Gesellschaft verbannen, von der Börse und dem Lheat«, au« Restauration« und Gasthänsem vertreib« will. So höhlt fich ein« tmm« tiefer« Kluft zwsschm dm Nachbar- Völkern, die lang« Jahre nicht wrrd« üb«brück« könr»!') Selbst di« Religio», die so oft die feindlich« vrüd« geeinigt hat, scheint jetzt ihre versöhnende, aulgletchmd« Macht verlor« zu Hab«. Auch tt» dies« Blättern ist ja häufig genug berichtet Word«, wie d« ftanzofische im dmsschm Jud« nicht «ehr dm Glaubensgenosse», sondw» nur dm Feind erblickte, ihn haßte und verfolgt«, wie der Franzose nur dm prüfst« zu hass« vermag. Erfrmlich au« doppeltem Grunde ist es darum, vom Gegentheü Mttthetlung mach« zu können. Folgmde Auözüge au« ftauzöstschm Brief«, di« vom Schauplatze der schrecklichstm Kämpfe diese« Jahre« an ein« etnjähr. Freiwillig« im 8. Hannoversch« Infanterie-Regtmmt gerichtet find, werdm manchem Leser Willkomm« sein. -Sie dank« uu» für die Aufnahme, die wir Ihnen bereitet habm, und doch ist dieselbe so natürlich. St« war« für uu« kein Preuße, da« heißt ein Feind; Sie war« et» Bruder, ein JSraeltt, und wir find immer glücklich, GlaubmSgmossm zu bezegnm- Bendbme, 16. Mat 1871. J. H., profeuear an Lyc6e. -Ich kann Ihn« nicht sag«, wie dankbar wir Ihn« für Ihr ftmndltche« Gedenk« sind, viele Male Hab« wir seit so viel« schrecklich« Begebnissen au«gerufm: Wer wird jemaU uni von unfern lieb«, arm« Glaubm»gmossm bericht« könn«? Wer wird un« sag«, ob ste ihr« Familim wiedergegeben sein werdm? Aber Sie haben tu Mitte« der Gefahr« Ihre« Vater», Ihrer Mutter gedacht und köott hat Sie beschützt! Wir dank« ihm dafür vom Grunde unsere« Herzen«- Bendvme, 19. Mat 1871. , Ihr alter Frmnd C. O. Da« sind einfache Worte, aber ste beweis« in ihrer schlicht« Herzlichkett, daß e» in Frankreich noch genug Männer giebt, die nicht deffm gedenk«, wa» die Menschen trmnt, sondem waS ste verbindet. Such wir Deutsch« werdm da« nicht vergeflm! Nußland. Warschau. Nach authenttschm Nachricht«, welche der St. Petersburg«: »Börsen-Ztg.' au« dem Lande der donischm Kosak« zugrgangm find, herrscht in ganz Südrußland und besonder« bei dm donischm Kosak« eine überau« gereizte Stimmung gegm dt« Jud«, welche da« Schlimmste befürcht« läßt. Unter der dortig« russischen Bevölkerung ist sogar allgemein da« Gerücht verbrettrt, daß tn Stadt und Land eine Judmmassacre tu wett größerem Maßstabe vorbereitet werde, al« an dm Osterfeiertagm in Odessa statt,'and, und daß der erste pfingsttag zur Ausführung derselbm bestünmt sei. Schon jetzt hat di« fanattsche Erbitterung geg« die Juden ein« solch« Grad erreicht, daß kein Jude sich aus offmer Straß« sehm lass« darf, ohne dm größt« Jnsuttm auögesetzt zu sein. («.«. Z.) — Dteselb« dumpf« und schwerlich grundlos« Gerüchte find« auch in andern Glätte« Erwähnung. „Die Erzählung« von dm Heldmthatm der Odeflaer Griechen habm die bös« Jnftintte de« Pöbel» in weitem Umkreise «cweckt, und man spricht von einer pfingstmetzelet wie von einer beschloss«« SachL Die Kosak« bereit« fich vor,!>« bevorstehend« Feiertag durch Ausrottung der Jud« zu verherrlich«.' Ein Correspoadmt will tn Tscherkä«k dm Ruf gchört habm: »Mach« wir e« auch so wie in Odessa, für die Jud« ist kein Gesetz geschrieben.' Die pfingsttag« find frelltch vorübergezang«, aber wieder vom 2. Juni *) iiit »tochwmdtgkrtt wird Mt Vrüdt bald »Met Herstellen Frautreich *ui de» Verkehr »it lvemschlaad «ich» entbehr« und «agekehrr. Wir >eb» p. bedenk», daß der aLe Iah» ISIS auzerath» hat, wcht r»r all» versehe Ott granketch atznbrechea. sendet» die «lheinp,»^ enltt ein» «MdemhdstagNchen Wald M pßuOMl («ed.) J /