Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-06-14 · 24 (14.6.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5369809-5934989-5935482--0765-5370442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

180 7 den kn» rechter Verlaß ist. Da wird mm von den Lichtfreunden eine .Hochschule' geplant. Bei Leibe kein Seminar, auch nicht eine .Farultät'; »ir misse» schon i« Namen etwaganz ApürleS haben; ein Name, der mit seinem vollen Klang gewöhnlich eine uoivermtn» literarnm bezeichnet, ist nicht zu hoch» und vollklingend für einen Verein weniger Gelehrten» die kaum einen größer» HörerkreiS erhoffen dürfen. »Stolz lieb' ich den Spanier.' Und bei Leibe darf in dieser Anstalt nicht Talmud studirt werdm (wer hat aber da« gesagt? Red.); dawäre ja der Rückschritt in datiefste Mittelalter, und was noch schlimmer ist, dawäre eiue Annäherung an da- Seminar in Bre-lau, in welchem auch unbeschadet seiner wissenschaftlichen Richtung Talmud alder wichtigste Unterricht-gegenständ bettachtet wttd. Die Orthodoxe« wollten diesem Projekt, da-, wie unbedünkt, trotz allem Gerede, keine groß- Su-ficht realifirt zu werden hat, ein Paroli bieten; flog« entstand der Plan zu eiuer .jüdischen Fakultät'» di« Anreger diese- Gedankenhatten die reinsten Absichten, daedelfte Stteben; wie sehr auch im Parteikampfe die Standpunfte sich verschoben hatten, ganz vergessen war noch nicht der selige Sach», der große und gute Mann, der mit der frommen tteue« jüdkchen Seele ,ftei dachte wie ein griechischer Philosoph'. Jedoch die Geister, welche von den Conservativen nach Berlin waren gerufen worden, die wurden sie jetzt nicht mehr lo». Schon in dem ursprünglichen Programme war. der jüdischen Wissenschaft ein enger, schmaler Raum zugemeffen Word.«,; tndeß war wenigste») da- Prinzip gerettet und vielleicht hätte sich au» diesem Nebie» Kern allgemach eine stattliche Pflanze jüdischer Wissenschaft entfaltet. Aber gerade diese Entwickelung, welche so viele, und wahrlich nicht die Schlechtesten, erhoffte», war für vr. Hilde-- hebner und seinen Anhang da- Gespenst, welche» sie von diesem Projekt scheuchte, vr. H., welcher, so lange al» diese Anstalt noch im embryonischen Zustande sich befunden, zu allen möglichen ZuzeständnUen sich herbeigelaffen hatte, ttat plötzlich in dem Momente, in welchem sie eröffnet werden sollte, mtt Forderungen auf, welche alle» wissenschaftliche und selbstständige Leben ertödtru mußten. Eine Lehrstätte, in welcher gauz wie in Bre-lau neben dem Talmud auch der jüdsscheu Wissenschaft Beachtung geschenkt wurde, da» war gar nicht originell, da» war ja so selbstverständlich, da« entsprach ja so ganz de» Anforderungen, die ei» Man», der ebenso wenig mit der Bildung der Zett wie mtt dem angestammten Glauben brechen mag, zu stelle» pflegt. Aber eine echt ungarisch-polnische Jeschibah ir Berlin »ach de« Zuschnitt von Anno dazumal, da» war höchst pikant. Und dieser pikante Gedanke wird jetzt thatsächlich verwirklicht werde». Da» ist daeinzige, wa« von alle» diesen Projekte« all faßbare« Resultat geblieben ist. Denn wer nur ein wenig mit prakttsche» Geschäften vertraut ist, der weiß wa» eS heißt» daß dir Austeilung etue» Lehrer« für rein wissenschaftliche Di-cipliue» »vorläufig bizum Herbst vertagt ist'. Wenn da- «nglssche Parlament eine Bill verwirft, so «endet e» au- Höflichkeit gegen seine MÜglteder den Kuastau-druck an: die Berathung de» Anträge» aus sech» Monate hinausschieben. Und so wttd mtt diesem »vorläufig vertagen' dtt jüdische Wissenschaft auvr. H'» Beth-Hamtdrasch nicht gerade herau-geworfeu; aber ändett'» viel an der Sach«, wenn ihr höflich dtt Thür gewiesen wttd? Und doch könne« solche Institute uur gedeihen, wenn sie NUN und pH yn tu sich vereinigen. E» bleibt schon nicht» andereübrig al» sich die Erfahrungen de- Bre-lauer Seminar» zu Nutz« zu machen. E» muß wohl eia gesunder Kern in dieser Anstalt stecken, wenn sie nach so kurzem Bestehen ein« solche» Einfluß gewonnen hat, wenn selbst Geiger,» der sie stet« scheel angeseheu hat und zur Freundlichkett eigentlich auch kein« Grund hat, nicht »mht« kann bl dem neuesten Vietteljahr-hefte seiner Zeitschrift vou ihr zu rühmen, daß »in Deutschland dem Bedürfnisse durch dieselbe in erweitertem Maße genügt wordeu ist, daß sowohl ihre Lehrer alihre Schüler wissenschaftlich« Arbette» theilweise von nicht geringem Werthe veröffentlicht haben', und er findet höchsten», »daß nicht alle Anforderungen durch dasselbe befriedigt find'. Feuilleton. Analecte« „ch Awwauuel be» Sal«««'» „Mechberrth".!!n» dem Hebräische» treu übertrage» vo» vr. Heinrich Lemberger , in vaja.! 5. iriJK non’ G» staunt der Thor, wie «ei» Berstaud so -roß. Und wie so wiazig doch der sein« blot? -Seil ich aus Oel mehr Kapital gemacht. All »r au» Edelwri» und Kleiderpracht. 7. Aailutge Hedichte. rhp »n Letzt! vor meine« Liebchen «affe» Mond und Louu', sie z» begrüßen, Dämmernd «erse» sich zu Füßen: D'rn«, nicht ob der Soun« Schiis Und de» Monde» Glanz allein Wird Sei» Name „Sichtgott" sein: Auch um Liebchen» Augenftern« Ne»»' ich Gott, de» Herr», so gern« De» — ,ch«r Licht schuf in der Ferne". — 8. fßruß de« ASrße» an de» ßeimgeüeßrte» Pichler. tv tho vh tw n»n Dich leiblich »och zu sehe», hosst' ich tan», — Doch, Gott Danil Gr erstattet, wa» verloren; De» Herzen» Drang schwebt dir am Lippensau«, Gleichwie da» Land nicht hot der Wurzel Kraft verloren; G» schwelgt da» >»g' in deine» A^e» Neu», Wie Frauenblick in Männerschau verloren; Und wer ersehnt dich nicht in brüast'gem Traum, Wir sein Idol der Heid« gottverloreu?! 9. cheßengrntz de» Pichler». yos’ ’aarn "Tfvrb G» sehnt »ei» Herz sich Mw »ach deiner Lieb' Und birgt in sich und häuft der Sehnsucht Trieb; Mich wandert'», daß e» neigt z» deiner Lieb' — liebst du Gewalt, folgt'» de« gewaft'geu Trieb — Und tävtest du mein Herz mtt deiner Lieb', Noch da» Asyl t» ihm dem Mörder blieb'. 10. Krise in'» Schütte» l«»d. ab'cvbH'cfr' dv» SUl sich der Seemau» aus de» «eg begebe», Schafft vorroth sorglich er für'» srru« Lebe», Trägt Speis uad Drant herbet au» «auch«« Ort, Uad briagt e» sorgsam zettlich a» de» Lord. — Weh »tt l soll morgen ich in'« frühe Grab, Soll greise» mettw CteT zu« Wauderswb, Zur Hälleusahrt, dtt Thor nnd Frevler mach«', Wa» Hab' a» vorrach da»» ich »ttgebracht? Wa» Hab' a» Geld uad Gut ich aufgewaudt Zur wette» Neise tu da» Schattenlaud? » Wo ist da» Zeugaiß, da« mtt k-nnte nütze», Der mächt'gr Bund, ans de» ich llinnt' «ich stütze»? Wo ist »er Fromme» Schaar, dtt schirme»» mich »«»ächte, vo ist dtt Au»saat hi», dtt »ir uua Grutt brächte? st

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.