Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 23 (7.6.1871)
- Date
- 1871-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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- Ml fftaf unbedingt |u besteh». — Man betonte die Benutzung der Presse, aber wie soll« wir Leser finden f vielleicht, wenn wir unsere Veröffentlichung« in die ,vörs»-Z«ttung' setz» lassen f Da Hab» die Tinen kein« Zeit, die Andern steh» zu erhaben dal Wenn man von gewiss» Seiten behauptet hat, der Ge» «eindetag «olle di« Erbschaft der Alliance Untv. an stch reihen, so kann da» sicher Niemand glaub», der mit unser» Arbeit» vertraut ist. Nach meiner Auffassung soll die Alliance lluiv. eine Stutze für unS sein, fie möge die extern» Angelegenheit» besorg», da wir mit dem Au»lande sehr viele Beziehungen Hab»; daher ist da- Besteh» den Alliance Untv. in vieler Beziehung eine Lebmtfrage für den Gemeindebund. Herr Hagelberg au» Dessau äußert Bedenken gegm mom»tane Anknüpfung von Beziehung» mit der Alliance J»r. lluiv., ebenso Herr Dr. Calm. Herr Professor vr. Lazaru» «eint, daß e» dm Judm und dem Gemeindebunde nicht» schab» könne, vorerst von der Alliance 3»r. lluiv. ganz zu schweige«. Herr Kohner bemerkt, daß der die Alliance J»r. llniv. betreffende Punkt 5 de» Programme» bereit» i« Jahre 1869, also vor dem Kriege in dasselbe ausgmommm worden sei, daß übrig»« auch währmd de» Kriege» die Alliance ihre Thätigkett nicht eingestellt habe und daß fie zur Zeit da» einzige Band der gesauuut» JudmheU auf de« Erdmrunde sei, welche» zu lockern un» nicht ziem«. Herr Katz au» Martenburg beginnt über die Synode zu sprechen, wird aber von dem vorsitzend» mit der Bemerkung unterbrach», daß die Verhandlung» nicht die Synode, sonde» deu Gemeindebund beträfen. Nach länger» Verhandlung» wird Leipzig al» Vorort bestätigt »ad bit Sitzung um 11 Uhr Nacht» i» der Hoffnung geschlossm, daß bi» zur Michaelismesse die Eonstituirung de» Gemeiudebuade» erfolgt sein »erd«. Während der Verhandlung «arm noch drei Gemeind« (darunter Monn») beigetretrn. Berichte und Correspondenzen. Aeulschlaud. Dresden, 24. Mai. Der heutige ,Dre»d. Anzeiger' veröffmtlicht ein» offenen Brief de» Adv.,Em. Lehmann an die Redaktion der »Flieg. Blätter', au» dem solgmde Sätze hier Platz find» mögen. In Nr. 1348 der »Fliegmd» Blätter' ist folgende» Blld > »thalten: Ein Soldat mit ausgeprägt jüdischer Physiognomie steht vor seinem verwundet liegend» Hauptmann. Dieser fragt ihn, seinen Retter, welch» Loh» er vorziehe: da» eiseme Kreuz oder '25 Thlr.; der Soldat erkundigt sich nach dem Werthe de» erster», dm der Hauptmann auf 2 Thlr. augiebt, und bittet nun dies» um da» 2 Thlr. werthe Kr»z und um 23 Thlr.! Welch ein sauberer Witz, welch geistreiche Pointe!") Wie habm sich hier Bildner und Schriftsteller übertroffen — nicht um, wa» offmbar ihr Zweck.««, dm Judm, sonde» — um sich, wie alle Die an dm" Pranger zu stell», dm» der Judmhaß so ttef eingewurzelt ist, daß sie ihn in Wort und Schrift, in Mime »ad Geberde, beim Biergla» «ad an der Indlö d'höte, auf der Bühne und in der Musiki kurz überall zur Schau stell». Di« Lust, de»,Judm zu spott», ist ihn» so zur zweitm Natur gewordm, daß fie ohne Wahl und Qual ihr aller Ort» stöhnen, sei c» auch da, wo fie am wmigstm ,<i« .--ui... .->>i ... i. sau.i i .. or <tzAUr «ch ist «benwnt» schmsthr ett «ck «u», «sh» tn«Gch«>, «tf ti» «JtetngtacMI«" cq«|fl. <p*.) , m- ■ htngehört, ja wo di, Verhältnisse zum mtschiedmstm Gegentheü mahn». Sie schildern eine Episode au« dem dmtschen Krieg«. Dieser herrliche dmtsch« Krieg hat nicht nur Deutschland greint, nicht nur Bayem un» zugrführt, er hat auch eia unlös« liche» Band der Einigkeit, Liebe und gegmseittg» Anerkmnung um die verschied»» Confessio«» geschlungen, er hat Juden unl> Christen unter dem heüig» Banner de» gemeinsam» Vaterland» geeinigt, er hat die Juden, dm» man vor Kurzem noch die einfachsten Rechte auf Dasein und Erwerb zu schmäle» beflissen war, al» trme Söhne ihre» deutschen Vaterlandes erprob!, die nicht nur pstichtgett» den Fahn» folgten, sonde» auch freiwillig gleich ihren christlich» Kameraden sich etnreihm ließen und sich rühmlich hervorthat», so daß mindesten» da« eiseroe Kreuz sich vor Trägern jüdischer Physiognomiken nicht scheut«:. Au» solch einem Krieg ist gewiß jeder Theilhaber von mittelalterlichem Vo»rtheii geheilt zurückzekehrt; und so zahllo» die Wund» auch sei», die er beigebracht — die eine tiefbrennmte Wunde de» Judmhaffe», durste man hoffen, werde in und mit dirsem Kriege verharsch». Daß dem nicht so sei, davon geben Sie ein» sprechenden Beweis, indem Sie sich nicht scheu», einen Juden, der für» Vaterland kämpfte, ja der seinen Hauptmann rettete, in der gemeinsten Weise über da» eiseme Kreuz schachern zu lass». Sie, oder auch Andere, werdm einhalten: »welch ein Lärm um eine Kleinigkeit, um ein Bildchen, da» vielleicht al» bloßer Lückmbüßer eiagefügt wurde!' Ich antworte Ihn» aber: Ist e» eine Kieinigkeü, weim eine weitverbreitete, beliebte Zeitung auf solche Weise dm Judm brandmarkt, nicht da, wo er schuldig, sonde» da, wo er unschuldig, ja wo er mehr al« da»: höchst ehrenhaft und prei»» würdig handelt 1 Ihn» und vielen Ihrer Leser gitt die» wohl für eine Kleinigkeit, weil Sie nicht Zartgefühl gmug besitzen, um sich in etve» Judm Seele zu versetz». Aber woher kommt dieser Mangel an Zartgefühl- Ist e» zu verwunde» bei eine« Blatt, da» fast in jeder Nummer eine häßliche Jadmstatze, ein» jüdelndm Banquier, eine langaasige Judmstau und wa» dergleichm edle Vorwürfe der schönen Kunst sind, in der Meinung bringt, daß e» mit solch abgestandmen Carricaturm eine gebildete Leserwelt ergötz» könre? So wird allmälig die Judmgehässigkeit zur zweiten Natur. Wer aber darin Witz und Humor findet, der ist in der TI>at solcher Carricaturen werth. M. Hamburg. 20. Mai. (Orig.-Corresp.) Unter dem verlockmdm Tüel: ,,E»dra» Edzardu», ein alter Hamburger Judeastmnd von C. W. Gleiß, Stist»predtger in St. Georg" (2. vermehrte Auflage, Hamburg 1871, Herold'sche Buchhand« lung, 50 Seit» 8°) ist hier die LebenSskizze eine« in Hamburg von 1629 bi» 1708 lebenden Theologen erschien», der sich seiner Zett durch sein» BekehrungSeistr gegen Judm und durch eine noch jetzt hier bestehmde sogmannte Prvselytm-Anstalt, die er für der» vermeintliche» geistige» und materielle» Wohl gegrünlwt, rin» Ruf erworb» hat. Die Nachrichten find thell» au» handschriftlich» Quell», die sich in der hiesig» Stadtbibliothek befind», theil» au» verschied»» Werk» seiner Zeitgmossm gesammelt. Die Broschüre ist in einem sehr ftömmelndm Tone geschrieb» und trägt dm Charakter eine« im Auftrag einer Misstvu»ges«llschast verfaßt» Schriftstücke»; Verfasser sowohl wie Verleger find weg» der Unterstützung, die fie j-der Uatemehmung pietisttscher Art zu Theil werdm lass», bekannt. Daß da» Schristchm nicht ftei von Unwahrheit» und Entstellung» tmt»»» ziöser Natur ist, läßt sich vorauSfetzm; iadeß ist e» nicht ganz oh«Jntrreffe. Edzard«» galt damals, wie der Verfasser erzählt. iu > der christlich» Welt für eia» tüchtig» Hebräer, :afc