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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-06-07 · 23 (7.6.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
23 (7.6.1871)
Date
1871-06-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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179 treten »frb; rt kann nicht auSkleiben, dah Millionen fich wieder gläubig beugen werden, um nur Lebe», Gut und Blut zu retten, daß mit dem Wahnsinn auch wieder die Vernunft unterdrückt werden, und an die Stelle de- Unglauben-, über den der Haß fich erziehen muß, wieder Wahn, Aberglauben und Trug treten werden. ES wird auch auf un» nicht ohne Rückwirkung bleiben, schon sehen wir der Vorzeichen genug. Daß, soviel wir bijetzt wissen, die Anstalten u?d die Diener der jüdischen Religion in Pari» keine Verunehrung erduldet haben, mag sich im günstigstm Sinne erklären lassen, aber ewird unfern Glaubensgenossen auch einmal im bösen Sinne vorgehaltm werden.... Aber gerade um dieser leicht zu prophezeienden Dinge willen erkennen wir erst recht die heilige und erhabene Mission unserer Thora und ihrer Träger. So ist denn daungefälfchte und ungemischte Gotte»- wott, heut noch wie da einst „Kinsternih die Erde deckte und Nebel die Nationen", der einzige Hott der Menschheit, heut noch wie vor Jahttausenden die Rettung der Sittlichkeit in der gleichen menschlichen Berechtigung, de» Gesetzein der Freiheit, der Wahrheit bei der Wahrung menschlich vernünftigen Forschen-, die Rettung zuglttch vor zügelloser Rotten Gewalt und vor der Sklaverei unter der Herrschaft de- Schwerte» und de- Geiste-» drucke». tzemrindebund» -Angelegenheit. Der Bericht über die Versammlung von Mitgliedern deutschisraelitischer Gemetndm, die Gründung eine- Gemeindebunde» bttreffend, abgehaltm am 20. Apttl 1871 «ährend der Ostermesse in der Synagoge zu Leipzig ist nach stenographischer Niederschrift au-gegeben worden. Wir geben ihn mit einigen Kürzungen. Der Vorsitzende, Herr Moritz Kohner, erwähnt zuerst, dah die Gründung de- Gemeindebundedurch den Krieg unterbrochen worden sei. Indessen fei die erzielte deutsche Einhett auch für diese Sache ein Gewinn. „Wenn e» gelungen ist dadeutsche Vaterland einig zu machen, so werden wir auch die Judenheit einig machen. Diese« durch die weltgeschichtlichen eine so selbstlose, nur dm Mitmenfchm geweihte Seele ihre höchste Befriedigung findet, und sie trafen näher an dm Krankm heran und richtetm an ihn mehrere gesetzliche Anfragen. Da orglänztm noch einmal die Augm de» Sterbenden und sanfter und beruhigter schied er au» dem Lebm, nachdem er wmigstm» einige Körnlein von feinem unermeßlichen Lorrathe der Nachwelt zurückgelassm. E» war ein ergreifmder Augenblick, al» R. Jofua sich über dm aroßen Todtm bmgte und mit feierlicher Stimme dreimal au»> rief: „Gelöst ist der Bann." Nach dem Sabbathe wurden die sterblichen Ueberrest« von Eäsarea nach Lydda gefühtt und R. Akiba sprach an dem Grabe erschütternde Wotte. Nach dem Tode de- R. Elieser, sagte man noch in späterm Zettm, sind dt» Ouellm de- Gesetzeverschlossm wordm. Die Nachwelt aber hat ihm mit Recht dm Ehrmnamm „dm Grohm" gegebm, denn groß war er an Charakter und an Wissm, groß aber vor Allem im Kämpfm und im Duldm. — Und doch — bmgm wir auch ehrfrrcht-voll da- Haupt vor einer so gestnnunglfestm und überzmgung-trmm Persönlichkeit, so mischt sich dennoch in unsere Bewunderung da» Gefühl schmerzlichm vedauem», daß in einer so grohatttgm Gestalt sich nicht mächtiger der Drang nach Einhett geregt hat. Da» Lebensbild R. Elieser» zeigt un», wie selbst die Edelstm und vestm in ihrer glänzmdstm Thätigkett sich unbesttedigt fühl«, wie der Gesammthett der reichhaltige« Lrbett bester Theil verlorm geht, wenn sie nicht durch Wtssmschaft zur Einheit geleitet werden. So tritt denn an der Schwell» unsere- Leben-berufedie ernst« Mahnung an un» heran, dir auf dem vodm der Forschung er» Ereignisse geförderte Gefühl der Gemeinsamkeit im Bateckande ist also ein Gewinn für unser Borhabm. ES zeigm sich auch bereits die üpurm davon, wie ich Ihnen ziffermähig berweifen kann. Während vorige- Jahr unsere Arbeit bei der Zahl von 46 beizetrttmm Gemeinden unterbrochm wurde, ist diese Zahl jetzt auf 58 gestiegm. Wenn der Krieg also unsere Arbeit doch gefördett hat, so hat er andrerseits auch Schäden blohgelegt, welche wieder beweisen, wie nothwmdig eine Organisation für uns ist, um zu einer Emtralvettretung der deutschen Judenhnt zu gelangen. E» traten in dem Kttege Mihstände hervor, von welchen man vorher gar keine Ahnung hatte. In demselben Augenblicke, wo unsere Söhne und Brüder draußen im Felde für da- Vaterland blutetm, und wir zu Hause von unserim Eigenthume alle Opfer brachtm, ist die Frage entstanden: Wie wird dmn eigentlich für die religiösen Bedürfnisse der iSraeliti« schm Streiter gesorgt? Währmd die großen, hohen Festtage, Rosch-haschanah und Jom-Kippur mittm in die Zeit de- Krtege» ficlcn, war keine Fürsorge getroffm, war für keinm jüdischen Feldprrdiger gesorgt. Ueberhaupt ist eS in keiner Weife berücksichtigt wordm, daß ein andere» Elemmt, als da» der beldm confessionellm Mehrheiten, auch im Felde stand. Gelbst nachher, al» drei Freiwillige sich erbotm, ohne Entschädigung alS Feldprediger zu fungtrm, hat man nach langem Watten zuerst eine ablehnende Antwott erhaltm, und erst auf allerhöchsten Befehl wurdm jme drei Männer zugelaffm; e» wurde aber wieder ausdrücklich bemettt, »der MilitärfiSkuS hätte keine Mittel, sie zu versorgen*. Diese Thatsache braucht man nur zu «zählen, um da» Haarsträubmde jedem Einzelnm klar vor di« Augen zu führm. Dies« echt junkerliche Antwort wird noch ausgewogm von einem anderen Falle au» der KriegSzeit. (Redner erwähnt dm Ober-Kirchmrath« Erlaß.) Hättm wir nun eine Central- Lertretung, eine Organisation, so würde gewiß Nachdrückliche» gegm solche Vorgänge geschehm. Ein öffmtltcher Protest de» >Berliner Gemeinde-Vorstände» und einzelner Redatteure jüdischer Blätter war da» Einzige, was von jüdischer Seite erfolgte; ganz ander» köunim wir aostretm, wmn wir im Ramm Hunderter von Gemeindm sprechm könntml Wir habm große Opfer gewachsme Einheit zur Krone und zum Gipfelpunkte aller unserer Bestrebungm zu erhebm. Und darin ist mir und meinm anwesmden, wie dm in der Feme weilenden Collegm ein zlänzmde» Vorbild unser hochverdimter Lehrer, der ehrwürdige Lenker und Leiter dieser Anstalt, welcher sich auf dm Stufm der Wissenschaft zu einer über Parteihader hoch erhabmm Stellung emporgefchwungm hat, und der schon seit einem Mmschmalter die Ansicht verttttt, daz nur die wissenschaftliche Durchdringung dejüdischen AlterthumS die Gegensätze allmählich aufzuhebm und ein in Einheit erstarkende- Gemeinwefm zu erzeugm vermag. Und so scheidm wir dmn von dieser theurm Anstalt, voll der erhebmdstm Gefühle, beherrscht von den beseligendsten Eindrückm — fest entschlossen, die in ihr vertrttenm Idem in unferm Wirkungskreis zu verpflanzm. dm Damen des Frieden» und der Stnttacht an allm Orten au»zustrmm. Möge die polttische Einheit, welche fich jetzt in unserem thmrm Vaterland« vollzogm hat, der Borbote sein einer religiösen Einheit, in welcher dt» jüdische Glaubm-gemeinschaft bi» in die spätesten Ztttm sich stärke und festige, vir aber wollm immerdar unverzagt unl> unerschrockm für dt« Einheit «intrtten, wir wollm sttt» hoch erhebm da» Banner der Einheit mit der Losung: „Durch die Wissenschaft zur Einhett."

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