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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-05-31 · 22 (31.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
22 (31.5.1871)
Date
1871-05-31
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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174 schrieben l-aben, so daß also die Frage, ob Reform oder nicht, von gleich tüchtigen — Bankier« entschieden wird. Doch un» steht da» Witzeln nicht an; die» überlasten Sie mst Recht der „Allg. 3*3 d. Jndenth." und allen Denen, welche ihr religiöser Drang urd ihre unau»gesetzte Theilnahme am Gottesdienste ja so heiß nach neuen Gebeten und Einrittungen treibt! Wie herrlich wird dieser edle Drang durch die Polemiken in den öffentlichen Blättern, durch die Beschimpfungen der Besten, durch da» Umsiä'werfen mit Jesui-iSmu», Heuchelei, Eigennutz u. s. w. illustrirt! Wir können nm da» schon oft Gesagte wiederholen, daß keine Äemeinde der Welt so sehr wie die unsrige die Einführung jmer Reformen und ihre Folgen zu bedauern haben wird. — Nachdem da» Blinden »Institut sicher gestellt ist, soll auch für ein Waisenhaus gesorgt werden. Bisher waren die Waisen — etwa 150 an der Zahl — unter der Obhut Privater. Die Einrichtung bleibt im Allgemeinen auch weiter bestehen. Nur 50 Walser: sollen in einem Waisenhause, da» Herr v. Epstein au» eigenen Mitteln zu errichten beschlossen hat, untergebracht werden, Für die Erhaltung diese» Institut» hat bereit» der kürzlich »irstorbm« Kaufmann Back 50,000 fl. Rente legirt. Da» Uebrge hofft der Borstand durch Aufrufe, die er vrrtheilrn läßt, zu beschaffen. Besonder» thätig in dieser Angelegenheit ist Herr v. Werthetmer. — Der Jugend-Gotteidienst am Sabbath-Nachmittag entbehrt leider fast ganz der Theilnahme. El erscheinen 80, 40 Kinder von fämmtlichm Kinde« Wien»! Auch diese Zahl wird sich, wenn die Sommerfrischen bezogen werden, voraussichtlich noch verringern. BSnemark. Kopenhagen, 8. Mai. Die hiesige jüdische Gemeind« leierte gestern den 70. Geburtstag (wohl auch da» fünfzigjährige Doctcrjudiläum) ihre» ehrwürdigen Ober-Rabbiner» vr. Wolffi mtt großer Feierlichkeit. Auch von Setten der Regierung wurde dem Jubilar eine Auszeichnung zu Theil. insofern er vom König« zum Tituar-Professor ernannt wurde, vr. Wolff hat hier in einer Reihe von 45 Jahren gewirkt und seine Berdienste um die jüdische Gemeinde, welche durch gesunde Religiosität, innere Einigkeit, Bildung und Duldsamkeit sich vortheilhaft «»»gezeichnet und in der c» u. A., wie wir glauben, gar kein Proletariat giebt, find »ich!: hoch genug anzuschlagen. E« ist un» hier in den 22 Jahre« unsere» hiesigen Aufenthalt», soweit wir un» erinnern, »och nie ita jüdischer Bettler, oder auch nur zerlumpt gekleideter Jode vorgekommen. (Polnisch-rusflsche ftellich wohl genug! Red.) Dr. Wolff ist ein geborener Deutscher, Darmstädter» erhielt seine theologische Bildung in Würzburg und wirkte einige Zeit al» Rabbiner in Gießen. Auch durch seine -gelehrten Schriften hat er sich in der wiffenschaftlichen Welt vortheilhaft bekannt ge» macht. Borgearbeitet hat dem Or. Wolff u. A. der ftühere langjährige Redakteur der „Berl. Tid.", Nathanso«, ein geborener Altonaer, der für da» jüdische Schulwesen Hierselbst in hervorragender iLeise thätig war. Al» Nathansoa mit seinen Bestrebungen zur Hebung der hiesigen Juden begann, und al» Wolff hierher kam, stanren dieselben noch auf einer ziemlich niedrigen Bildung» stufe. Wie noch vielfach ander-wo in Europa, warm sie eine verachtete Pariakafte und H. N. Andersm erzählt u. A. in einem seiner Roinane von einer brutalen Judmhetze de» hiesizm Pöbel», die gerate im Ganze war, al» & hier al» 13jähriger Knabe zum ersten Mal ankam. Typen hiesiger Judm au» dem vorig« Jahrundert findm sich in dm Holberg'schen Lustspiel«, worin sie noch zum Theil eia freüich furchtbare», aber komische» Deutsch redm. ^letzt nehmm die hiesizm Judm, wie gesagt, eine verhaltuißmußiz sehr hohe Bildungsstufe ein. Sie sind bekanntlich i« jeder iSeziehung allen übrigen Staat»bürgem gleichgestellt und man findet sie thätig in allen Lcbentsteüungm, fast wohl mit alleiniger Aulnahme der de» christlich« Prediger». Al» Handwerker, Kaufleute, Gelehrte und Künstler jeder Art habm sie sich vielfach ausgezeichnet. Sie habm sich so gut wie ganz mit dem Volke verschmolzm und nur bei der älterm Gmeration bemerkt man noch dm auch im Dänisch« hervortretmdm eizmthümlichm jüdisch« Jargon. Daß sie dem Lande, da» ihn« früher al4 andere völlige Emancipation und allgemeine Duldung, auch im Privatverkehr schenkte, mtt besonderer Lieb« auhängm, ist natürlich. Wa» vr. Wolff speciell betrifft, so hat er die damal« zer» splitterte Gemeinde gesammelt und die hiesige Synagoge erst in'» Lebm gerufm. Er hat auch den Gottesdienst durch die-. Predigt«, die er erst einführte, anziehmd gemacht,, und obwohl ihm vielfach anfang» in der Gemeinde gegm seine vermeint ltchm Neuerungen Opposition gemacht wurde, hat er doch schließlich Alle von der Richtigkett derselben übrrzmgt. Unter dm Adressen, welche dem Jubilar zugingen, warm auch einige deutsch«. Loi» hiesig« Frmnden erhielt er rin Kapital von 6000 Rdl. zur Errichtung eine» Legat« und andere kostbare Geschmke. (Hamb. K.) Hitmfinitn. Die,,«ug»b. Allg. Ztg." läßt sich au« Rumänim schreib«: „Leider ist e» nur zu wahr, daß in Rumänim häufige Judenhetzm vorgekommm sind, die indestm mehr ein« politisch« «14 ein« religiös« Charakter tragen. Diese Jut «Hetzen habm im Au»lande große Entrüstung hervorgemfm. Die begütert« JSrar» litm de» Auslande» thatm ihr Möglichste», um ihre Glauben»- gmostm in Rumänien zu unterstütz«. So erfchtmm unter anderem in Bukarest mehrere Blätter in französischer und deutscher Sprache, welche längere Zeit von dm Israeliten de» Au«landr4 Geldmittel bezog«. Endlich hört« diese Unterstützung zwar auf» dt« Blätter erschimm aber ttotzdem fort, ftellich mit länger« Unterbrechung« und unter verschieden« Namm, aber immer von dmselb« Leuten herauögegebm. Die Abonnmtenzahl dieser sogenannt« Zeitungen verflieg sich seit« bi« zu hundert; ihre- Einnahmen deckt« bei Weitem nicht die Kost«; aber die Eigen» thümer und Redacteure «nternehm« jedc» Jahr eigmthümliche- Kunstreism, aus d«m sie di« reichen Jbraelitm Ungarn», Oesterreich«, Dmtschland», Polm« und Frankreich» aufsuchen, einige Nummern ihre» sogenannten Joumal» vorzrtgm und reiche Unterstützung« herauSlockm. (?) Diese Lmte nähren sich also von den Judenhetzen in Rumänim, und wenn zufällig durchau« keine stattfindm sollte, so müff« sie welche erfind«." Manche Leser, omm (gleich un«) die alte „A. A. Ztg." nurseit« noch oder gar nicht mehr zu Gesicht kommt, weid« sich ftmm, dem Großmütterchm wieder zu begegnm und zu sehen, wie die Jahre so «mtg Beränderung« herbeigeführt habm. Dasselbe Wohlwollen, dasselbe Eintreten für di« Humanität und ganz die alt« „Rücken", wo e» sich um Jude» hancelt. „Ein Schwanzstück mit einem Stachel darin," sag« unsre Alt«. E» ist Uebertreibung, wa» von dm Judenhetzm berichtet wird; bir Todtgeschlagenen sind am End« nur Strohmänner gewes«, und in Odessa —? Auch Uebertreibung, sagt wohl da» Mütterchen von Augsburg, wie kann denn auch unter dem mlld« Scepter Rußland» dergleich« wirklich vorgekommm sein?! Die Zustände in Rumänien werdm immer verworrmer. Sie kümmern un» hier nur insofern, a!» die Judm schwer darunter leid«. Die Strafe steht nah« bevor, eine Katastrrphe ist unvermeidlich. Daß e» sich nicht um Judrnhetzen allein handelt, möge eine Stelle au» einer ln einer Volksversammlung in Bottuschan von einem gewiss« Adrian, ehemal» vagabondt» rmdem Schauspieler, gehalten« Red« zeig«. „Wehe (schrie er), wohin ist da» ruhmreiche Daetm gekomm«, in die Hände von Vandalm, unter dl« Herrschaft eine« nearntz (Deutsch«), dem c» nur um seine Bereicherung zu thun ist. Schweigt nicht, «dl« Rumänm; da» Gefe-eSprojeet bezüglich Austreibung der Jude»

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