Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 22 (31.5.1871)
- Date
- 1871-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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175 fst «nt von den Baterlandsverräthern abgewtesen worden, und wenn nicht wir, die Vertreter der Intelligenz, bet Zeiten dagegen Schritte mache«, so hat unser Vaterland seine glorreiche Rolle unter den europäischen Staaten ausgesptelt." — Signatur der Zeit, Gegen der Aera des aufstrebenden Nationalitätsbewußtseins, daß auch solches Befinde! eine Nation sein will. — Wir haben für weitere Berichte keinen Raum. 'Der »eueste Anschlag der Judenfresser geht'auf Erlaß einet Besetzet, wonach jeder Jude, der die Brenz« überschreite» will, 5000 Piaster baaren Vermögens aufweise« soll. Kostbar! Wenn er sie zeigt, bann — hat er sie gesehen. Unbegreiflich ist «nt nur Eint- Drängen sich denn die Juden aut den Nachbarläaderu nach Ru» mänim, um sich dort niederzulasten? Denn nur davon ist die Rede. Etwas muß doch an den Klagen über Eindringen von Luden sein — sind sie denn aber hirnlos, daß sie sich in diese .Hölle stürzen? Vermischte und neueste Nachrichten. Breslau. Nach Berichte« hiesiger politischer Zeitungen ist nun Aussicht vorhanden, daß di« Gina Mora Leipzizer'sch« Stiftung baldigst in's Leb« treten werde. Das Capital derselben ist auf circa 40,000 Thlr. angewachsen. Die königliche Regierung hat es dem Borstande der hiesigen Bemrinde überlasten, das Beld der Bestimmung gemäß zu verwenden, und ist von der letzteren ein Curatorium gewählt worden, welchem u. A. die beiden Herren Rabbiner und Professor Dr. Brätz angehören. Daher steht zu hoffe«, daß die Stiftung als eiue lebensfähige und segenbringende begründet worden ist. Blvga«. Ja der Nacht vom 8. zum 4. Mai starb hierselbst im Alter von 68 Jahre« Profeflor vr. Eduard Munk, «tu in den weitesten Kreisen durch sein reiches Wiste», seine echt klassische Bildung und humane Besinnung rühmlichst bekannter Belehrter. Nach zwanzigjähriger Thätigkeit als Lehrer an der köntgl. Wllhelmsschule zu Breslau, wirkte er einige Zeit am «vangel. Gymnasium seiner Vaterstadt Blogau und zog sich dann, als ihm seiner Religion wegen Schwierigkeiten gemacht wurde», in'» Privatleben zurück, um sich gänzlich der Belehrung durch Schriften zu widmen. Ueber die glänzenden Erfolge feiner schriftstellerischen Thätigkeit haben wir bereits früher einmal <S. 256, Jahrg. 1870) berichtet. Im vorigen Jahre suchte nämlich die Akademie der Wiflenfchaften in Madrid bet ihm um die Erlaubniß nach, seine „Beschichte der griechstchea Literatur"' behufs Zugrundelegung beim akademischen Unterricht, in das Spanische übersetzen zu dürfen. Das „Mag. f. d. Ltt. d. Ausl." schließt den Bericht über sein Ableben mit den Worten: „Unserer Zeitschrift, war M. fest dem Jahre 1849 ein treuer Mitarbeiter. Seine Artikel tragen ausnahmslos das Bepräge seiner in der Schule Lessings erzogenen Denkweise und Kritik. Er konnte unwillig werden und streng, wenn die Ehre der klassischen Alten Griechenlands, Roms oder Judäas angetastet wurde. Aber in seinem Uriheil blieb er gleichwohl mild und human, wir es der Grundgedanke aller seiner Betrachtungen war." Italien. Commendat. Artom, vom Könige jüngst zum Minister ernannt, erhielt vom Broßherzog von Badm dt« Insignien des Broßkreuzes. Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich decortrte ihn mtt dem Franz-Joseph«Orden. Ein Jude mst so vielen Orden! ruft „Sduc. J«r." au». Jerusalem. Bet einem Auflauf, welchen eia Trupp Armenier in der gewöhnlichen Osterfeterwetse am 10. April ver-! austaltet hatte, uud bet dem sie in eine Synagoge drangen und mehrere Juden mißhandelt«, hat sich der Vertreter des deutsche« Consuls, vr. Kersten, energisch und erfolgreich der Bedrohten angenommen und die Armenier etnstecken laste«. Der englische Consul, ei» Judenfeind, und der österreichische, selbst ei« Armenier, haben für ihre Schutzbefohlenen nicht» gethen. Nord-Amerika. (Einer, der über das Ziel hinausschletzt.) Die großartigen Festlichkeiten. welche die Deutschen in den Vereinigten Staaten zur Feier de« Friedensschluffe» veranstaltet haben, find bekannt. Hier und da läßt sich auch eine Stimm« vernehmen, welche den gewaltige» Umschwung der Stimmung, die Art, wie die früher bei der Demokratie ttef gehaßten Persöulichketteu gefeiert «erden, nicht billigt. Zu diesen Leuten gehört auch der Herausgeber des „Israeliten ' und der „Deborah". I. M. Wise— ein geborner Böhme, wie wir hinzuzusetzen nicht .-rrgesten «ollen. Er schreibt «in« Betrachtung über „Peßach und de« Seder"*) und mahnt, den Männeni, welch« „meschuggeh" geworden, „Matze", da« alte Brot der Freiheit, zu schicken und einen schönen Brus. von der Mutter Freiheit, damit sie nicht-doch seine weiterer! Expectorattonen gehen uns hier nichts an, und wir «ollen mit ihm, mit dem wir schon so oft gestritten, nicht auch Uber Polittcci verhandeln. Er giebt einen weiteren Arttkel über „Krieg und Religion", worin er zumeist genau dasselbe erörtert, was wir in den ihm bekannten — denn daß er die Wochenschrift wohl beachtet, ist unverkennbar — Leitartikeln unserer Nummern 1, 4 und 6 d. I. gesagt haben. Aber dann folgt ein Gay, den wir «örtlich abdrucken, als Curiosum, „sonst hat'« keinen Zweck". Er zürnt: „Deswegen liest man auch jetzt so häufig in jüdischreligiösen Blättern, wie dieser und jener Jude auf dem Schlachtselb« sich ausgezeichnet, wie dem oder jenem das Kreuz so und so als Auszeichnung für begangenen Mord überreicht wurdo. Wir wünschen herzlich, st« hätten tndeß dem Armen Almosen oder Schutz dem Schwachen gegeben. Wir wünsche«, sie hätten tndeß die Lüg« besiegt, dt« Priester der Finsterniß geschlagm, d ie Burgen des Despotismus erstürmt und die Waffen der Unterdrückung zerschmettert." Lieber vr. Wise, da» wissen, sagen und lehre« wir auch! Aber einmal in'» Poltern gekommen, sag,« St« weiter: „Darum finden wir heute auch Rabbiner, die auf den Kanzeln schäumen und säumen mit den aufgeregten, vom Tumulte der Leidenschaft fortgeristenen Masten. Die Humanität hat nichts zu erwarten von den heutigen Kirchen und Synagogen, Priestern und Rabbinern. Darum fragen wir: Wann, wann wird endlich die Zeit kommen für die Erfüllung der Frtedeas-Prophezethuag, de« Friedens für alle gute Menschen? Wir haben heute nur eine Antwort auf diese hochwichtige Frage: Di« Welt bedarf einer neuen humanistischen Schule für Kirchen», Synagogen- und Jugendlehrer, die das Weh, die Leiden und die Schmerzen der Menschheit fühlen, mtt Unglücklichen und Hülfloseu sympathisiren; denen der Begriff von der Einhett der Menschenfamilie klar geworden ist, und die zu der Erkmntriiß gelangt sind, daß der Körper krank, wenn ein Finger oder Zahn deffelben leidet." Vielleicht kommen wir Alle demnächst hinüber, setze» uns zu Ihren Füßen und lasten uns von Ihnen Vorträge über wahre Humanität halten. vriekkasten der »edaettvu ft. ft. in 8. Polemik gegen einen Artikel, welcher t» «ine« Lngebla« dritten Range» gestanden hat, kann ich meinen Lesern nicht dielen, lim übrigen» für Intelligenz zu plaidirev, mast correet geschrieben werden. Die Wochenschrift kostet in Oesterreich jährlich 6 fl. v. W. Berichtigung. gm Leitartikel de» vor. «l. «p. 2, Z. 7 statt ftüqr L stützt. «. 164, Lp. 2, Z. 24 st. gewiß l. gemäß. — Im Feuilleton S. I62,Sp. 2» Z. 12 v. n. l. manutgsach« und 45. 164, Sp. I, g. 1V ». n. vor,chem" erg. und. *) Dir große Gelehrsamkeit de« Hrn. vr. Wise «anisesttn sich übrl<>eu» leidst in diesem um humorifttschea »nss-tze (rrn^I^Ti mv «der Krbt» HTtPU l). Der Leder-Wein, sagt er, sdarf nicht mtt Wasser gemischt iver» de»; «1» ob unser« Vorfahren in Palästina ihn ander» al» gemischt getruakm hätte»! Li» nur klassisch Gebildeter weiß da« auch, indessen «in Imhoarez darf «llenfall» auch vom klassischen Allerthum »ich« wissen.