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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-05-31 · 22 (31.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
22 (31.5.1871)
Date
1871-05-31
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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170 mit diesen, einverstanden und ließ keinen Zweifel an seiner Mit- »'irkung lei Durchführung desselben aufkcmmen. Wählend der Vorstand feine Bemühungen um Beschaffung der zunächst erforderlichen finanziellen Mittel bereit» von Erfolg gekrönt fab und daher die Eröffnung der Anstalt auf den 23. April ankündigt«, trat vr. D. Cassel, welcher für den Unterricht in den biblisöxa DiSciplinen, Rrligionsphilofophie rc. gewonnen war, plötzlich zurück. Der Vorstand hielt e» für unmöglich, in der sehr kurzen Zeit bi» zur bereit» definitiv festgesetzt« Eröffnung de» Institut» eine andere Autorität al» Lehrkraft zu gewinnen, und entschied sich deshalb, um da» Institut nicht durch Ver» fchiebung der Eröffnung zu gefährden, dahin, einstweilen die Vorträge in den höheren Klaffen auf die talmudischen Lehrgegenstände zu beschränken, für die Vorträge der biblischen Fächer in den beiden unteren Klaffen aber interimistisch zwei Lehrer zu enzagiren» die er in Uebereinstimmung mit vr. Hildesheimer al» dafür sehr geeignet erachtete. Die Repräsentanten waren mit dieser, wie sie e» nannten, eigenmächtigen Handlung de» Vorstandes (Anstellung der Lehrer ohne vorherige Genehmigung der Repräsentanten) nicht einver» standen, rersagten ihre Zustimmung, erkannteu indeß, nachdem der Vorstc nd seine Demission angeboten, in einer darauf folgenden Sitzung an, daß er dorm fide gehandelt, und ertheilten ihm die Vollmacht, im Verein mit einer ihm beigegebenen Commission da» (frforderliche zu thun, um die Lehranstalt, der öffentlichen Anznge entsprechend, eröffnen zu können. Während vr. Hildesheimer in den CommisfionS-Sitzungen wiederholt feine Absicht kund gethan, mit dem JnSlebentreten de» neuen Institute» feine Rabbinerschule aufzulösen und seinen Schülern :a» neue Institut zu emvfehlen, nachdem er mit den vom Vorsiande angestellten Lehrern den LectionSplan entworfen und die Classification seiner Schüler atp Cholhammed vorzunehmen v« radredet hatte, stellte er plötzlich für seine Mitwirkung an dem neuen Institut die conditio sine qua non, daß keine Schüler Aufnahme finden, welche in irgend einer Verbindung zu dem hiesigen Studien-Beförderung»-Verein ständen. Obschon dem entgegengeha'ten wurde, daß da» Programm nur die Auf- Feuilleton. Durch Wissenschaft;ur Einheit! Bor-rag von vr. S. Eroaemaau. (Fortsetzung.) Doch nicht da» reiche Wiffen allein hob unfern R. Elieser zu einer sc hochanzesehenen Stellung empor; er reiht sich jenen Männern in, die schon durch die Macht ihrer Persönlichkeit aus ihre Umgel unz überwältigend wirken. Er hatte etwa» von dem Felsen an sich, von welchem herab er Lehr« und Erkenntniß unter seine Jüncer zu verbreiten pflegte. Fest und unerschütterlich in seinem Chrrakter, unbeugsam in seiner Gesinnung, von einer tief ernsten, fast düsten, Lebensanschauung, von einer Strenge, daß nach seinen eigenen Worten nie ein leichtsinniges Wort seinen Lippen entfuhr. Einer so gearteten Namr ist meist auch ein rauheres Aeußere eigenthümlich; auch unser Gesetzlehrer vermochte bisweileq in der Hitze der Debatte ein auffahrende» Wesm nicht zu unterdrücken. In richtiger Erkenntniß dieser Schwäche richtet er gewiffermaßea an sich selber die Mahnung: »Die Ehre deiner Genoffen ei dir kostbar gleich deiner eigenen, und hüte dich, dich vom Zorn überwältigen zu lasten.' Doch dieser Gestalt von Erz und Eisen konnten auch Thränen entlockt werden, wenn Gefühle religiöser Begeisterung in der Brust mächtig erwachten.— Die ganze Strenge seiner Gesinnung spiegelte sich auch in nähme religiös lebender Schüler gestatte, daß aber die Ausschließung einer ganzen Kategorie von jungen Leuten au» sachlichen und formellen Gründen nicht empfehlenswerth sei, obschon e» dem Vorstände sehr schwer fiel diese Bedingung de» vr. Hildesheimer zu proclamiren, entschloß er sich dennoch die Erklärung abzuzeben, daß er den Lehrern keinen Zwang auferlezen werde, ihnen nicht geeignet scheinende Schüler aufzunehmen, und erklärte Hilde-heimer durch diese Concesfioa auch die» Hinderniß al» beseitigt. Der Vorstand forderte vr. Hildesheimer auf, am nächst« Sonntage (fTI) da» Institut, dem nunmehr festgestelltm, allseitig genehmigten Plane entsprechend, zu eröffn« und — empfängt von Dr. Hildesheimer am 1"i« m die Erklärung, daß er sich an dem Institut, an der Ausführung de» Plane» nicht betheiligm könne. Er habe zwar au» OpportunitätSgründen, doch gegen seine beffere llebcrzeugung, dem Plane seine Zustimmung gegebm, da aber weitere Meldungen nicht erfolgt, daS Instttut sich also nur aus sein« Schule« rekrutiren würde, so sei« dies« OpportunitätSzründe für ,hn nicht mehr maßgebmd, und werde er deshalb seine Rabbiner-Schule, die unter seiner alleiniM» Leitung steht, beibehaltm. Da» Schreib« mü dieser Erklä«ng — dessen Wortlaut Ihnen zu Geböte steht — wurde den Repräsentanten vorgelegt und erregte bei diesen nicht gering« Unwillen; e» kam der Wunsch zum Ausdruck, vr. Hildesheimer möge veranlaßt «erden fein Amt niederzuleg«, seine eifrigen Freunde selbst sind um eine Entschuldigung für da» Verfahr« verleg«, und die Versammlung beruhigte sich durch Annahme der Resolution, die ganze Angelegmheit bi» zum Herbste, d. h. ad calendas graecas, zu vertagen. Der Vorstand war mit dieser Resolution eiuverstandm, wohl weil seine AmtSperiode zum Herbst ihr Ent« erreicht und er die Hoffnung aufgegeben hat, in Gemeinschaft mit vr. Hildesheimer noch femer zum Heile de» B.-H. wirk« zu können. So ist denn die Ausführung eines mit Sorgfalt, Liebe und Aufopferung bearbettetm Planes, welcher da» alte Institut zeitgemäß verjüng« sollte, vereitelt. Ich fürchte, daß durch die Sucht, in unbeschränkter Alleinherrschaft auf den Weg zur Belebung de» seiner Lehrweise ab.*) Wiewohl Jünger eines warmen Vertreter» der hillclschm Schule, mtsprach seinem entschied«« Charakter mehr die konsequente Richtung der Schule Schammai'S. Während die hillelsche Schule eine freiere, weniger an da» Wort gebundmc Schriftauslegung und eine Ableitung nmer Gesepnorm« au» dm durch Schrift und Tradttion bereit» gegeben« an der Hand gewisser Schlußform« austrebte, lehnte er sich mehr an dm natürlichen Schriftfinn an, bezeichnete sonst nur da» Aeberlieferte als den ihm zu Grunde liegmdm Lehrstoff und warnte die Jünger vor allzu selbständig vorgehmdm Folgerung«. Nicht al» ob er der Erweiterung des Gesetzstoffe» jede Berechtigung abgesprochen hätte und dm Fad« der Entwickelung hätte abgeschnitten wiffm wollm; gerade er hat mit besonderer Schärfe die Schlußformen gehandhabt, vielleicht dürfm wir gar in ihm dm Vater der talmudischen Dialektik betrachten. Aber er beschränkte die Schlußform« auf die Nebenpunkte und Unterabtheiluag« des durch die Schrift oder die lleberliefcrung in sein« gesetzlich« Bestimmungen geregelt« Hauptumstande», um auf sie in streng consequent« Folgemng« dieselb« Norm« aazuwendm, gleichviel ob diese» eine Erschwerung oder Erleichtemng bedingte. Dieselbe Consequmz tritt auch bei Vergleichung« und Beziehungen •) Unsere Darstellung der Lehrweise von R. Llieser ist eia versuch, die eutgegensteheadrn Ansichten eine« Krankel und BrLtz auf «rund augestelltrr Untersuchungen zu vermitteln, wiewohl wir im Allgemeinen us* mehr m di« Krankel'sche Auffassung anlehneu. Eine eingehend«» Begründung unscn» Ansicht hätte uns hier ,u «eü geführt «ad haben wir deshalb geMM davon Abstand nehmen zu müssen. )

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