Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 21 (24.5.1871)
- Date
- 1871-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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166 zufinden, oder ander« zu verstehen» oder Privat« Meinungen und durch andere höchst humane Stellen zu berichtigen sind. Der Artikel, der mit „Tadel begonnen, schließt nit Lob". Der Schluß lautet: dieser Weise diLpntirten wir stundenlang. Wir »ollen de« Leser nicht zmunthen, «a» in all« Einzelheiten der Unterredung zu fetgOL Diejenigen, welchen der vorliegende Stoff da« Jutereffe für eingehendere« Stiüuum erwecken sollte, wird Herr Semiuar- Direetor 0r. Kroner in nicht gar zu langer Zeit zu befriedigen snche». 2>«rs«lb« theilt« un» nämlich mit, daß sei» Zusammentreffen mit dem „Wrstfäl. Merkur" in ihm den Entschluß hervorgerufen, ei» populär gehaltene« Merkchen über die angeregten Frage» zu veröffentlichen." „Ein erfreulichere» Ergrbuiß unserer gemeinschastücheu Untersuchung krönten wir nicht erwarten. 8» wird sich darum handeln, Grundsätze reiner Menschenliebe im Leben zur Wahrheit werden zu lassen. 52ahio zu wirken, ist der Zweck dieser Zeilen, die zu lesen wir auch Solche» auempfehleo möchten, welche durch ihren Parteihaß und ihre Leidenschaft an Nicht« so sehr verhindert werden, al« an der v irurtheilSfteirn Benrthriluog deffen, wa» ihnen gegenüber steht, uat wodurch sie in letzter Eousequeuz zur absoluten Verletzung der Grundsätze reiner Menschenliebe gelangen. Kampf und Streit werden n t von dieser Welt verschwinden. Gegner aber, die sich selbst achte», kämpfe» vor Allem mit ehrliche» Waff«; st« führe» dieselben nicht um zu verletzen, um zu verwunden, sonder» um der! Wahrheit zum Siege za verhelfe^!"! Kotzebu e. Derselbe verbot 'in ersten Tage sogar di« Absenduug von audereu al« Handelsdepesche» nach Petersburg. Ob« ffa. Alle größeren Zeitung« Deutschland« und Oester» reich« eni halten noch wettere ausführliche Berichte über die trau» rigen Vorgänge de» Osterfeste«. E« ist leider in den erste» darüber »erbretteten Telegramm« nicht nur nicht übertrieb«, sondern l er Umfang und die Folg« der gräulich« Exceffe sind noch furchtbarer al« sie im erst« Moment erfchimm oder geschildert tvurdm. Wir trag« nur einzelne, sehr wenige Sätze au« d« erwähnt« Berichten nach. Der »Russische RegierungS-Anzeiger' veröffentlicht d« Bericht de« General-Gouverneur« von Odessa über die dortig« Judmkrawalle. Dir Zahl der Verhaftet« beträgt nicht weniger al« 1159 von den« noch keiner fteigelaffm wurde. Zeh» Person« wurd« getödtet, zwanzig verwundet, und auf Sette de« Milttär« gab e« überdies 27 Verwundung« in Folge von Steinwürf«. Wie leicht rechtzettig allem hätte vorgeb«gt werdm können, zeigt folgender kleiner Pass«« über die Unterdrückung der Presse. „So ging e« bi« zum 14. April. Da langt« endlich größere Truppenuaff« mit zwei Wag« voll Ruth« an."- Am 8. Osterfeiertage, heißt e« in der „Köln. Ztg.", war die Statt in d« Händm von ra. 25 bi» 89 Band« tu einer Gesamm stärke von 4—5000 Räubern. Wa» von dies« au»- geführt wurde, ist unbeschreiblich! Hunderte von arm« jüdisch« Famili« (Odessa hat ca. 40.000 jüd. Einwohner), die sich durch dm HaudwerkSstand redlich und dürftig nährt«, fitz« nun weinmd und ttostlo«, nackt und hungrig auf dm Trümmem ihrer Habfssig'ett« in ihr« verwüstet« Wohnungen. Händeringend und jammernd mußt« die Arm« der Verheerung ihre« bisch« Ha«SratI)eS zusehm; fußfällig wurd« Lbrigkett und Polizei um Schutz angefleht, — sie könnt« kein« bieten. Einer Wöchnerin riß man da« zwei Tage alte Kind von der Sette und schlug e« mit dem Kopfe gegm die Wand, so daß c» sofort todt war. Die Mutter xrschied zwei Stund« später. Eine andere Frau wurde von 15—20 Kosak« geschändet. Damen in Equipage» fuhr« in d« Straß« während jener Scene» umher, stieg« in de» geplündert« Magazin« lachend ab. Ein glaubwürdiger Mann erzählte mtt, er habe selbst gehört, wie die Fräulein« M., Schwägirinum de« Professor« der Philosophie O., der Bande zeigt«, wo sie Wohnung«, Judm gehörig, wußte«. Di« Roll«, welch« die „Autorität" der Behördm hier gespielt hat, ist geradezu empör«). Besonder» wird erwähnt der General-Gouverneur Vermischte und neueste Nachrichtm. Berlin. Eine Correfpoudmz der »Jüd. Presse' führt bitttere Klage darüber, daß bei dem Concerte, welche« umlich zu Ehr« Richard Wagner'« gegebm wurde, die Juden sich höchst zahlreich und lebhaft bei der Ovatton bethelligt Hab«. Daß dem so sei, glaub« wir so gut, al« ob wir'« selbst gesehm hätten. Und wundern könn« wir un« darüber durchaus nicht. E« find da« die Leute, die überall dabei fein müsse», „wo etwa« lo« ist"; ist da« Etwa« nicht auf der Sttaße lo«, so ist der dabei sein müssende süße Pöbel „standesgemäß"' gekleidet; kostet e« Entröe, so ist die Kleidung immer nobler, je höher die Eintrittspreise. Da« ist der ganze Unterschied. Zu diesem Elemente gesell« sich diejenigen, welch« vor lauter Bildung, intelligenter VorurtheilSlofigkett, und hier speciell Kunst-Enthusiasmus, da« Gefühl für Ehre abhand« gekommen ist, und die Fußtritte und vergleich« Aufmerksamkeit« viel eher verwind« könn« al« die Furcht, daß sie für Judm gehaltm werdm könnt«. Die Redaktion der „Jüdisch« Presse" bemerkt übrigen« in Anmerkung: „Anderersett» find un« jedoch eine ganze Anzahl bedeutender jüdsscher Künstler, ausgezeichneter jüdischer GesangSdllettantinnm und hervorragmder Persönlichkettm bekannt, die jede Theilnahme entschieden iwehrmhafter jüdsscher GefinnungStüchtigkeit abgelehnt Hab«. Der Erst« der Richard Wagner in Berlin musikalisch begrüßte, ist — ein Reformjude; die meist« derjenigen, die mitzuwirkm ablehatm, find — natürlich ganz zufällig! — glanbm«- und gesinnung-treue Judm!" — Im Reichstag liegt eine Petttion de« P. Franke z« Lößnltz vor, welche beanttagt zu beschließ«, daß fortan Jud« ebmso wie die Bekenner anderer Confesfioam zum Offizierdienst der Linimttuppm de« deusschm Heere« zugelass« werde«, und ihn« bet der OffizterSwahl ihre» Glaub«« wegm kein Hindemiß entgegmsteh« soll. (Da« Gesetz ist durchaus kein Hindemiß mehr!) Prag. vr. Ad. Lieben, rin hier gebürtiger JSraeüt (Verwandter de« vankhause« I. L. Lieb«), Professor an der Universität zu Turin, ist zum ordentlichen Professor der Ehemie an der hiesigen Universität berufen. Obgleich derselbe fich bereit« einen Ramm in seiner Specialwiffmschast erwarb« und die Stellung eine« Uuiver« sttät»proftffor« nicht um der materiell« Versorgung, sondern um de« Wirkungskreise« will« anstrebte, konnte er doch solch« unter de« Ministerium Leo Thun nicht erlang« und mußte eine« Ruft »ach Turin folg«, wo er an der Seite de« berühmt« Naturforscher« Mollsschott wisst«. (Wahrheit.) Elsaß. Di« Z. d. 3.' enthält unter dem 21. April folgmde Notiz: »Wie un« au» dem Elsaß geschrieben wird» hat noch kein ssnziger jüdischer CultuSbeamter sein ssst der Bssetznng fällige« Gehalt au» der betteffend« staatlich« Kaffe au«gezahtt erhalt«.' Disse Angabe kann nicht richtig sein. Wir würden längst laute «Hagen gehört Hab«, wenn die Rabbiner x. seit % Jahr« keine Besoldung erhalt« hält«; e« steht im strikt« Widerspruche mtt dem Patmt de« Eivllcommiffär« v. Kühlwetter vom 12. September v. I., deffm Arttkss 1 bssagt: »dem ssrass. Eultu» bleib« alle gssetzlichm Rechte und Einrichtung« ungeschmälert; 2) alle Geistlichen und Dimer der vesschtedmen religiös« Bekenutuiffe bleib« tu ihr« Aemtem re. 5) Die von dm Geistlich« au« der Staatskasse bisher bezog«« Gehälter werdm auch ferner gewährt. (S. S. 842 v. I.) E« widerlegt fich ferner durch die autdrückltche Angabe de« Rabbiner« zu Metz (s. dm 2. Lsstartttel in vor. Nr.) und tndttect, aber sehr positiv, durch eine Eorrsspondeuz au» de« Elsaß t« ,Untv. J«r' vom 1. Mai, «eich« sehr bitter über die LoSreißung von Frankreich