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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-05-24 · 21 (24.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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167 klagt» alleso schwarz wie möglich sieht und schildert» aber vo« Nichtaoszahlung der Gehälter nicht» erwähnt, sondern nur die Besorgniß anssprtcht, ob es künftig beim Alten bleiben werde, dagegen da» Gerücht erwähnt, daß der Präfect de» Ober-Elsaß de« Gr. Rabb. von Eolmar gesagt habe: »Thun Sie ferner Ihre Pflicht, Sie werden durch die Preußen besoldet werden wie früher durch die Franzosen.' Rußland. Mehrere Blätter berichten ziemlich übereinstimmend, daß der Kleider-llka» zurückgezogen sei. Mehrere Warschauer jüdische Großhändler und Bankier» sollen nämlich Gesuche um Au»wanderung»pässe eingereicht haben. 91» Graf Berg darob erstaunte, erklärten ihm dieselben unumwunden, daß sie nicht gewillt seien, von den Sbirren der Polizei stet» chikaurrt zu werden, da» sei aber eine unumgängliche Folge de» besagten llka». Der Graf-Statthalter befahl hierauf mit der Durchführung der Regieruug-maßregel vorläufig einzuhalte», legte den Beschwerdeführer« an» Herz, nur geduldig zu sein, und berichtete sofort die ganze Sache an dm Kaiser nach Petersburg. Der Lemberger ,3-raelit' zweifelt jedoch an der Wahrheit dieser Version und behauptet nach zuverläsfizm Nachrichten, daß die »Scheerereim' — an Bärten» Locken und Röcken — Seiten» de» polizeiliche» Pöbel» ganz flott im Gange seim. Er ermahnt die polnisch« 3udm, au» diesm Dingen keine Cabinet»frage zu mach«, kein Lttmtat auf die Religion zu erblick«. Daß die« an sich richtig sei, da» Verfahren der Regierung indeffen nicht rechtfertige, braucht unsem Lese« nicht gesagt zu werden. Nachschrift. Eorrespondenzm mehrerer jüd. Blätter bericht« ebenfalls übereinstimmend, daß der Kleider-llka» weiter vo» dm Polizeibmmt« mit der größt« Rohheit auögeführt wird, und e» werdm Detail» erzählt, die jede« ««schliche Gefühl empör«. Literalurbericht. chräh, Prof. vr. <ft., Kohelet «. s. w. (Schluß.) Di» Gründe, w«lch« der v«rs. für di» Entstehung de« Kohelet r» d«r herodiantsch« Zeit anfahr», tfanra ausB«w«i»kraft teiaeu Anspruch «ach«». Di» Situation und einzelne St«ll«n d«S Buch«» sollen sich so am besten erklär« lasten. Daß di» Hypo»Hefe in dieser vezirhung »restlich durch-esühr» ist und viel Bestechende« hat, stell« »vir durchaus nicht in Abrede, ja >»tr »itrd« st« atttptiten, »ran st« sonst »ulLsstg wäre, aber Ziviugrade« liegt nicht« vor, und so ist'« ein schöner Midrasch, aber nicht «m. vir gebrauch« di« Bezeichnung MWrasch mit gutem Bedach». Die Methode, fllr allgemein« Aussprache, Sentenzen «tue historisch« Beziehung ausznsuchen, ist tu »raerer Zeit zuerst vo» Frankel (aus Abot I) «tgewradet worden. sie ist aber di« uralte »e« Midrasch; „»er hat die« gesagt?" »der „auf wen paßt die»?" fragt er and sucht AnNvort und Beziehung (freilich »hu« durch die lkbronologir grairt zu «erd«). Läßt sich nun die historisch« Beziehung rechtfertigen, so »i»»»t «an st« ge« au, sonst aber bleibt es bei de« alt« vrrn rrrm. Muß den» bet jeder S«t«j »der «in« König au ein« bestimmten lkSuig gedacht »ord« sei»? Koh. ü, I—S soll sich auf Hyrcan bezieh« — aber muß der Bersaffer an ei» bestimmte« Individuum gedacht haben? Hat sich da« dort Geschilderte nicht tauseudfoch ereignet, und »viederholt es sich nicht noch h«t? Ja noch «ehrl Diese« Tnm T3V will, «oie alle ande« de« Buche«, »st«bar sa«n: da« und da« Hab« ich oft erlebt; um dann l»ßt sich eine Erfahrung der»»«»«, u« au« ihr „der Welt kauf" zu er- -I«»«; an« de«, m» sich in einem einzeln« selten« Fall« ereigne» hat, ltßt sich nicht» beweise». — Die Grän««« de« Buches» alle« zugegeben, beweis« um, daß e« nicht vor der Bhrerzeit geschrieben sei» kann, und wat di« Geschichce de» Kanon betrifft, so behauptet Gr. selbst nur, daß st« nicht gegen die spllt« Abfassung zeug». Mir aber behaupte», gestützt auf bra Prolog za Sirach, Phil» nnd Joseph»«, da« Gegenthell. Der Kanon muß viel früher abge» schloff« gewes« sei». Sir «voll« rückwärts geh« und mit Josephnl begvo«:. vir Pflicht« Gr. bei (nnd Hab« di«» t» Orte« 184»—SV sehr «ingehend besprach«), daß sich an« der bekannt« Stelle e. chp. l, 8 nicht direct tewris« lass«, daß Kohelet zn d« „82 Büchern" gehör» Hab« müffe; ferner kümmert sich I. dar» nicht »» die reeipirte Dreitheilung, »eil er von d« historischen veziehnng« redet und diejeuig« Bücher aussoudert, welch« geschichtliche« Matertalenthalt«. Aber di« gauz«Untersuchung ist, wenn «au ein« direkten Beweis gesucht hat, verkehrt angefang«; der indirekte Beweis ist schlagend zu tühren. Mir übergeh« all« Entbehrliche und halten uns an d« Kern der Stelle. Jos. sagt: wir Hab« di« und die heilig« Bücher, deren Abfaffung bi« zu einer gewiss« Epoche reicht. „Sa« seitdem geschrieb« ist, steht nicht in gleichem Anseh« der Glaubwürdigkeit. Und obgleich schon so lang« Zeit verfloss« ist, hat doch niemand gewagt, dies« Büche« etwa» hinzuzufüg«, oder davon zu uehm«, «der daran »a ändern, sondern H ist all« Juden augeboren, sie für göttlich zu halt« und für st« da« Leb« zu lassen." Da« besagt deMlich, daß zu Josephu« Zeit ein Kanon bestanden hat nnd fest abgeschlossen war. Sir haben auch nicht zu nntersuch«, ob I. als eine gelehrte Autorität zu betrachten sei; wäre er »ach ei» U». wissender gewes« — was indessen nicht der Fall — so bezeugt er, daß im Bolksbewußtsein die Ueberzeugung gelebt hat, e« gebe eine Sammlung heil. Bücher, zn der nicht« hinzugethau «erd« dürfe. Sie wäre e« nun möglich, daß bei Jos. kennten »der kurz vorher ei» damal« »och ganz «ne« Buch sich ist den Kanon eingeschlich« Hab«, oder in denjelbe» gebracht sein könnte, daß man damal« schon da« Buch für ein alte« gehalten haben sollte!? (Letztere Schwierigkeit berührt Gr., geht aber gar leicht darüber hinweg.) Phil» citirt und rrwähm keine«weg« alle biblischen Bücher, aber an hundert Stell« spricht er sich in ähnlicher Weise wie Jos. dahin au«, daß e« gewisse „heilige, göttliche, im Geiste Most« geschrieb««" Bücher gebe; er kennt g«au dßa Unterschied zwischen dies« und denjenigen, welche wir Apokryph« nennen, di« er kraut »ad benützt, aber nie citirt, mcht einmal so, wie er Plato «. a. m. citirt. Auch er zeugt also von einem al» abgeschlossen überlieferten Kanon, dem Reue«, Fremde« nicht hinzogesügt wert»« kau». Endlich lese man die Borrede de« jüngeren Sirach. Da haben wir die drei*) Abtheiluugeu: Gesetz, Propheten und anderr überlieferte Schriften (0'3TD). Diese, heißt e«, Hab« uns viele« und Große« «itgetheilt u. s. w. ,^0aru» hat mein Großvater, der sich fleißig mit dem Lesen von fTi beschäftigt hak. sich vorgenommen, auch etwa» über Zucht und Deitheit niederznschreibeii. Diese« Buch wird nützlich sein» darum habe ich «» übersetzt." Aber soll da» Buch etwa den heil. Schrift« angereiht werden? Da« sällt ihm offenbar nicht ei». Run, wenn damal« und viel später noch Bücher znm Kanon hiuzegesllgt ward« wären, so würde der Enkel doch wohl zunächst da» Buch seine« Großvater« dieser Ihre werch gehalten habe»! Di« tzelleaiften Hab« fremd« Bücher in den Kanon geschob«, nicht aber die Palästinenser, weher z» Sirach'» Zeit, noch gar viel später. Und ist Sir. 47, 17 nicht doch am nattrlichstrn «ff dir drei salom. Bücher zu bezieh«? fQifoi bedeutet doch nnbedingt Vnv, und so galt da« H. L. schon zur Zeit de» älteren Sirach sür salomonisch nnd gehörte zu den „Schriften".) Run wurde freilich in der Danaiteuzeit noch über Kohelet verhandelt, man wollte da» Buch bei Seite leg«. Die b«treffenden Stell« hat man nie übersehm, sie berichten aber unser» Eracht«» weiter nicht«, al« da», wa« man von je in ihn« gesund« hat. Der Inhalt de« Kohelet schi« bedraklich, man wollte «* der allgemeinen Lelrüre «tzieh« — aber nicht au« dem Kanon streiche». Dasselbe wird ja über Ezechiel berichtet, hat «au da« Buch streichen «voll«!? Au« dem nh W|» aber gerade da« Gegeutheil heran«lel«: damal« wurde da« Vach erst recipirt, da« «Lss« wir fast ein« Gewoltstretch neun«. — Auch die Sprache Kohelet« spricht unabwei«bar gegen so späte Absaffung.! So scharf sie sich nämltch von der der älter« bibl. Bücher unterscheidet, so | scharf grenzt st« sich wieder vo» der der ältest« Mischnajot ab. Schon Krochmal hak daraus hingewies«, daß Kohelet cbv für Welt, ow für Gott nicht kennt. Wir «rinne« au Kuuftausdrücke wie 7NMV tftn itfau — nicht« dergleichen in Kohelet. Mau lese doch nur d« Antsprnch de« Anttgouo« au« Soch», der »ach Gr. sehr lange vor Kohelet gelebt Hab« würde, die de« Schemaja und Adtaljou, der Zeitgenoff« de» Kohelet, da find« wir «DB, K^M, Mt ganze spät« Diktion. Die Entwickelung der Sprach« wäre geradezu ans ta Kopf gestellt. Man müßte anaehmen, daß Kohelet sich einer rein« althebräisch« Diktion befleißigt, archaifirt habe — wa« er offenbar nicht getha» hat — oder, daß Me Aalsprüche jener „Väter" ou» nicht wortgetreu überliefert sei« — auch die» bedarf für Sachkenner keiner Widerlegung.. (Mi Ttb d*w ii"nr) Man lese ferner di« erste beste Mischnah au« au« dem erst« Taoaimgeschlechte, da« vollständig «»»geprägte Rischua-Idiom; wir seh«, wie von Mose«, David, Jesaia, Jeremia, Esra bi« Kohelet dir Sprach« sich in angemeff«« Frist« umgestaltet, aber kann in 80 Jahr« (nach Grätz) au» der Sprach« de« Kohelet die der Tauaim wer»«?! f) Freilich behauptet Gr. da» Grgratheil; e« gab damal« nur zwei Sammlung« heiliger Schrift« (JT1), die übrigen vorhanden« religiös« Schrift« hatt« noch kein« allgemein« Lite!, der Name 7ga?»l, Miro war »och nicht gebildet. Aber «a» liegt am Namen? Sirach spricht von Bücher» außer Gesetz und Prophet«, di« aber dieselbe Dignität wie diese besitz«. Er pennt sie ,chi« «der«, jünger«, überliefert« Schrift«". Er weiß» daß st« jünger sind al« rn, da« ist ja richtig. Er lmt nicht M» Namen 7pat?a<, aber sind seine Bezeichnung« etwa« Andere« al« der Name U’WPO, der ja auch nur „andere Schrift«" beben lei? Er sagt statt „S chriften" „Bücher" — «al läßt sich daraus schließ«?!

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