Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 21 (24.5.1871)
- Date
- 1871-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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164 Judmthum—lkbsagebriefe geschrieben. Wir haben dieGmugthuuag Siecht zu behalten, aber fürwahr eine traurige Tmugthuuug. *) Freuen wir uni denn etwa de» Zanke» zwischen denjenigen, welch« schließlich in dm, wa» wir in einer der ersten Nummern unser«» Llatte» al» de» „Jttrn de» Streite»" nachgewtesen haben, mtt un» einig find? Wir dürfen onfern Lesern jedoch Ereignisse von einer gewissen Bedeutung nicht verschweigen und müssen ste über die Beuegungen und Kämpfe im Judenthum aus dem Laufenden erhalten. Allerdiag» gingen die deutschen Blätter mit dem ungarischen vielfach Hand in Hand, namentlich in Angriff« gegen da» Breslauer Seminar und die au» ihm hervorgegangenen Rabbiner, gegen alle», was wir wissenschaftliche Forschung nennen, gegen projectirte jütssch-theologische Lehranstalten, in der Abneigung gegen jede A ierkennung der seit 60 Jahren unermeßlich veränderten Verlältuiffe, gegen da» Streben, die unabweisbar« Ansprüche und Bedürfnisse der Gegenwart nicht blo» zu tgaorirm oder zu verdamm«, sowie darin, daß ihn« diejenigen, welch« Ausgleichung and Vermittelung der vorhandmm Gegensätze anstreb«, weit mehr verhaßt find, al» diejmig«, welch« ohne Weitere» da» «Nefetz der Thora dem Zettgeiste und dm Ansprüchen de» Leb«» u iterwerfen wollen. Auch überbotm fie einander gelegentlich iu der inquisitorischen Manier, Ausdrücke, welch« dem Kollegen entschlüpft warm und möglicherweise noch nicht oechodox genug klangen, al» unzulässig, ketzerisch (WD svM' zu rüg«—); ganz in der Wesse der Schule, welche e» angSwiffS» findet, noch irimer weiter Erschwerung« und Häkchm zu such«. -) Wir mftlft» hierbei auch co»statirr», daß die ^Jüd. Press«" u»d das „X(ak. Jud." biiderseits uufer» Blatte bisher stets mit Achtuug u»d Wohl» «oalleu begexuet liud; wir habe» also perjSulich uichl di« geringste vervulallaupi grolle». —) Wir w>lle» hiervo» ei» Beispiel «»führen. Bei de» Debatte« im Wiener Borst«» x über die beantragte» Reformen hatte» einige durchaus nicht »rthodop taten gegen die Orgel gesprochea nnd ihr« idrttnd« gettrud gemacht. Darüiier freut sich da« „Xra6. In»." Der v3»c." ater ist n»Pisrieden» den» R euiand hat den Math gehabt schlichtmeg Pt «rlläre»: „9ott hat feit Or^l rerboten." («ey Sieder»« hat da»» »er strengst-orthodoxe Rabb. Spitzer i» Wien iu sehr gründlicher nnd grmefseaer Weise gegen jene er, geraume Zeit vor der Tempelzerstörung, heimlich da» Bater» hau», um zr Füßen de» hochgefeiertm R. Jochanan b. Saceat sein« Wisser »dürft zu befriedig«. Hierüber war der Bater, ein schlichter, einfacher Landmann, baar jede» Verständnisse» für .eine höhere Geiste»richtung, dermaßen mtrüstet, daß er nach einiger Zeit rem Sohne nach Jerusalem folgte» um daselbst deffm Enterbung z» bewerkstellig«. Er tritt in da» Lehrhau», doch siehe da! die ganze Versammlung ist zur Begeisterung entflammt durch dm kehrvortraz eine» Gesetze»jünger», dem die zahlreich« Hultizunzm und Beifallsbezeigung« gelt« — e» ist fein eizmer «Lohn. Da wird de» rauh« Manne» Herz erweicht, und maßlos jetzt in der Liebe, wie früher im Haß, will er ihm nun sofort sein ganze» Bermög« zum Nachthesse der übrig« Söhne verschreiben. Doch jmer verschmäht e», sich auf Kost« feiner Brüder zu bereichern, und zusriedm mit der wiedergewon» nmm Gunst de» Vater» fetzt er mit rastlosem Eifer da» Gesetzesstudium fort. Er war der Erste stet», der die wett« Hall« bettat, der Letzte, hinter dem sich die Pfonm de» Lehrhaufe» schlossen. Litt seinem unermüdlich« Fleiße verband er ein wahrhaft erstaun iche» Gedächtniß, dem sich allmählich die ganze un- «dliche Reihe der lleberlieferunzm, auch der feltmstm und eatlegmstm, h unverwischbar« Zügen einprägte. Sein Lehrer nannte ihn deshalb eine verkalfte Cifterne, in der sich kein Tropf« verliert, un> that über ihn de» bedeutungsvoll« Ausspruch, daß er allein so schwer in» Gewicht falle, wie sämmlliche Jünger de» Gesetze». So ward er in kurzer Zeit der Lieblingsschüler de» R. Jochanan, an dem er auch seinersett» mtt unbegrenzter Der» Bald kam e« jedoch zu Plänkelet« zwifch« d« deutsche» vlätte« und dem ungarischen, »ad diese» fiel auch sehr falb ganz in dm Lou de» „Mag. Zsido" zurück. Die Absagebriefe aber Hab« folgmd« nächste Veranlassung, welche ganz richttg da» Wes« der zwssch« deutscher und ungarsscher Orthodoxie bestehend« Dssfermz betrisst. Me jüdssche Presse hatte di« ungarssch« Echomre hadath aufgefordert, mtt der Irreligiosität und der Refornssücht nicht zugleich Eultur und^ Bildung zu bekämpf«, dmn „Frömmigkett ohne harmoussche- Autbildung aller Geisteskräfte, ohne universale» Wiffm sei heut zu Tage ein Ding der Unmöglichkett" — e» sei daher ihre Aufgabe, Schul« zu gründ«, welche Religion und echte Bildung, verettm u. s. w. Da» ist steiltch dasjeckige, was schon iu dm SprÜchm der Väter verlangt «ttd, wa» alle die gefeierte» Geiste»Held« de» jüdisch« Mittelalter» unablässig gefordert» j» mitunter übermäßig betont Hab«, wa» d« Lebmsathem und Stolz de» Judmthum» bttdet. Aber in der slavisch« Rohhett der letzt« Jahrhunderte war die» Streb« ersttckt — die Tradition war abgebroch« — Grund genug für da» „Traditionelle Judmthum", eine wuthschnaubmde Antwort zu ertheil«. Wir dmkm nicht daran unsere Spattm mtt Wiedergabe einiger der Kraftstellm zu — zier«, Ein» genügt unsem Lese« zur Charakteristik: die Behauptung der „Jüd. Presse" wird dahin „au»- gelegt', e» könne ihr gewiß Niemand eine Anfrage über eia« Gänsehal» pa«kmm, der nicht gründlich Grammatik verstehe und' — eine gehörige Portton Romane gelesm habe! Die „Jüd. Presse" erklärt hierauf gemeff« und richttg: „wtt hattm e» im Interesse de» orthodox« Judmthum« für gut, die ... auf sich beruhen zu lass«, ihn« die Verantwortung für die dm Gegnern in die Hand gegebme Waffe überlassmd; diese unsererseits zu verschärf«, könnt« wir nicht verantworten." Der „JSraeltt" Resormea geredet, schließüch aber Pir »intracht gerathen «w m» extrrme» Schritte» «bgemahnt. Da« billigt derda« Ja»." aber PtrM, Spitzer iß auch ei» Halber, gleich Prreiße«^ trnme», legt sie i» Bm» »»d sprecht e« aus, daß sie lei»« »«»heil «ehr Hab» a» de» Satte Israel» u»d de« ewig« Lebe». (Sicht «lei — es iß nicht der Wortlaut, aber der eia», wea» überhaupt irgend ei» Sir» dari» liegt.) ehrung hing. Er war e», der mit seinem Etudimgmossm R. Josua dm hochgeltebtm Lehrer au» d« Thor« der belagert« Stadt unter groß« Gefahr« heraustrug, damtt er dem dama» lizm Feldherm, später« Kaiser Bespafian, mildere. Gesinnung« gezm die unglücklich« Bewohner einflöße. Bald feh« wtt dm Jünger selbstständig einem Lehrhause zu Lydda vorsteh« Da» Lehrhau» — war eine einfache Rennbahn, au» hellenischer Zeit stammmd; eia hervorspriagender Fei», da» war de» Meister» Sitz. Wenn von dieser Felfenhöh« sein« Wotte zündend in die Reih«, der Jünger hinabfuhr«, dann esschtm er dies« wie die hetttge BundeSlade auf dem göttlich« Sinai. Der Name R. Eliefer» erklang wetthin in Judäa, da» hochadlige Patriarchen» hau» verschmähte e» nicht, mtt de» Landmann» Sohn sich zu verschwäge«, und al» von West« her schwere Gewitterwolk» heraofzuziehm droht«, da wftd er an der Spitze der Gesandtschaft genannt, welche zur Abwehr de» Verderben», die Resse nach Rom unternahm. (Fortsetzung folgt.) Dr. Lu-witz Mauthner, Professor der Augmhettkunde an der Universität zu JnSbruck, ist eia gebormer Wimer, sein Vater gehötte dem ttraelittfchm Gemeinde-Vorstände an» sein Bruder, Advocat vr. Philipp Mauthner, ist noch jetzt Mttglied deffelbm. Eia Correspondeut der .Wahrheit' erzählt über ihn: Wir hattm Gelegmhett, au» einem Privatfchreibm de» Herrn Professor» an eine ihm sehr nahe i