Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1871)
- Issue
- 21 (24.5.1871)
- Date
- 1871-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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162 i. Lberbrückt Ixn Oceau, .da« Geld kommt für alle« auf*. (Äob. 10. 10.) Hast btt @db, so steht dir alle« offen, b» wirst geehrt sein, mächtig, einflußreich, ja weise wtt «au bich «na«; aber »de« armett Manne« Klugheit wird, nicht geachtet? (S, 1<£) llud boch — nflc ohnmächtig wiederwn ba» Selb! Un. uöthig au bke Güter zu erinnern, bie für Gelb nicht feil uub boch bfrlofrtarft« fiub: Leben, Gesundheit, Liebe uub Zufrieden» heit. >ber »immt nicht bie Gewalt ba« Gelb unb «acht sich zur Herrin 1«sselben? Hat man sich boch lauge der Hoffnung hingegR«,!>afc bU Besitz« be» Selbe«, zurückhaltend, Böller, kriege zu v.ihinde« vermöchten — welch« Täuschung! Und spricht man ^von der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, bie der Reichten« verleihe, so giebt e« ja wieberum nicht» Furchtsamere« uub Aengftlichere« al« ba« Gelb. Et verbirgt sich unb flieht bet dem leisest« Geräusch, bei dem fernst« Rollen eine« Sturme«, dw Ahnung einer Gefahr; e» schmiegt sich vor dm Machthabe« uub, mit verlängnnng aller f» ^WnDh vollem Munde verkl »beten Grunbsätze von Freiheit u*b MmfBWürde, kriecht der Ilieichthum vor dm Machthabern» danMM ^ihm Schngewähr«, um ein andermal wieder be» PsshHiWU zu schmeicheln, toenu sie für b« Augrablickfich Zügel bewächssgt Hab«. So fällt der dritten Macht die Herrschaft z» JfM Erz» welche« über die ganze Erde herrscht.' Sie sckber, w Macht, bie ehe«e rückficht «lose Gewalt. Sie ist die Hernü de« Geiste«, ihr gehört da« Geld, sie nimmt ct(. fia behevckcht da« Recht »id bmgt e« nach ihrem Will«, sie giwiuP dGGt Gewiuumder^ und zermalmt die Widerstrebmd«;^,s«k lfftM» fitze, und du bist im Recht? Gewalt beherrscht die klM Wft die Böller al« willraloie Werhmge. Aber vergänglich ist die Gewalt. Angefeindet uub darum, mißtrauisch, Übermuthig und angsterfüllt zugleich, wird sie fort.' getrieb« zu immer schraukeuloserer Willkür uub vernichtet auf die eine ober andere Art in Bälde sich selbst. Feldherr« und Minister in Morgen» und Abendland zeigt ou» die Geschichte, sie stürze», wie sie sich erhoben. Selbst die Allgewaltigst«, vor dm« der Erdkrei« gezittert, der« Wink Könige erhob« oder abgefetzt — alte Zeit, Neuzeit sah sie «b« in Niedrigkeit, Verbannung, Elend. So iückbt da« »kerte Reich. DaüGife», da« «nansehnlichste, im Begleich ft b« and«« wetthlchefich aber zu jegliche« Gehranch vo«b -eschlckte, zu de« Feinste» «b brat Plumpst«, dem Edelst« und dem Niedrig»Gemeinst« sich schickrade Metall — da« Eis« stellt ei im Bilde bar. E« ist ba« blinde und dumme, au kein« tattern Werth und Vorzug gekutpste, adee in da« Feinste wie da« Plumpste; da« Edelste wie da« Niedrig- Gemeinste sich schickende, durch alle« die« sich selber fördernde und geförderte Glück. Da« Glück regiert die Welt. Ha, wie hat Daniel« Auslegung da« vierte Reich ausführlich und eingehrad geschildert! Wie da» Eis« alle« verhämmert und platt schlägt, Gold, Silber und Erz, so da« unverschämte Glück. Wer da« Glück hat, de« Verstand wird man preis«, sein« anschlägig« Kopf lob«, und weun er gar kein« besäße; da« Silber ist sein, Reichthum fließt ihm zn, wa« er unternimmt» da« gelingt, und wa« er anrührt, wandelt sich in Geld und Gold. Sein ist die Gewalt. Trotzig schreitet da« Kind de« Glücke« durch die Welt, dreist erhebt e« flch auf b« Schultern andrer und läßt immer wieder die hinter sich zurück, die jüngst noch feine« Gleich« war«, sieht hochmüthtg herab auf den einstig« Gefährt«, der au Berstand und Keuntuiß ihn zehnfach überragt, schlägt und tritt nieder — Hammer, dem alle» Ambo« sei« muß — und steht aus schwindelnder Höhe. Aber auch auf schwindelnder! Da« ist de« Glücke« einziger und gefährlichster Feitck; daß e« »ein getheilte« Reich' ist; von der Stärke de« Eisen« ist in ihm, und zum Theil ist e« zerbrechlicher Thon; und wie da» Eis« sich mit de« Thon nicht mischt, so giebt ei zwischen Glück und dauerndem Bestand keine innige Lerbindung. „Mit de« Geschicke« Macht« ist kein «w'ger Bund zu stecht«" Eia Stoß, und der ganze Glücköbau geht in Trümmer. Sie der Meufch, je schneller er in fliegender.hast dahin eilt, desto leichter über den kleinsten Stein strauchelt und heftiger stürzt, wie da« Schiff, je rascher e« vor günstigem Winde mit schwellendem Segel einherfährt, desto heftiger an verborgener Klipp« aufftößt und zerschellt — so da« Glück. Geht diese« Feuilleton. D»rch Wisseuschast s«r Einheit.' Ei» Bortrag*) von vr. S. Groarm«»». Wohl noch nie hat sich bei dieser alljährlich wiederkehrrad« Feier eine weihevollere Stimmung über dies« Räume gelagert, al» an dem Tage, der mir die Ehre verschafft, in meinem und meiner Solle;« Name» d« un» beim Scheid,« au» dieser Stätte jüdischer Wissenschaft beherrschend« Gefühl« Worte zu leih«. Doch e« ist rurchau» keine Stimmung, die m dem Redner die Hosfttuug aus eine erhöhte Nachsicht Seiten« der Zuhörer er. weck« könnte. Im Segratheil! In einem Angeublicke, wo eb« erst die Kun)e von dem großartigst« weltbritorisch« Sretgniffe zu un» gedniugm ist, wo jede« deutsch« Herz nur von eine« einzig« Gedtukm freudig durchzuckt wird, nage ich kaum für abseit« liegend« Auseinandersetzung« eine auch nur bescheidene Aufmerksamk:tt zu erwart«. Und doch glaube ich gerade au dem heutig« Tage berechtigt zu sein von d« Gesühk« zu spreche«, die der Hinblick auf di« •) >thal r» an jttdflch.ch»wgisch« ©mtaor tri Stlrgncheü der a» 29. Jaanar V. I. ßattgefU»d«»« ßirrtiche» Uatbimr-Uatl^sang — »m«r dem «i»vr»cke »er «mij, «ton*« «eher ria^rinffina Rachricht M tn «apiml-ii« Wc snmzlßsch« HrapchMt mW Mm fiichwiti, ^grichloffn»» Waffeuftillßaad». Lebensstellung, au denn Pforte wir jetzt gelangt find, tu «t» weck». Dran die Fahnen, welche in diesem Momente, soweit die deutsche Zunge klingt, fröhlich in d« Lüst« weh«, sie künd« nicht so sehr welterschütterude Siege, al« da« Nah« eine« weltbeglückend« Fried««. Sie eröffn« Jedermann die A»«ficht in eine goldene friedliche Zukunft, sie mahn« cha an die Pflicht«, welche die «iedererstehend« Tage de« Fried«« und der Wohlfahrt auferleg«. Und un«, bra« vor all« da« erhabene Amt geword«, Werke de« Frieb«» zu beleb« und zu fördern, un» «rinne« diese flatternden Friedraöbot« an bra wichtigsten und bedeutsamsten Theil unsere« Berufe-, an eine hohe Aufgabe; welche in unseren Tag« nachdrücklicher al» früher an d« Rabbiner herantritt. Denn l«gn« läßt sich'« nicht, daß gerade in der Gegrawart, wie auf all« Gebiete», so nameuttich auf dem religiös«, eine stürmisch« Bewegnug die Geister ersaßt, sie in maunigfach« Richtung« auseinander geriffm und ein« Be» sorgniß erregeud« Zwiespalt erzeugt hat. Wa« hätte da der Rabbiner für ein« höher« Br«f, al« für Fried« und Ein» tracht mtt der ganz« Macht seine» Einflüsse« zu wirk«? . Was gäbe e» in einer Zeit, wo der Parteigeist mächtig erwacht ist, für eia höhere« Ziel, al« j«« verderblich« Geist an« unserer Mitte zu bannen, indem wir innerhalb unsere« Wirkung-kresse« besänftigend pnd beschwichtigend auftrete«, indem wir auf eine Aufhebung tzch Gegensätze, aus ein« Ausgleich der verschiedenartig« Wünfthe und Forderung« mit de« ganz« Aufgebote unserer Kräfte hinarbeit«? Dazu gerade ist dewRahhftM vor Allem tantf«, well ihn die Kenntniß de« jüdffchetkWHchmnA