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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1871-05-17 · 20 (17.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1871)
Issue
20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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158 nominal Hatte. Die Gräfin erklärte, von diesem Loge an auf ihren Ltt il und -lang zu verzichten. Ueker ihre Schicksale erzählte sie dem Prediger: „Nt mein Bater starb, stand ich aK junges Mädchen allein in der Welt und eine israelitische Familie war es, die sich meiner — der Katholikin — annahm. Ich lebte bei ihr setdem und wurde wie das Kind vom Hause gehalten. Dabei laute ich das Judenthmn kemim und schätzen und freue mich jetzt, Jüdin zu wadeu." Wie wir hären, wird die Gräfin am 9. d. Mts. mit einem israelitischen Kaufmann aus Ungarn getraut werden. Da Data da Dame gehörte zu den bedeutendsten Häuptern da russisch-polnischen Emigration und seine bedeutenden Güta wurden confiscirt." Knntänien. Daß die Oster-Judenbetzen nicht ganz au», bleiben ward«, ließ sich fast voraussehen. In Plojescht vorirrten sich in da Eharwoche einige jüdische Kinda und wurden ängstlich gesucht. Ein gewiffa Ofa, ein Israelit, begegnete einem Tripp Christenkinda, welche ein kleines Kind in ihra Mitte Halen; Osa richtete an dieses Kind einige hebräische Wörta, um zu erfahren, ob eS vielleicht eines da vermißten Judenkinda sei, und da a keine Antwort erhielt, setzte a seinen Weg fort. Kaum hatte die rohe Masse bemakt, daß da Jude mit dem Kinde gesprochen, stürzte sie sich üba ihn ha, vorgebend, daß a daS Christenkind rauben und das Christenblut zu seinem Ostakuchen habe verwenden wollen: da Jude wurde zu Boden geworfen, man riß ihm die Haare auS Haupt und Bart und maltraitirte ihn. DaS war daS Borspiel zu eina förmlichen Judeuhetze — ja eine JudemchlSchtaei war auf die Osterfeieriage angekündigt. Doch ist SchlimmaeS nicht geschehen. — Erster lich ist folgende Mittheilung eine» Coaespondenten da „Ung. jüd Wochenschrift": „Zum Schluß noch ein Wort unsere» Fürsten, rät dessen Echtheit ich bürgen kann. Einem sein gebildeten Preußen gegenüba, da sich ihm jüngst vorstelle» lstß, äußerte er sich unter Anderem dahin: „Ich bin entschlossen mit der gegenwärtigen, für Rumänien vielleicht gar zu liberalen Berfassuog weiia fortzuregiaen, aba am unta zwei Bedingung«, und diele find: Jud«-Emanzipation und Colonisation; Beides thut dringend Noth!" Möchte diefa Ausspruch sich nicht nur bewahrheit«, sondem auch bewähren. Nutzlaud. Nach vielem Traurig« und Empörmdm ist auch einmal Gute« zu bericht«. Ein hochgestellt« ruffischa Edelmann, w.»lcha neulich seine Besitzungen in Podolim besuchte, schmkte dir jüdisch« Gemeinde Niemirow zum Bau eina Synagoge nicht blo» eine beträchtliche Summe Geldes, sondem auch da» nöthige Baumataial. — Da Minister für Bolksaufklärung hat einmi jungen talmtvoll« Israelit« behuf» Vorbereitung für die Professur mathematisch« Wissenschaften auS dem Fonds deS Ministerium« ein namhafte» Stipmdium bewilligt. Wohlthäligkett». Anstalten.*) Wir stell« auS einer Reihe uns in d« letzt« Woch« zugegangmer Jahresberichte und Refaate üba Wohlthätigkeits- Anstalt« und Baeiue Auszüge zusammen. Aus Wien. „28. Jahresbericht de» Vereins zm Beförderung da Handwerke unta dm inländisch« Israeliten." Diesa zählte im abgelaufm« Jahre 274 Zöglinge, von d«m 48 ihre Lehrzeit rolleuda«, 81 n« aufgenomm« ward«. Unta d« 48, welche im Jahre 1870 als Gehllf« abgeschrieb« umrdm, befind« ich 16 Ungarn, und zwar 4 Schloff«, S Epmgla, 3 Tischla 3 Schuhmacher, 1 Buchbinder, 1 Tapezier, 1 Uhr¬ *) Dieser sch» län-jt Pchmunen^ftelllE Bericht hat tat immer ,»rocket werde» «sff»; die ftomdSch« Musender der betresse», de» Berich«, ui.». «igea n* entschädig». mach«. Sn gleichem Maß» wie die Zahl da Leheküqe wächstdie neua Mitglied« (47» grg« 410 des vorig« Jahres), sowie auch da Legate und Schenkung«. Di» Siunahm« betrug« 8812 fl. 75 h. (geg« 7785 fl.), die «usgabm 7528 fl. 24 kr (geg« 8558 fl. im Jahre 1889); da« Stamm-Kapital beitust sich auf 87,278 fl. 40 kr., das Gefammtvamögen tncl. dm verschieden« Stiftung« 74,881 fl. 86 kr. — Da Verein verwaltet nämlich mehrere ihm verwandte Stiftung«, au« dam Zins« Meista und Gehilfen (erstere mit 866 und 266 fl.) unterstützt wurden. Wien. „Laein zur Gründung eines israelitischen Blinden» Instituts." Die eonstitutrmde Versammlung des Baeiue« zur Gründung eines israelttlschm Lltudm-Jnstituts fand am 1». d. statt. Da Vorsitzende de« provisorisch« Suratoriums, Herr Ludw.Aug. Frankl, begrüßte die Versammlung und thellte die Entstehungsgeschichte diese» Institute« und intaeffante Detail» da Geschichte da Blindm-Jnstitute übahaupt mit. Da noch junge Verein zählt bereits 8 Stista, 188 Mitglied« und 56 Wohl» thäta, au dam Spitze Ihr- Majestät« da Kais« und die Kaiserin von Oesterreich, die Erzherzoge Franz Earl und Al brecht steh«, und »eist bereits nebst dem Eigmthume eine« für 56 Blinde vollständig eingerichtet« Haukes nebst Gart« auf da ,^Hohm Warte" bei Wien, Schenkung des Frhrn. Jonas v. Königswarta, ein Jahreseinkomm« von 16,666 fl. aus. Die Versammlung beschloß auf Anregung eines ihra Mitglied« dm Vortrag des Her« Lud«. Aug. Frankl an alle israelittschm Gemeind« da österreichisch-ungarisch« Monarchie, sowie an alle Mitglied« da Wiener israelitisch« EultuSgemeiude zu versend«, dem Bor» tragmdm, welch« die Id« zu diesem Wohlthätigkeits »Jnstitnte gefaßt und durch seine unermüdete, einflußreiche Thätigkeit dessm Bestand gesichert hat, dm Dank durch Erheb« von dm Sitz« auszudrückm, und wählte das bisherige provssorische Euratortum definitiv. ' ’’ (». Fr. Pr.) Dagegm klagt da „17. Jahresbericht des allgemein« österreichischm israelitisch« Taubstumm«-Instituts" darüba» daß die Einnahmm zu dm sich stoigemdm Ausgabm in argem Mißvahältniß steh« und daß nur außerordmtltche Schmkuugm rc. einem bedmklichm Deficit für 1869/76 vorgebmgt haben. Die Einnahmm betrug« rund 36,666 fl., die Ausgabm 36,666 fl.; ab« eine große Zahl von Bewerbern hat abgewiesm wadm müssen. Während nun, sagt da Bericht sehr richtig, Arme all« Art, bei einem Vereine abgewiesm, sich au audae oda au Private wendm könnm» ist da Taubstumme nur auf die eine Hüfe angewiesen. (Es ist ein ErfahruugSsatz, daß da Taubstumme das Mitleid nicht in dem Grade erregt, wie der Blinde, Gebrechliche; sei» Leid« ist nicht sichtbar — ab« hülfsbedürftig und namentlich auf Lehre angewiesen ist a ja nichts desto» wmiga sehr.) Ebendas. „Israelitische Armmanstalt." Da Jahresbericht da israelitisch« Armmanstalt pro 1876 mthält eine Darstellung da Wirksamkeit da Anstalt. Wir eutuehmm demselben, daß die Anstalt 15,645 fl. au hia wohnmde und 2397 fl. an durchressmde Arme vertheüte, und daß sie eine Speise-Snstalt untahält, in welch« durchschnittlich täglich 86 Person« unentgeltlich verköstigt wadeu. Die Jahresbeiträge, Spenden und Sammlungen, welche dem Baeiue zugefloffm und die beträchtliche Summe von 25,247 fl. auSmachten, Hab« doch nicht hingaeichi, die Ausgabm zu deck«, da die Rechnung mit einem Deficit von 2666 fl. abschließt. (Dal.) Königsberg- „Zchnta Jahresbericht de« israelitisch« Waisenhauses." Als wichtigste« Mommt erwähnt da Bericht; daß die Anstalt 1876 durch Eröffnung ein« besonder« „Station zur Aufnahme von Waisenmädchen" erweitert wordm ist. Dies wurde besonder« durch die tu d. Bl. schon erwähnte Stmou'sche Schmkung von 16,666 Thlr. ermöglicht. Die Anstalt Hatto 1276

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